Fußball: Wachstumsbranche par excellence

Fußball: Wachstumsbranche par excellence 2017-04-12T21:17:03+00:00

SportsBiz

Fußball: Wachstumsbranche par excellence 

Der große Betrug 

Die Massen setzen sich in Bewegung. Ihre Ziele sind einerseits die Copa América in den USA und andererseits  die UEFA Euro 2016 in Frankreich. Arbeitgeber sehen dies oft gar nicht so gern, weil die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter für die Dauer der Turniere schrumpft. Für viele Fußball-Fans werden die Nächte kürzer. Zeit zum Ausschlafen gibt es kaum – das Leistungsvermögen der arbeitenden Bevölkerung wird eingeschränkt. Denn das Geschehen am Arbeitsplatz wird auch durch hitzige Diskussionen rund um „König Fußball“ dominiert. Bei heftigen Debatten erweist sich auch die Droge Alkohol als Störfaktor – die Gefahr der Frustration steigt  überproportional.                                                       Von Udo Rettberg – Juni 2016

Ein Bolzplatz in Vietnam

Fußball in den Emerging Markest. Ein Bolzplatz in Vietnam.                                                                                                  Foto: Udo Rettberg

Hinzu kommt in dieser Situatoin: Die Fans werden sich wieder die Köpfe einschlagen – nicht nur symbolisch, sondern auch in der Realität. Das Fußballfieber – besser gesagt: der Fußball-Wahn – bricht aus. Das geht nie ohne Handgreiflichkeiten aus, sowohl auf dem Platz als auch auf den Zuschauerrängen, vor dem Bildschirm und in den Kneipen.  Und da glauben einige wirklich noch immer an die heilende Wirkung des Fußballs, an die Droge des Vergessens. Unkritische Geister sind davon überzeugt, dass Fußball nach wie vor die Attribute „heile Welt“ und „Romantik“ verdient. Nur einige wenige erkennen, dass sich der „Zaster-Sport“ Fußball seit Dekaden in einer riesigen  Betrugs-Maschinerie abspielt.

Und so könnte man meinen, der Fußball stoße an seine Grenzen. Doch die Wahrheit sieht eindeutig anders aus. Denn der Fußball setzt gerade zu seinem globalen Siegeszug an: Die nächsten Erfolgs- und Hype-Stationen für den Fußball – respektive für den „Soccer“, wie sie den Kick mit dem runden Ball  in Nordamerika nennen – sind die MLS Soccer auf dem gigantischen US-Markt sowie der Riesenmarkt in China. Nur wenige wissen, dass in China bereits im 3. Jahrhundert vor Christi unter militärischen Aspekten ein fußball-ähnliches Spiel umgesetzt wurde. Das „Reich der Mitte“ kann also als Begründer der Fußball-Idee gesehen werden. Allgemein wird allerdings  England als die Geburtsstätte des Fußballs bezeichnet.

Was aus dieser bahnbrechenden Idee geworden ist, kann sich durchaus sehen lassen. Fußball ist vom Massen bewegenden Sport zu  einer globalen Wirtschaftsbranche mit gigantischer Dynamik geworden. Dieser weltweit populärste Sport bringt es heute auf einen Jahresumsatz von über 500 Mrd. €. Fußball wird von seinen Befürwortern eine ungeheure heilende und integrierende gesellschaftliche Wirkung zugeschrieben. Doch von dieser einstigen Romantik ist nicht mehr viel geblieben. Beim Fußball geht es vor allem ums Monetäre, um Geld und damit auch um Macht. Das wiederum hat in den vergangenen Dekaden die Aasgeier angelockt – Lügner und Betrüger, die auf allen Ebenen des Fußballs nur ihren eigenen Vorteil sehen, die durch oftmals zweifelhaftes Verhalten vor allem ihre „eigenen Schäfchen ins Trockene bringen“ wollen. Die jüngste Stufe der FIFA-Enthüllungen zeigt das wahre Ausmaß des Debakels, das alle bisherigen Vostellungen weit übertrifft.

Die beispiellosen Skandale auf Verbandsebene bei FIFA und UEFA und auch beim DFB zeigen, was vom „politischen“, „gesellschaftlichen“ und „moralischen“ Wert des Fußballs geblieben ist. Selbst auf Ebene der Club-Funktionäre und der Spieler sind Entwicklungen im Gange,  die eigentlich den lauten Lärm der Alarmglocken initiieren sollten.  Der Fußball – man muss es so deutlich sagen – ist unter dem Deckmäntelchen des Sports ein weltumspannendes Betrugs-System. Das Problem: Der „dumme Fan“ lässt sich nach wie vor veralbern. Nach dem Motto des römischen Dichters „Panem et circenses“ gibt sich das unkritische Volk mit den Brotkrumen zufrieden, die ihnen mit Wissen der Regierungen in der globalen Zirkus-Manege Fußball hingeworfen werden.

Aber – Wochenende für Wochenende liefert der Fußball – angeblich ein König unter den „Belustigungs-Aktivitäten“ der Menschheit – unzählige Beispiele für Betrügereien. Inzwischen aber ist dieser Betrug längst nicht mehr auf das Wochenende begrenzt. Lug und Betrug gibt es nicht nur auf oberer Funktionärs-Ebene in FIFA und UEFA, sondern auch dort, wo es in den Ligen zum Beispiel um Auf- und Abstieg von Clubs (also um hunderte von Millionen Euro geht).

Das jüngste Beispiel mag vielen Fußball-Fans wohl noch in bester Erinnerung sein. Dass Sergio Ramos beim 1:0 von Real Madrid am 29. Mai 2016 im Champions-League-Finale gegen den Stadtrivalen Athletico Madrid im Giuseppe-Meazza-Stadion – besser bekannt unter San-Siro-Stadion – im Abseits stand, war für die Referees möglicherweise nicht wirklich zu erkennen – aber es war halt ein Fakt. Der TV-Beweis zeigte das später eindeutig. Abseits ist halt abseits – und verstößt gegen die geltenden Regeln.

Möglicherweise würde Giuseppe Meazza heute erklären, dass eine ähnliche  Abseits-Stellung während seiner aktiven Laufbahn von 1927 bis 1947 niemanden wirklich auf die Barrikaden gebracht hätte. Und damit hat der einstige Fußballstar wohl  auch recht. Aber das waren schließlich auch andere Fußball-Zeiten.  Damals waren die finanziellen und ökonomischen Aspekte des Fußballs ungleich geringer. Fußball war seinerzeit auch noch Leidenschaft, Hingabe, Spaß und  Herzblut.

Anno 2015 jedenfalls jubelten in Milano die Fans der einen Seite (nämlich von Real Madrid), während die Anhänger des Stadtrivalen Athletico Madrid verständlicherweise bittere Tränen vergossen. Die dümmlichen Herren (und Damen) der internationalen Fußball-Verbände – also das, was man allgemein als Funktionäre bezeichnet – jubelten mit und ließen sich am Ende bei der Pokalübergabe auf den Tribünen sogar feiern. Wofür eigentlich? Für jahrzehntelange Manipulation wahrscheinlich. Gerade hier setzt meine Kritik an; denn diese Herren haben über Dekaden hinweg alles getan, um die Wachstumsbranche Fußball zu einer Spielwiese für Betrügereien und zu einem Sündenpfuhl zu machen. Dass die Funktionärs-Oberen dabei sehr wohl für sich selbst finanziell vorgesorgt haben, ist zwar verwerflich – aber vielleicht auch menschlich.  Wettpaten haben das in der Vergangenheit genauso ausgenutzt wie Schieds- und Linienrichter sowie einige Spieler.

Fussball und Börse

Fußballaktien an Europas Wertpapiermärkten

  • Aalborg Boldspilklub A/S
  • Aarhus Elite A/S
  • AIK Football AB
  • FC Ajax Amsterdam
  • AS Roma SpA
  • Besiktas Futbol Yatirimlari Sanayi ve Ticaret
  • Borussia Dortmund
  • Brondbyernes IF Foodbold A/S
  • Celtic Glasgow plc
  • Fenerbahce Futbol AS
  • Galatasaray Sport Sina ve Ticari
  • Juventus Footbal Club SpA
  • Manchester United plc
  • OL Groupe S.A. Lyonnaise
  • Parken Sport & Entertainment A/S
  • Silkeborg IF Invest
  • Societa Sportiva Lazio Roma SpA
  • Sporting Clube de Portugal Futebol
  • Trabzonsport Sportif Yatirium ve Futboll

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      Quelle: AlphaBulls

All das ist in dem Moment vergessen, wenn die von Millionen von Zuschauern bewunderten „Socceros“, die für das Betrüger-Spiel zum Teil mehr als 50 Mio $  p.a. verdienen  auf dem Platz sind. Ich muss mich korrigieren; denn die Spieler verdienen diesen Betrag nicht unbedingt, aber sie erhalten ihn, weil hier das in anderen Bereichen inzwischen abgetötete System der Marktwirtschaft  noch funktioniert. Dass jeder Kicker von Real Madrid für den Sieg angeblich jeweils 600 000 € erhalten haben soll, sei ihm  gegönnt. Zu verstehen ist es allerdings in dieser zerrissenen Zeit trotzdem nicht. Um nicht falsch verstanden zu werden: Bei dieser Kritik geht es konkret nicht um Schelte für die Spieler irgendeines Clubs, hier geht es allein um die löchrigen – ja schwachsinnigen – Strukturen der Wachstumsbranche Fußball.

Denn überall in der Wirtschaft gibt es für die aktiven Beteiligten klare rechtliche Strukturen – also auch Gesetze und Verbote. Die durch Regierungen erarbeiteten – oft eher  schwachsinnigen – Vorschriften reichen bis hin zur viel-zitierten genauen Formel für die Krümmung der Banane und zahlreichen anderen schwachsinnigen Vorgaben reichen. Abgerundet wird das Ganze durch Durchführungsverordnungen, die oftmals hunderte von Druckseiten umfassen.  Das Problem: Im Fußball aber werden seit längerem verfügbare  modernste Mittel der Hochtechnologie nicht genutzt,  um Klarheit und Fairness sowie gleiche Bedingungen für alle zu schaffen. Wie dumm ist das denn?

Immerhin – nach der Einführung der Torkamera wird – vor allem in den USA – seit geraumer  Zeit über die Einführung des „instant replay“ nachgedacht. Und das ist gut so. Die Regelkommission der IFAB will demnächst einen Testballon in diese Richtung starten, wobei die MLS in den USA und die Bundesliga neben anderen Ligen offensichtlich als die wichtigsten „Testmärkte“ ausgesucht worden sind. Man muss davon ausgehen, dass die Anwendung dieser Technologie allerdings noch einmal zwei bis drei Jahre dauern wird – die „hohen Herren“ der Verbände, Clubs und der Wettorganisationen verschaffen sich also noch einmal Zeit für weitere Manipulationen

Wie oft habe ich in den vergangenen zehn Jahren und mehr die gefährliche und in meinen Augen dümmliche Ansicht gehört, dass der Fußball so in Ordnung sei wie er aktuell ist. Gefährlich ist eine solche Einschätzung durch Club-Chefs, Funktionäre und andere Akteure, weil sich diese Gruppe damit selbst der Gefahr aussetzt, in der Öffentlichkeit eventuell als elementarer Bestandteil der Betrugsmaschinerie Fußball  gesehen zu werden. Diese „ewigen Gestrigen“ müssen verstehen: Fußball ist ein Geschäft – und zwar ein knallhartes  – und eine der gigantischsten Wachstumsbranchen der Neuzeit. Hier aber sollte alless mit rechten Dingen zugehen. Manipulationen müssen so weit wie möglich erschwert und sogar ausgeschlossen werden. Auch mir ist klar, dass es einen 100%igen Schutz vor Betrug nie geben wird – aber es sollte wirklich alles getan werden, um einigermaßen Sicherheit darzustellen. Das ist man gerade den Fans schuldig, ohne die (und das haben viele der Oberen noch immer nicht begriffen) gar nichts geht.

Die Bedeutung des Fußballs als ein Element der seit Dekaden boomenden Unterhaltungsbranche – als Teilbereich des Dienstleistungssektors – war zuletzt auch in Milano im San Siro-Stadium in jenen Momenten zu sehen, als Alicia Keys beim CL-Finale mit gigantischem spektakulären Aufwand das musikalische Vorprogramm bot und darüber hinaus Andrea Bocelli mit seiner Jahrhundertstimme die Herzen der Fans eroberte. Fußball – das zeigte sich – ist Transmissionsriemen für Gefühle und Emotionen im globalen Entertainment. Jubel und Ekstase, Hochgefühl und Trauer  bestimmen dieses Spiel.