Boom Branchen – Tourismus, Hotels

Boom Branchen – Tourismus, Hotels 2017-04-12T21:17:20+00:00

EventReports

TOURISMUS UND HOTELS

Fernweh vs Terrorangst    

Die Welt steht Kopf. Der in den vergangenen Dekaden erreichte Wohlstand ist in Gefahr. Denn die sowohl von Staaten als auch von der Wirtschaft aufgebau- ten riesigen Schuldenberge fordern ihre Opfer. Wohlstands-Differenzen lö- sen bislang noch weitgehend regional begrenzte Terrorattacken und Reli- gionskriege aus.  Dies auch, weil der politisch initiierte Crash der Ölpreise bisherige Ölländer-Krösusse wie Saudi Arabien, Irak, Iran und Syrien ins Verderben zu führen droht. Die Gefahr eines dritten Weltkriegs nimmt also zu. Gerade für die Tourismusbranche zeichnen sich schwierige Zeiten ab.

        Udo Rettberg – Mai 2016

Dies gilt zumindest für den länder- und kontinental-übergreifenden Tourismus, der unter  Terror- und Kriegseinflüssen leidet. Viele Hotels in den Krisenregionen des Nahen und Mittleren Ostens sowie in Südosteuropa klagen über ausbleibende Gäste. Die Tourismus-Hochburgen in Ägypten, Tunesien oder Türkei berichten über steigende Arbeitslosenzahlen im Tourismus. Nach den jüngsten Terrorattacken von Paris, Ankara und Brüssel ist die Unsicherheit vor allem in Europa sehr groß. Besser ist die Lage dagegen in den USA. Und dies, obwohl das Land unter einer müden Volkswirtschaft leidet und die Amerikaner im verbal intensiv geführten Vorwahlkampf mit egoistischer Trump-Mania  und Clinton-Mania überzogen werden. Bisher hat sich die Hotellerie jedoch bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Nichts scheint den generellen Optimismus bremsen zu können, der gerade den US-Tourismus seit vielen Jahren auszeichnet.

Virtuelle Welt gegen reale Welt – Wenn die eher virtuellen Finanzmärkte – in diesem Fall die Wertpapierbörsen –  wirklich ein verlässlicher Indikator für das Geschehen in der Realwirtschaft sind, dann steht die Tourismus- und Hotelbranche nicht vor einer Rezession oder gar einer Depression. Darauf  jedenfalls lässt der Fakt schließen, dass sich die über lange Zeit hinweg sehr schwachen Aktienkurse dieses Wirtschaftszweigs zuletzt stärker erholt haben als der Gesamtmarkt, wie Wertpapier-Analysten in Orlando im Rahmen der Raymond James Investment Conference erklärten. Der STR-Baird-Hotelindex liegt derzeit wieder um 27 % über dem Tief der vergangenen 12 Monate  während der weltbekannte Dow Jones-Index in New York lediglich 12 % über dem Zyklus-Tief  notiert wird. Anika Khan, Ökonom der bekannten US-Bankengruppe Wells Fargo, sieht zum gegenwärtigen Zeitpunkt lediglich ein 23%iges Risiko für das Abrutschen der US-Wirtschaft in eine Rezession. Sie weist auf einer Konferenz in Atlanta gleichzeitig darauf hin, dass das Umfeld für die Hotelbranche in den USA insgesamt positiv bleiben dürfte.

Im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres 2015 sind die wichtigsten finanziellen  Kennziffern der US-Hotelbranche meist gestiegen.  In der dritten Märzwoche 2016 lag  zwar die Auslastung der Branche gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres bei 66,9 % um 1,5 % niedriger, doch stiegen die durchschnittlichen Zimmerpreise um 2,6 %  auf 123,28 $. Daraus resultiert ein 1,1 %iger Anstieg des Umsatzes pro verfügbaren Hotelzimmers – als RevPAR bekannt – auf 82,51 $. Die Widerstandsfähigkeit der US-Hotelindustrie ist auch daraus zu ersehen, dass die stabile Entwicklung vor dem Hintergrund eines anhaltend starken Dollarkurses möglich war. Denn für europäische Touristen und Geschäftsreisende sind Reisen in die USA wegen des starken Dollars in den vergangenen Jahren zum Beispiel deutlich teurer geworden. Seit Mitte 2014 ist der Euro gegenüber dem Dollar um mehr als 20 % von 1,40 auf rund 1,10 gefallen. Auch für Touristen aus Asien und anderen Weltregionen sind US-Reisen deutlich teurer. All das kann den generellen Optimismus der US-Hotelmanager nicht bremsen.

Statue

Wohlfühl-Image – Hotels im Sonnenstaat Florida. Foto: Udo Rettberg

 Zunehmende Bedeutung der Währungs-Relationen – Vieles spricht dafür, dass die Welt vor einem Währungskrieg steht. Viele Länder versuchen, sich über die Abwertung ihrer Währungen Wettbewerbsvorteile zu verschafffen. Der Währungsfaktor spielt auch für einige wichtige Touristenziele  Europas eine bedeutende Rolle. So auch für die  Schweiz, denn der  zeitweise sehr starke Franken hält zahlreiche internationale Touristen von Trips in das Alpenland ab. Das schlägt sich negativ in den Bilanzen der Hotellerie nieder. So berichtet Beat Hess, Geschäftsführer der Sunstar Hotelgrupe für die abgelaufene Wintersaison 2015/16 von einem 5.9%igren Rückgang der  Übernachtungen und einem um 5,1% niedrigeren Umsatz in Höhe von 25,1 Mio. sfr. Hess sieht als Ursache überwiegend die währungsbedingt schwache Nachfrage aus Europa. Die Bettenauslastung reduzierte sich um 4 Prozentpunkte auf 53 %. Die allgemeine Schwäche hat weitreichende Folgen; denn am Standort Davos werden ab Sommer 2017 alle Aktivitäten auf das 4-Sterne-Alpine-Hotel konzentriert – das seit 1969 bestehende kleinere 3-Sterne Familienhotel mit 138 Zimmern wird dagegen umgenutzt und in Wohnungen mit optionalem Hotelservice umgebaut.Hotels sind also im zerrissenen globalwirtschaftlichen Umfeld zu mehr Flexibilität gezwungen. Die Zeit für Rettungsschwimmer dürfte bald kommen.

Die US-Vorstände bleiben positiv gestimmt – „Wir rechnen mit einer anhaltend positiven Entwicklung des Geschäfts im Jahr 2016“, sagte ein Sprecher von Marriott International Inc. Für das Gesamtjahr wird bei dieser Hotelkette mit einem RevPAR-Wachstum zwischen 3 und 5 % gerechnet. Die Anzahl der Hotelzimmer soll im laufenden Jahr um 7 % steigen, wobei die geplante Starwood-Übernahme in diesen Prognosen nicht enthalten ist. „Unsere 19 Marken liefern nach wie vor gute Ergebnisse“, sagte Präsident und Vorstandschef Arne Sorenson, der das Unternehmen auch im Falle einer Übernahme von Starwood als CEO weiter führen soll.

On Duty

Benötigt der Tourismus Rettungsschwimmer? Die Finanzmärkte bieten zahlreiche Rettungsschirme z.B. in Form von Finanzderivaten Dringende Empfehlung: Anleger sollten börsengehandelte Optionen als (Ver)-Sicherungs-Instrumente nutzen.          Foto: Udo Rettberg

Vetreter von Hilton Worldwide bekräftigten in Orlando unter anderem die Absicht des Unternehmens, das Timeshare-Geschäft (also 45 Anlagen mit mehr als 7100 Einheiten und einem Umsatz von 1,3 Mrd. $ sowie einem Bruttogewinn in Höhe von rund 350 Mio. $) in nächster Zeit in ein eigenständges Unternehmen ausgliedern zu wollen, dessen Aktien  dann an der Börse eingeführt werden sollen.  Positiv zu den weiteren  Aussichten der Branche und der eigenen Unternehmen äußerten sich in Orlando auch die Vertreter bekannter US-Hotelgesellschaften Summit Hotel Properties, La Quinta Holdings und  La Salle Hotel Properties sowie der beiden führenden Kreuzfahrbetreiber Carnival Corporation und Royal Carribean Cruises.

Doch die Herausforderungen nehmen zu – Ungeachtet der jüngsten Erholung der globalen Touristik bleiben unzählige Unsicherheitsfaktoren.  Dass sich der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump in den USA zuletzt für die Schließung von US-Grenzen ausgesprochen hat, bessert die Stimmung in der Hotellerie nicht wirklich. Für die auf globaler Ebene tätigen Hotel- und Tourismusketten  bleibt das Umfeld insgesamt recht schwierig. Im Rahmen der Hunters Hotel Investment Conference in Atlanta / Georgia sowie der Investmentkonferenz von Raymond James & Associates in Orlando sprachen Hotel-Fachleute davon, dass zunächst keine global gleichgerichtete Entwicklung der Hotelkonjunktur erwartet werden kann. „Die Globalisierung der Weltwirtschaft ist vorerst ausgebremst“, hieß es von mehreren Seiten

Pro und Contra – Große Unsicherheit, so erklärten Sprecher von Hotelunternehmen in  Orlando, gehe indes von der geopolitischen Lage aus. „Immer, wenn es Berichte über neue Terrorattacken in der Welt gibt, sind die großen Touristikunternehmen wie Expedia, Travelocity,  Priceline, TUI, Thomas Cook  starkem Druck ausgesetzt“, hieß es. Auf den Investmentkonferenzen  wurden die auf den Bereich Tourismus, Reisen und Hotels einwirkenden positiven und negativen Einflussfaktoren von Top-Vertretern der Branche kritisch  gegeneinander abgewogen. Als generell positiv werden  die generell schwachen Energiepreise bezeichnet, durch die die Reisekosten sinken und Airlines, Busunternehmen und Kreuzfahrtbetreiber dadurch auf die Beine geholfen wird.

Optimismus kann darüber hinaus auch aus weltweit niedrigen Zinsen abgeleitet werden, durch die die Reiselust insgesamt angetrieben wird. Für eine positive Stimmung sorgt darüber hinaus auch die Öffnung neuer Tourismus-Märkte wie Kuba und Mexiko sowie das anhaltende Interesse chinesischer Vertreter dieser Branchen. Und last but not least treibt das Übernahmefieber in der Branche den  Tourismus ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit, wie nicht zuletzt der zwischen Anbang Insurance und Marriott International geführte Übernahmekampf um Starwood  zeigt.

Kreuzfahrt

Kreuzfahrt-Branche zeigt sich verhalten optimistisch. Die Treibstoffkosten sinken.          Foto: Udo Rettberg

Private Equity-Firmen nutzen Chancen – Die durch das China-Interesse gezeigten Möglichkeiten nutzen auch Private Equity-Unternehmen in den USA zur Bereinigung ihrer Beteiligungs-Portfolios.  PE-Firmen wie die Blackstone Group haben sich in den vergangenen Monaten von ihren vor Jahren eingegangenen Beteilligungen an Hotelgruppen wie Hilton, Extended Stay of America, Strategic Hotels und auch von La Quinta Inns & Suites getrennt und diese Gesellschaften teils wieder an die US-Börse  gebracht. Blackstone habe dabei nicht immer besonders glücklich agiert, äußerten sich einige Finanz-Experten auf den genannten US-Hotelkonferenzen.  Brian Kim, Sprecher der Blackstone Group, erklärte in diesem Kontext in Atlanta indes, dass das PE-Unternehmen seine Beteiligung an Strategic Hotels & Resorts  an die derzeit für Schlagzeilen in der Tourismusbranche sorgenden Chinas Anbang Insurance Group  veräußern will.

China bleibt ein Boommarkt – Sowohl die immer stärker um die Welt tourenden China-Touristen, als auch Wirtschaftsunternehmen aus dem Land der Mitte treten am globalen Tourismus- und Hotelmarkt immer stärker in Erscheinung. „China ist vor allem eine Bevölkerungsstory“, sagt Markus Ross, Geschäftsführer von Ceros Asset Management. Beispielhaft wurde in Atlanta die wirtschaftliche Entwicklung der China Lodging Group genannt, für die das Jahr 2015 eine riesige Erfolgsstory brachte. Vorstandschef Min Zhang wies dabei mit sichtbarem Stolz auf den riesigen Erfolg der im Jahr 2005 mit einer einzelnen Hotelmarke gestarteten Gesellschaft hin. Inzwischen verfügt die China Lodging Group über 12 Hotelmarken und 2763 Hotels mit fast 280 000 Zimmern in etwa 350 Städten.

Auch andere Unternehmen der chinesischen Tourismus-Branche sehen offensichtlich weiterhin gigantische Wachstumsmöglichkeiten. Das bekam auch der Hotelriese Marriott International zu spüren, der sich in seinem Bemühen um den Erwerb von Starwood Hotels & Resorts Worldwide plötzlich in einem Übernahmekampf mit einem von der chinesischen Anbang Insurance Group angeführten Unternehmens-Konsortium verstrickt sah. Nachdem Anbang die vor geraumer Zeit vorgelegte Marriott-Kaufofferte überboten hatte, war Marriott später dann bereit, die eigene Offerte für Starwood noch einmal aufzustocken, um durch den Zusammenschluss die weltgrößte Hotelgruppe ins Leben rufen zu können.

Glückspielunternehmen agieren glücklos – Politisches Umdenken vor allem auf Seiten der chinesischen Regierung ist eine der Ursachen für die Schwäche der globalen Casino-Aktien. Vor geraumer Zeit bereits hatte die Regierung in Peking vor der starken Konzentration der Wirtschaft in Macao auf das Glückspielgeschäft in diesem Spielerparadies gewarnt.  Dass es daraufhin auch bei den Kapitalanlegern in den USA zu einem generellen Umdenken und einer Neubewertung des Themas Casinos gekommen ist, macht vor allem den Anbietern in Atlantic City arg zu schaffen. Da zahlreiche Casino-Unternehmen nicht nur in Macao, sondern länder- und erdteilübergreifend auch an anderen Standorten aktiv sind, schwappte die Unsicherheit und Angst auch nach Atlantic City und in  geringerer Dynamik auf den „Strip“ in Las Vegas über. Negative Nachrichten gab es in diesem Kontext aus Atlantic City, wo das Showboat Casino Hotel in Zahlungsschwierigkeiten geriet, das Geschäft zeitweise einstellte und um Finanzhilfe bei den Behörden des US-Bundesstaates New Jersey nachsuchte

 

Kubas Tourismus vor dem großen Boom – Die historische politische Annäherung zwischen den USA und Kuba, die nicht zuletzt im Treffen von US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatschef Raul Castro in der dritten Märzwoche dieses Jahres sichtbar wurde, gilt als Impulsgeber für den Tourismus in der gesamten Region.  So kündigten die Hotelriesen  Marriott auf der einen und Starwood auf der anderen Seite in Orlando und Atlanta größere Aktivitäten auf dem kubanischen Hotelmarkt an. Starwood hat nach Angaben eines Sprechers bereits in den vergangenen Tagen Verträge mit drei kubanischen Hotels abgeschlossen. Diese Hotelanlagen werden künftig unter dem Starwood-Label firmieren.

Auch der weltgrößte Kreuzfahrtbetreiber  Carnival Corp hat von den kubanischen Behörden grünes Licht für die Aufnahme des Geschäfts ab 1. Mai dieses Jahres erhalten, wie Sprecher des Unternehmens bestätigten. Zudem zielt Kanadas Cuba Ventures  Corp  durch die Übernahme des auf Kuba fokussierten Online-Reiseunternehmens Travelucion Media auf die Wachstumschancen des karibischen Marktes. „Das ist eine sehr interessante Zeit, um in Kuba zu investieren“, sagt auch der populäre Großinvestor Jim Rogers in diesem Kontext. Bekanntlich sind europäische Hotelketten wie  Spaniens Meliá Hotels International, Iberostar und Paradisus bereits seit vielen Jahren recht erfolgreich auf der Karibik-Insel  tätig. .

Dieser Beitrag ist  in gekürzter Form bereits in Ausgabe 05/2016 des Fachmagazins „Tophotel“ erschienen.