Lithium II

Lithium II 2017-04-12T21:17:01+00:00

Oekologie Planet Erde

Lithium – Teil II

Träume sind erlaubt

BYD ist eine in der Lithiumbranche oft zu hörende Äußerung, die das langfristige Potential der Elektromobilität aufzeigt. BYD steht an der Börse auch für „Build your dreams“ und ist zugleich der Name des chinesischen Autohersteller BYD Co. Sollen die rund um die Elektromobilität existierenden Träume wahr werden, wird wohl auch eine Entscheidung fällen, ob der Auto-Antrieb künftig von  Elektrobatterien, von Treibstoffzellen oder aber von Hybridmotoren kommen wird. Und last but not least wird das „Auto von morgen“ auch darüber entscheiden, ob Tesla-Chef Elon Musk oder Anleger-Legende Warren Buffett (Großaktionär von BYD) dominieren  werden.                                                                                              

Udo Rettberg – 5. August 2016

 

Elektroautos

Elektro-Autos bei der GLS-Bank in Bochum. Banken unterstützen den Trend zur Nachhaltigkeit.              Foto: Udo Rettberg


Boom-Bang-Crash: Es ist allseits bekannt: Anleger haben sich an den Rohstoffmärkten in den vergangenen Dekaden regelmäßig die Finger verbrannt. Die Angst vor einer Wiederholung der Geschichte ist dementsprechend groß. Dies zumal, da die Erde bebt und die Weltwirtschaft nicht zuletzt wegen der gigantischen Verschuldung auf wackligem Fundament  steht. Und so stellen sich Investoren die Frage, ob am Markt für   Lithium eine Analogie etwa zum Markt für  Rare Earth Elements (REE)  ansteht. Hier hatte die VR China mit dem Hinweis auf das global knappe Angebot im vergangenen Jahrzehnt einen hype-artigen   Aufschwung ausgelöst, der dann in einem Crash endete.

 

Einige Anzeichen  sprechen dafür, dass bei Lithium dieses Mal aber vieles anders sein wird. Obwohl – und das sollte nicht vergessen werden – die Zukunft der Automobile liegt noch immer im Dunkeln. Wasserstoffautos (Brennstoffzellen) und andere alternative Antriebsmethoden (Hybrid-Modelle) stehen in einem interessanten Wettbewerb zu  Lithium-Ionen-Batterieren. So sind die Akteure in der Rohstoff-, Batterie- und Automobilbranche nicht sicher, ob die nächste Generation des Kfz-Antriebs wirklich vor allem auf Lithium-Ionen-Batterien basieren wird.

 

Elektrizität – also aus Sonne, Wind, Wasserkraft oder anderen Stromquellen  erzeugter Strom –  wird die Autoflotten rund um den Globus in Zukunft antreiben. Benzin und Diesel werden als Treiber irgendwann ausgedient haben. Die Kraftfahrzeuge von morgen werden die Energie speichern – entweder auf elektrochemische Art und Weise z.B. in Form von Lithium-Ionen-Batterien oder aber im Rahmen eines chemischen Prozesses in Form von Wasserstoff-Brennstoffzellen.

 

 

BYD Co. – Hoffen und Bangen

Chart II

Quelle: Barchart

 

Denn bis dato werden nur gerade einmal rund 1 % der weltweiten Autos durch solche LIB angetrieben. Fachleute sehen indes gute Chancen, dass dieser Anteil bereits in 15 bis 20 Jahren bei 30 bis 40 % liegen wird. Alternative Antriebsmethoden in der Kraftfahrzeugbranche sind in aller Munde – und das schon seit vielen Jahren. Die bisherigen Erwartungen der Anleger und der Kfz-Branche waren weit überzogen.

 

Zahlreiche  Probleme gelten als ungelöst. In Sachen e-Mobilität hat bisher kein Unternehmen den großen Wurf geschafft. Selbst Tesla Motors hat die Erwartungen nicht vollständig erfüllt.  Dies auch, weil sich die Verbraucher bei Neuanschaffungen mit der Entscheidung für e-Fahrzeuge oder für Alternativ-Kfz-Antriebe zurückhalten. Dafür ist auch die „Angst vor dem Neuen“ ursächlich. Verbraucher erklären ihre Zurückhaltung grundsätzlich mit kurzen Reichweiten der Automobile auf der einen und hohen Preise bei der Anschaffung auf der anderen Seite. Selbst die in Deutschland seit Mitte 2016 ausgerufenen staatlichen Subventionen beim Kauf von eAutos in Höhe von 4000 € überzeugen die Käufer nicht – bislang jedenfalls noch nicht.

 

Inzwischen beschränken sich die Zweifel über die Zukunft der eMobility weitgehend vor allem auf die Frage: Wie rasch können sich LIB als Antrieb in Automobilen und Bussen sowie anderen Fahrzeugen als „Systeme der Zukunft“ wirklich durchsetzen. Noch ist der Zeithorizont für diese neue Technologie nicht klar absehbar. Wo liegen die Schwächen und Probleme des Marktes für Lithium-Ionen-Batterien und der Elektromobilität insgesamt?

Schwächen bremsen
Lithiummarkt aus

Schwächen 1 – Grundsätzlich gilt, dass sich der Gesamtmarkt mit seiner breiten Wertschöpfungskette in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befindet, wie auch Altair-Chairman John  F. Huguet  im Interview  (siehe Teil III dieser Serie) betont. Ein nicht unerhebliches Problem ist auch darin zu sehen, dass es zu viele unterschiedliche Lithium-Arten und -Qualitäten  gibt, eine Standardisierung und ein Börsenhandel des Materials damit sehr schwierig ist und die Preisfindung eine der größten Herausforderungen überhaupt darstellt – jedenfalls für die Öffentlichkeit.

Schwächen 2  – Anleger müssen darüber hinaus wissen, dass direkte Investments in den Rohstoff Lithium nur schwer umzusetzen sind. Wer als Anleger das In Lithium liegende Potential ausschöpfen will, kann sich an Aktien eines der raren  Produzenten  und der unzähligen – wesentlich riskanteren – Explorationsgesellschaften beteiligen. An den US-Börsen wird zudem bereits der Indexfonds (ETF) X-G Lithium notiert. Investments in diesem ETF sind für Anleger derzeit die einfachste Lösung, um langfristig eine Lithium-Investment-Position  aufzubauen.

Schwächen 3 – Der Lithiummarkt weist oligopolartige Strukturen auf. Denn die fünf größten Produzenten aus Chile,USA, China und Argentinien bringen es auf einen Marktanteil von immerhin 85 bis 90 %. Das dürfte sich in den kommenden Jahren mit der steigenden Zahl der derzeit im Explorationsstadium befindlichen, später jedoch idealerweise in Produktion gehenden Juniorinen allerdings ändern.

Schwächen 4 – Dann dürfte auch die Verfügbarkeit des Rohstoffs Lithium zunehmen. Will Tesla Motors das selbst gesteckte Produktionsziel von 500 000 e-Automobilen p.a. bis Ende 2018 erreichen, werden in der Giga-Fabrik des  Autoproduzenten rund 27000 Tonnen Lithium- Carbonaten benötigt. Ein Teil hiervon dürfte wohl von Pure Energys Clayton Valley Projekt in Nevada sowie von Banacora Minerals mexikanischem Sonora-Projekt  geliefert werden, die mit Tesla eine entsprechende Abnahmevereinbarung abgeschlossen haben.

Für den Konsumenten sind beim künftigen Kauf von Automobilen verschiedene Wohlfühl-Faktoren ausschlaggebend. Ein Kriterium wird die Reichweite sein. Heute reicht die Ladung der  meisten eAutos gerade einmal für 150 bis 200 km. Kein Zweifel – das wird sich in den kommenden Jahren deutlich erhöhen, so dass in fünf Jahren wohl Autofahrten von 300 bis 400  km  zB mit Lithium-Ionen-Battereien möglich sein werden. Grundsätzlich aber steht fest: Insgesamt ist ein klarer Haussetrend beim Rohstoff Lithium festzustellen: Die Preise haben sich im Durchschnitt während der vergangenen 18 Monate in etwa verdreifacht.

Schwächen 5 – Anleger müssen wissen: Lithium ist nicht  gleich Lithium. Zwischen den einzelnen Lithium-Qualitäten bestehen große Preisunterschiede. Für batteriefähiges Material werden in China derzeit mehr als 20 000 $ /t gezahlt. Für chinesische Importe von Lithiium-Carbonaten – die am häufigsten gehandelte Lithium-Form – werden aktuell 7000 $/t gezahlt, für US-Importe lediglich 5 000 $/t. Dabei zeigt sich: Der Markt weist keine klaren Strukturen auf – und das macht für Kapitalanleger die Analyse und die Entscheidungsfindung schwierig. Das breite Produktangebot reicht von Lithium-Stearaten (Salze der Stearinsäure) über Lithium- Fluoride bis zu zu Butyl-Lithium.  Die häufigste Handelsform von Lithium sind  Lithium-Carbonate,die indes nicht zur Batterie-Herstellung dienen, sondern auch in der Produktion von  Keramik und Glas sowie unzähligen anderen Technologie-Erzeugnissen eingesetzt werden.

Motoroller

Motorroller – mit dem Strom rollen. Gesehen auf einer Energie-Konferenz in Berlin.                                                Foto: Udo Rettberg

Führend auf dem Markt für Elektroautomobile sind  Tesla Motors und BYD Co. Darüber hinaus hat Tesla-Gründer Elon Musk seine vielfältigen Visionen zuletzt auch in Richtung Solarenergie auf der einen und künstliche Intelligenz auf der anderen Seite einfließen lassen – hier sind zahlreiche Verknüpfungen zum Automarkt möglich. Die zögerlich reagierenden Tesla-Aktionäre können den Gedanken ihres visionären Vorstandschefs offensichtlich (noch) nicht folgen, wie zunehmend kritische Stimmen beweisen.

 

Positiv zu werten ist, dass sich inzwischen immer mehr Autofirmen auf den Zukunftspfad eMobility begeben. Autobauer wie BMW, Toyota und seit kurzem auch Mercedes wollen den Abstand zu Tesla Motors und BYD nicht allzu groß werden lassen. Auch wenn Tesla finanziell zuletzt „schwächelte“ will Mercedes in der eMobility auf die Zukunft setzen und eine breite Palette an e-Automobilen und e-Trucks aufbauen. Bis Ende der Dekade will sich Mercedes besser positioniert haben und mit alternativen Antrieben (LIB, Wasserstoffzellen und möglicherweise auch hybride Systeme) glänzen.

 

Auffallend ist, dass Toyota allem Ansc hein nach wohl eher auf die Brennstoffzelle setzt. Dabei  werden beim Modell Mirai über  besondere  Membranen im Rahmen einer „kalten Verbrennung“ Wasserstoff und Sauerstoff zusammengeführt, wobei qualitativ  hochwertiger Strom entsteht. Umwelt-Fans sind glücklich; denn das dabei aus dem Auspuff kommende  „Abgas“ ist Dampf, also Wasser. Die entsprechenden Automobile müssen nicht für längere Zeit an eine Steckdose angeschlossen werden, sondern können an H2-Tanksäulen rasch und recht unkompliziert betankt werden. Das Problem: Bislang weist die Infrastruktur von Wasserstoff-Tankstellen viele weiße Flecken auf der Landkarte auf – und das weltweit. Das soll sich in den kommenden Jahren indes ändern.

Wasserstoff-Brennstoffzellen erfüllen bereits heute zu einem großen Teil die Reichweiten-Erwartungen der Fahrer; denn zahlreiche Brennstoffzellen-Automobile erzielen eine Reichweite von über 500 km. Allerdings fehlt es an einer breiten Infrastruktur an Wasserstoff-Tankstellen. Ein weiterer Nachteil :  Brenstoffzellen-Autos sind in der Herstellung und im Verkauf vergleichsweise teuer.  Das im Zusammenhang mit der Automobil-Zukunft aufgezeigte Problem der fehlenden Auflade-Infrastruktur gilt nicht nur für Brennstoffzellen-Autos, sondern auch für mit Elektrobratterien betriebene  Autos. Ein Vorteil der Elektrobatteriene ist indes darin zu sehen, dass eine Aufladung dieser Lithium-Ionen-Batterien auch am heimischen Stromanschluss erfolgen kann

Altair Resources – Zerplatzte –Träume???

Chart III

Quelle: Barchart

Vieles spricht dafür, dass es bei der Automobil-Zukunft kein „entweder / oder“, sondern ein „sowohl als auch“ geben wird. Regierungen tun gut daran, alle alternativen  Antriebsmethoden aufmerksam zu beobachten und gerecht zu subventionieren.  Brennstoffzellen-Autos werden wohl die Lithium-Ionen-Batterie auf Dauer nicht  übertreffen. Aber sie dürften z.B. gerade im Bereich Busse einen erheblichen Anteil am Gesamtmarkt erreichen.