Megatrends

Megatrends 2017-04-12T21:17:20+00:00

Bei unserer Geburt wurde uns nicht versprochen, dass unser Leben einfach verlaufen wird.

Die Realität bestätigt diess, weil sich die Menschen auf dem Planeten Erde ständig mit großen Veränderungen und innovativen Trends konfrontiert sehen. Aus diesen Megatrends resultieren nicht nur gesellschaftlich und wirtschaftlich, sondern auch ökologisch riesige Herausforderungen.
Für Kapitalanleger zählt bekanntlich vor allem der Blick in die Zukunft. Die größten Chancen – das hat die Vergangenheit gezeigt – liegen im frühzeitigen Erkennen langfristiger Trends. Innerhalb dieser Megatrends werden ständig innovative Ideen, Dienstleistungen und Produkte kreiert. Hierbei entstehen unzählige neue wachstumsstarke Unternehmen.

Doch dort, wo Risiken lauern, gibt es bekanntlich auch Chancen. Aus Sicht der Kapitalanleger sind die Chancen für Megatrend-Investments vor allem dort zu suchen, wo deren Auswirkungen in der Folge in die Wirtschaft übergreifen und auf Unternehmensseite ökonomische und finanzielle Auswirkungen haben.

Megatrends bieten vor allem visionären und langfristig denkenden Investoren riesige Chancen. Dies liegt daran, dass solche Megatrends in der Regel langfristigen Charakter aufweisen. Megatrends entstehen durch die Einwirkung von aus unterschiedlicher Richtung kommenden spezifischen Einflüssen und Trends, die sich dann zu dynamischen Megatrends entwickeln. Sie zeichnen sich aber nicht nur durch ihr Entstehen, sondern in der Folge dann durch eine vehemente Weiterentwicklung aus.

Wir von AlphaBulls setzen einen unserer Schwerpunkte in der Analyse dieser Megatrends – wie Urbanisierung, Demografie, Klimawandel, Verknappung von Urstoffen und Rohstoffen, Luft- und Raumfahrt, Infrastruktur, Sharing-Economy, vernetzte Gesellschaft, Digitalisierung, Tourismus, Sports Business – um nur einige zu nennen.

Technology and Growth

Technologie ist „in“

Nur die Zukunft zählt

Neue Technologien faszinieren die Börse. Die Innovationsfähigkeit der Tech-Branche setzt bei Anlegern riesige Phantasien frei. Die Aktien der in der Regel auf modernen, zukunftsorientierten Gebieten des Wirtschaftslebens aktiven Unternehmen sind seit Dekaden Super-Highflyer. Hier konnten geduldige Anleger megareich werden.  Weltbekannte Firmen wie Apple, Microsoft, Google, Facebook, Amazon und andere sind Beweis für diese These. Börsianer wissen, dass vor allem die Zukunft zählt. Neuen Technologien gehört diese  Zukunft. Wer glaubt, dass bei Technologieaktien nur eitel Sonnenschein herrscht, irrt jedoch. Zahlreichen Tops stand ein Vielfaches an Flops gegenüber. Gerade die Pleite am Neuen Markt in Deutschland kann hier als abschreckendes Beispiel gelten. Inzwischen sind Techaktien jedoch wieder zum Renner geworden. 

Technology Select etf

Verdoppelung in nur 4 Jahren

Barchart

Quelle: Barchart

Die Zukunft basiert auf dem heute – also auf der Zukunft von gestern. Ohne die in der Vergangenheit in der Forschung und Entwicklung erreichten Fortschritte würde in der Welt Stillstand herrschen. Doch nicht jede  interessant erscheinende R&D-Idee erreicht den Status der technologischen Innovation. Börsianer haben sich an zahlreichen angeblich großen technologischen Ideen die Finger verbrannt. Die Wirtschaft hat bei der Erforschung neuer Technologien Billionen von US-Dollar „verbrannt“ – aber auch gigantische Erfolge gefeiert.  Diese Erkenntnis veranlasst zur Suche nach wachstumsstarken Technologie-Aktien, die noch nicht im Fokus des Anleger-Interesses stehen und deren Namen nicht täglich die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse prägen. Nach eingehender Analyse habe ich mich gefragt, welche Technologie-Aktien die Erwartungen der Vergangenheit bis dato (noch) nicht erfüllt und sich als Flop erwiesen haben.

Die DZ Bank weist in einer interessanten aktuellen Studie auf den Streit zwischen Value-  und Growth-Anhängern unter Anlegern hin, der so alt ist wie die Börse selbst. Werte (also Value) in einem Unternehmen werden durch Wachstum (also Growth) geschaffen. Value-Aktien  gelten allgemein als langweilig. Aber: Warren Buffet hat eine andere Sicht der Dinge.   Growth-Titel gelten bei Investoren dagegen als super-interessant. Seit Ende der Finanzkrise 2008/09 haben sich Value-Titel  schlechter als Wachstumswerte entwickelt. Globale  Trends, so die DZ-Bank, hätten die Marktsättigung erreicht, so dass es oft an Wachstumspotential mangelt. Bedingt durch die schlechte Kursentwicklung sind Value-Titel heute so günstig bewertet wie vor drei Jahren, während Growth-Aktien eine extrem hohe Bewertung erfahren.  Growth-Strategien zu favorisieren ist mental weniger anspruchsvoll, weil Investoren meist „mit dem Strom“ schwimmen. Erfolgreich werden mittelfristig wohl jene Anleger sein, denen es gelingt, beide Investment-Ansätze gekonnt miteinander zu kombinieren.

  1. Der Renner – STRAUMANN HOLDING AG

Ein eidgenössischer Analyst hat mich auf die Aktie des in Deutschland wenig bekannten Unternehmens Straumann Holding AG hingewiesen. Das Medizintechnik-Unternehmen, das mit Produkten in der dentalen Implantologie, der restaurativen Zahnmedizin und der oralen Gewebe-Regeneration global  einen guten Ruf genießt,  ist an der Börse in Zürich ein Renner. Der wirtschaftliche Erfolg des Baseler Unternehmens kommt auch im Aktienkurs (STMN.SWX – 367,50 sfr) zum Ausdruck, der sich an der Swiss Exchange in rund 3 Jahren fast vervierfacht hat und von 100 sfr auf über 360 sfr in die Höhe geschossen ist.  Die Aktie ist auch in den USA notiert, wird dort indes nur sporadisch gehandelt.


Straumann Holding AG

Vorzeige-Hausse

Barchart 2

Die Straumann Holding AG gilt als Pionier und weltweit führender Anbieter in der  Dentalimplantologie – also in Spezialbereichen des Gesundheitswesens, die für die Menschheit in den  vergangenen Dekaden an Bedeutung gewonnen haben. In Kooperation mit Kliniken, Forschungsinstituten und Hochschulen erforscht, entwickelt und produziert Straumann Implantate, Instrumente, Prothetikkomponenten sowie Geweberegenerations-Erzeugnisse zum einen für Zahnersatz- und zum anderen für Zahnerhaltungslösungen. Technologien und Produkte zur Verhinderung von Zahnverlusten runden die Angebotspalette der Schweizer ab.  Der Erfolg der seit über 50 Jahren existierenden Firma basiert auf typischen eidgenössischen Tugenden  Die in 70 Ländern gut aufgestellte Firma mit 3500 Mitarbeitern erbringt Services gegenüber Zahnärzten, Zahnlabors und Patienten.

Im Jahr 2015 hat Straumann einen Gewinn je Aktie in Höhe von 9,19 sfr eingefahren. Der unternehmerische Erfolg des Börsen-Highflyers wird auch durch die Anhebung der 2015er Dividende reflektiert. Straumann schüttete seit 2008 eine Dividende in Höhe von 3,75 sfr je Aktie aus und hat diesen Betrag für 2015 auf 4,00 sfr angehoben. Das entspricht einer Ausschüttungsquote des Gewinns von 44 %.  Positiv  zu werten ist, dass ein großer Teil des Gewinns auf neue Rechnung vorgetragen und die Ausgabe neuer Aktien erwägt wird. Künftig sollen Mitarbeiter mit Beteiligungsmodellen am Erfolg partizipieren und so ans Unternehmen gebunden werden.

Beim Verfassen dieses Beitrags flattert mir eine Straumann-Studie der Commerzbank in die Mailbox. Deren Analyst Oliver Metzger kommt zu dem Ergebnis: Die Aktie ist auf dem gegenwärtigen Kursniveau „haltenswert.“ Das Kursziel wurde durch Metzger von 325 sfr auf 340 sfr angehoben. Der Start in das erste Quartal des laufenden Jahres habe beim Umsatz mit plus 8 % die bei plus 7 % angesiedelten Erwartungen übertroffen, sagt der Analyst.  Auf Basis des soliden Geschäfts hat die Cobank ihre Umsatz- und Gewinnprognosen angehoben. „Da die Bewertung mit 25,5 der 2017er Gewinnprognosen  hohe Erwartungen reflektiert, sehen wir von einem noch besseren Rating ab“, sagt Metzger und liegt so im Kern auf meiner Bewertungs-Linie für Straumann.


2 – Die Flops: MOLOGEN, MHTX und PKTX

Auf der Schattenseite der Börsen-Straßen stehen dagegen drei von mir in den vergangenen Jahren intensiv beobachtete Technologie-Firmen. Das sind zum einen das deutsche Biotechunternehmen Mologen AG sowie die beiden US-Technologiefirmen Manhattan Scientifics und Protokinetix.

  • Mologen AG (MGN.DE – Kurs: 3,55 € – Marktkapitalisierung: 80,31 Mio. €)
  • Manhattan Scientifics Inc (MHTX.OTCQB – Kurs: 0,048 € – Marktkapitalisierung: 26,15 $)
  • ProtoKinetix Incorporated (PKTX.OTCQB –Kurs: 0,054 $ – Marktkapitalisierung: 11,70 Mio $).

Die Kurse dieser Titel sind stark unter Druck geraten, könnten bei entsprechend guten R&D-Nachrichten also vor einer positiven Entwicklung stehen

Aber Vorsicht: Wie stark sich die Aktienkurse marktenger Technologiewerte durch einzelne Events bewegen lassen,  zeigte PKTX gerade in den vergangenen Tagen, als die Aktie innerhalb weniger Stunden von 0,048 Cents auf 0,085 Cents in die Höhe sprang. Grund war die kurze Meldung über eine Kooperation zwischen PKTX und der Forschungseinrichtung einer US-Klinik. Danach fiel der Wert allerdings wieder  auf 0,055  Cents zurück. Dies zeigt, dass Kurse kleinerer Hightech-Unternehmen sehr volatil sind und es starke Ausschläge nach oben und unten geben kann. Anleger sollten u.a. nicht vergessen, dass in der Erforschung neuer Technologien tausende von Unternehmen aktiv sind, der Wettbewerb hier also zum Teil gnadenlos ist.

Die Top-Manager der hier genannten „Flop“-Firmen waren in der Vergangenheit überzogen großspurig aufgetreten und hatten gegenüber Anteilseignern und potentiellen Aktionären große Hoffnungen geweckt, die sich dann jedoch nicht erfüllt haben – noch nicht einmal im Ansatz. Ungeachtet dessen sind zumindest MHTX und PKTX nach wie vor auf meiner Beobachtungsliste, während es Mologen immer wieder schafft, von meist wenig bekannten Researchhäusern (vor allem in Deutschland) mit optimistischen Resultaten „gecovered“ zu werden.

In den vergangenen Jahren habe ich gelernt, junge Tech-Unternehmen nicht zu früh abzuschreiben. Vor allem dann, wenn diese über Risikokapital in ausreichendem Maße verfügen, das die Fortsetzung des Geschäftsbetriebs ermöglicht. Mit diesem Kapital können die gesteckten – oft leicht nach unten oder zeitlich nach hinten revidierten – Ziele weiter verfolgt und möglicherweise auch mit Verspätung  erreicht werden. Gelingt das nicht, führt das in der Regel zur Beschaffung von Kapital mit der Folge einer Verwässerung des Aktienkapitals für die Altaktionäre.

MANHATTAN SCIENTIFICS – MHTX

Die Spuren von „Manhattan Project“

Seit vielen Jahren träumt Marvin Maslow vom großen Durchbruch des von ihm vor vielen Jahren  gegründeten Technologie-Forschungs-Unternehmens Manhattan Scientifics Inc mit Hauptsitz in New York City. Das MHTX-Geschäftsmodell besteht darin, Rechte an modernen potentiell bahnbrechenden Technologien zu erwerben und diese Erzeugnisse dann in der Folge mit Hilfe multinationaler Konzerne zur Produktionsreife zu bringen. Auch die gerade einmal rund 8600 MHTX-Aktionäre hoffen mit Marvin Maslow. Was sie benötigen, scheint vor allem Geduld. „Es dauert wesentlich länger als wir geglaubt haben“, gibt der Spross aus der Familie von Abraham Maslow – dem Erfinder der so genannten Bedürfnis-Hierarchie („hierarchy of needs“) – seit Monaten frank und frei zu.

MHTX geht es nach den Worten des Firmengründers nicht zuletzt darum, Wissenschaftler unter dem Dach des Unternehmens bei ihrer Arbeit mit Kapital, Wissen und auch mit Infrastruktur und unternehmerischem Fachwissen zu unterstützen. Diese in der Forschung und Entwicklung tätigen wissenschaftlich basierten Firmen  sollen ohne den ansonsten üblichen starken Zeitdruck von Wagniskapitalgebern (Venture Capital) agieren können. Die Namensgebung von Manhattan Scientifics soll angeblich auf dem Forschungsprojekt zur Entwicklung der ersten Atombombe beruhen, das damals im Jahr 1942 in den Laboren von Los Alamos in New Mexico die Tarn-Bezeichnung „Manhattan Project“ erhalten hatte. Los Alamos ist noch heute ein bekanntes US-Forschungszentrum. Und so hat sich Marvin Maslow dort vor rund zwei Dekaden zahlreiche neue Projekt-Ideen angeschaut, zwei davon auf dem nanomedizinischen und dem Feld der Spezialmetalle als „potentiell interessant“ ausgesucht und dann in das Gerüst der von ihm gegründeten Firma eingebracht.

A – Die Tochter Metallicum – Deren nanostrukturelle Metall-Technologie basiert auf einer 16jährigen Forschung und Entwicklungs-Erfahrung. Bereits vor vielen Jahren hat ein Team von Wissenschaftlern des Los Alamo National Laboratory gemeinsam mit russischen Fachleuten eine effiziente Methode zur Entwicklung von Nanostruktur-Titan-Metallen entwickelt. Die Struktur der Metalle wird um den Faktor 500 bis 1000 in so genannte “ultrafine”-Größenordnungen verkleinert. Der positive Effekt: Die Stärke der Metalle wird dabei um 30 % bis 300 % (je nach Metallart) erhöht. Dieses Verfahren lässt sich im Übrigen nicht nur bei Titan, sondern im Prinzip auch mit anderen Tech-Metallen umsetzen, so dass sich für solche “ultrafeinen” Strukturen tausende von Anwendungen ergeben, so jedenfalls heißt es bei MHTX.

Die Titan-Nano-Strukturen und die entsprechenden Legierungen weisen in der Verarbeitung und Anwendung zahlreiche strukturelle Vorteile gegenüber anderen herkömmlichen Technologiemetallen auf.   Die Materialien sind gut zu verarbeiten und liefern darüber hinaus in puncto Stärke und Zähigkeit erfreuliche Resultate. Zudem weisen solche Titan-Strukturen eine wesentlich höhere Duktilität auf. Dies bedeutet konkret, dass sie sich unter Belastung gemäß der vom Anwender gestellten Anforderungen entsprechend verformen können.

Nach den bisher in der Forschung und Entwicklung erzielten Ergebnissen soll die “revolutionäre Technologie” in naher Zukunft vermarktet werden.  Das MHTX-Management spricht von einem breiten Anwendungsgebiet dieser im Größenbereich von Micronen liegenden Strukturen. Große Chancen für die Verwendung sieht MHTX z.B. im biomedizinischen Bereich, in der Sportbranche (z.B. bei der Herstellung von Golfschlägern und anderen Sportgeräten) sowie in der Luft- und Raumfahrt und auch in der Chemie.  Die zum Einsatz kommenden “ultrafine  grain metals” bestehen aus Milliarden von Nano-Kristallen.  Sie bieten sich daher nicht zuletzt auch in der Medizintechnik bei der Entwicklung von im menschlichen Körper zum Einsatz kommenden Geräten, Anwendungen und Produkten an.  Auch in der Dentaltechnologie sind diese Tech-Metalle einsetzbar

Das in dieser Anwendungs-Technologie bestehende riesige Potential hatte vor geraumer Zeit im Übrigen auch die NYSE-gelistete Higtech-Gesellschaft Carpenter Technology (CRS.N – 32,88 $) bereits erkannt, die in diesem Kontext Lizenzen von MHTX erworben und gemeinsam mit der MHTX-Tochter Metallicum an entsprechenden Projekten gearbeitet hatte. Nachdem bei CRS in der Folge ein neuer CEO die Konzernsteuerung übernahm, kam die Enttäuschung: denn CRS entschied sich schließlich, diese Forschungslinie nicht weiter zu verfolgen. MHTX erhielt die zuvor vergebenen Lizenzen, die entwickelten und gebauten Maschinen und das in der gemeinsamen Forschung aufgebaute Wissen zurück. Darüber hinaus verbuchte MHTX von CRS eine Sonderzahlung. Die Börse reagierte indes negativ; denn sie sah in diesem CSR-Schritt das „Aus” für die Technologie. MHTX-Chairman Marvin Maslow hält eine solche Interpretation indes für völlig falsch.

.


MHTX Aktie

Der zerplatzte Traum

Barchart 3

 

B – Die Tochter Senior Scientifics LLC – Der Kampf gegen Krebs – in der Fachsprache als Onkologie bezeichnet – ist eine der aktuell größten Herausforderungen für die Menschheit. Jährlich wird bei rund 15 Mio. Menschen (vor allem in den Industrieländern) eine Krebserkrankung diagnostiziert. Etwa 8 Mio. Menschen sterben jährlich an den Folgen von Krebs. Vor dem Hintergrund der insgesamt steigenden Lebenserwartungen der Menschheit ist der Kampf gegen Krebs aus mehrfacher Sicht ein nicht unerhebliche Wirtschaftsfaktor.  Die Zahl der älter als 80 Jahre werdenden Menschen, dürfte in den kommenden 15 Jahren um 50 % steigen, so die Prognosen von Gesundheits-Experten. Der Kampf gegen den Krebs – in diesem Fall die Suche nach erfolgsversprechenden Therapien, Anwendungen und Medikamenten – ist nicht nur ein enormer humaner, sondern auch ein großer ökonomischer Faktor. Hier wird Kapitalanlegern ein interessantes Betätigungsfeld geboten. Die Kosten für Medikamente und Anwendungen zur Bekämpfung von Krebs belaufen sich aktuell bereits auf mehr als 100 Mrd. $ – eine Vervielfachung erscheint in den kommenden Jahren sehr wahrscheintlich.

Auf diesem Gebiet ist auch die MHTX-Tochter Senior Scientifics tätig. Denn dieser zweite Unternehmensbereich von MHTX – Kommerzialialisierung magnetisch-nanotechnologischer Ideen n der Krebsforschung – wartet ebenfalls auf den großen Durchbruch. Die Forscher der MHTX-Tochter Senior Scientific unter Führung von Dr. Edward Flynn sind zuversichtlich, mit ihrer Methode  die Existenz von Krebs im menschlichen Körper bereits wesentlich früher zu entdecken,  als das bisher mit herkömmmlichen Methoden möglich ist. Senior Scientifcs stützt sich stark auf das Wissen von Ed Flynn, der sich in seiner wissenschafltlichen Arbeit die Entdeckung  von Krebs und anderen Krankheiten durch den Einsatz magnetischer Sensoren im menschlichen Körper als eine Art Lebensziel gesetzt hat.

Diese biomagnetische Methode zur Entdeckung von Krebszellen kann nach Angaben der Firma praktisch bei mehr oder weniger allen bekannten Krebserkrankungen eingesetzt werden. Wie wichtig die von Flynn initiierte Forschung ist,  kann  z.B. daraus ersehen werden, dass das das National Institute of Health – NIH die Arbeiten finanziert hat.  Noch allerdings lässt der große Durchbruch auch hier auf sich warten.   Darüber hinaus  hat Senior Scientifics mehrere Forschungs-Kooperationen mit der University of Michigan Medical School, mit dem MD Anderson Cancer Center  der Texas University und zuletzt auch mit Experten von Weill Cornell Medicine abgeschlossen. Wirklich Zählbares für die Aktie ist  dabei bisher jedoch nicht herausgekommen. Dies auch, weil es dem Unternehmen nicht gelingt, den Akteuren am  Aktienmarkt die Forschungsarbeiten wirklich verständlich und bildlich zu veranschaulichen.

C – Unternehmerische Schwächen  – So wie andere  Over-the-counter gelistete Aktiengesellschaften, so hat auch MHTX das Problem, nur eines von zigtausenden von Mini-Unternehmen zu sein, die versuchen, das Interesse der Anleger in aller Welt auf sich zu ziehen. Top-Manager solcher Unternehmen widmen dem Börsenumfeld in der Regel oft nur geringe Aufmerksamkeit, sondern gewichten die Aktivitäten in der  Forschung und Entwicklung wesentlich höher. Das ändert sich allerdings regelmäßig dann, wenn es solchen Small-Caps im Verlauf der Zeit an Kapital mangelt; denn dann muss sich das Management auf der Suche nach frischem Kapital wieder stärker den Kapitalanlegern widmen.

Das MHTX-Management scheint sich trotz aller Beteuerungen sehr schwer damit zu tun, konsequent auf das Erreichen der gesteckten Ziele hinzuarbeiten. Dabei geht es aus Sicht der Aktionäre oft auch darum, dass das Management völlig altmodisch die alten und bekannten – inzwischen  jedoch fragwürdigen – Methoden in Sachen PR, IR und Marketing beschreitet.  „Wer kennt an den Aktienbörsen in den USA und in anderen Finanzzentren der Welt denn schon MHTX?” Diese von mir mehrere Male an das Management gerichtete Frage brachte als Antwort fragende Blicke, Schulterzucken und Gelassenheit.

Auffallend war in der Vergangenheit, dass einige personelle Entscheidungen von MHTX nach einer gewissen Zeit plötzlich infrage gestellt bzw revidiert wurden. Gebracht hat das in der Regel allerdings nur wenig. Jetzt wird ein weiterer personeller Versuchsballon gestartet; denn das Management hat sich dazu entschlossen, den ehemaligen Chief Technology Officer von GE Healthcare, Michael J. Harsh, in das wissenschaftliche Beratungsgremium zu berufen, wo z.B. mit Marty Cooper auch der weltweit populäre Erfinder des Mobiltelefons bereits seinen Rat einbringt.

Die von Aktionären in der Vergangenheit eingebrachten Vorschläge für eine Ausgliederung von Senior Scientifics mit anschließendem Börsengang wurden von der Unternehmensleitung zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen und auch entsprechend abgewogen. Aber – nachdem das Management Gespräche mit Wall-Street-Investmentbanken geführt hatte, schreckte man vor den überzogenen Forderungen der Emissionshäuser zurück. Auch der Vorschlag eines Reverse-Aktien-Splits mit anschließendem Listing der MHTX-Aktien an der Nasdaq wird seit vielen Monaten erwogen. Geschehen ist bis dato allerdings nichts. Umgesetzt wurde lediglich der Vorschlag, einen Teil der von Carpenter Technology erhaltenen Entschädigung für den Rückkauf eigener Aktien einzusetzen.  Dass die  Umsetzung des Aktienrückkaufs technisch wenig perfekt war und zu einem ungünstigen Zeitpunkt erfolgte, sei nur am Rande erwähnt.

Fazit: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt  –  Und so bleibt den Aktionären allein die Hoffnung auf den großen Durchbruch in der Forschung der beiden Unternehmens-Einheiten a) „hoch entwickelte Materialien” auf der einen und b) “biomagnetische Nanotechnologie” auf der anderen Seite. Sollten auf diesen beiden Forschungsgebieten allerdings Fortschritte gelingen, könnte auch die MHTX-Aktie schon bald auf die Sonnenseite der Börsenstraße wechseln. Investoren benötigen hier vor allem eines – Geduld. Bekanntlich ist Geduld allerdings nicht gerade die Stärke von Kapitalanlegern.

Oekologie Planet Erde

Lithium – Teil II

Träume sind erlaubt

BYD ist eine in der Lithiumbranche oft zu hörende Äußerung, die das langfristige Potential der Elektromobilität aufzeigt. BYD steht an der Börse auch für „Build your dreams“ und ist zugleich der Name des chinesischen Autohersteller BYD Co. Sollen die rund um die Elektromobilität existierenden Träume wahr werden, wird wohl auch eine Entscheidung fällen, ob der Auto-Antrieb künftig von  Elektrobatterien, von Treibstoffzellen oder aber von Hybridmotoren kommen wird. Und last but not least wird das „Auto von morgen“ auch darüber entscheiden, ob Tesla-Chef Elon Musk oder Anleger-Legende Warren Buffett (Großaktionär von BYD) dominieren  werden.                                                                                              

Udo Rettberg – 5. August 2016

 

Elektroautos

Elektro-Autos bei der GLS-Bank in Bochum. Banken unterstützen den Trend zur Nachhaltigkeit.              Foto: Udo Rettberg


Boom-Bang-Crash: Es ist allseits bekannt: Anleger haben sich an den Rohstoffmärkten in den vergangenen Dekaden regelmäßig die Finger verbrannt. Die Angst vor einer Wiederholung der Geschichte ist dementsprechend groß. Dies zumal, da die Erde bebt und die Weltwirtschaft nicht zuletzt wegen der gigantischen Verschuldung auf wackligem Fundament  steht. Und so stellen sich Investoren die Frage, ob am Markt für   Lithium eine Analogie etwa zum Markt für  Rare Earth Elements (REE)  ansteht. Hier hatte die VR China mit dem Hinweis auf das global knappe Angebot im vergangenen Jahrzehnt einen hype-artigen   Aufschwung ausgelöst, der dann in einem Crash endete.

 

Einige Anzeichen  sprechen dafür, dass bei Lithium dieses Mal aber vieles anders sein wird. Obwohl – und das sollte nicht vergessen werden – die Zukunft der Automobile liegt noch immer im Dunkeln. Wasserstoffautos (Brennstoffzellen) und andere alternative Antriebsmethoden (Hybrid-Modelle) stehen in einem interessanten Wettbewerb zu  Lithium-Ionen-Batterieren. So sind die Akteure in der Rohstoff-, Batterie- und Automobilbranche nicht sicher, ob die nächste Generation des Kfz-Antriebs wirklich vor allem auf Lithium-Ionen-Batterien basieren wird.

 

Elektrizität – also aus Sonne, Wind, Wasserkraft oder anderen Stromquellen  erzeugter Strom –  wird die Autoflotten rund um den Globus in Zukunft antreiben. Benzin und Diesel werden als Treiber irgendwann ausgedient haben. Die Kraftfahrzeuge von morgen werden die Energie speichern – entweder auf elektrochemische Art und Weise z.B. in Form von Lithium-Ionen-Batterien oder aber im Rahmen eines chemischen Prozesses in Form von Wasserstoff-Brennstoffzellen.

 

 

BYD Co. – Hoffen und Bangen

Chart II

Quelle: Barchart

 

Denn bis dato werden nur gerade einmal rund 1 % der weltweiten Autos durch solche LIB angetrieben. Fachleute sehen indes gute Chancen, dass dieser Anteil bereits in 15 bis 20 Jahren bei 30 bis 40 % liegen wird. Alternative Antriebsmethoden in der Kraftfahrzeugbranche sind in aller Munde – und das schon seit vielen Jahren. Die bisherigen Erwartungen der Anleger und der Kfz-Branche waren weit überzogen.

 

Zahlreiche  Probleme gelten als ungelöst. In Sachen e-Mobilität hat bisher kein Unternehmen den großen Wurf geschafft. Selbst Tesla Motors hat die Erwartungen nicht vollständig erfüllt.  Dies auch, weil sich die Verbraucher bei Neuanschaffungen mit der Entscheidung für e-Fahrzeuge oder für Alternativ-Kfz-Antriebe zurückhalten. Dafür ist auch die „Angst vor dem Neuen“ ursächlich. Verbraucher erklären ihre Zurückhaltung grundsätzlich mit kurzen Reichweiten der Automobile auf der einen und hohen Preise bei der Anschaffung auf der anderen Seite. Selbst die in Deutschland seit Mitte 2016 ausgerufenen staatlichen Subventionen beim Kauf von eAutos in Höhe von 4000 € überzeugen die Käufer nicht – bislang jedenfalls noch nicht.

 

Inzwischen beschränken sich die Zweifel über die Zukunft der eMobility weitgehend vor allem auf die Frage: Wie rasch können sich LIB als Antrieb in Automobilen und Bussen sowie anderen Fahrzeugen als „Systeme der Zukunft“ wirklich durchsetzen. Noch ist der Zeithorizont für diese neue Technologie nicht klar absehbar. Wo liegen die Schwächen und Probleme des Marktes für Lithium-Ionen-Batterien und der Elektromobilität insgesamt?

Schwächen bremsen
Lithiummarkt aus

Schwächen 1 – Grundsätzlich gilt, dass sich der Gesamtmarkt mit seiner breiten Wertschöpfungskette in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befindet, wie auch Altair-Chairman John  F. Huguet  im Interview  (siehe Teil III dieser Serie) betont. Ein nicht unerhebliches Problem ist auch darin zu sehen, dass es zu viele unterschiedliche Lithium-Arten und -Qualitäten  gibt, eine Standardisierung und ein Börsenhandel des Materials damit sehr schwierig ist und die Preisfindung eine der größten Herausforderungen überhaupt darstellt – jedenfalls für die Öffentlichkeit.

Schwächen 2  – Anleger müssen darüber hinaus wissen, dass direkte Investments in den Rohstoff Lithium nur schwer umzusetzen sind. Wer als Anleger das In Lithium liegende Potential ausschöpfen will, kann sich an Aktien eines der raren  Produzenten  und der unzähligen – wesentlich riskanteren – Explorationsgesellschaften beteiligen. An den US-Börsen wird zudem bereits der Indexfonds (ETF) X-G Lithium notiert. Investments in diesem ETF sind für Anleger derzeit die einfachste Lösung, um langfristig eine Lithium-Investment-Position  aufzubauen.

Schwächen 3 – Der Lithiummarkt weist oligopolartige Strukturen auf. Denn die fünf größten Produzenten aus Chile,USA, China und Argentinien bringen es auf einen Marktanteil von immerhin 85 bis 90 %. Das dürfte sich in den kommenden Jahren mit der steigenden Zahl der derzeit im Explorationsstadium befindlichen, später jedoch idealerweise in Produktion gehenden Juniorinen allerdings ändern.

Schwächen 4 – Dann dürfte auch die Verfügbarkeit des Rohstoffs Lithium zunehmen. Will Tesla Motors das selbst gesteckte Produktionsziel von 500 000 e-Automobilen p.a. bis Ende 2018 erreichen, werden in der Giga-Fabrik des  Autoproduzenten rund 27000 Tonnen Lithium- Carbonaten benötigt. Ein Teil hiervon dürfte wohl von Pure Energys Clayton Valley Projekt in Nevada sowie von Banacora Minerals mexikanischem Sonora-Projekt  geliefert werden, die mit Tesla eine entsprechende Abnahmevereinbarung abgeschlossen haben.

Für den Konsumenten sind beim künftigen Kauf von Automobilen verschiedene Wohlfühl-Faktoren ausschlaggebend. Ein Kriterium wird die Reichweite sein. Heute reicht die Ladung der  meisten eAutos gerade einmal für 150 bis 200 km. Kein Zweifel – das wird sich in den kommenden Jahren deutlich erhöhen, so dass in fünf Jahren wohl Autofahrten von 300 bis 400  km  zB mit Lithium-Ionen-Battereien möglich sein werden. Grundsätzlich aber steht fest: Insgesamt ist ein klarer Haussetrend beim Rohstoff Lithium festzustellen: Die Preise haben sich im Durchschnitt während der vergangenen 18 Monate in etwa verdreifacht.

Schwächen 5 – Anleger müssen wissen: Lithium ist nicht  gleich Lithium. Zwischen den einzelnen Lithium-Qualitäten bestehen große Preisunterschiede. Für batteriefähiges Material werden in China derzeit mehr als 20 000 $ /t gezahlt. Für chinesische Importe von Lithiium-Carbonaten – die am häufigsten gehandelte Lithium-Form – werden aktuell 7000 $/t gezahlt, für US-Importe lediglich 5 000 $/t. Dabei zeigt sich: Der Markt weist keine klaren Strukturen auf – und das macht für Kapitalanleger die Analyse und die Entscheidungsfindung schwierig. Das breite Produktangebot reicht von Lithium-Stearaten (Salze der Stearinsäure) über Lithium- Fluoride bis zu zu Butyl-Lithium.  Die häufigste Handelsform von Lithium sind  Lithium-Carbonate,die indes nicht zur Batterie-Herstellung dienen, sondern auch in der Produktion von  Keramik und Glas sowie unzähligen anderen Technologie-Erzeugnissen eingesetzt werden.

Motoroller

Motorroller – mit dem Strom rollen. Gesehen auf einer Energie-Konferenz in Berlin.                                                Foto: Udo Rettberg

Führend auf dem Markt für Elektroautomobile sind  Tesla Motors und BYD Co. Darüber hinaus hat Tesla-Gründer Elon Musk seine vielfältigen Visionen zuletzt auch in Richtung Solarenergie auf der einen und künstliche Intelligenz auf der anderen Seite einfließen lassen – hier sind zahlreiche Verknüpfungen zum Automarkt möglich. Die zögerlich reagierenden Tesla-Aktionäre können den Gedanken ihres visionären Vorstandschefs offensichtlich (noch) nicht folgen, wie zunehmend kritische Stimmen beweisen.

 

Positiv zu werten ist, dass sich inzwischen immer mehr Autofirmen auf den Zukunftspfad eMobility begeben. Autobauer wie BMW, Toyota und seit kurzem auch Mercedes wollen den Abstand zu Tesla Motors und BYD nicht allzu groß werden lassen. Auch wenn Tesla finanziell zuletzt „schwächelte“ will Mercedes in der eMobility auf die Zukunft setzen und eine breite Palette an e-Automobilen und e-Trucks aufbauen. Bis Ende der Dekade will sich Mercedes besser positioniert haben und mit alternativen Antrieben (LIB, Wasserstoffzellen und möglicherweise auch hybride Systeme) glänzen.

 

Auffallend ist, dass Toyota allem Ansc hein nach wohl eher auf die Brennstoffzelle setzt. Dabei  werden beim Modell Mirai über  besondere  Membranen im Rahmen einer „kalten Verbrennung“ Wasserstoff und Sauerstoff zusammengeführt, wobei qualitativ  hochwertiger Strom entsteht. Umwelt-Fans sind glücklich; denn das dabei aus dem Auspuff kommende  „Abgas“ ist Dampf, also Wasser. Die entsprechenden Automobile müssen nicht für längere Zeit an eine Steckdose angeschlossen werden, sondern können an H2-Tanksäulen rasch und recht unkompliziert betankt werden. Das Problem: Bislang weist die Infrastruktur von Wasserstoff-Tankstellen viele weiße Flecken auf der Landkarte auf – und das weltweit. Das soll sich in den kommenden Jahren indes ändern.

Wasserstoff-Brennstoffzellen erfüllen bereits heute zu einem großen Teil die Reichweiten-Erwartungen der Fahrer; denn zahlreiche Brennstoffzellen-Automobile erzielen eine Reichweite von über 500 km. Allerdings fehlt es an einer breiten Infrastruktur an Wasserstoff-Tankstellen. Ein weiterer Nachteil :  Brenstoffzellen-Autos sind in der Herstellung und im Verkauf vergleichsweise teuer.  Das im Zusammenhang mit der Automobil-Zukunft aufgezeigte Problem der fehlenden Auflade-Infrastruktur gilt nicht nur für Brennstoffzellen-Autos, sondern auch für mit Elektrobratterien betriebene  Autos. Ein Vorteil der Elektrobatteriene ist indes darin zu sehen, dass eine Aufladung dieser Lithium-Ionen-Batterien auch am heimischen Stromanschluss erfolgen kann

Altair Resources – Zerplatzte –Träume???

Chart III

Quelle: Barchart

Vieles spricht dafür, dass es bei der Automobil-Zukunft kein „entweder / oder“, sondern ein „sowohl als auch“ geben wird. Regierungen tun gut daran, alle alternativen  Antriebsmethoden aufmerksam zu beobachten und gerecht zu subventionieren.  Brennstoffzellen-Autos werden wohl die Lithium-Ionen-Batterie auf Dauer nicht  übertreffen. Aber sie dürften z.B. gerade im Bereich Busse einen erheblichen Anteil am Gesamtmarkt erreichen.

Oekologie Planet ErdeLithium I

Das nächste große Ding

Lithium – das „weiße Petroleum“ – wird zum Hoffnungsträger. Nicht nur wegen der  Megatrends „Ökologie“ und „Elektromobilität“ steht das Leichtmetall im Fokus. Denn die Vorteile von Lithium sollten nicht alleine auf Batterie-Technologien und auf das Thema E-Mobility reduziert werden. Es scheint, als habe die Welt ohne Lithium und andere Energie-Metalle keine (saubere) Zukunft. Lithium bietet ein breites Anwendungs-Spektrum und ist nicht zuletzt im Medizin-Sektor von großer Bedeutung. Im Fokus steht Lithium aber in der Tat vor allem wegen seiner Vorteile bei der Energiespeicherung –quasi als „Anker der grünen Revolution“.
Udo Rettberg – Ende Juli 2016

Tesla

Noch befinden sich Tesla Motors (hier ein Showroom in Boca Raton / Florida) bei der Entwicklung von Elektroautos in einem sehr frühen Stadium.     Foto: Udo Rettberg

Nach einem langen Zeitraum berechtigt erscheinender Zweifel hat der Rohstoff Lithium inzwischen die Wirtschaft und damit auch die Finanzmärkte erobert. Manche Beobachter hegten in der Vergangenheit Zweifel daran, dass die Zukunft der Elektromobilität künftig vor allem auf Lithiium basieren wird. Dies vor allem auch deshalb, weil die Verfügbarkeit des Rohstoffs in den benötigten Mengen als nicht gesichert galt – und noch immer gilt. In Wall Street wird noch immer die Frage gestellt, woher Tesla Motors (TSLA.O – 226 $) und BYD Company Ltd. (BYDDY.N – 12,7 $) sowie die anderen Automobilproduzenten die notwendigen Lithium-Materialmengen z.B. für Teslas Giga-Factory und für die gigantischen BYD-Produktionanlagen in China und in anderen Ländern der Welt nehmen  wollen.

Tesla-Chef Elon Musk versucht zwar entsprechende Zweifel über die Lithium-Versorgungssicherheit immer wieder zu beseitigen – aber überzeugend wirkt er dabei bisher nicht immer. Bekannt  ist allerdings, dass sich sowohl Tesla als auch BYD durch Verträge mit aktuellen und  angehenden Lithiumproduzenten zunächst Material-Lieferungen gesichert haben. Ob solche Abkommen allerdings aktuell ausreichen, Zweifel zu beseitigen, hängt von der Dynamik der Nachfrage nach Elektromobilen auf der einen und dem Angebot an Lithium auf der anderen Seite ab, Andere Fragen am Lithiummarkt ranken sich mit Blick auf die eMobility auch um die flächendeckende Verfügbarkeit von Aufladestation für Automobil-Batterien.


Lithium – was ist das eigentlich?

Lithium ist ein silberweißes, weiches Leichtmetall und als chemisches Element aus der Gruppe der Alkalimetalle mit dem Symbol Li und der Ordnungszahl 3 versehen. Lithium hat an der Erdkruste einen Anteil von etwa 0,006 %. Das identifizierte Lithiumvorkommen auf dem Planeten  Erde wird auf mehr als 29 Mio t, die Lithiumvorräte auf mehr als 13 Mio t geschätzt. Die Prognosen über die vorhandenen Lithium-Reserven liegen  bei rund 4,5 Mio t.

Als Spurenelement ist Lithium in Form von Salzen häufig in Mineralwassser und dadurch auch im menschlichen Organismus zu finden. Lithiumsalze werden als medizinische Elemente auf therapeutischer Ebene gegen Kopfschmerzen,  Manie und gegen bipolare  Affektstörungen und Depressionen eingesetzt. Lithium ist aber vor allem ein Metall, das im Zeitalter der E-Mobility für die Herstellung von wieder aufladbaren Lithium-Ionen-Batterien genutzt wird.  Quellen sind dabei zum einen spezielle Salzlaugen in riesigen Seen und zum anderen Pegmatitfelder – also grobkörnige magmatische Felsgesteine.

Durch die Elektrolyse von Lithiumchlorid wurde im Jahr 1855 erstmals reines Lithium hergestellt. Mit der kommerziellen Produktion des Leichtmetalls begann die einstmalige deutsche Metallgesellschaft AG im Jahr 1923. Dabei wurde eine Schmelze aus Lithium- und Kaliumchlorid elektrolysiert.  Lithiumsalze – vor allem Lithiumchlorid – kommen verbreitet mit Konzentrationen von bis zu 1 %  in Salzlaugen (vor allem in großen Salzseen Lateinamerikas)  vor. Neben der Konzentration des Lithiums ist für die Qualität der Salzlauge das Mengenverhältnis von Magnesium zu Lithium wichtig.

Gewonnen werden Lithiumsalze bisher vor allem in Lateinamerikas Salar Atacama und Salar de Hombre Muerto (Chile und Argentinien). Darüber hinaus in Nevada, in China und im Taijinaier-See in Tibet. Wegen der absehbar starken Lithium-Nachfrage wird in der Wirtschaft immer stärker der Abbau lithiumhaltiger Mineralien aus Pegmatiten  in verschiedenen Regionen der Welt geprüft. Lithium kommt in einigen Mineralien in solchen Lithium-Pegmatiten (also im Fels) vor. Auch Europa besitzt Lithium-reiche Pegmatitfelder.

Lithium kann in Batterien (vor allem in wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Akkus) als Anode verwendet werden. Solche Lithium-Ionen-Akkus weisen eine extrem hohe Energiedichte auf und sind so in der Lage, eine besonders hohe Spannung aufzubauen.


Insgesamt rechnen Fachleute damit, dass der Markt für Lithium-Ionen-Batterien in den kommenden Jahren um 31 % p.a. steigen wird. China wird dabei aufgrund der neuen positiven Umwelt-Politik eine führende Rolle spielen. Bei Chinas Batterie- und Autohersteller BYD wird damit gerechnet, dass sich der Verkauf von Elektromobilen im Jahr 2016 nicht zuletzt wegen der Regierungs-Subventionen auf rund 150 000 verdreifachen wird. Chinas Regierung möchte bis Ende des Jahres 2020 rund 5 Mio. Elektromobile auf den Straßen des Riesenreichs sehen.

Was sowohl der als Visionär geltende Elon Musk als auch die BYD-Bosse erreicht haben, ist ein globaler Explorationsboom im Bereich Lithium.  Und auch die Kapitalanleger sind in diesem Kontext begeistert. „Wenn ein Unternehmen heute mit einer Metall- Explorations-Story nach Deutschland kommt, sollte es während seiner Präsentation einfach nur erwähnen, dass es sich nach einem Lithium-Vorkommen umschaut“, sagt ein Frankfurter Banker und warnt im gleichen Atemzug allerdings vor einem Lithium-Hype. „Anleger sollten genau hinschauen und langfristig denken“, so sein Rat.

Glaubt man einigen europäischen Rohstoff-Auguren, dann wird Lithium auf Jahre hinaus das alles beherrschenden Thema an den Commodity- und Aktienbörsen bleiben. Zweifel seien nicht erlaubt – basta!  Aber Vorsicht: Hier beschreibe ich exakt die Meinung jener  Fachleute und Auguren, die vor rund zehn Jahren an meinem Verstand zweifelten, als ich bereits sehr früh im laufenden Zyklus auf die große Zukunft solcher Spezialmetalle wie Lithium, Vanadium, Kobalt und Uran hingewiesen habe. Insofern sollten die Aussagen solcher „Meinungs-Bildner“ nicht allzu ernst genommen werden. In der Wirtschaft haben sich neben Elon Musk einige Größen der Globalökonomie  zu wahren Lithium-Fans entwickelt. So z.B. Warren Buffett, Richard Branson und auch Sir James Dyson, der Erfinder der gleichnamigen modernen Staubsaugermarke.  Für sie ist klar:  Lithium und Roboter sind die „nächsten großen Dinge“ in der Welt.

Langer und schwieriger Weg
zur CO2-neutralen Mobilität


Lithium-Ionen Akkumulatoren und -Batterien werden – da sind sich die Experten weitgehend einig – in den kommenden Dekaden eine herausragende Rolle im Bereich der elektrochemischen Speichertechnologien spielen. Noch bietet der Markt ein verwirrendes Bild. Denn bei diesen Lithium-Ionen Batterien (LIB) existieren heute bereits unterschiedliche Varianten. Für die Elektrode werden dabei verschiedene Lithium-Metalloxide genuzt, so das derzeit mehrere Varianten von Lithium-Akkus und –Batterien hergestellt  werden und im Einsatz sind.

Das möglicher Zukunfts-Szenario: Wenn die Menschheit in wenigen Jahren das Wort Batterie in den Mund nimmt, wird möglicherweise nicht mehr ausdrücklich betont, dass es sich um Lithium-Ionen-Batterien handelt. Das wird dann nämlich selbstverständlich  sein, argumentieren jedenfalls die Fans. Ihr Argument: Megatrends wie Digitalisierung, Big Data, Big Media, Internet of things, Roboter und Fintech erfordern eine völlig neue elektronische Versorgung des Alltags. Lithium wird dabei im Mittelpunkt stehen, ohne dass die Menschheit die Revolution wirklich expressis verbis realisiert hat.

Der entscheiende Vorteil von LIB liegt neben einer geringen Selbstentladerate in ihrer hohen Energiedichte. Solche Batteriesysteme können – so der Plan der Entwickler – mittelfristig eine Lebensdauer von 20 Jahren aufweisen. Experten sprechen bei einem Blick nach vorn in die Energiezukunft sogar von 40 bis 50 Jahren Lebensdauer. Die Kosten der LIB werden – davon kann angesichgts der bereits erzielten Fortschritte – in Zukunft wohl weiter fallen.

Automobilhersteller weisen in diesem Kontext auf einige Probleme hin. So z.B. darauf, dass das Ziel einer weiteren Steigerung der Energiedichte in Batterien nicht unproblematisch ist. Grund: Aufgeschreckt wurde die Branche in jüngster Vergangenheit durch mehrere explodierende Laptop-Akkus von Lithium-Kobalt-Batterien. Denn je  höher die Energiedichte in solchen Akkus, desto größer ist die Gefahr einer starken Erhitzung der Akkus und einer folgenden Explosion.

Vor allem vier Argumente stehen im Mittelpunkt, wenn es es um die noch immer mangelnde globale Verbreitung des Elektromotors in Automobilen geht:

1 – die bislang eingeschränkte Reichweite bzw die zu erwartende geringe Kilometerleistung solcher LIB
2 – die vergleichsweie hohen Kosten bei der Umstellung vom Benziner und Diesel auf den e-Motor
3 – die noch immer weitgehend unzureichende Standardisierung der Ladeschnittstellen
4 – und last but not least die weiter unzureichende Lade-Infrastruktur

Zugegeben – bei all diesen vier genannten Punkten gab es während der vergangenen Monate bereits große Fortschritten. Dies vor allem auch in Europa, wo zahlreiche  Regierungen praktisch über Nacht ihr grünes Gewissen entdeckt haben und Prämien für den Erwerb von Elektroautomobilen ausgelobt haben.

Lithium – ist sehr, sehr
vielfältig verwendbar

Klar, der ganz große Durchbruch wird noch einige Jahre dauern, aber es führt wohl kein anderer Weg in die „saubere Energie-Zukunft“. Im Verkehrssektor werden die mit Lithium-Inonen-Batterien betriebenen Elektromobile auch in den kommenden Jahren allerdings noch mit Hybridfahrzeugen und möglicherweise auch mit den große Phantasien bei Kapitalanlegern auslösenden Brennstoffzellenautos konkurrieren müssen. Welches System sich dann in der Folge letztlich durchsetzen wird, ist offen. Für Kirill Klip, Präsident von International Lithium Corporation (ILC.V)  steht allerdings bereits heute fest: Diesel- und Benzin-Automobile werden in den kommmenden fünfzehn Jahren obsolet, also nicht mehr gebraucht und damit praktisch überflüssig.

Wieder aufladbare Lithium-Ionen-Batterien für das große Thema Elektromobilität sind  aber nicht das einzige Wachstumsfeld für den Rohstoff Lithium. Zukunftsforscher sehen Wachstumspotential für Lithium & Co auf zahlreichen Gebieten – so u.a.auch im Bereich hauchdünner filmstreifenartiger Batterien, die auf oder in Kleidungsstücken angebracht sind. Schon in  wenigen Jahren soll dieser Bereich fast eine halbe Milliarde Umsatz generieren. Diese Batterien können z.B. als „ektronische Textilien“ in Kleidungsstücken und anderen „Wearables“ eingearbeitet und am menschlichen Körper getragen werden. Sie vereinen die Vorteile einer enormen Energie-Speicherfähigkeit  mit den Vorzügen hoher Material-Flexibilität und eines zugleich geringen Gewichts.

Und wenn Elon Musk in einer neuen Technologie wie der Elektromobilität eine führende Rolle spielt, dann muss man nicht zuletzt auch jene Branchen ins Auge nehmen, in denen sich der Visionär bereits engagiert hat. So zum Beispiel um SpaceX, ein von Musk gegründetes amerikanisches Raumfahrtunternehmen, das Technologien entwickeln soll, mit denen der Menschheit ermöglicht werde3n soll, den Mars und andere Planeten zu kollonisieren.Energie – und in diesem Kontext dann wohl auch Lithium, Vanadium und Kobalt – werden dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten für solche „Flexible, Printed und Thin Film Batteries“ sehen Fachleute auch im Wachstumsmarkt Gesundheitswesen z.B. in Pflastern und Spezialverbänden.Man muss nicht unbedingt auf Elon Musk, den Gründer und Kopf von Tesla vertrauen, um das gigantische Potential der sich rund um Lithium aufbauenden „Energie-Zukunft“ zu erkennen. Auch führende Unternehmen der Wirtschaft setzen und hoffen auf Lithium-Batterien. Buffett ist z.B. bereits in der „Energie von morgen“ engagiert. Er ist nämlich einer der Großaktonäre der  BYD Company Ltd. einem chinesischen Hersteller von Batterien und batterie-basierten  Speicherkraftwerken. BYD ist auch der größte Produzent wiederaufladbarer Akkumulatoren z.B. für Mobiltelefone.  BYD Auto gilt als einer der führenden Elektrobus-Hersteller auf dem Globus.  Die Abkürzung BYD wird an der Börse mit „Build your dreams“ übersetzt.

G-X Lithium ETF

Chart

Quelle: Barchart

                                                                                                                               

Ergo: Lithium wird die Welt in den kommenden fünfzig Jahren antreiben und  bewegen. Die Steckdose wird z.B. bei vielen Haushaltsgeräten zwar nicht überflüssig, aber sie wird immer weniger zur zwingenden Notwendigkeit. Auch wegen der zunehmenden Bedeutung der Digitalisierung und der „Roboterisierung“ der Weltwirtschaft gilt das Potential als gigantisch.  „Wir befinden uns heute sehr früh im Wachstumszyklus dieses Industriezweigs“, sagt John F Huguet, Chairman und Gründer von Altair Ressources (AVX.V – 0,20 can$ – siehe Interview in Teil III dieser Serie)

 

Die Investment-Seite:
Hoffen und bangen

 

Was aber kann schief gehen? Mit dieser Frage müssen sich Kapitalanleger immer wieder beschäftigen – in diesem Fall ganz besonders, weil der Zeithorizont dieser neuen Technologien lang und heute kaum  überschaubar ist. Lithium Kobalt Vanadium Phosphate Batterie-Rohstoffe.

Das künftige Potential der Lithium-Minenbranche, das bereits einen kräftigen Hype an der Börse ausgelöst hat,  der Lithium-Minenbranche kommt niicht zuletzt in folgenden Zahlen zum Ausdruck. Die Junior-Unternehmen dieser Branche, die es in absehbarer Zeit insgesamt gesehen gerade mal auf einen Jahresumsatz von rund 1,5 Mrd.  Dollar bringen wird, hat es geschafft, sich in den vergangenen Monaten über die Börsen frisches Kapital in Höhe von rund 200 Mio. $ zu beschaffen. In diesen Zahlen – und das ist das Bemerkenswerte – sind die Kapitalbeschaffungen der führenden Lithiumproduzenten nicht enthalten.

Für Schlagzeilen rund um das Thema Lithium und CO2-freier Verkehr sorgten in den vergangenen Jahren neben Elektroauto-Produzenten auch die folgenden Lithium-Produzenten und Lithium-Explorer:

  • SQM,
  • Pure Energy,
  • Sienna Resources,
  • Banacora Minerals
  • Rare Earth Minerals
  • Avalon Rare Metals
  • Orocobre
  • Albermarle
  • Nevada Sunrise
  • Ganfeng Lithium

 

 

Kapital für ein besseres Leben

„Stay alert“ – Zu diesem Thema gibt es derzeit keine aktuellen Artikel aus unserer „Feder“. Bleiben Sie wachsam und überprüfen Sie unsere Webseite immer wieder auf aktuelle Beiträge.

„Stay alert“ – Zu diesem Thema gibt es derzeit keine aktuellen Artikel aus unserer „Feder“. Bleiben Sie wachsam und überprüfen Sie unsere Webseite immer wieder auf aktuelle Beiträge.

„Stay alert“ – Zu diesem Thema gibt es derzeit keine aktuellen Artikel aus unserer „Feder“. Bleiben Sie wachsam und überprüfen Sie unsere Webseite immer wieder auf aktuelle Beiträge.

EventReports

TOURISMUS UND HOTELS

Fernweh vs Terrorangst    

Die Welt steht Kopf. Der in den vergangenen Dekaden erreichte Wohlstand ist in Gefahr. Denn die sowohl von Staaten als auch von der Wirtschaft aufgebau- ten riesigen Schuldenberge fordern ihre Opfer. Wohlstands-Differenzen lö- sen bislang noch weitgehend regional begrenzte Terrorattacken und Reli- gionskriege aus.  Dies auch, weil der politisch initiierte Crash der Ölpreise bisherige Ölländer-Krösusse wie Saudi Arabien, Irak, Iran und Syrien ins Verderben zu führen droht. Die Gefahr eines dritten Weltkriegs nimmt also zu. Gerade für die Tourismusbranche zeichnen sich schwierige Zeiten ab.

        Udo Rettberg – Mai 2016

Dies gilt zumindest für den länder- und kontinental-übergreifenden Tourismus, der unter  Terror- und Kriegseinflüssen leidet. Viele Hotels in den Krisenregionen des Nahen und Mittleren Ostens sowie in Südosteuropa klagen über ausbleibende Gäste. Die Tourismus-Hochburgen in Ägypten, Tunesien oder Türkei berichten über steigende Arbeitslosenzahlen im Tourismus. Nach den jüngsten Terrorattacken von Paris, Ankara und Brüssel ist die Unsicherheit vor allem in Europa sehr groß. Besser ist die Lage dagegen in den USA. Und dies, obwohl das Land unter einer müden Volkswirtschaft leidet und die Amerikaner im verbal intensiv geführten Vorwahlkampf mit egoistischer Trump-Mania  und Clinton-Mania überzogen werden. Bisher hat sich die Hotellerie jedoch bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Nichts scheint den generellen Optimismus bremsen zu können, der gerade den US-Tourismus seit vielen Jahren auszeichnet.

Virtuelle Welt gegen reale Welt – Wenn die eher virtuellen Finanzmärkte – in diesem Fall die Wertpapierbörsen –  wirklich ein verlässlicher Indikator für das Geschehen in der Realwirtschaft sind, dann steht die Tourismus- und Hotelbranche nicht vor einer Rezession oder gar einer Depression. Darauf  jedenfalls lässt der Fakt schließen, dass sich die über lange Zeit hinweg sehr schwachen Aktienkurse dieses Wirtschaftszweigs zuletzt stärker erholt haben als der Gesamtmarkt, wie Wertpapier-Analysten in Orlando im Rahmen der Raymond James Investment Conference erklärten. Der STR-Baird-Hotelindex liegt derzeit wieder um 27 % über dem Tief der vergangenen 12 Monate  während der weltbekannte Dow Jones-Index in New York lediglich 12 % über dem Zyklus-Tief  notiert wird. Anika Khan, Ökonom der bekannten US-Bankengruppe Wells Fargo, sieht zum gegenwärtigen Zeitpunkt lediglich ein 23%iges Risiko für das Abrutschen der US-Wirtschaft in eine Rezession. Sie weist auf einer Konferenz in Atlanta gleichzeitig darauf hin, dass das Umfeld für die Hotelbranche in den USA insgesamt positiv bleiben dürfte.

Im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres 2015 sind die wichtigsten finanziellen  Kennziffern der US-Hotelbranche meist gestiegen.  In der dritten Märzwoche 2016 lag  zwar die Auslastung der Branche gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres bei 66,9 % um 1,5 % niedriger, doch stiegen die durchschnittlichen Zimmerpreise um 2,6 %  auf 123,28 $. Daraus resultiert ein 1,1 %iger Anstieg des Umsatzes pro verfügbaren Hotelzimmers – als RevPAR bekannt – auf 82,51 $. Die Widerstandsfähigkeit der US-Hotelindustrie ist auch daraus zu ersehen, dass die stabile Entwicklung vor dem Hintergrund eines anhaltend starken Dollarkurses möglich war. Denn für europäische Touristen und Geschäftsreisende sind Reisen in die USA wegen des starken Dollars in den vergangenen Jahren zum Beispiel deutlich teurer geworden. Seit Mitte 2014 ist der Euro gegenüber dem Dollar um mehr als 20 % von 1,40 auf rund 1,10 gefallen. Auch für Touristen aus Asien und anderen Weltregionen sind US-Reisen deutlich teurer. All das kann den generellen Optimismus der US-Hotelmanager nicht bremsen.

Statue

Wohlfühl-Image – Hotels im Sonnenstaat Florida. Foto: Udo Rettberg

 Zunehmende Bedeutung der Währungs-Relationen – Vieles spricht dafür, dass die Welt vor einem Währungskrieg steht. Viele Länder versuchen, sich über die Abwertung ihrer Währungen Wettbewerbsvorteile zu verschafffen. Der Währungsfaktor spielt auch für einige wichtige Touristenziele  Europas eine bedeutende Rolle. So auch für die  Schweiz, denn der  zeitweise sehr starke Franken hält zahlreiche internationale Touristen von Trips in das Alpenland ab. Das schlägt sich negativ in den Bilanzen der Hotellerie nieder. So berichtet Beat Hess, Geschäftsführer der Sunstar Hotelgrupe für die abgelaufene Wintersaison 2015/16 von einem 5.9%igren Rückgang der  Übernachtungen und einem um 5,1% niedrigeren Umsatz in Höhe von 25,1 Mio. sfr. Hess sieht als Ursache überwiegend die währungsbedingt schwache Nachfrage aus Europa. Die Bettenauslastung reduzierte sich um 4 Prozentpunkte auf 53 %. Die allgemeine Schwäche hat weitreichende Folgen; denn am Standort Davos werden ab Sommer 2017 alle Aktivitäten auf das 4-Sterne-Alpine-Hotel konzentriert – das seit 1969 bestehende kleinere 3-Sterne Familienhotel mit 138 Zimmern wird dagegen umgenutzt und in Wohnungen mit optionalem Hotelservice umgebaut.Hotels sind also im zerrissenen globalwirtschaftlichen Umfeld zu mehr Flexibilität gezwungen. Die Zeit für Rettungsschwimmer dürfte bald kommen.

Die US-Vorstände bleiben positiv gestimmt – „Wir rechnen mit einer anhaltend positiven Entwicklung des Geschäfts im Jahr 2016“, sagte ein Sprecher von Marriott International Inc. Für das Gesamtjahr wird bei dieser Hotelkette mit einem RevPAR-Wachstum zwischen 3 und 5 % gerechnet. Die Anzahl der Hotelzimmer soll im laufenden Jahr um 7 % steigen, wobei die geplante Starwood-Übernahme in diesen Prognosen nicht enthalten ist. „Unsere 19 Marken liefern nach wie vor gute Ergebnisse“, sagte Präsident und Vorstandschef Arne Sorenson, der das Unternehmen auch im Falle einer Übernahme von Starwood als CEO weiter führen soll.

On Duty

Benötigt der Tourismus Rettungsschwimmer? Die Finanzmärkte bieten zahlreiche Rettungsschirme z.B. in Form von Finanzderivaten Dringende Empfehlung: Anleger sollten börsengehandelte Optionen als (Ver)-Sicherungs-Instrumente nutzen.          Foto: Udo Rettberg

Vetreter von Hilton Worldwide bekräftigten in Orlando unter anderem die Absicht des Unternehmens, das Timeshare-Geschäft (also 45 Anlagen mit mehr als 7100 Einheiten und einem Umsatz von 1,3 Mrd. $ sowie einem Bruttogewinn in Höhe von rund 350 Mio. $) in nächster Zeit in ein eigenständges Unternehmen ausgliedern zu wollen, dessen Aktien  dann an der Börse eingeführt werden sollen.  Positiv zu den weiteren  Aussichten der Branche und der eigenen Unternehmen äußerten sich in Orlando auch die Vertreter bekannter US-Hotelgesellschaften Summit Hotel Properties, La Quinta Holdings und  La Salle Hotel Properties sowie der beiden führenden Kreuzfahrbetreiber Carnival Corporation und Royal Carribean Cruises.

Doch die Herausforderungen nehmen zu – Ungeachtet der jüngsten Erholung der globalen Touristik bleiben unzählige Unsicherheitsfaktoren.  Dass sich der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump in den USA zuletzt für die Schließung von US-Grenzen ausgesprochen hat, bessert die Stimmung in der Hotellerie nicht wirklich. Für die auf globaler Ebene tätigen Hotel- und Tourismusketten  bleibt das Umfeld insgesamt recht schwierig. Im Rahmen der Hunters Hotel Investment Conference in Atlanta / Georgia sowie der Investmentkonferenz von Raymond James & Associates in Orlando sprachen Hotel-Fachleute davon, dass zunächst keine global gleichgerichtete Entwicklung der Hotelkonjunktur erwartet werden kann. „Die Globalisierung der Weltwirtschaft ist vorerst ausgebremst“, hieß es von mehreren Seiten

Pro und Contra – Große Unsicherheit, so erklärten Sprecher von Hotelunternehmen in  Orlando, gehe indes von der geopolitischen Lage aus. „Immer, wenn es Berichte über neue Terrorattacken in der Welt gibt, sind die großen Touristikunternehmen wie Expedia, Travelocity,  Priceline, TUI, Thomas Cook  starkem Druck ausgesetzt“, hieß es. Auf den Investmentkonferenzen  wurden die auf den Bereich Tourismus, Reisen und Hotels einwirkenden positiven und negativen Einflussfaktoren von Top-Vertretern der Branche kritisch  gegeneinander abgewogen. Als generell positiv werden  die generell schwachen Energiepreise bezeichnet, durch die die Reisekosten sinken und Airlines, Busunternehmen und Kreuzfahrtbetreiber dadurch auf die Beine geholfen wird.

Optimismus kann darüber hinaus auch aus weltweit niedrigen Zinsen abgeleitet werden, durch die die Reiselust insgesamt angetrieben wird. Für eine positive Stimmung sorgt darüber hinaus auch die Öffnung neuer Tourismus-Märkte wie Kuba und Mexiko sowie das anhaltende Interesse chinesischer Vertreter dieser Branchen. Und last but not least treibt das Übernahmefieber in der Branche den  Tourismus ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit, wie nicht zuletzt der zwischen Anbang Insurance und Marriott International geführte Übernahmekampf um Starwood  zeigt.

Kreuzfahrt

Kreuzfahrt-Branche zeigt sich verhalten optimistisch. Die Treibstoffkosten sinken.          Foto: Udo Rettberg

Private Equity-Firmen nutzen Chancen – Die durch das China-Interesse gezeigten Möglichkeiten nutzen auch Private Equity-Unternehmen in den USA zur Bereinigung ihrer Beteiligungs-Portfolios.  PE-Firmen wie die Blackstone Group haben sich in den vergangenen Monaten von ihren vor Jahren eingegangenen Beteilligungen an Hotelgruppen wie Hilton, Extended Stay of America, Strategic Hotels und auch von La Quinta Inns & Suites getrennt und diese Gesellschaften teils wieder an die US-Börse  gebracht. Blackstone habe dabei nicht immer besonders glücklich agiert, äußerten sich einige Finanz-Experten auf den genannten US-Hotelkonferenzen.  Brian Kim, Sprecher der Blackstone Group, erklärte in diesem Kontext in Atlanta indes, dass das PE-Unternehmen seine Beteiligung an Strategic Hotels & Resorts  an die derzeit für Schlagzeilen in der Tourismusbranche sorgenden Chinas Anbang Insurance Group  veräußern will.

China bleibt ein Boommarkt – Sowohl die immer stärker um die Welt tourenden China-Touristen, als auch Wirtschaftsunternehmen aus dem Land der Mitte treten am globalen Tourismus- und Hotelmarkt immer stärker in Erscheinung. „China ist vor allem eine Bevölkerungsstory“, sagt Markus Ross, Geschäftsführer von Ceros Asset Management. Beispielhaft wurde in Atlanta die wirtschaftliche Entwicklung der China Lodging Group genannt, für die das Jahr 2015 eine riesige Erfolgsstory brachte. Vorstandschef Min Zhang wies dabei mit sichtbarem Stolz auf den riesigen Erfolg der im Jahr 2005 mit einer einzelnen Hotelmarke gestarteten Gesellschaft hin. Inzwischen verfügt die China Lodging Group über 12 Hotelmarken und 2763 Hotels mit fast 280 000 Zimmern in etwa 350 Städten.

Auch andere Unternehmen der chinesischen Tourismus-Branche sehen offensichtlich weiterhin gigantische Wachstumsmöglichkeiten. Das bekam auch der Hotelriese Marriott International zu spüren, der sich in seinem Bemühen um den Erwerb von Starwood Hotels & Resorts Worldwide plötzlich in einem Übernahmekampf mit einem von der chinesischen Anbang Insurance Group angeführten Unternehmens-Konsortium verstrickt sah. Nachdem Anbang die vor geraumer Zeit vorgelegte Marriott-Kaufofferte überboten hatte, war Marriott später dann bereit, die eigene Offerte für Starwood noch einmal aufzustocken, um durch den Zusammenschluss die weltgrößte Hotelgruppe ins Leben rufen zu können.

Glückspielunternehmen agieren glücklos – Politisches Umdenken vor allem auf Seiten der chinesischen Regierung ist eine der Ursachen für die Schwäche der globalen Casino-Aktien. Vor geraumer Zeit bereits hatte die Regierung in Peking vor der starken Konzentration der Wirtschaft in Macao auf das Glückspielgeschäft in diesem Spielerparadies gewarnt.  Dass es daraufhin auch bei den Kapitalanlegern in den USA zu einem generellen Umdenken und einer Neubewertung des Themas Casinos gekommen ist, macht vor allem den Anbietern in Atlantic City arg zu schaffen. Da zahlreiche Casino-Unternehmen nicht nur in Macao, sondern länder- und erdteilübergreifend auch an anderen Standorten aktiv sind, schwappte die Unsicherheit und Angst auch nach Atlantic City und in  geringerer Dynamik auf den „Strip“ in Las Vegas über. Negative Nachrichten gab es in diesem Kontext aus Atlantic City, wo das Showboat Casino Hotel in Zahlungsschwierigkeiten geriet, das Geschäft zeitweise einstellte und um Finanzhilfe bei den Behörden des US-Bundesstaates New Jersey nachsuchte

 

Kubas Tourismus vor dem großen Boom – Die historische politische Annäherung zwischen den USA und Kuba, die nicht zuletzt im Treffen von US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatschef Raul Castro in der dritten Märzwoche dieses Jahres sichtbar wurde, gilt als Impulsgeber für den Tourismus in der gesamten Region.  So kündigten die Hotelriesen  Marriott auf der einen und Starwood auf der anderen Seite in Orlando und Atlanta größere Aktivitäten auf dem kubanischen Hotelmarkt an. Starwood hat nach Angaben eines Sprechers bereits in den vergangenen Tagen Verträge mit drei kubanischen Hotels abgeschlossen. Diese Hotelanlagen werden künftig unter dem Starwood-Label firmieren.

Auch der weltgrößte Kreuzfahrtbetreiber  Carnival Corp hat von den kubanischen Behörden grünes Licht für die Aufnahme des Geschäfts ab 1. Mai dieses Jahres erhalten, wie Sprecher des Unternehmens bestätigten. Zudem zielt Kanadas Cuba Ventures  Corp  durch die Übernahme des auf Kuba fokussierten Online-Reiseunternehmens Travelucion Media auf die Wachstumschancen des karibischen Marktes. „Das ist eine sehr interessante Zeit, um in Kuba zu investieren“, sagt auch der populäre Großinvestor Jim Rogers in diesem Kontext. Bekanntlich sind europäische Hotelketten wie  Spaniens Meliá Hotels International, Iberostar und Paradisus bereits seit vielen Jahren recht erfolgreich auf der Karibik-Insel  tätig. .

Dieser Beitrag ist  in gekürzter Form bereits in Ausgabe 05/2016 des Fachmagazins „Tophotel“ erschienen.

 

Das Geld regiert den König

Bewegung im „Lügenspiel“

Es überrascht, dass ausgerechnet in einer dem Sport zuzuordnenden Wirtschafts- branche rechtlich betrachtet Zustände wie seinerzeit in Sodom und Gomorrha herr- schen. Selbst in Deutschland, wo z.B. die Krümmung der Banane den engagierten, ja oft total-kämpferischen Einsatz juristischer Spitzenkräfte erfordert, herrscht dies- bezüglich Chaos. Denn es mangelt gerade im „Lügenspiel Fußball“ noch immer weitgehend am Einsatz moderner Technologien und darauf basierender klarer rechtlicher Regeln und Vorschriften. Nur sehr langsam bewegen sie sich im Milliardensport Fußball in Richtung „Klarheit und Wahrheit“.                        18.4.2017

 

Berlin, Berlin ………….. wir fahren nach Berlin.                                                                                                                                             Foto: Udo Rettberg

 

Woche für Woche schlagen sie sich in und vor den Stadien (und zwar nicht nur verbal, sondern auch real) die Köpfe ein. Sie jagen Raketen und andere Feuerwerks-Körper in die Luft und gefährden andere Menschen. Und dann muss die Polizei eingreifen – und ein großer Teil der hier anfallenden Kosten wird auf den Bürger umgelegt. Der Betrachter muss den Eindruck gewinnen, dass es die so genannten Fans und Ultras – von denen einige eher den Begriff Chaoten verdienen – wohl mögen, wenn sich der Fußball als eine Lügen-Veranstaltung herausstellt und sie auf dieser Basis dann ihre alkohol-stimulierten Aggres- sionen loswerden können. In einer der dyna- mischsten Wirtschaftsbranchen in der Welt verdienen die derzeit vorhandenen und gepflegten Strukturen die Note mangelhaft bis ungenügend. Noch immer wird Fußball – bei Funktionären mit dem „Elf-Freunde-Image“ versehen – als sportliche „Gutmen- schen-Veranstaltung“ gesehen und in der Öffentlichkeit dementsprechend „verkauft“. Doch Fußball ist auf oberer Ebene völlig an- ders. Es wird Zeit, dass die gestrige Sicht der Menschen über den Fußball aufs Abstellgleis geschoben wird. Alles andere wäre verlogen. So verlogen wie zum Beispiel Wettbetrug, wie Schiedsrichter-Bestechung und wie Funkti- onärs-Skandale (FIFA, UEFA etc). Rechtlich gesehen hakt es im globalen Fußball-Busi- ness an allen Ecken und Enden. Fußball ist halt weltumspannend.

 

And the winner is……… In der Düsseldorfer Altstadt hoffen und beten sie.        Foto: Udo Rettberg

Das Schlimme: Diese Schwächen ließen sich rasch abstellen – praktisch von heute auf morgen. Dass sie sich auf Funktionärs-Ebene zu viel Zeit lassen für die Beseitigung dieser Schwächen, lässt den Schluss zu, als wollten viele Akteure finanziell noch ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Das gilt aber längst nicht nur für den Fußball, sondern auch für viele andere Sportarten.

Der Profisport ist – vor allem durch monetäre Strukturen geprägt und diktiert – zu einer der dynamischsten Wirtschaftsbranchen auf dem Planeten Erde geworden. Meine Analyse des globalen Sport-Business‘ bringt folgendes Re- sultat: Die Umsätze (direkt und indirekt) wer- den im Jahr 2017 wohl etwas mehr als 110 Mrd. € erreichen. Die enorme Dynamik der Sportbranche lässt sich auch daran erkennen, dass die Umsätze noch im Jahr 2010 lediglich etwa 65 Mrd. € erreichten. Für die kommen- den Dekaden ist nach meiner Einschätzung eine dramatische Beschleunigung des Auf- wärtstrends zu erwarten – vorausgesetzt, die Welt bleibt von massiven Kriegseinflüssen verschont.

Zurück zum Fußball: Hier können die einen – nämlich die Fans – leider weitgehend noch immer unbegrenzt  ihre offensichtlich unkon- trollierbaren Emotionen freisetzen. Die ande- ren – nämlich die Funktionäre – können in die- sem Umfeld ihr Ego und ihre Großmanns- sucht befriedigen. Und Dritte – nämlich Spieler, Sponsoren und Großkapitalisten – sind in der Lage, ihre bereits sehr üppigen Bankkonten aufzubessern und sich so noch wichtiger zu fühlen.

 

Mittendrin in diesem sich rasch und dyna- misch bewegenden Umfeld stehen Vertreter der Wirtschaft (Club-Eigner, Mäzene, Spon- soren, Medien und Markenunternehmen), die die Leidenschaft von Otto-Fußball-Bürger für ihre eigenen Zwecke nutzen. Die Werbung ist dabei nur ein Zweck von vielen.  Sport ist längst nicht mehr nur jene Plattform, auf der sportbegeisterte aktive junge Menschen das Füreinander und Miteinander pflegen und darüber hinaus etwas für ihre körperliche Ertüchtigung tun. Das gilt vor allem für den Fußball, der in der Liste der ökonomischen Wachstumsbranchen sehr weit vorne steht. Das Elf-Freunde-müsst-Ihr-sein-Image ist längst dem Egoismus gewichen, weil es im Profifußball immer weniger um das Thema „11 Freunde“ als vielmehr um die zielgerich- tete Funktions- und Zweckgemeinschaft geht.

 

Doch das Ganze ist wohl letztlich zum Scheitern verurteilt – irgendwann einmal. Was wird sein, wenn die Weltwirtschaft in die Rezession abrutscht und die reichen Club-Besitzer dann nicht mehr länger willens und fähig sind, Fußball mit ihrem Geld zu befeuern. Noch aber ist es nicht so weit; denn der Fußball befindet sich auf einem globalen Siegeszug und sorgt derzeit sowohl in den USA als auch in China für Furore. Hier ist der Fußball noch weit von jenen Exzessen entfernt, die aktuell in Europa zu beobachten sind. Zudem ist in diesem Kontext an die Weisheit „Panem et circenses“ des römi- schen Dichters Juvenal zu erinnern, der vor langer Zeit kritisiert hatte, dass sich das Volk nur noch für Brot und (Zirkus-)Spiele inter- essierte und es weder sozial noch politisch ein offenes Ohr für die wesentlich drän- genderen Probleme der Welt hatte. Heute ist diese Weisheit auf Geld, Brot und Spiele zu erweitern. Das Volk wird von der Politik und den Eliten stillgehalten, indem ihm diese drei Dinge verabreicht werden. Dass es innerhalb dieses Umfelds auf vielen gesellschaftlichen Ebenen brodelt, ist das Resultat der allge- mein bestehenden Ignoranz.

 

Was ist damit gemeint? Die Menschen werden gerade im Fußball belogen und betrogen, weil die Weltorganisationen, die nationalen Verbände und die Clubs nicht alle Möglich- keiten nutzen, Fußball vom Image des „Lügensports“ zu befreien. Klar – man hat in den vergangenen Jahren Anstrengungen unternommen, indem bei Großveranstal- tungen mehrere Referees eingesetzt werden, indem die Torkamera installiert wurde und auch andere technische Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Aber noch immer wird im Fußball Tag für Tag gelogen und (man könnte der Meinung sein) auch betrogen. Manchmal entsteht der Eindruck, dass hinter den ganzen Abläufen Methode und eindeutige Absichten stecken.

 

Denn noch immer gibt es im Fußball keinen TV-Beweis. Obwohl – das ist Quatsch. TV-Bilder liefern in den großen Ligen Spieltag für Spieltag Beweise für den Lügensport Fußball. Und diese werden als Basis für die heftigen leidenschaftlichen Diskussionen nicht nur der Fans, sondern auch der TV-Moderatoren  und Moderatorinnen genommen. Hier lässt sich halt unter den Besserwissern so schön strei- ten und Referees Fehler nachweisen. Doch von der Nutzung der Technologien will im Digitalisierungs-Zeitalter noch immer nie- mand etwas wirklich wissen. Ohne den Ein- satz moderner technologischer Hilfsmittel lässt sich halt soooooooo viel einfacher und besser lügen und betrügen. So können ein- zelne Spiele in die von den Reichen,  Mäch- tigen und Einflussreichen dieser Welt ge- wünschte Richtung durch gewollte oder „ungewollte“ Manipulation gedreht werden. Dass der TV-Beweis im Fußball bis heute noch nicht wirklich gilt, begründen die Fußball-Gestrigen oftmals mit dem Argument, dass dann das Spiel zu oft unterbrochen werde und dass das letztlich nicht im Interesse des zahlenden Zuschauers sei. Welch schwach- sinnige und vorgeschobene Ansicht ….…….

 

In diesem Kontext könnte man bei den Verbänden und Vereinen dann gleichzeitig auch über die Einführung effektiver Spiel- zeiten im Weltfußball nachdenken. Wichtiger aber ist wohl zweifelsfrei zunächst die Einführung des TV-Beweises.

 

Denn fragen Sie, werte Leser, doch mal in Karlsruhe beim dortigen KSC nach – also  einem Club, der in diesen Tagen vor dem Abstieg in die dritte Liga steht. Gäbe es den TV-Beweis, würde z.B. der HSV vielleicht heute nicht mehr in der Fußball-Bundesliga spielen. Nun gut – vielleicht hätte er nach einem Jahr in der 2. Liga dann auch die Chance der Runderneuerung und „Wieder- auferstehung“ genutzt. Aber nachdem KSC und HSV nach Schiedsrichter-Fehlern wäh- rend der Relegation klar benachteiligt bzw. bevorzugt wurden, stellt sich die Frage des „was-wäre-gewesen-wenn“.

 

Durch einen einzigen Fehler des Schieds- richters wurden in diesem Fall, der nur einer von zigtausend Fällen ist, mehr als 100 Mio. € von der einen in die andere Richtung geschoben, wurden Spieler reicher oder är- mer gemacht, wurden Unternehmen der Karlsruher Wirtschaft betrogen und die Hamburger Wirtschaft gefördert. Und sollte der KSC in diesem Jahr absteigen, muss der Verlust für die Karlsruher noch wesentlich höher gerechnet werden.

 

Ein weiteres Problem: Noch immer laden die Funktionäre der Verbände die regeltech- nische Entscheidung auf dem Spielfeld allein (mit Ausnahme der Torkamera) auf den Schultern von Schiedsrichtern, Linienrichtern und Torrichtern ab, obwohl moderne Tech- nologien längst in der Lage sind, dem Sport ein bisschen mehr Ehrlichkeit zu verleihen. Das aber ist nur eine Schwäche des „Lügen- spiels Fußball“.

 

CEO-Talk mit Fredi Bobic, Eintracht Frankfurt AG

Fußball ist mehr als normales Business

Fredi Bobic und Andreas Gulya.                                                                                       Foto: Hayat Aman Hussien

Die Fragen stellte Udo Rettberg, sie wurden von Andreas Gulya, Präsident des Eintracht-Fanclubs „EFC Bembel Beduinen“ (EFCBB), an Fredi Bobic, Vorstand für den Bereich Sport der Eintracht Frankfurt AG, weitergeleitet. Udo Rettberg ist Mitglied des Eintracht-Fanclubs in Dubai.

EFCBB – Udo Rettberg: Den einen geht beim Sport und beim Fußball das Herz auf. Die anderen erinnern sich beim Sport auch an alte Zeiten. So zum Beispiel bei einer weitreichenden zeitlichen Betrachtung auch an das Römische Reich, wo Politiker Menschen beruhigten und stillhielten, in denen sie ihnen Brot, Geld und Spiele verabreichten. Und Dritte – Großfinanziers und Wirtschaftsmächte – sehen Fußball als Ware, mit der Geld verdient werden kann. Wie sehen Sie als Eintracht-Sportvorstand heute die Rolle des Fußballs?

Fredi Bobic: Der Fußball hat in weiten Teilen der Welt eine enorme Bedeutung, weit über den eigentli- chen Sport hinaus, teilweise ganz ehrlich sogar zu weit. Denn es ist immer noch ein Sport. Aber der Sport, der die Gesellschaft ein wenig verändert hat, der die Herzen berührt. Wir Verantwortliche im Fußball und auch die Spieler müssen sich der Bedeutung und der Verantwortung, die daraus erwächst, bewusst sein.

 

EFCBB: Es gibt immer noch sehr viele, die an die „gute gesellschaftliche Rolle“ des Fußballs als Mittler glauben. Ist es nicht an der Zeit, Fußball als das zu sehen, was es ist – als ein knallhartes Business?

FB: Natürlich ist Profifußball knallhartes Business. Aber dennoch unterscheidet es sich von anderen Wirtschaftsbereichen, etwa dem Bankensektor oder dem industriellen Bereich. Dabei sind die Unterschiede sehr vielfältig. Zum einen ist bei uns alles öffentlich. Jeder kann mitreden oder glaubt das zumindest. Wir leben wahrlich in einer gläsernen Welt. Das macht viele Schritte und Entscheidungen noch schwieriger, macht andererseits aber auch die Emotionalität verständlich. Andererseits können wir eigentlich Langzeitplanungen völlig unterlassen, weil sich alles am aktuellen Erfolg misst. Kurzum: Fußball ist irgendwie doch mehr als ein normales Business.


Zwischen der Eintracht und der Frankfurter Wirtschaft bestehen enge Beziehungen.                                                             Foto: Udo Rettberg

EFCBB: Wenn man sieht, dass die Bigones (Big Ones) und die Extriches (die extrem Reichen) dieser Welt sich des Fußballs angenommen haben, indem sie sich Clubs als Spielzeuge „gönnen“, muss man sich eigentlich wundern, dass die Fans nicht längst auf die Barrikaden gegangen sind. In Manchester hat man nach der Übernahme von ManU durch die Glazers einen eigenen Club gegründet, der heute in einer unteren britischen Liga spielt. In Deutschland sind die Rufe nach Vernunft bislang – abgesehen von Hannover und Leipzig – ausgeblieben. Befürchten Sie, dass die Fans der Bundesliga eines Tages auf die Barrikaden gehen, weil sie nicht gehört werden? Welche Erwartungen haben Sie an Ihre eigenen Fans?

 

FB: Ich kann mit der nostalgischen Denkweise nicht so viel anfangen. Die ganze Welt entwickelt sich, nur der Fußball soll in seiner Ur- sprungsform erhalten bleiben. Das funktioniert nicht. Wir Verant- wortlichen von Eintracht Frankfurt wissen, dass wir bei unseren Ent- scheidungen und Modernisierungs- maßnahmen nie die Tradition des Vereins außer Acht lassen dürfen. Wir müssen unsere Fans mitneh- men, erwarten von diesen aber auch Verständnis, dass wir etwas bewe- gen wollen, um Schritt halten zu können.

 

EFCBB: Investieren so viele Amerikaner in der Premier League, weil dort der beste Fußball gespielt wird oder weil dort die TV-Gelder sehr üppig fließen? Hat Deutschland in dieser Beziehung etwas falsch gemacht mit der Aufrechterhaltung der 50+1 Regel? Werden deutsche Fußballclubs in absehbarer Zeit voll zu Kapitalgesellschaften?

FB: Also mit dem besten Fußball hat das mit Sicherheit nichts zu tun. Wo Geld ist, kommt Geld hinzu. So einfach ist die Sache. Das kennen wir doch aus vielen Situationen. In Deutschland haben wir uns langsamer entwickelt, öffnen uns nun aber auch. 50+1 wird fallen, das ist klar. Dennoch heißt das aber nicht, dass dann alle Schleusen offen sind. Wir werden Strukturen schaffen, die die Werte des deutschen Fußballs bewahren.

 

EFCBB: Was meinen Sie, warum hat bis dato Borussia Dortmund keinen Nachahmer für den Gang an die Börse zur Aufnahme von Eigenkapital gefunden?

FB: Die Antwort ist relativ einfach: weil es in ganz Europa eigentlich keine börsennotierte Erfolgsstory im Profifußball gibt. Ich wäre auch nicht gerade happy, wenn ich ein großes Aktienpaket vom BVB halten würde.

 

EFBB: Stimmen Sie der Aussage zu, dass der nächste große Schub für den Weltfußball durch die Kommerzialisierung des Fußballs in den USA kommen wird. Wann wird die MLS mächtiger und stärker sein als die Top-Ligen in Europa?

FB: Die Kommerzialisierung schrei- tet voran. Ob nun die USA oder China als erstes den Anschluss schaffen, werden wir sehen.

 

EFCBB: Welche Rolle werden die Fußball-verrückten Chinesen sowie Inder in Zukunft spielen?

FB: Die Frage ist, ob sie einen langen Atem haben und auch ihre Unterstützung halten, wenn sich der Erfolg nicht zügig einstellt. Oft verlieren Investoren, die keinen echten Bezug zum Sport haben, dann schnell ihre Begeisterung.

 

EFCBB: Wird die Eintracht in absehbarer Zeit Kooperationen, Patenschaften oder Lizenzvereinbarungen mit Clubs in anderen Ländern (Afrika, Asien, USA) aufbauen?

FB: Die Eintracht ist dabei, sich international gut zu justieren. Denn nur das schafft eine Basis zum kontinuierlichen Erfolg. Welche Schritte wir dabei exakt gehen, möchte ich im Moment noch nicht öffentlich machen.

 

EFCBB: In diesem Kontext: Ist das, was z.B. rund um Red Bull geschieht, nicht der „Tod des Wettbewerbs“, weil im Prinzip unter Einhaltung der Regeln Spieler zwischen Salzburg, Leipzig und New York hin- und hergeschoben werden können?

FB: RB Leipzig und die in den Vereinen jeweils Verantwortlichen unternehmen nichts, was nicht den Verbandsregeln entspricht. Von daher ist es nichts Verbotenes und schon gar nichts Tödliches.

 

EFCBB: Erfüllen die Spieler im heutigen Fußball die ihnen zugedachte Vorbildfunktion?

FB: Das kann man so einheitlich nicht beantworten. Wir halten unsere Spieler jedoch an, ihrer Rolle bewusst zu sein und entsprechend zu leben. Aber was ist heute nicht alles ein Vorbild…

 

EFCBB: Sind die meisten Spieler nicht überbezahlt – schließlich spielen sie ja „nur“ Fußball?

FB: Eine populistische Frage. Wäre das Geld nicht im Markt, könnte es nicht verteilt und damit von den Spielern verlangt oder verdient werden.

 

EFCBB: Danke fürs Gespräch.

 

 

http://www.udorettberg.de/images/PDF/Fuball2017AprilEFCBB.pdf

 

SportsBiz

Fußball: Der große Betrug (II)   

Die Nähe zum Poker

Fußball fasziniert und begeistert – in den USA unter der Bezeichnung „Soccer“. Nach dem 4:0 des USMNT gegen Costa Rica ist der Jubel groß. Gleichzeitig zittern die Fans beim Copa America Centenario. Sollte das Team von Jürgen Klinsmann im nächsten Spiel gegen Paraquay verlieren, ist der Traum vom großen Copa-Erfolg ausgeträumt. Und man kann relativ sicher sein, dass sich die Diskussion um die Qualität des deutschen Trainers verschärfen werden. Klinsmanns Arbeitsplatz ist alles andere als sicher. Sein Ex-Assistent  Jürgen Löw – Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft – dürfte mit Blick auf eine Fortsetzung seiner Trainer-Karriere bessere Karten haben, egal wie die Deutschen bei der UEFA Euro 2016 auch abschneiden werden. Der Fußball hat die Welt voll in seinem Griff  – Krisen-Schlagzeilen geraten in den Hintergrund.

FCB

Erbarmen! Zu spät – die Bayern kommen.                                                                                        Foto: Udo Rettberg


In den USA setzen die Verantwortlichen darauf, dass sie in den kommenden Jahren weiter von Europas Fußballszene profitieren können. Zum einen, weil sie nordamerikanische Talente weiterhin in „Europas Fußballschule“ schicken werden und zum anderen, weil alternde Stars aus Europa immer wieder ihr Gnadenbrot in der Major League Soccer (MLS) suchen und ihr Wissen an die Akteure der US-Fußballschule weitergeben werden. Die MLS ist (ähnlich wie Chinas Liga) längst ein wichtiger Teil des „Wanderungs-Systems“ im Weltfußball, wo ältere Spieler wie Kaka, Jermaine Jones oder Andrea Pirlo und andere Vorbilder sind. Bei den Ablösesummen werden gigantische Beträge gezahlt, wie nachstehende Tabelle zeigt. Besonders interessant wird es dann, wenn die Vorstellungen der sich um bestimmte Spieler streitende Vereine weit auseinanderliegen.

Dann spielen Kicker, deren Berater und  vor allem die Clubs die Geldkarte aus. In diesen Momenten hat Fußball Ähnlichkeit mit Poker. Beispiel gefällig? Bitte schön: Angeblich war Real Madrid bereit, für David Alaba vom FC Bayern München bis zu 50 Mio. € auf den Tisch zu blättern. Die Bayern, so wurde in München kolportiert, seien indes erst bei 80 Mio. € bereit, sich irgendwie mit einem möglichen Transfer zu beschäftigen. Bei Torjäger Robert Lewandowski sollen die Überlegungen angeblich auf einem noch höheren Niveau eingesetzt haben.

Wenn in diesen Tagen die UEFA-Euro 2016 startet, besteht durchaus die Möglichkeit, dass der eine oder andere Spieler unaufmerksam ist, weil er sich bei der verfehlten Ballannahme gerade gedanklich damit beschäftigt, welche Villa er mit dem anstehenden Millionen-Gehalt auf Hawaii erwerben soll. Und vielleicht schwebt ihm in diesem Moment auch gerade ein Bild von einem leicht mit Hawaii-Röckchen bekleideten Insel-Schönheit vor Augen. Also: Fans sollte nicht böse sein, sondern für solche Schwächen Verständnis zeigen.

 

AKTUELL DISKUTIERTE FUSSBALL-DEALS

Die Dimensionen im Zaster- und Laster-Sport Fußball sprengen alle Ketten

Spieler Club Zugang Club Abgang Kosten für „Käufer“     Sonstiges
P.E.Aubameyang Manchester City Borussia Dortmund Ca 75 Mio. € Offen
Henrik Mhkitaryan Premier League-Club Borussia Dortmund Ca 50 Mio. € Noch offen
Sadio mane FC Liverpool Southampton Ca 40 Mio. € Senegal
Erich Bailly Manchester  United FC Villareal Ca 38 Mio € Ivory Coast
Alvaro Morata Real Madrid Juventus Turin Ca 30 Mio. € Offen
Ömer Toprak Borussia Dortmund  Bayer Leverkusen  Ca 25 Mio. € Offen
James vardy FC Arsenal Leicester City Ca 25 Mio, € Offen
Samuel umiti FC Barcelona Olympique Lyon Ca 20 Mio. € Offen
Emre Mor Borussia Dortmund Nordsjaelland DK Ca 18 Mio. € Vertrag bis  2021
Sebastian Rode Borussia Dortmund Dortmund Ca 15 Mio. €  
Christoph Kramer B Mönchengladbach Bayer Leverkusen Ca 15 Mio. €  
Vincent Janssen Tottenham Hotspurs AZ Alkmaar Ca 15 Mio. € Offen
Antonio Rüdiger AS Roma VfB Stuttgart Ca 9,5 Mio. €  
Ron Robert Zieler FC Leicester Hannover 96 Ca 3,5 Mio €  
Kevin Vogt 1899 Hoffenheim 1 FC Köln Ca 2, Mio. €  
Paolo Guerrero Hamburger SV Corinthians Sao Paulo ?????? Offen
Trainerwechsel
Ronald Koeman FC Everton Southampton Ca 6,5 mio  
Markus Weinzierl FC Schalke FC Augsburg Ca. 22 Mio. € davon 2 Mio. Ablöse   

Diese Tabelle basiert auf sehr vagen Angaben von Clubs, Spielern und Pressevertretern der Fußballwelt. Die genannten Ablösesummen und sonstigen Beträge sind als „vager Ansatzpunkt“ zu verstehen. Weder die meisten Clubs, noch die Spieler oder deren Berater nennen konkrete

Zahlen von Transaktionen —  weder heute, noch bei Vertragsabschluss. Auch das ist Teil der „Betrugs-Maschinerie“ im  Fußball. Bei börsen-

notierten Fußballgesellschaften sind diese Zahlen leichter zu erhalten als bei e.V.-Clubs.

Auffallend ist bei der folgenden weitgehend unvollständigen (durchaus möglich erscheinenden) Transfer-Liste, dass die Verantwortlichen bei Borussia Dortmund in den vergangenen Jahren sehr viel Fachwissen bewiesen haben. Denn mit den einstigen Borussen Mario Götze, Robert Lewandowski, die vor der vergangenen Saison beide zum FC Bayern München  wechselten, erzielten die Dortmundr bereits hohe Ablösesummen. Das zunehmende Interesse an den aktuellen BVB-Spielern  Pierre-Emerick Aubameyang und Henrik Mhkitaryan bestätigt das „gute Näschen“ der BVB-Verantwortlichen. Die Transferüberschüsse des BVB in der vergangenen Saison und die in der laufenden Saison an der Börse erwarteten Spieler-Deals drücken sich auch im Aktienkurs des einzigen börsennotierten deutschen Fußball-Unternehmens aus. Gleichwohl ist festzustellen, dass der Aktienkurs heute nur noch einen Bruchteil des beim Börsengang festgesetzten Preises ausmacht. Ergo: Fußball ist für Aktionäre kein gutes Business – für manche Club-Eigner allerdings schon.

Fußball.WM in Schweden

Titelseite eines sehr frühen Fußball-Sammelalbums aus dem Jahr 1958 von der Fußball.WM in Schweden. Für diesen Vorgänger der Panini-Sammelalben liegen Kaufangebote aus Qatar in Höhe von 4000 € vor.                                                                    Foto: Udo Rettberg

 

Devotionalien bestimmen den Wert des Fußballers – Dass die Clubs von Top-Akteuren wie den super-arroganten Kickern Christiano Ronaldo (geschätzter Wert als Fußballer: 115 bis 120 Mio. €) und Zlatan Ibrahimovic (Zitat: „Ich habe die Macht in Frankreich übernommen“) Ablösesummen  von 100 Mio. € plus erzielen, wirft die Frage auf. Sind Fußballer als Menschen so viel wert? Klar – den Wert bestimmen die nicht selten devoten Zuschauer, die Fans, die bei besonders erfolgreichen Kickern wie Ronaldo, Ibrahomic und vor allem Messi zu Verehrern, zu Schwärmern werden und bereit sind, Wahnsinnsummen für Devotionalien wie Trikots, Schuhe und andere Merchandising-Artikel zu zahlen. Manche Clubs haben den Transferaufwand für wichtige und populäre Spieler bereits nach kurzer Zeit durch Verkäufe von Fanartikeln hereingeholt.

 

Die Investition in Fußballer-Beine – Ungeachtet dessen muss an dieser Stelle aus Sicht der  Fußball-Unternehmen die Frage erlaubt sein, ob der Mensch als Produktionsfaktor „Fußballer“  wirklich 100 Mio. € oder mehr wert ist. Werden die erwähnten gigantische Summen also durch die Tatsache gerechtfertigt, dass Fußballer etwas besser mit dem Ball umgehen können als der „normale Mensch“? Die einen sagen „ja“ – die anderen sagen „nein, das ist Quatsch“. Jeder Mensch dürfte sein eigenes Urteil zu dieser Thematik haben. Bedenkt man, dass einzelne Spieler bei der UEFA-Euro 2016 oder bei der Copa America 2016 in der Lage sein werden, ganze Völker glücklich zu machen (zumindest für kurze Momente), dann zeigt das die Macht des Fußballs.

Die Bedeutung der Fans wird oft verkannt – So lange Fußballer also in der Lage sind, ihren Auftrag in einem professionellen Fußballclub – einem Wirtschaftsunternehmen also – zu erfüllen und die Wirtschaftskraft dieses Unternehmebns durch seine sportliche Leistung zu steigern, sind Kicker letztendlich der wichtigste Faktor dieser Institution. Das Ganze würde erst dann ins Wanken geraten und möglicherweise zusammenbrechen, wenn Fußball vom Fan auf den verschiedenen Transport-Kanälen nicht mehr akzeptiert würde; denn schließlich ist es allein der Fan, der über Erfolg  und Misserfolg von Fußball (und anderer Sportarten) entscheidet. Die Bedeutung der oftmals leidenschaftlich agierenden Fans für den Fußball – also sowohl für die Clubs als auch nicht zuletzt für die länder- und erdteil-übergreifenden Organisationen wie die FIFA oder die UEFA oder die CONCACAF – wird allerdings auf Seiten der Spieler und der Funktionäre noch immer nicht vollständig erkannt.


Fußball – was ist das eigentlich?

Der gigantische Erfolg des Fußballs ist relativ einfach erklärt. Die Spieler müssen nicht unbedingt viel denken.  Fußball ist ein simples Spiel, das in seiner Urform und in der danach über Jahrhunderte hinweg vorangetriebenen Fortentwicklung die Massen bewegt. Fußball ist im Kern beinahe so geblieben wie es seit jeher ist. Klar, das Profitum hat auch hier wie in anderen Sportarten über die Jahrzehnte hinweg Einzug gehalten – auf allen Ebenen. Aber Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Kicker  auf einem räumlich begrenzten Raum (idealerweise auf grünem Rasen) hinter einem runden Etwas herrennen. Dieses runde Etwas bestand früher aus Leder, weshalb die Journaille bei der Berichterstattung den Begriff „rundes Leders“ wählte.

Sieger ist nach 90 Minuten (plus vom Schiedsrichter-Team festgelegter Nachspielzeit) jenes Team, das den Ball häufiger als der Gegner in das aus zwei senkrechten Pfählen und einer zwischen diesen beiden Pfählen befestigten Querstange bestehendes Gebilde unterbringt. Und das idealerweise mit Fuß, Kopf, Rücken oder mit jedem anderen Körperteil mit Ausnahme der Hand. Selbstredend versucht der Gegner das nicht nur zu verhindern, sondern er versucht, das gleiche Ziel umzusetzen t. So weit so gut. Dass allerdings  bei diesem super-einfachen Spiel ein oft recht kompliziertes Regelwerk einzuhalten ist, macht das simple Spiel oftmals kompliziert.

So ist darauf zu achten, dass die Regeln eingehalten werden – darunter auch  die Abseitsregel. Verantwortlich für die Einhaltung des Regelwerkes sind im Prinzip ein Schiedsrichter und zwei Linienrichter sowie bei einigen Spiele auch zwei Torrichtern. Hier aber liegt das Problem: Fußballer auf allen Ebenen vertrauen in der Regel den Schieds- und Linienrichtern blind. Sie schimpfen aber dann auf sie, wenn die Entscheigung gegen das eigene Team fällt. Dann werden Spieler, Trainer und Verantwortliche nicht selten auch ausfällig, nutzen die Fäkalsprache und  schlagen oder beißen gegenüber den Gegnern und Referees sogar zu.

Seit Dekaden von verschiedenen Seiten unterbreitete Vorschläge zum Einsatz moderner Video- und TV-Technologien haben die Fußball-Opis in den internationalen Verbänden und in den Clubs bisher so gut wie nicht reagiert. Auf herkömmliche Art und Weise kann man ja im Fjßball nicht nur gut betrügen und sich künstlich aufregen – also Emotionen schaffen. Das Schlimmste: Bei den Einwänden gegen den Fernsehbeweis – „instant replay“ – werden wahnwitzige Argumente vorgebracht. So z.B. der Hinweis, dass man den Fans dann ja Spannung entziehe und Zuschauer dann keine Diskussions-Nahrung mehr hätten. Wie dumm ist das denn?

Ergo: Fußball ist ein Betrüger-Sport.


SportsBiz

Fußball: Wachstumsbranche par excellence 

Der große Betrug 

Die Massen setzen sich in Bewegung. Ihre Ziele sind einerseits die Copa América in den USA und andererseits  die UEFA Euro 2016 in Frankreich. Arbeitgeber sehen dies oft gar nicht so gern, weil die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter für die Dauer der Turniere schrumpft. Für viele Fußball-Fans werden die Nächte kürzer. Zeit zum Ausschlafen gibt es kaum – das Leistungsvermögen der arbeitenden Bevölkerung wird eingeschränkt. Denn das Geschehen am Arbeitsplatz wird auch durch hitzige Diskussionen rund um „König Fußball“ dominiert. Bei heftigen Debatten erweist sich auch die Droge Alkohol als Störfaktor – die Gefahr der Frustration steigt  überproportional.                                                       Von Udo Rettberg – Juni 2016

Ein Bolzplatz in Vietnam

Fußball in den Emerging Markest. Ein Bolzplatz in Vietnam.                                                                                                  Foto: Udo Rettberg

Hinzu kommt in dieser Situatoin: Die Fans werden sich wieder die Köpfe einschlagen – nicht nur symbolisch, sondern auch in der Realität. Das Fußballfieber – besser gesagt: der Fußball-Wahn – bricht aus. Das geht nie ohne Handgreiflichkeiten aus, sowohl auf dem Platz als auch auf den Zuschauerrängen, vor dem Bildschirm und in den Kneipen.  Und da glauben einige wirklich noch immer an die heilende Wirkung des Fußballs, an die Droge des Vergessens. Unkritische Geister sind davon überzeugt, dass Fußball nach wie vor die Attribute „heile Welt“ und „Romantik“ verdient. Nur einige wenige erkennen, dass sich der „Zaster-Sport“ Fußball seit Dekaden in einer riesigen  Betrugs-Maschinerie abspielt.

Und so könnte man meinen, der Fußball stoße an seine Grenzen. Doch die Wahrheit sieht eindeutig anders aus. Denn der Fußball setzt gerade zu seinem globalen Siegeszug an: Die nächsten Erfolgs- und Hype-Stationen für den Fußball – respektive für den „Soccer“, wie sie den Kick mit dem runden Ball  in Nordamerika nennen – sind die MLS Soccer auf dem gigantischen US-Markt sowie der Riesenmarkt in China. Nur wenige wissen, dass in China bereits im 3. Jahrhundert vor Christi unter militärischen Aspekten ein fußball-ähnliches Spiel umgesetzt wurde. Das „Reich der Mitte“ kann also als Begründer der Fußball-Idee gesehen werden. Allgemein wird allerdings  England als die Geburtsstätte des Fußballs bezeichnet.

Was aus dieser bahnbrechenden Idee geworden ist, kann sich durchaus sehen lassen. Fußball ist vom Massen bewegenden Sport zu  einer globalen Wirtschaftsbranche mit gigantischer Dynamik geworden. Dieser weltweit populärste Sport bringt es heute auf einen Jahresumsatz von über 500 Mrd. €. Fußball wird von seinen Befürwortern eine ungeheure heilende und integrierende gesellschaftliche Wirkung zugeschrieben. Doch von dieser einstigen Romantik ist nicht mehr viel geblieben. Beim Fußball geht es vor allem ums Monetäre, um Geld und damit auch um Macht. Das wiederum hat in den vergangenen Dekaden die Aasgeier angelockt – Lügner und Betrüger, die auf allen Ebenen des Fußballs nur ihren eigenen Vorteil sehen, die durch oftmals zweifelhaftes Verhalten vor allem ihre „eigenen Schäfchen ins Trockene bringen“ wollen. Die jüngste Stufe der FIFA-Enthüllungen zeigt das wahre Ausmaß des Debakels, das alle bisherigen Vostellungen weit übertrifft.

Die beispiellosen Skandale auf Verbandsebene bei FIFA und UEFA und auch beim DFB zeigen, was vom „politischen“, „gesellschaftlichen“ und „moralischen“ Wert des Fußballs geblieben ist. Selbst auf Ebene der Club-Funktionäre und der Spieler sind Entwicklungen im Gange,  die eigentlich den lauten Lärm der Alarmglocken initiieren sollten.  Der Fußball – man muss es so deutlich sagen – ist unter dem Deckmäntelchen des Sports ein weltumspannendes Betrugs-System. Das Problem: Der „dumme Fan“ lässt sich nach wie vor veralbern. Nach dem Motto des römischen Dichters „Panem et circenses“ gibt sich das unkritische Volk mit den Brotkrumen zufrieden, die ihnen mit Wissen der Regierungen in der globalen Zirkus-Manege Fußball hingeworfen werden.

Aber – Wochenende für Wochenende liefert der Fußball – angeblich ein König unter den „Belustigungs-Aktivitäten“ der Menschheit – unzählige Beispiele für Betrügereien. Inzwischen aber ist dieser Betrug längst nicht mehr auf das Wochenende begrenzt. Lug und Betrug gibt es nicht nur auf oberer Funktionärs-Ebene in FIFA und UEFA, sondern auch dort, wo es in den Ligen zum Beispiel um Auf- und Abstieg von Clubs (also um hunderte von Millionen Euro geht).

Das jüngste Beispiel mag vielen Fußball-Fans wohl noch in bester Erinnerung sein. Dass Sergio Ramos beim 1:0 von Real Madrid am 29. Mai 2016 im Champions-League-Finale gegen den Stadtrivalen Athletico Madrid im Giuseppe-Meazza-Stadion – besser bekannt unter San-Siro-Stadion – im Abseits stand, war für die Referees möglicherweise nicht wirklich zu erkennen – aber es war halt ein Fakt. Der TV-Beweis zeigte das später eindeutig. Abseits ist halt abseits – und verstößt gegen die geltenden Regeln.

Möglicherweise würde Giuseppe Meazza heute erklären, dass eine ähnliche  Abseits-Stellung während seiner aktiven Laufbahn von 1927 bis 1947 niemanden wirklich auf die Barrikaden gebracht hätte. Und damit hat der einstige Fußballstar wohl  auch recht. Aber das waren schließlich auch andere Fußball-Zeiten.  Damals waren die finanziellen und ökonomischen Aspekte des Fußballs ungleich geringer. Fußball war seinerzeit auch noch Leidenschaft, Hingabe, Spaß und  Herzblut.

Anno 2015 jedenfalls jubelten in Milano die Fans der einen Seite (nämlich von Real Madrid), während die Anhänger des Stadtrivalen Athletico Madrid verständlicherweise bittere Tränen vergossen. Die dümmlichen Herren (und Damen) der internationalen Fußball-Verbände – also das, was man allgemein als Funktionäre bezeichnet – jubelten mit und ließen sich am Ende bei der Pokalübergabe auf den Tribünen sogar feiern. Wofür eigentlich? Für jahrzehntelange Manipulation wahrscheinlich. Gerade hier setzt meine Kritik an; denn diese Herren haben über Dekaden hinweg alles getan, um die Wachstumsbranche Fußball zu einer Spielwiese für Betrügereien und zu einem Sündenpfuhl zu machen. Dass die Funktionärs-Oberen dabei sehr wohl für sich selbst finanziell vorgesorgt haben, ist zwar verwerflich – aber vielleicht auch menschlich.  Wettpaten haben das in der Vergangenheit genauso ausgenutzt wie Schieds- und Linienrichter sowie einige Spieler.

Fussball und Börse

Fußballaktien an Europas Wertpapiermärkten

  • Aalborg Boldspilklub A/S
  • Aarhus Elite A/S
  • AIK Football AB
  • FC Ajax Amsterdam
  • AS Roma SpA
  • Besiktas Futbol Yatirimlari Sanayi ve Ticaret
  • Borussia Dortmund
  • Brondbyernes IF Foodbold A/S
  • Celtic Glasgow plc
  • Fenerbahce Futbol AS
  • Galatasaray Sport Sina ve Ticari
  • Juventus Footbal Club SpA
  • Manchester United plc
  • OL Groupe S.A. Lyonnaise
  • Parken Sport & Entertainment A/S
  • Silkeborg IF Invest
  • Societa Sportiva Lazio Roma SpA
  • Sporting Clube de Portugal Futebol
  • Trabzonsport Sportif Yatirium ve Futboll

———-

      Quelle: AlphaBulls

All das ist in dem Moment vergessen, wenn die von Millionen von Zuschauern bewunderten „Socceros“, die für das Betrüger-Spiel zum Teil mehr als 50 Mio $  p.a. verdienen  auf dem Platz sind. Ich muss mich korrigieren; denn die Spieler verdienen diesen Betrag nicht unbedingt, aber sie erhalten ihn, weil hier das in anderen Bereichen inzwischen abgetötete System der Marktwirtschaft  noch funktioniert. Dass jeder Kicker von Real Madrid für den Sieg angeblich jeweils 600 000 € erhalten haben soll, sei ihm  gegönnt. Zu verstehen ist es allerdings in dieser zerrissenen Zeit trotzdem nicht. Um nicht falsch verstanden zu werden: Bei dieser Kritik geht es konkret nicht um Schelte für die Spieler irgendeines Clubs, hier geht es allein um die löchrigen – ja schwachsinnigen – Strukturen der Wachstumsbranche Fußball.

Denn überall in der Wirtschaft gibt es für die aktiven Beteiligten klare rechtliche Strukturen – also auch Gesetze und Verbote. Die durch Regierungen erarbeiteten – oft eher  schwachsinnigen – Vorschriften reichen bis hin zur viel-zitierten genauen Formel für die Krümmung der Banane und zahlreichen anderen schwachsinnigen Vorgaben reichen. Abgerundet wird das Ganze durch Durchführungsverordnungen, die oftmals hunderte von Druckseiten umfassen.  Das Problem: Im Fußball aber werden seit längerem verfügbare  modernste Mittel der Hochtechnologie nicht genutzt,  um Klarheit und Fairness sowie gleiche Bedingungen für alle zu schaffen. Wie dumm ist das denn?

Immerhin – nach der Einführung der Torkamera wird – vor allem in den USA – seit geraumer  Zeit über die Einführung des „instant replay“ nachgedacht. Und das ist gut so. Die Regelkommission der IFAB will demnächst einen Testballon in diese Richtung starten, wobei die MLS in den USA und die Bundesliga neben anderen Ligen offensichtlich als die wichtigsten „Testmärkte“ ausgesucht worden sind. Man muss davon ausgehen, dass die Anwendung dieser Technologie allerdings noch einmal zwei bis drei Jahre dauern wird – die „hohen Herren“ der Verbände, Clubs und der Wettorganisationen verschaffen sich also noch einmal Zeit für weitere Manipulationen

Wie oft habe ich in den vergangenen zehn Jahren und mehr die gefährliche und in meinen Augen dümmliche Ansicht gehört, dass der Fußball so in Ordnung sei wie er aktuell ist. Gefährlich ist eine solche Einschätzung durch Club-Chefs, Funktionäre und andere Akteure, weil sich diese Gruppe damit selbst der Gefahr aussetzt, in der Öffentlichkeit eventuell als elementarer Bestandteil der Betrugsmaschinerie Fußball  gesehen zu werden. Diese „ewigen Gestrigen“ müssen verstehen: Fußball ist ein Geschäft – und zwar ein knallhartes  – und eine der gigantischsten Wachstumsbranchen der Neuzeit. Hier aber sollte alless mit rechten Dingen zugehen. Manipulationen müssen so weit wie möglich erschwert und sogar ausgeschlossen werden. Auch mir ist klar, dass es einen 100%igen Schutz vor Betrug nie geben wird – aber es sollte wirklich alles getan werden, um einigermaßen Sicherheit darzustellen. Das ist man gerade den Fans schuldig, ohne die (und das haben viele der Oberen noch immer nicht begriffen) gar nichts geht.

Die Bedeutung des Fußballs als ein Element der seit Dekaden boomenden Unterhaltungsbranche – als Teilbereich des Dienstleistungssektors – war zuletzt auch in Milano im San Siro-Stadium in jenen Momenten zu sehen, als Alicia Keys beim CL-Finale mit gigantischem spektakulären Aufwand das musikalische Vorprogramm bot und darüber hinaus Andrea Bocelli mit seiner Jahrhundertstimme die Herzen der Fans eroberte. Fußball – das zeigte sich – ist Transmissionsriemen für Gefühle und Emotionen im globalen Entertainment. Jubel und Ekstase, Hochgefühl und Trauer  bestimmen dieses Spiel.

SportsBiz

Fußball: Gespräch mit BVB-Chef Hans-Joachim Watzke

Das deutsche Modell ist nicht überholt 

Hans-Joachim Watzke ist seit dem Jahr 2005 Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA. Der „BVB“ wiederum ist einer der wichtigen und einflussreichen Fußballclubs in Europa. In Deutschland ist der Club  derzeit der einzige, der dem übermächtigen FC Bayern München Paroli bieten kann. „Aki“ Watzke – Sohn eines Politikers – ist kein Freund des Wortschwalls. Er drückt seine Ansichten und Überzeugungen vielmehr knapp und präzise aus.

           

Die BVB-Aktie – An der Börse sind Fußballwerte wahrlich keine Renner

 

Deutsche Börse AG

Quelle: Deutsche Börse AG

 

AlphaBulls: „Panem et circensis“ war bereits im Römischen Reich eine Maxime der Regierenden.  Der römische Satiriker Juvenal hatte keine besonders positive Meinung über seine Mitbürger, wenn er betonte, dass das Volk allein mit „Brot und Spielen“ zufrieden zu stellen sei. Der Begriff „Circensis“ lässt sich heute wohl am ehesten mit Fußball ersetzen.  Fans dieses „Vergnügens“ gibt es nach wie vor in Massen. Bei der immensen Popularität des Spiels kamen in den vergangenen Dekaden Finanzinvestoren hinzu, die mit Fußball Geld verdienen wollen. Wie sehen Sie heute die Rolle des Fußball-Spiels?

Hans-Joachim Watzke: Ich glaube, dass der Fußball heute eine hohe integrative Kraft in der Gesellschaft abbildet. In einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen „vereinzeln“, bietet der Fußball einer ganzen Gesellschaft dauerhaft ein positiv besetztes Thema.

 AB: Es gibt immer noch sehr viele Betrachter, die an die „gute Rolle“ des Fußballs zum Beispiel als vermittelndes,  vereinendes und integrierendes Element glauben. Ist es aber nicht längst an der Zeit, Fußball als das zu sehen, was es ist – nämlich als ein knallhartes Business?

Hans-Joachim Watzke

Hans-Joachim Watzke in Dubai.                                          Foto: Andreas Gulya

 

HJW: Natürlich ist Fußball ein hartes Business, aber es ist hier auch noch Platz für jede Menge Romantik, für jede Menge Zufälligkeiten und für jede Menge Emotionen. Und das spüren die Menschen auch. Jeder Profifußballspieler würde  – auch wenn er weniger Talent hätte –  für wenig bis kein Geld bei den Amateuren spielen. Die Faszination dieses Spiels ist einfach zu groß.

AB: Bigones und Extriches – also Superreiche und Mächtige dieser Welt – versuchen, ihre Eitelkeit auch durch den Kauf von Fußballclubs zu befriedigen. Einen Champions-League-Titel mit dem ganzen Tohuwabohu erreichen indes nur sehr wenige Clubs und Club-Besitzer.  Den Fans scheint die Motivation der Besitzer nicht viel auszumachen. Bekannt ist allerdings, dass die wahren Fans von Manchester United im Jahr 2005 nach der Übernahme von ManU durch die US-amerikanische Glazer-Familie  einen eigenen Club – den FC United of Manchester – gründeten. Der als „Red Rebels“ bekannte Club ist heute in der „Conference North“ der sechsthöchsten englischen Liga aktiv. In Deutschland ist ein diesbezügliche Verlangen  der Fans nach mehr Vernunft der Clubs bislang weitgehend ausgeblieben, sieht man von Protesten der Fans von Hannover 96 ab. Befürchten Sie, dass Fans der Bundesliga eines Tages auf die Barrikaden gehen, weil sie bei den Verantwortlichen ihrer Clubs kein Gehör finden?

 HJW: Eine solche Befürchtung habe ich für Deutschland überhaupt nicht. In Deutschland gibt es keine Auswüchse wie in anderen Ländern. Deutschland hat das mit Abstand sozialste Preisgefüge zum Beispiel bei den Eintrittskarten. Auch darüber hinaus ist das Zusammenwirken aller am Fußball Beteiligten in den deutschen Vereinen, die nach wie vor die Kraftfelder der Fußballclubs bilden, als geradezu beispielhaft zu bezeichnen.

 

Szene vom Flughafen Istanbul

Wohin geht die Reise für den BVB? Szene vom Flughafen Istanbul. Foto: Udo Rettberg

AB: Investieren so viele amerikanische Unternehmer in der englischen Premier League, weil dort der beste Fußball gespielt wird oder weil dort die TV-Gelder sehr üppig fließen? Hat Deutschland in dieser Beziehung mit der Aufrechterhaltung der 50+1 Regel etwas falsch gemacht? Werden deutsche Fußballclubs in absehbarer Zeit voll zu Kapitalgesellschaften?

HJW: Ich bin ein absoluter Anhänger der 50+1 Regel. Vielleicht nehmen Sie einfach zur Kenntnis, dass mit Real Madrid, dem FC Barcelona und auch mit Bayern München drei Clubs aktuell den europäischen Fußball dominieren, die im Falle von Real und Barcelona als eingetragene Vereine registriert sind und bei Bayern München der eingetragene Verein die absolut beherrschende Position innerhalb der FC Bayern München AG hat. Ich glaube, dass dieses Modell definitiv nicht überholt ist.

 AB: Der BVB ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft. Können Sie uns eine Übersicht geben, wer derzeit wie viele Aktien hält?

HJW: Die Großaktionäre sind Evonik, Signal Iduna, Puma sowie der Privatmann Bernd Geske sowie  der eingetragene Verein. Man sollte aber vor allen Dingen berücksichtigen, dass die Entscheidungen in der Geschäftsführungs-GmbH getroffen werden, die wiederum zu 100% dem Verein gehört.


Zur  Person Hans-Joachim Watzke

Hans-Joachim „Aki“ Watzke wurde am 21. Juni 1959 in der nordrhein-westfälischen Stadt Marsberg geboren. Der Diplom-Kaufmann ist seit dem 15. Februar 2005 Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA sowie der 100%igen Tochter BVB Stadion Holding GmbH. Watzke hatte gemeinsam mit dem Vereinspräsidenten Reinhard Rauball und Finanzgeschäftsführer Thomas Treß großen Anteil daran, den Fußballclub durch die Umstrukturierung von  Verbindlichkeiten vor mehr als einem Jahrzehnt vor der Insolvenz zu bewahren. Der im Ortsteil Erlinghausen seiner Heimat- und Geburtsstadt Marsberg wohnende Hans-Joachim  Watzke ist der Sohn des ehemaligen Politikers Hans Watzke. Als aktiver Fußballer hat „Aki“ – wie ihn Fußball-Deutschland nennt – rund 30 Jahre für den SV Rot-Weiß Erlinghausen gespielt, dessen erster Vorsitzender das CDU-Mitglied heute noch ist. —Verschiedene Quellen:


AB: Warum hat Borussia Dortmund in Deutschland bislang keinen Nachahmer mit Blick auf den Gang an die Wertpapierbörse gefunden?

HJW: Fußball und Börse ist kein ganz konfliktfreies Thema und von daher kann ich auch sehr gut verstehen, dass andere Clubs andere Lösungen gefunden haben.

AB: Gibt es andere innovative Optionen zur Kapitalbeschaffung? Wer die Champions League gewinnen will, benötigt nicht nur eine sehr starke Mannschaft, sondern auch einen großen Kader – und der kostet Geld?

HJW: Natürlich gibt es andere Optionen und am Ende des Tages ist mehr Geld auch immer mit einer  höheren Erfolgswahrscheinlichkeit verbunden. Wenn allerdings die Formel aufgehen würde, wonach der finanzstärkste Club automatisch den größten Erfolg hat, dann hätten zum Beispiel Manchester City und Paris Saint-Germain schon das eine oder andere Mal die Champions League gewinnen müssen.

AB: Stimmen Sie der Aussage zu, dass der nächste große Schub für den Weltfußball durch die Kommerzialisierung des Fußballs in den USA kommen wird. Wann wird die MLS mächtiger und stärker sein als die Top-Ligen in Europa?

HJW: Das muss man abwarten. Ich sehe diese Entwicklung, die schon seit 30 Jahren angekündigt wird, immer noch nicht wirklich kommen.

AB: Welche Rolle werden denn die Fußballverrückten Chinesen und Inder in Zukunft spielen?

HJW: Ich glaube, dass speziell China einer der alles entscheidenden Märkte der nächsten Jahre sein wird –  was den Fußball angeht.

AB: Wird der BVB in absehbarer Zeit Kooperationen, Patenschaften oder Lizenzvereinbarungen mit Clubs in anderen Ländern (so z.B. in Afrika, Asien und in den  USA) aufbauen?

HJW: Das wird so sein.

AB: In diesem Kontext drängt sich die Frage  auf: Ist das, was z.B. rund um Red Bull geschieht, nicht der „Tod des Wettbewerbs“, weil im Prinzip unter Einhaltung der Regeln Spieler zwischen Salzburg, Leipzig und New York hin- und hergeschoben werden könnten?

HJW: Zu dem Konstrukt Red Bull möchte ich mich grundsätzlich nicht äußern.

AB: Den Politikern in Europa ist es über die Jahre hinweg nicht gelungen, die europäische Idee zu verwirklichen. Könnte der Fußball dazu beitragen, Europa auf dem Weg zu den „Vereinigten Staaten von Europa“ voranzubringen, falls die Länder dieses Ziel überhaupt noch haben. Effizient wäre z.B. die Schaffung einer ein- oder zweigleisigen Europa-Fußball-Liga?

HJW: Diese Frage ist mir zu tendenziös und zu wertend – von daher möchte ich sie nicht beantworten.

AB: Erfüllen die Fußballspieler in der heutigen Zeit noch ihre Vorbildfunktion?

HJW: Spieler versuchen, Vorbildfunktionen zu erfüllen. Wie bei allen anderen Menschen auch, ist das allerdings nicht immer von Erfolg gekrönt. Hier sollte man aber auch an junge Spieler, die noch mitten in ihrer menschlichen Entwicklung stecken, keine zu hohe Erwartungs-Messlatte anlegen.

AB: Sind die meisten Spieler nicht überbezahlt – schließlich spielen sie ja „nur“ Fußball?

HJW: Auch diese Frage ist wiederum sehr tendenziös  – von daher verbietet sich eine Antwort darauf.

AB: Wie schätzen Sie die jüngste Initiative des FC St. Pauli Hamburg mit Blick auf die Verteilung der Fernsehgelder ein?

HJW: Ich glaube, dass die Initiative des FC St. Pauli nicht sehr sinnvoll ist.

AB: Fußball generiert im Jahr weltweit direkt und indirekt einen Umsatz von fast 500 Mrd. Dollar. Die Institutionen dieses „Sports“ tun indes noch immer, als sei Fußball pure Romantik. Im Fußball wird weiter fast nur auf Schiedsrichter vertraut. Die Torkamera hat man gegen den Willen mancher Manipulateure endlich zugelassen, aber das „instant replay“ ist weiter kein Thema. Jeder Pfiff des Schiedsrichters kann einen Wert von zig Millionen Euro repräsentieren. Der Karlsruher SC und viele andere „betrogene Vereine“ liefern Beispiele. Sollte man sich nicht gegen die, die Fußball manipulieren – wie Wettpaten, bezahlte Betrüger unter den Schiedsrichtern und Spielern –  stellen und Zuschauern saubere Spiele bieten?

HJW: Ich denke, dass man bei allem Optimierungsbedarf das Spiel weitestgehend lassen sollte, wie es ist. Wenn es um Dinge wie den Videobeweis geht, ist für mich eine grundsätzliche Voraussetzung, dass es zu keinen häufigen Unterbrechungen des Spiels kommen darf. Wo ich mit Ihnen völlig einig bin, ist, dass man speziell die Themen der Wetten sehr genau im Auge behalten muss.


Die Fragen an Hans-Joachim Watzke stellten Andreas Gulya und Udo Rettberg


SportsBiz

eSports-Aktien
Gehirn-Muskeln stärken

Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch – unaufhaltsam, mit Riesenschritten. Neue digitale Anwendungen, die vor einigen Dekaden noch ins Reich der Phantasie verbannt worden waren, sind heute kaum mehr wegzudenken. Dies gilt auch für den boomenden Bereich „eSports“. Im Zeitalter der Industrialisierung 4.0 – der intelligenten vierten industriellen Revolution – geht es vor allem um die Nutzung und Beherrschung von Technologie durch Menschen.

Team Legacy

Optimismus auf der gesamten Mannschafts-Ebene:Im Bild das „Team Legacy“ aus der Ocean Pro League. Quelle: the guardian – Foto: Udo Rettberg

Von UDO RETTBERG – Mitte Februar 2016 – Der beim Researchhaus IHS Technology für digitale Medien zuständige Senior-Direktor Dan Cryan spricht davon, dass sich eSports-Videos – als Teilbereich der Video-Gaming-Branche – recht rasch von der Nische zu einer weltweit stark beachteten Kategorie der Unterhaltungs-Industrie entwickelt haben. Zahlreiche Betrachter mag es stören, dass dieser boomende Technologie-Bereich die schmückende Bezeichnung „Sport” enthält. Denn die Verbindung zum Sport assoziiert für die meisten Menschen muskelaufwändiges Streben nach höher, schneller, weiter – also grundsätzlich nach Besserem. Es ist vor allem die Jagd nach körperlichen Bestleistungen, nach Rekorden, die den Sport in seinenen Grundelementen ausmachen. Darüber hinaus ist klar, dass die zum einen in der gesundheitsorientierten Ausrichtung und zum anderen in der menschlichen Integration zu sehenden Ziele des Sports seit Dekaden immer stärker kommerziellen Zielen gewichen sind. Sport ist zum „big business“ und zu einer großen „Werbeveranstaltung“ geworden – zum Leidwesen der Romantiker übrigens. Und das gilt in noch größeren Ausmaß für seinen „kleinen Bruder“, für den Bereich eSports.

Für ältere Generationen hat die virtuelle Abbildung von Sportarten auf Videogeräten, Computern, Spielekonsolen, TV-Geräten oder aber zunehmend auch auf mobilen elektronischen Audio- und Video-Plattformen indes nur wenig mit Sport zu tun. Oder aber nur insofern, als Sport in seiner Vielfalt oftmals Inhalt dieser Spiele ist – Fußball, Golf, Eishockey, Boxen und viele andere Sportarten mehr. Mit den dem realen Sport bei Menschen anhaftenden Fähigkeiten wie Muskelstärke, Schnelligkeit, Ausdauer hat das Ganze im Prinzip nur wenig zu tun. Schon eher mit Fähigkeiten wie Auffassungsgabe, Antizipation, Präzision und Reaktionsschnelligkeit.


Was ist „Sport“? Und was ist eigentlich „eSports“?

Sport – Man sollte meinen, der Begriff „Sport“ sei einfach zu definieren. Dem ist jedoch nicht so. Denn wer sich in der Politik, der Wissenschaft und in organisierten Verbänden nach konkreten Bedeutungs-Zuweisungen für den Begriff Sport erkundigt, wird feststellen: Allgemein werden als Sport unterschiedliche Bewegungs-, Spiel- und Wettkampfformen für Menschen und Tiere (z.B. Reitsport) und Geräte wie Fahrzeuge (z.B. Radsport oder Automobilsport) definiert. Meist stehen diese Formen im Kontext mit körperlichen Aktivitäten des Homo sapiens. Sport ist vielseitig. Sport ist darüber hinaus alles und nichts. Einige reihen sogar den entspannten Spaziergang bereits in die Liste der Sportarten ein. Andere fordern für eines solche Klassifikation allerdngs auch die Einbeziehung des Leistungsgedankens. In den USA wird im Übrigen auch Angeln – also Fishing – als Sport gesehen und ist dort Statistiken zufolge sogar der meistbetriebene Sport.

eSports – Als eSports (auch E-Sport) wird der „sportliche Wettkampf“ zwischen Menschen mit Hilfe von Cosmputerspielen definiert. Über solche Computerspiele können fast alle reellen Sportarten virtuell abgebildet werden. Nicht selten wird der Wettkampf im eSport über den Mehrspielermodus – also Person gegen Person oder aber Team gegen Team – ausgetragen. E-Sport existiert seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Die Software- und Computer-Technologie im Bereich eSports hat sich in den vergangenen Dekaden im Zuge der Innovationskraft der Hightech-Branche dramatisch verbessert. Realsporter bezeichnen eSports nicht selten kritisch als Freizeitvertreib und als „technische Spielerei“. E-Sport wird meist online auf PC (also Personal Computern), auf Spielekonsolen und verstärkt auch auf mobilen Anwendungen und Geräten betrieben. In einigen Ländern wird eSports als Sportart anerkannt. By the way: Rund 40 % der eSports-Zuschauer spielen die Spiele nicht selbst. eSports ist Teil des Riesenmarktes für Video-Spiele. Der Industriezweig für Video-Spiele insgesamt erzielte im Jahr 2015 einen Umsatz von 80 Mrd. $. Prognose: Bis 2018 soll der Umsatz mehr als 100 Mrd. $ erreichen.


Denn die Cracks der eSport-Szene nutzen bei ihren mit „League of Legends“ oder „Counter Strike“ sowie „Dota 2“ bezeichneten Spielen vor allem ihre geistigen Fähigkeiten in Verbindung mit den flinken Fingern – und das in der Regel im Sitzen. Immerhin hacken sie mit starrem auf den Bildschirm gerichteten Blick bis zu 400 mal in der Minute mit ihren Fingern auf Mäuse – nämlich Computermäuse – und Tastaturen ein und halten beim Team-Wettbewerb über Kopfhörer den direkten Kontakt zu ihren Teamkollegen. Und das bei den großen Events vor zigtausenden von Zuschauern in Arenen.

Der Vergleich mit Peyton Manning – Profi-eSportler genießen bei den Fans eine ähnliche Popularität wie zum Beispiel Super-Bowl-Legende Peyton Menning. Interviews von eSports-Cracks wie Kory „Semphis“ Friesen werden auf Youtube mehr als 200 000 Mal angeklickt – meist selbstverständlich von jungen Leuten. Man mag es nicht glauben, aber die Tätigkeit der eSports-Akteure scheint so anspruchsvoll zu sein, dass es auch hier bereits (wie im realen Sport) Dopingvergehen gibt. Denn einige Cracks gaben zuletzt offen zu, zur Vorbeugung von Konzentrationsmängeln vor Wettbewerben leistungsfördernde (Psycho)-Stimulanzien – nämlich Medikamente wie Adderall oder Ritalin – zu sich zu nehmen.

ELECTRONIC ARTS — Von 10 $ auf 75 $

Chart

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 Quelle: Barchart

Nicht nur wegen solcher Leistungsförderung interessiert eSports darüber hinaus unter anderem auch die Investoren an den Kapitalmärkten und Börsen, die sich für die steigende Zahl von wie Pilze aus dem Boden schießenden eSports-Neugründungen interessieren. Nach gigantischen Kurssteigerungen während der vergangenen fünf Jahre sind eSports-Aktien im Rahmen der allgemeinen Aktien-Baisse zuletzt kräftig eingebrochen. Und schon warnen viele Beobachter davor, dass sich hier der „ Internet-Bubble 4.0“ bilden könnte. In Deutschland werden viele Börsianer an den so genannten Neuen Markt erinnert, der das Image der Deutschen Börse arg ramponiert hatte. Aber – das Potenzial des eSports scheint a) bei weitem überschätzt zu werden und scheint b) gleichzeitig bei weitem noch nicht ausgeschöpft zu sein.

Wer die Bedeutung und die Dynamik des eSports-Markets unterschätzt, sollte einen Blick auf nackte Daten werfen. Dass Amazon kürzlich den Spiele-Streaming-Dienstleister Twitch für mehr als 1 Mrd. $ übernommen hat, zeigt das von der Wirtschaft auf diesem Gebiet erkannte gigantische Potenzial. „Als wir die ESL – die weltgrößte eSports-Gesellschaft – vor 15 Jahren ins Leben gerufen haben, war es unser Ziel eSports zu Fans in aller Welt zu bringen und es als globalen Sport zu etablieren“, bringt Ralf Reichert, CEO von ESL, die Dinge auf den Punkt. Gemeinsam mit der global aktiven Unterhaltungsgruppe MTG will ESL jetzt die nächste Stufe der eSports-Rakete gezündet werden. MTG – Modern Times Group – hat nämlich zuletzt die Mehrheit an Turtle Entertainment GmbH, der Holdinggesellschaft der ESL und ihrer internationalen Tochtergesellchaften, für einen Betrag von 78 Mio. $ übernommen.

Die Statistiker der Researchgesellschaft IHS Technology haben errechnet, dass nicht nur die Aktiven-Zeiten, sondern auch die Zuschauerzahlen bei eSports seit vielen Jahren überdurchschnittlich wachsen. Menschen suchen sich im von den Politikern kreierten weltweiten politischen Chaos also eine neue Ablenkung. Während die eSports-Freaks im Jahr 2011 noch 1,3 Mrd. Stunden an ihren Geräten vor eSports-Videos wie League of Legends, Dota 2 und Star Craft II saßen, ist diese Zahl im Jahr 2013 auf 2,4 Mrd. Stunden gestiegen.Schätzungen für das Jahr 2015 liegen bei 3,5 bis 3,7 Mrd. Stunden.

Der Lockruf von „League of Legends“ – Im Jahr 2014 lockten die League of Legends-Meisterschaften im Unterhaltungs-Segment eSports rund 27 Mio. Zuschauer. Der globale eSports-Markt – die direkt und indirekt generierten Umsätze also – wird von mehreren Seiten auf knapp 300 Mio. $ p.a. geschätzt. Andere sprechen sogar bereits von Umsätzen in Höhe von mehr als 600 Mio. $. Bis zum Jahr 2017 soll zum Beispiel allein das Umsatzvolumen im Bereich eSports-Videos die Marke von 300 Mio.$ übersteigen, so die IHS-Prognosen.

Wer allerdings heute bereits davon spricht, dass eSports schon bald in die Dimensionen des realen Sports hineinwachsen kann, der sollte mehrere Male nachdenken und die vielen Nullen in seinem Kopf ordnen. Denn eine solche Euphorie verbietet sich schlichtweg. Denn wer bedenkt, dass allein der Fußball über seine gesamte Breite hinweg einen ökonomischen Wert von über rund 200 Mrd. $ aufweist, wird rasch erkennen, dass eSport finanziell ein weit überschätztes „Abfallprodukt“ oder „Ergänzungsprodukt“ des realen Sports ist.

Die eSports-Branche hat ihre Ursprünge im PC-Video-Gaming-Markt – einem Markt, dem vor wenigen Jahren bereits der schleichende Tods vorhergesagt worden war. Durch die Entwicklung von Spielekonsolen und Mac-Geräten auf der einen sowie durch den großen Durchbruch von Internet-Anwendungen und Mobilfunk-Applikationen – den Säulen der Digitalisierung also – erhielt Video-Games-Markt eine zweite Chance im Todeskampf. Das Überleben ist dem Markt eindrücklich gelungen. Die Ergebnisse basieren vor allem auf dem Content-Treiber Sport. Researchhäuser sind sich einig: Ein Ende des Booms ist nicht absehbar – zunächst jedenfalls nicht.

Starke Impulse aus Südkorea Eine immense Fan-Basis hat eSports zuallererst in den USA, aber auch in Südkorea, wo im Jahr 2000 bereits die Korean e-Sports-Association ins Leben gerufen wurde, die mit dafür verantwortlich war, dass das Land über eine exzellent ausgebaute und technologisch führende eSports-Infrastruktur verfügt. Dieser Spirit ist von Südkorea inzwischen in die VR China und auch nach Russland übergesprungen. Das Geheimnis für den Erfolg dieser „sportlichen Beschäftigung“ sind zwischenmenschliche Faktoren. Bei Video-Spielen werden sowohl durch das direkte spielerische Auseinandertreffen von Spielern als auch über die indirekte Teilnahme als Zuschauer unzählige Menschen zusammengebracht.

Der Markt für eSports kann grob unterteilt werden in die Bereiche Amateure, Übertragungskanäle und Veranstaltungen mit professionellen Spielern. In diese Skalierung ordnen sich a) die Teams, b) die Verleger und Spiele-Herausgeber, c) die unterschiedlichen Ligen und nicht zuletzt d) die Veranstaltungen ein. „Die Spiele-Kreateure und –Herausgeber haben bei ihren strategischen Überlegungen und Zielen einen kritischen Blick auf die Video-Infrastruktur des Marktes, weil sie an der Konvergenz von Videos und Spielen interessiert sein müssen“. sagt Anne Blanchard, die im Bereich Gaming Solution bei Limelight Networks tätig ist. Die in dieser Verbindung liegenden Geschäftsmöglichkeiten wurden erst in den vergangenen Jahren peu a peu erkannt und führten in der Folge zu innovativen und kreativen Entwicklungen.

ACTIVISION BLIZZARD – Scharfe Korrektur

chart2

Quelle: Barchart

Die Fans jedenfalls sind „irre“. Das beweist zum Beispiel die Meisterschaft von League of Legends – dem beliebtesten eSport-Spiel -, das im Jahr 2015 am Finaltag fast 30 Mio. Zuschauer verfolgten. Zum Vergleich: Die Zuschauerzahl bei den Finanlspielen der NBA (National Basketball Association) waren geringer.

Werbung als Treiber – Dass eSports wahrscheinlich erst am Anfang einer langen positiven Entwicklung steht, ist bei Fachleuten unumstritten. „Ich denke, dass dieser Markt weiter wachsen wird“, sagt EA-Vorstandschef Andrew Wilson. Dessen positive Prognose wird wohl auch auf der Erwartung beruhen, dass Sponsoren und Werbetreibende des realen Sports sich immer stärker im eSport engagieren werden. Dass gilt sowohl für McDonalds, Burger King, Coca Cola, Budweiser und die anderen „Konsumgüter-Supermarken“ in der Welt. Denn in den Bereich eSports fließen enorme Geldmengen und Werbebeträge. Die hier tätigen Unternehmen stellen sich zudem immer breiter auf – sie entwickeln eigene Spiele, eigene Plattformen, eigene Stadien uvam ………
Auffallend ist, dass hier vor allem auch jene Markenartikelhersteller zu finden sind, die beim Fußball, beim Football, beim Basketball, Baseball und Eishockey für paradiesisch Sponsoring- und Werbezustände sorgen. In diesem Kontext sind neben den oben genannten Markenriesen auch Namen wie Red Bull, Nissan, BenQ, Plantronic, Microsoft, Mattel, Nissan, Intel, Samsung und AMD zu nennen. Und natürlich haben auch sowohl die Social-Media-Firmen wie Facebook und YouTube als auch die Akteure der Wettbranche längst den Bereich eSports entdeckt – hier fließen riesige Geldbeträge. Größere Engagements gibt es im Wettbereich von Firmen wie Datbet, ESport Bets, Pinnacle und Bet365. Und so sind die auf den verschiedenen Ebenen der eSports-Wertschöpfungskette tätigen Unternehmen auch aus Sicht des Kapitals interessant. Die Zahl der börsennotierten Gesellschaften ist über die Jahre hinweg stark gestiegen.

eSports-Aktien an den Börsen der Welt

Unternehmen Tickersymbol Aktienkurs Hoch / Tief 52 Wochen Marktkapitaliesierung
Amazon  AMZN  507,08 $  696 / 366 $  238,8 Mrd. $
Activision Blizzard  ATVI  28,12 $  39,83 / 22,28 $  20,56 Mrd. $
Banday Namco  NCBDF.PK  18,54 $  24,95 / 18,54 $  474,192 Bio. Yen
 Electronic Arts  EA  58,35 $  76,92 / 53,01 $  18,326 Mrd. $
 Gfinity UK  GFIN.L  14,12 Pfund  28,4 / 13,5 Pfund  12,09 Mio. Pfund
 Giga Media  GIGM  2,88 $  4,50 / 2,45 $  31,83 Mio. $
 IHS Technology  IHS  96,09 $  135,1 / 92,59 $  6,45 Mrd. $
 King Digital Entertain  KING  17,98 $  18,00 / 11,63 $  5,680 Mrd. $
 NC Soft Südkorea  036570.KS  233000 Won  250000 / 167000 Won  5,197 Mrd. Won
 Nvidia Corp  NVDA  25,73 $  33,94 / 19,08 $  13,84 Mrd. $
 Steampunk Wizards Inc  SPWZ  0,29 $  2,12 / 0,12 $  9,389 Mio. $
 Tencent China  TCEHY  17,05 $  22,30 / 14,71 $  1,25 Mrd. Hk$
 Trig Social Media AG  TRIGG.DE  0,04 €  3,39 / 0,01 €  14,55 Mio. €
 Turtle Beach  HEAR  0,94 $  3,72 / 0,91 $  46,28 Mio. $
 Ubisoft Entertainment  UBIP.PA  19,54 €  28,23 / 14,84 €  2,112 Mrd. €
 PVP Ventures India  PVP.NS  4,85 Rupien  7,90 / 4,20  1,183 Mrd. Rupien
 Zynga Inc  ZNGA  1,83 $  3,13 / 1,78 $  1,707 Mrd. $
 Quelle: Udo Rettberg und AlphaBulls

 

Gehirn-Muskeln stärken

Event Reports

eSports

Fingerfertig beim Elfmeter

Sie gelten als die Künstler und Zauberer von morgen, als die digitalen Ronaldos oder die virtuellen Messis. Sie sind die Supersportler der Moderne. Klar, was sie für ihre Tätigkeit nicht unbedingt benötigen, ist ein voll durchtrainierter Körper und auch nicht die Supermuskeln. Ihre Beine bieten in der Regel nicht die Schnelligkeit und Wendigkeit der beiden Superstars von Real Madrid oder des FC Barcelona.

SkySport

SkySport – im Mittelpunkt der Digitalisierung des Sports.                                                                                                                           Foto: Udo Rettberg

Sie schießen den Elfmeter auch nicht mit ihren strammen Beinen, sondern vielmehr mit der Hand, mit den Fingern – und der Schiedsrichter wird in diesem Fall wegen der Zuhilfenahme der Finger auch nicht auf Handspiel entscheiden. Die Fähigkeiten dieser „Sportler“ liegen vielmehr sowohl in den geistigen Spären als auch in motorischen Fähigkeiten, wie in unglaublich raschen Fingern, enormer geistiger Flexibilität, in der Fähigkeit, Reaktionen des Gegners frühzeitig zu antizipieren. Die Rede ist von den Megastars der eSport-Szene, die eine besondere Fähigkeit zur Koordination von Augen und Gehirn benötigen. Beim e-Sport geht es um den Wettkampf zwischen Menschen durch die Nutzung von elektronischen Computerspiele. Und so ist festzuhalten, dass eSport ein „Kind des Internets“ ist und eine Folge der Digitalisierung der Weltwirtschaft ist.

Bei eSport wird der Wettkampf in der Regel über den Mehrspieler-Faktor von Computerspielen ausgetragen – also Mann gegen Mann, Frau gegen Frau als Individualsport oder aber Team gegen Team als Mannschaftssport. Das alles findet auf unterschiedlich gearteten elektronischen Geräten und Bildschirmen statt. Dieser eSport wird auf PersonalComputern, auf Spielkonsolen und in Zukunft wohl auch immer stärker auf Mobilgeräten ausgetragen

Klar – viele Menschen würden ihre Fähigkeit und Leistung nich unbedingt unter die Bezeichnung „Sport“ einreihen. Und in der Tat haben ihre Aktivitäten nicht sehr viel zu tun mit der herkömmlichen Sichtweise des Begriffs Sport. Aber es wäre ein Fehler, den Bereich eSport zu unterschätzen – gerade auch aus Sicht der Börse. In einigen Ländern wird eSport inzwischen sogar von den nationalen Sportverbänden als „Sportart“ anerkannt. Klar, man muss diese Auffassung nicht unbedingt teilen. Aber ein wesentlicher Faktor wird wohl dazu beitragen, dass sich immer mehr Länder dieser Wertung anschließen werden – nämlich der Faktor Geld. Der Markt weist eine Umsatzgröße von rund 260 Mio. $ auf. Die Marke von 1 Mrd. $ wird schon in wenigen Jahren erreicht.

Auf den zahlenmäßig immer häufigeren Veranstaltungen und Wettbewerben werden gigantische Preisgelder gezahlt. Die „Top-Junkies“ der Szene sind mehrfache Millionäre. Die größten Märkte für eSport sind zweifellos die USA und die Länder im Fernen Osten unter Führung von Korea. Selbst Welt-Titelkämpfe und Olympiaden gibt es für eSport bereits. Es ist spannend, zu sehen, dass der eSport heute bereits ähnliche Probleme (Korruption, Wettbetrug etc) hat wie der „reale Sport“.

Angesichts des   „Faktors Werbung“ – Markenfirmen investieren inzwischen gigantische Summen in den eSport – ist für die kommenden Jahre mit zweistelligen prozentuellen Wachstumsraten zu rechnen werden. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Unternehmen in den unterschiedlichen Nischen dieses Marktes tummeln und es im Digitalisierungs-Zeitalter wohl in keinem anderen Bereich solch gigantischen Steigerungen bei Firmen-Neugründungen gibt.

Die US-Gesellschaft Azubu ist eine jener vergleichsweise jungen Firmen der noch sehr jungen eSport-Szene. Aber – die Geburtsstunde von eSport schlug allerdings bereits in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Aber damals war damals.. Die Fortschritte dieser Branche sind gigantisch – vergleichbar mit den Quantensprüngen der Medien, des Internets und mit der Digitalisierung der Weltwirtschaft.

Ian Sharpe, CEO des in Kalifornien beheimateten Unternehmens, ist ein Fan sowohl des eSports als auch des realen Sports – vor allem des Fußballs. Das Herz des Briten hängt am London Fußballclub der Tottenham Hotspurs. Wenn immer er in der britischen Haupstadt ist, besucht Ian Sparpe sein Team im Stadion an der White Hart lane. Im CEO-Interview weist Sharpe auch auf seine besondere Beziehung zum Fußball in Deutschland und in den USA hin; denn einer seiner Lieblings-Fußballer ist Jürgen Klinsmann. „Der hat früher für Tottenham sehr viele Tore geschossen“, schwärmt er vom ehemaligen deutschen und heutigen amerikanischen Nationaltrainer.


CEO-TALK mit Ian Sharpe

Geübter Meister

Ian Sharpe

Ian Sharpe, CEO con Azubu, blickt kritisch auf das Spielfeld.                                                                                                                          Foto: Azubu

Frage Udo Rettberg: Welches Fachwissen und welche Fähigkeiten benötigen Spieler in der Arena des e-Sports? Gilt auch hier: Früh übt sich wer ein Meister werden will?

Antwort Ian Sharpe: Wie in jedem Bereich des Lebens so gilt auch hier die von Malcolm Gladwell aufgestellte 10 000-Stunden-Regel. Übung macht halt den Meister. Viele Menschen unterschätzen den Aufwand, den Spieler betreiben müssen, wenn sie im eSport erfolgreich sein wollen. Selbstverständlich ist Talent sehr hilreich, aber wenn ein Akteur wirklich gut sein will, dann ist Übung der wichtigste Faktor. Darüber hinaus ist es wichtig Spieler zu finden, mit denen Du auf einer Linie liegst. Strategisches Denken auf der einen und Zusammenarbeit – also Teamarbeit – auf der anderen Seite sind die Eckpfeiler des Sieges. Wenn einer auf dieser Basis aufbauen kann, ist das immer hilfreich.

UR: Sie haben die Größe – also den Umsatz – des globalen eSport-Marktes mit rund 250 Mio. $ beziffert. Wie kann der Faktor Umsatz im eSport-Markt gemessen werden. Was fließt alles in diese Umsatzgröße ein?

IS: Über die einzelnen Umsatz-Elemente kann ich wenig sagen, aber die Experten von NewZoo haben für 2015 eine Umsatzgröße von rund 252 Mio. $ errechnet, was gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung um 30 % entspricht. Sicher ist, dass es sich hier um eine völlig neue Branche handelt, die sich sehr positiv entwickelt und neue Umsatzströme nach sich zieht.

UR: Ich schätze, die USA sind der größte Markt – richtig? Ist eSports denn eigentlich vor allem eine in englischer Sprache genutzte „Beschäftigung“?

IS: Nach Angaben von NewZoo sind die USA in der Tat der größte Markt, vor China, die das Verhalten ihrer koreanischen Nachbarn übernommen haben. Die Spiele-Kultur in Fernost ist sehr unterschiedlich im Vergleich zum Westen. In den östlichen Ländern schlug die Geburtsstunde des so genannten „freemium“-Modells, bei dem Spieler bereit sind, unzählige Stunden in ihr favorisiertes Spiel zu investieren. Wenn wir dies berücksichtigen, wird jeder, der ein Spiel in den Westen bringt möglicherweise das Geschäftsmodell überdenken und eine spezielle Anpassung an westliche   Verhaltensweisen vornehmen.

UR: Worin lagen die Gründe, dass der koreanische Markt vor einigen Jahren plötzlich einbrach?

IS: Mit dem starken Wachstum des chinesischen eSport-Marktes nahm die Bereitschaft zu größeren Investitionen zu, um die besten Talente für sich zu gewinnen. Als Folge kam es in Korea zu einem so genannten „Brain Drain“- also zu einer Situation, in der die führenden koreanischen Spieler von chinesischen Teams mit sehr viel Geld abgeworben wurden. Allerdings sind Organisationen wie KeSPA, wie die Fernsehstation OGN und Veranstaltungen wie die G Star Show ein Zeichen dafür, dass Korea im eSport nach wie vor „crucible“ ist.

UR: Einige statistische Fragen: Welche Altersgruppe und welches Geschlecht dominiert den Markt?

IR: Nach Angaben von NewZoo sind 55 % der nordamerikanischen Nutzer im Alter zwischen 21 und 33. In den USA sind etwa 30 % der Enthusiasten Frauen und 70 % sind Männer.

UR: Wie sieht es mit den Preisgeldern für die Top-Akteure im eSport aus?

IS: Das ist sehr stark von den einzelnen Spielen abhängig. Bei Wettbewerben wie „League of Legends“ und „Dota2“ sind die Taschen am tiefsten. Nach Angaben von NewZoo lagen die Preisgelder bei Veranstaltungen im Jahr 2015 bei 71 Mio. $. Beim „Dota 2 International“ lag das Preisgeld be 18 Mio. $ – das Gewinnerteam hat allein 5 Mio. $ eingestrichen.

UR: Welcher wirkliche Sport wird den von den eSport-Enthusiasten am liebsten und häufigsten gespielt?

IS: Vor dem Hintergrund der „Schönheit des Spiels Fußball“ in Europa, Südamerika und Nordamerika ist es wohl keine Überraschung, dass EA Sports FIFA sehr populär ist, was auch durch den Input des FIFA Interactive World Cup resultiert. Wenn es aber tatsächlich zum eSports-Markt kommt, dann liegen die Spiele und Titel vorn, die wenig mit der realen Sportwelt zu tun haben. Hier sind League of Legends, Dota 2, Heathstone, CS:GO zu nennen, die die eigentlichen Sport-Spiele in der Popularität hinter sich lassen.

UR: Auf welchen Geräten werden eSports-Anwendungen am häufigsten gespielt? IS: Auch wenn sSports wegen der Komplexität der Abläufe vor allem auf dem PC gespielt wird, erfolgt die visuelle Beobachtung auf zahlreichen anderen Plattformen und Applikationen – vor allem im Mobilbereich. Während des Jahres 2015 sind mobile Anwendungen bei eSports im dreistelligen prozentualen Bereich gewachsen.

UR: Wird beim Wachstum auch unterschieden zwischen online and offline?

IS: Praktisch der gesamte eSports-Markt findet vor allem online statt, wenngleich die großen Turniere und die einzelnen Ligen vor Publikum auch in großen Arenen und Veranstaltungszentren stattfinden. Bei großen Turnieren sind die Fans – ähnlich wie in der realen Sportwelt – sowohl im Stadion präsent als auch online mit dabei. Nach Angaben von NewZoo werden bei den großen globalen Events wie ESL One Cologne, LCS Europe Finals, LCS North America Finals und den OGN Masters bis zu jeweils 100 000 Zuschauer vor Ort sein – und zugleich werden die Spiele von mehr als 50 Millionen Fans online verfolgt.

UR: Wo sehen Sie das Wachstumspotential von eSports in den kommenden fünf Jahren?

IS: An diesem Markt besteht ein riesiges Wachstumspotenzial. Es ist so als sitze man beim großen Knall ganz vorne in der ersten Reihe. Man sieht, dass alle wichtigen und den Gesamtmarkt ausmachenden Elemente zusammenkommen, um gigantisches Wachstum zu erzeugen. Nämlich das starke Interesse der Verlage, der Zuschauer, der Markenartikler und der Technologie-Branche.

UR: Beschreiben Sie doch bitte kurz Ihre Firma Azubu. Wem gehört Azubu eigentlich?

IS: Azubu ist ein weltweit aktives Netzwerk mit dem Fokus auf eSports. Wir offerieren einmalige Gaming-und Darstellungs-Erfahrungen mit interaktiven Möglichkeiten für elektronische Verbreiter und die interessierte Gaming-Community. Azubu befindet sich im Besitz von Sapinda. Über die einzelnen Besitzer-Anteile kann ich leider keine Auskunft geben.

 

 

DFL-Tagung

DFL-Tagung in Frankfurt am Main.                                                                                                                                                Foto: Udo Rettberg


UR: Was unterscheidet Azubu von den Konkurrenten?

IS: Wir bei Azubu weisen verschiedene geschäftliche und operative Elemente auf, die uns von unserer Konkurrenz unterscheiden.

1) Wir sind ein globales Netzwerk,das global mit Medien-Übertragungs-Einrichtungen und eSports-Fans zusammenarbeitet – und das nicht nur in unserem eigenen Hinterhof. Origen sind als einer unserer größten Partner zum Beispiel in Berlin ansässig. Der Rest kommt durch die Innovationskraft.

2) Wir verfügen über eine einzigartige Erfahrung bei der Schaffung eigener personalisierter Übertragungs-Kanäle, so dass Mediengesellschaften über Module auf personalisierte Daten wie persönliche Profile, Statistiken der Anwender zugreifen können.

3) Wir bieten unseren Klienten über 24 Stunden an allen 7 Tagen in der Woche einen so genannten Live-Support – und das in 4 Sprachen (nämlich englisch, koreanisch, portugiesisch und russisch).

4) Unseren Nutzern bieten wir ausgeklügelte Technologie inklusive neuer HLS HTML5 Player, 60dps, modularem Layout uund klickbaren Overlays. Die technologische Basis wird laufend an die Anforderungen angepasst.

Unter Berücksichtigung all dieser einzigartiger Features sind wir für das Jahr 2016 ausgesprochen optimistisch, unseren Kunden und Partnern das Beste vom Besten anbieten zu können.

UR: Nachdem sie über die Finanzmärkte neues Kapital in Höhe von 55 Mio. € augenommen haben, scheint ihr Wachstum vorprogrammiert. Welche Ziele wollen sie in der vorhersehbaren Zukunft erreichen?

IS: Wir wollen dazu beitragen, die Geschäfte für die Broadcaster und ihre Marken mit anzukurbeln. Das kann durch Werbung, Account Management Support, Marketing und Promotions, Kundenservice usw geschehen. Unser Team weiß genau, mit welchen Maßnahmen ein Broadcaster auf einer Live-Streaming Plattform sein Business erfolgreich gestalten kann.“

UR: Planen Sie zur Wachstumsfinanzierung in absehbarer Zeit den Gang an die Börse?

IS: Derzeit haben wir keinerlei Pläne in diese Richtung

UR: Wer sind Ihre ärgsten Wettbewerber?

IS: Derzeit konkurrieren wir vor allem mit Firmen wie Twitch und YouTube Gaming. Daher ist die jüngste Finanzierung auch so wichtig für uns.

UR: Wie sieht es mit den M&A-Aktivitäten in der eSports-Branche aus? In unserem Telefongespräch erwähnten sie die Aktivitäten von Amazon auf der Kaufseite. Ist in dieser Hinsicht mit mehr zu rechnen – entweder von Amazon oder von anderen Akteuren?

IS: Das Jahr 2016 dürfte ein ganz großes Jahr für die eSport-Branche werden. Amazon ist nicht alleine auf der Kaufseite zu finden. So hat Activision Blizzard – Publisher des Actions-Spiels Destiny – kürzlich MLG übernommen. An eine Expansion denkt nach der Berufung eines neuen COO auch Electronic Arts. Unternehmen, die die gesamte Wertschöpfungskette von eSports anbieten, sind bei der Monetarisierung ihres geistigen Eigentums zweifellos im Vorteil. Wir von Azubu wollen zur Norm – also zum Standard – der Branche werden. Das aber nicht nur auf die USA beschränkt, sondern vielmehr global.

Die Yankees kommen