USA: Der IQ-Test im Wahlkampfjahr

USA: Der IQ-Test im Wahlkampfjahr 2017-04-12T21:17:04+00:00

EventReports

USA: Der IQ-Test im Wahlkampfjahr 

Die Wohlfühl-Ökonomie

Von JONAS DOWEN

Das Jahr 2016 stellt keine Ausnahme dar. So wie in diesem Jahr, so war es auch während der vergangenen beiden Dekaden. Immer in den Monaten März und April – wenn nicht nur das Wetter, sondern auch die Stimmung in Deutschland kühl und grau ist, wenn der menschliche Körper dringend Vitamin-D-Stöße der Sonne benötigt – zieht es mich nach Florida.  Ein Ziel ist dabei die Institutional Investment Conference des US-Finanzhauses Raymond James in Orlando.  Allein mit der Sonne und der Wärme steigt der Wohlfühl-Faktor.

Flamingos

“Cause paradise is where I‘ll be – pretty flamingo.”                                                                                                                                                      Foto: Udo Rettberg

Während die Welt in weiten Teilen erbebt, Menschen gegenseitigen Respekt vermissen lassen, in vielen Krisengebieten Europas sowie des Nahen und Mittleren Ostens Bomben fallen und Menschenleben ausgelöscht werden, sind die USA fast so etwas wie eine Insel der Glückseligkeit. Klar, auch hier ist beileibe nicht alles in Ordnung – gerade im Wahlkampf zeigen sich erhebliche  Gegensätze. Aber hier im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist noch ein wenig mehr von jener Freiheit zu erkennen, auf deren Welle sich die Menschheit in den vergangenen sieben Dekaden nicht nur ökonomisch nach oben gearbeitet hat, sondern auch ein humanistischeres Antlitz zeigte.

Der Pessimismus verschwindet, vorübergehend jedenfall – Und wie eigentlich immer während der vergangenen Jahre, so ist mein tiefer Pessimismus auch in diesem Jahr zwar nicht völlig verschwunden, aber immerhin wird meine Stimmung wieder stärker von Hoffnung geprägt. Noch schwebe ich zwischen Unsicherheit, Furcht, Pessimismus und eben dieser Hoffnung. Noch kann ich mich der in Deutschland von bestimmter Seite geäußerten These des „Wir schaffen das“ nicht wirklich anschließen. Und ich meine das nicht nur mit Blick auf die Völkerwanderung in Europa. In dieser Hinsicht bleibe ich bei meiner Meinung, dass wir das Chaos nicht wirklich in den Griff bekommen werden. So völlig unorganisiert und desorientiert wie es zuletzt versucht wurde, ist diese Aufgabe nicht zu bewältigen.

Flüchtlingskrisen muss vor Ort gelöst werden –  Nach wie vor bin ich felsenfest davon überzeugt, dass Krisen allgemein am besten in ihrer  frühen  Entstehung zu verhindern und während der weiteren Entwicklung dann mit klaren Entscheidungen zu lösen sind.  Aber all das setzt voraus, dass Regierungen frühzeitig tiefgreifend  analysieren und danach auch entsprechend konsequent handeln. Und dass setzt zudem voraus, dass die Regierungen der großen Nationen unter dem Dach der UN gemeinssame Lösungen suchen und finden. Ich sitze also hier in Florida und denke darüber nach, wie sehr mir das dümmliche und egoistische Geschwätz einiger  Politiker in den Krisenregionen auf die Nerven geht.  Sowohl Verstand und Intelligenz als auch Menschlichkeit sehen  wirklich anders aus.

Die Dummheit hat nicht nur einen Namen – Und dann richtet sich mein Blick in der Hotelhalle auf den riesigen Fernseher, wo Donald Trump gerade wieder einmal  ins Rampenlicht gerückt wird. „Die Dummheit wird wieder gut in Szene gesetzt – alles nur Show“, sagt ein New Yorker Banker mit dem ich ins Gespräch komme. Er murmelt danach jene Worte, die ich in den vergangenen Dekaden so oft gehört habe: „There is no business like show business.“  Ich schmunzle und wiederhole mit Blick auf die nicht gerade seltenen wirtschaftlichen Misserfolge des Donald Trump die These: „The business of America is business“.  Wir kommen ins Gespräch. Schließlich stimmt er mir zu: „Ja, ich glaube Du liegst richtig mit der These, dass die kommende Wahl wirklich zu einem IQ-Test für die Amerikaner werden dürfte.“ Egal, durch wen die Spitzenposition im Weißen Haus künftig besetzt werde, auch bei dieser Wahl stehe der Faktor Macht und damit Geld eindeutig im Fokus, so mein Gesprächspartner. Wir werden sehen….

Der Glaube ist unwichtig – Das Wissen ist wichtig – Unsere Diskussion geht weiter – und wir stimmen in vielen Fragen überein. Etwas Unergründliches sei mit der Menschheit in den vergangenen zehn Jahren geschehen, sagt er. Wieder kommt Wut auf die politischen Instanzen in der Welt in mir hoch. Ich muss erneut an meine jüngsten Besuche bei der UN in New York und in Genf denken – und wieder verstehe ich die Welt nicht. Auch heute will mir zum Beispiel wiederum nicht wirklich einleuchten, warum Menschen in  Glaubensfragen keinen gemeinsamen Weg finden. So wie ich die mir bekannten Weltreligionen verstehe, in allen Glaubensrichtungen sind Respekt, Achtung  und Liebe in allen Glaubensrichtungen wichtige Kernpunkte.

Egal ob Gott, Allah, Buddha, Jehovah oder wie auch immer  – Bezeichnungen für das Allmächtige sind nur Schall und Rauch. Wenn die Menschheit begreift, dass der Name für das Allmächtige mehr oder weniger unwichtig ist, sind wir ein gutes Stück vorangekommen. Es kommt halt nicht auf den Namen an, sondern vor allem auch auf die Ausgestaltung des Allumfassenden. „Lass uns bitte in Kontakt bleiben“, bittet mein Gegenüber, der einen wichtigen Termin einhalten muss.

Weitere Kursschwächen bei Ölaktien zum Einstieg nutzen – Am nächsten Tag habe ich dann Gelegenheit, meinen ökonomischen Pessimismus abzulegen. „Wir erwarten keine Rezession in den USA“, sagt Scott Brown, Chefökonom  von Raymond James im Rahmen eines Roundtable-Gesprächs, an dem auch andere Analysten des Finanzhauses teilnehmen. Der US-Arbeitsmarkt sei stark, auch wenn damit zu rechnen sei, dass es  zu einer leichten Abflachung kommen werde. Aber der Anstieg in der Zahl der neuen Arbeitsplätze werde sich verlangsamen. „Das aber vor allem aufgrund der Tatsache, dass es nicht genügend Leute gibt, die angestellt werden können“, so Brown. Und Marshall Adkins, Energie-Analyst des für sein exzellentes Research bekannten US-Finanzhauses, überrascht die Zuhörer dann mit einer in meine Prognose-Richtung gehenden These: „Wir sind für das zweite Halbjahr 2016 und auch für 2017 positiv für den Ölpreis gestimmt.“

Das Problem der Analyse von Scott Brown. Der RJ-Ökonomen hat sich bei seiner Konjunktur-Prognose fast ausschließlich auf die Lage in der US-Wirtschaft gestützt und vor allem heimische Daten einbezogen. Wer jedoch die Entwicklung in Europa mit dem „Verzweiflungsschritt“ der EZB einbezieht, die Ermüdung in Chinas Volkswirtschaft mit der Folge drastischer Entlassungen sowie  das Flüchtlingsdrama im Südosten Europas und die angespannte Lage in Russland sowie in der Ukraine ins Kalkül zieht, kann ein Überschwappen der Unsicherheit auf die USA nicht wirklich ausschließen. Dies auch, weil während des derzeit verbal teilweise auch „streng-fäkal“ geführten Wahlkampfs bei den Verbrauchern und den Unternehmen hier in Übersee sehr viel Unsicherheit aufkommt.

Und last but not least könnten Störfeuer für die US-Volkswirtschaft auch von einigen ins Abseits taumelnden lateinamerikanischen Staaten (wie Brasilien) kommen. Und dass Mexiko nach den jüngsten Aussagen von Donald T. den USA nicht gerade wohlgesonnen ist, sei nur am Rande erwähnt. Zudem sind die erhofften Impulse im amerikanisch-kubanischen Geschäft nach der zuletzt beschlossenen Annäherung bisher ausgeblieben. Möglicherweise werden die Initiativen von Barack Obama auch torpediert, nachdem die republikanischen Präsidentschaftskandidaten bei ihren jüngsten TV-Debatten mehrere „verbale Schüsse“ sowohl in Richtung Washington als auch Havanna abfeuerten. Aber inzwischen haben einige Tourismusgesellschaften (Marriott, Starwood, Carnival) angekündigt, auf Kuba aktiv werden zu wollen.


Globale Asset Allocation

Aktien                       – 40 %
Anleihen *                 — 00 %
Bargeld/Liquidität         — 30 %
Gold/Silber/Platinmetalle — 30 %
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* Der hier empfohlene Anteil gilt für Neu-Engagements. Auch wer seit Jahren Festverzinsliche mit hohen Renditen  im Depot hat, sollte über eine Reduzierung der Position nachdenken. Zwar ist vorerst nicht mit einem Zinsanstieg zu rechnen, so dass Kursverluste von  Anleihen-Investments überschaubar sind. Vor dem Hintergrunder der Null-Renditen sind Festverzinsliche jedoch allgemein wenig interessant. Erst bei einem Anstieg der Bondrenditen von AAA-Schuldner  über dier Marke von 4 % erscheint ein erster Aufbau von Bond-Investments in Depots wieder sinnvoll. Das aber dürfte viele Jahre dauern
  1. A) Diese Liste enthält keine Angaben über eine empfohlene Immobilien-Quote oder über Alternativ-Investments wie Private Equity, Hedge Funds, Farmland. Forstland, Kunst etc. Sie beschränkt sich vielmehr auf liquide Assets, die börsenttglich  an den Wertpapierbörsen und Terminbörsen ge- unf verkauft werden können.
  2. B) Es empfiehlt sich grundsätzlich, Derivate wie Optionen oder Futures zur Absicherung bestehender Kurs- und Preisrsiken von Aktien und anderen Vermögenswerte einzusetzen.