Innovative Finanzierung – Die Angebotspalette wird bunter

Innovative Finanzierung – Die Angebotspalette wird bunter 2017-04-12T21:17:02+00:00

EventReports

Innovative Finanzierung

Die Angebotspalette wird bunter

Von Udo Rettberg

 

Die Welt steht vor riesigen Herausforderungen – und zwar sowohl ökonomisch und  ökologisch als nicht zuletzt auch gesellschaftlich. Auf dem Planeten Erde rasseln die Großkopferten drohend mit ihren Säbeln und öffnen ihre Waffenarsenale. Die Erde bebt also. Dies belegen nicht nur zahlreiche Erdbeben rund um den Globus, sondern auch die sich weiter zuspitzenden heftigen rhetorischen Auseinandersetzungen in  multinational ausgerichteten Organisationen. Dies ist auch  die Zeit der Egoisten – wie z.B. der weit auseinanderklaffende Wohlstand in der Welt zeigt. Auch der Wahlkampf in den USA ist ein klares Signal dafür, dass Verständnis und Vernunft Relikte der Vergangenheit sind. Europa driftet ebenfalls politisch und wirtschaftlich auseinander wie die Grexit- und Brexit-Diskussionen zeigen. Die einst als Errungenschaft der Moderne gefeierte Globalisierung steht am Scheideweg.

Die Folge: Das Wachstum der Weltwirtschaft stößt an Grenzen. Die OECD hat jüngst erstaunlich offen die konjunkturellen in der Welt Gefahren aufgezeigt: „Die Weltwirtschaft ist in einer Falle niedrigen Wachstums gefangen“, so die alarmierende Aussage. Den politische Verantwortlichen mangelt es in der Fiskal- und Geldpolitik an Phantasie und an überzeugenden  wachstumsfördernden Lösungen. Weder die unsinnige ultra-generöse Geldpolitik der Notenbanken, noch der Preissturz an den Energiemärkten – wo Rohöl von 150 Dollar je Barrel auf zeitweise nur noch 27 $ eingebrochen ist – liefern neue Impulse. In vielen Ländern sind die Zinsen in negatives Territorium gerutscht. Die Lage hat sich also völlig verändert.

Da der Fiskal- und Geldpolitik enge Grenzen gesetzt sind, liegt die Verantwortung für weiteres Wachstum wesentlich stärker als in den vergangenen Dekaden bei den Unternehmen und Unternehmern der freien Wirtschaft selbst. Als Treiber erweisen sich dabei die zahlreichen Initiativen der Wirtschaft unter dem Stichwort Industrie 4.0, die mit Hilfe der Digitalisierung gerade in der Gründerzene in den USA und in Deutschland für Aufsehen und Phantasie sorgen. Das völlig neue Zinsumfeld auf der einen und hemmende regulative Bestimmungen (Eigenkapitalvorschriften von Basel II) erschweren traditionelle Finanzierungswege über Banken wie die Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital.

Die Digitalisierung ist längst in der Wirtschaft angekommen. Erkennbar ist das auch am neuen Rollenverständnis der CFO – also der Finanzchefs – von Unternehmen. Dies zeigt eine aktuelle Studie von Deloitte. Denn nicht nur das eigene Unternehmen des CFO ist von der Digitalisierung betroffen. Der CFO sieht sich vielmehr auch immer häufiger als proaktiver Gestalter von Digitalisierungsstrategien. Kreativität und Flexibilität sind also gefragt – auch bei der Finanzierung.

Gerade junge Tech-Unternehmen benötigen während der „digitalen Revolution“ auf deren Bedürfnisse zugeschnittene Startup-Finanzierungen. Zahlreiche  Kapitalgeber wie Acton und Finlab haben sich gerade auf diese jungen und innovativen Märkte  spezialisiert. Finlab-Vorstandschef Kai Panitzki erörterte im Rahmen einer Veranstaltung auf dem Warren-Buffet-Flughafen in Egelsbach bei Fankfurt die  Aktivitäten seines Unternehmens. „Fintech-Startups werden die Finanzwirtschaft revolutionieren“, hieß es im Rahmen dieser Veranstaltung von mehreren Seiten.

Zum Portfolio von Finlab gehören Gesellschaften wie Heliad, die FintechGroup und auch das Crowdfinancing-Unternehmen Kapilendo, das auf dem Wege des Crowdlending zum Beispiel kapitalsuchenden Künstlern oder Erfindern sowie anderen sozial ausgerichteten Unternehmern mit Kapital auf die Beine hilft. Kapilendo sorgte jüngst mit einer Mini-Finanzierung für den Berliner Fußballclub Hertha BSC für positive Schlagzeilen. „Über kapilendo werden kleinere Summen zahlreicher einzelner Anleger – der „Crowd“ also – eingesammelt, um Projekte kleiner und mittelständischer Unternehmen zu finanzieren. Bereits ab 100 Euro können Anleger in Kreditprojekte auf der kapilendo-Plattform investieren und selbst entscheiden, wem und wofür das Geld zur Verfügung gestellt wird. „Der Privatanleger erhält eine ganz neue Möglichkeit der Geldanlage“, sagt Kapilendo-Chef Christopher Grätz.

Die junge Fintech-Branche profitiert nicht zuletzt auch von den Schwächen der alten Finanzierungs-Strukturen am deutschen Markt. So ist der einst mit großen Erwartungen gestartete Markt für Mittelstandsanleihen ins Straucheln geraten. Selbst gute Unternehmen mit vernünftiger Bonität haben derzeit kaum Chancen, sich hier Fremdkapital zu beschaffen. Jetzt versucht, die von One Square neu gegründete Deutsche Private Placement Plattform (DPPP) in diese Lücke vorzustoßen, um dem hiesigen Mittelstand auf professionelle Art und Weise mit Kapital versorgen zu können.

Kapitalbeschaffung durch Private Equity und Mezzanine Capital ist ein weiterer Weg, der seit Jahren über die Emission von Finanzierungs-Instrumenten wie Aktien, Anleihen, Genussrechte sowie Wandel- oder Optionsanleihen beschritten wird. Traditionelle Eigenkapital-Beschaffung von Unternehmen über den Gang an die Börse (Initial Public Offering) haben indes an Bedeutung verloren. Einen Schub erfahren dagegen andere Finanzierungs-Alternativen wie die direkte  Kapitalbeteiligung von Mitarbeitern an Unternehmen. Gelder von staatlichen Förderbanken stellen einen weiteren Finanzierungs-Weg dar, ebenso wie direkte Mitarbeiter-Beteiligungen, bei denen allerdings die steuerliche Komponente starke  Beachtung finden muss.

In diesem veränderten globalwirtschaftlichen und angespannten geopolitischen Umfeld positionieren sich die Finanzierungsformen Leasing und Factoring immer stärker. Dies auch, weil sie sich gegenseitig auf interessante Art und Weise ergänzen. Nach Angaben der entsprechenden deutschen Branchenverbände war das Wachstum von Leasing und Factoring auch im Jahr 2015 enorm. Während die Leasingbranche 59 Mrd. € in die deutsche Wirtschaft investiert hat, lag der Umsatz der Factoring-Dienstleister im Jahr 2015 bei 209 Mrd. €.

Noch haben diese  Finanzierungs-Alternativen ihr Potential nicht voll  erschlossen. Dies auch, weil die Herausforderungen von Industrie 4.0 auf der Finanzierungsseite als enorm gelten. Mit Leasing und Factoring gelingt es Unternehmen der Wirtschaft – vor allem des Mittelstanden – die für das Wachstum notwendige Liquidität zu schonen und für einen sicheren Cash-flow zu sorgen. Factoring garantiert auf der einen Seiten den laufenden Cashflow und sichert auf der anderen Seite den möglichen Ausfall von Forderungen ab.

Speziell für Unternehmen der IT-Branche gibt es im Leasing gezielte Finanzierungsangebote. So bieten zum Beispiel spezielle Leasingunternehmen wie IBM Global Financing und Sienens Financial Services interessante Leasing-Finanzkonzepte. Der Vorteil: Die beiden Anbieter können sich – wie auch andere Anbieter – als Hightech-Unternehmen sehr gut in die Gedankenwelt ihrer Kunden einlocken und den Finanzchefs dieser Unternehmen gute Ratschläge unterbreiten.

Dieser Beitrag erschien in stark gekürzter Form im Fachmagazin „TrendReport 02/2016“, der am 27. Juni dem „Handelsblatt“  beigelegt war.