Meine Sicht – Die Erde bebt (28)

Meine Sicht – Die Erde bebt (28) 2017-04-12T21:17:02+00:00

EventReports

Die Erde bebt (28)

Es gibt kein Entrinnen

Zeit zum Umdenken, Zeit für die Neuorientierung.  Selten zuvor in der Neuzeit war eine veritable Einschätzung der ökonomischen und politischen Situation auf dem Planeten Erde schwieriger. Zwei gegenläufige Groß-Einflüsse sind zu beobachten: Auf der einen Seite das makrowirtschaftliche Debakel und andererseits positive Impulse eines dynamischen  Jungunternehmertums. Eine neue Gründerwelle trägt  Tech-Innovationen von Silicon Valley rund um die Welt.                 Udo Rettberg 27.6.2016 

            Die Digitalisierungs-Ära – Auf die Plätze, fertig ………………….. Boom der Startups.                              Foto: Udo Rettberg 

To the start

Die Digitalisierungs-Ära – Auf die Plätze, fertig ………………….. Boom der Startups. Foto: Udo Rettberg

BAISSE-FAKTOREN


1 – Demokratie / Marktwirtschaft – Ruht  in Frieden – Längst ist es nicht mehr nur die immer wieder geäußerte Angst vor dem Kollaps von Demokratie und Marktwirtschaft, die sorgenvoll stimmt. Es zeigt sich auch: Das bisherige vielschichtige und komplexe System der Weltwirtschaft funktioniert nicht mehr und scheint letzlich dem Tode geweiht. Dies zeigt sich aktuell gerade in Europa, wo Begriffe wie  Grexit und Brexit ebenso vom kläglichen Versagen der Politiker zeugen wie die Probleme der gigantischen  Flüchtlingswelle von Süd gen Nord.

2 – Brexitphorie: Es lebe der Hype  – Nichts hat sich geändert am Übel der Effekt-Hascherei – also an der Wirkung von Schlagzeilen. So wie ich die Situation um den „Grexit“ seinerzeit wohl richtig als eines der „großen politischen Ablenkungsmanöver“ klassifiziert habe, so gehe ich auch heute davon aus, dass die „Brexit-Hysterie“ schon in Kürze – in drei bis vier Monaten – abflauen wird. Klar – oft sinnlos agierende Politiker werden auch in diesem Fall wiederum alles tun, ihre „Pöstchen“ in Brüssel und den anderen Hauptstädten zu sichern und den EU-Austritt des UK mit allen möglichen Tricks zu verzögern. Es geht  um Macht-Erhalt bzw. Macht-Verlängerung. Das sichert Politikern ein von EU-Bürgern gezahltes hohes (unsinnig hohes) Gehalt. Herauskommen wird bei der Brexit-Abwicklung  zunächst wenig – das haben die Super-Beamten in Brüssel jetzt über viele viele Jahre hinweg bereits bewiesen. Wenig Verständnis habe ich für die außerhalb Großbritanniens aufkommende Kritik am Ergebnis des UK-Referendums. Es lebe die Demokratie! Auf alle Fälle muss sich jeder Bürger darüber im Klaren sein, dass das Ergebnis vor allem eines deutlich macht: Die Bürokratie in Brüssel ist ein Sargnagel der Demokratie. 

3 – Der Euro ist krank – Globalwirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen werden seit Dekaden vor allem an den Devisenmärkten sichtbar. Meine vor rund zweieinhalb bis drei Jahren geäußerte Prognose „der Euro kann gegenüber dem Dollar bis auf 0,95 $ fallen“ basierte damals auf der Unfähigkeit von Europas Machthabern. Diese Unfähigkeit ist jetzt erneut deutlich sichtbar geworden. Da ich für Investments in der Krisenwährung US-Dollar plädiere, argumentieren einige mei-ner Kritiker,  dass auch die Staatsverschuldung der USA gigantische Ausmaße erreicht hat. Klar, auch ich habe dies seit Jahren immer wieder an den Pranger gestellt. Aber die USA sind – im Gegensatz zu Europa – politisch und ökonomisch so etwas wie eine „politische und organisatorische Einheit“. Sie sind darüber hinaus nach wie vor die militärisch führende Nation in der Welt. Hinzu kommt: der US-Dollar ist allen Bemühungen Chinas und Russlands zum Trotz nach wie vor „die“  Reserverwährung – und damit auch „die“ Fluchtwährung schlechthin.


Schwachwährungen und ihre Vorteile

Aber: Auf der anderen Seite ist letztlich ja auch bekannt, dass Schwachwährungen wie derzeit der Euro oder das Pfund Sterling letztlich Korrektive einer Volkswirtschaft sind, die dem Export von Krisenregionen wie Europa bzw. Krisenländern wie dem United Kingdom wieder auf die Beine helfen können. Dieser Effekt ist derzeit auch beim russischen Rubel sowie bei der  türkischen Lira erkennbar.



4- Brexit – der Anfang vom Ende? – Ist das „Goodbye der Briten“ ein weiterer Dominostein der kommenden globalen Katastrophe und des längst überfälligen  Neuanfangs. „Ich sehe es als meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit“, hat eine bekannte Politikerin kürzlich ihre umstrittene Flüchtlingspolitik begründet. Ich aber wiederhole mich und halte an der seit Jahren geübten Kritik fest: Die Gefahr einer Völkerwanderung hätte frühzeitig erkannt und dann vor Ort in den Krisenländern durch Investments gesteuert und verhindert werden können. Wenn der Westen an die Krisenländer des Nahen, Mittleren Ostens und Afrikas seit Jahren gigantische Summen an Entwicklungshilfe zahlt, dann ist die Verwendungskontrolle dieser Gelder eine Pflicht – also ein Muss! So aber ist viel Geld in die Kassen der Machthaber und Großkopferten in diesen Regionen und Ländern geflossen. Beim Volk ist in der Regel nur wenig angekommen.

5 – Das Versagen der Hochbezahlten –  Alle gemeinsam hätten den Bigones und Extriches dieser Länder (Assad, Gaddafi, Sisi, Erdogan etc etc etc und deren Vorgängern) zum einen auf die Finger schauen müssen und zum anderen die Gelder ausschließlich zweckbestimmt in diese Region vergeben dürfen. Das ist nicht immer geschehen, leider! Wie dumm ist das eigentlich? Und so konnten sich in diesen Ländern  politische und religiöse Kräfte entfalten, die die Begtriffe Respekt, Verant- wortung und Demokratie nur vom Hörensagen kennen. Ich wiederhole hier an dieser Stelle auch meine Kritik an der UN. In dieser gigantisch aufgeblähten Welt-Organisation in New York und an anderen Orten wie Genf arbeiten fast 9000 gut ausgebildete und sehr gut bezahlte  Fachleute aus 193 Ländern. Wieso kommen von hier nicht die ganz „großen Ideen“???? Damit „wir alle gemeinsam das schaffen“, ist es auch unsere „verdammte Pflicht und Schuldigkeit“, dass sich alle als „demokratisch bezeichnenden“ Länder (wie z.B. die G20-Nationen) um Friedenslösungen in diesen Regionen bemühen – und zwar gemeinsam. Es wird Zeit zum Handeln – und zwar allerhöchste Zeit.

6 – Brexit und die Peanuts  – Brexit ist mehr oder weniger unbedeutend. Brexit ist wie das Thema Donald Trump nur ein weiteres  globales Ablenkungsmanöver. Wesentlich wichtiger ist das gigantische  Schuldenproblem und die von den Notenbanken verfolgte unsinnige Nullzinspolitik sowie riesige Wohlstandsdifferenzen All das hat an den Finanzmärkten riesige strukturelle Probleme bewirkt und massive Löcher gerissen.  Nur wenige Betrachter sind in der Lage, den Kontext zwischen der virtuellen Wirtschaft  – nämlich der gigantischen Schuldenblase, die durch das Volumen der globalen Bondmärkte von ca. 100 Billionen US-Dollar (!!!!) sichtbar wird –  und der nur sehr geringe Wachstumsraten aufweisenden  Realwirtschaft  herzustellen. Nur wenige begreifen: Der Wohlstand von heute ist nur erborgt. Dagegen sind die Brexit-Folgen nur „Peanuts“, wie wohl ein Ex-Deutschbanker formulieren dürfte. In dieser Schuldenproblematik liegt die wahre Explosionsgefahr.

7 – Die Leverage-Voyeure – Ich wiederhole mich: Die extrem „geleveragte“ Welt ist auf Sicht „der“ alarmierende Explosivfaktor. Die gigantische Verschuldung erfordert von Politikern  Aktionen – und zwar einschneidende Aktionen. Klar, möglicherweise nicht heute und nicht morgen, aber irgendwann sind die Jungs und Mädel der Polit-Szene zum Handeln gezwungen. So schwebt die Verschuldung und die so genannte „Geldpolitik“ wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Ein Kumpel aus Hamburg reagierte vor kurzem auf eines meiner entsprechenden Verschuldungs-Postings mit dem Kommentar   „Das ist doch unwichtig  – weil es doch schon immer in der Geschichte so war ……“ – Klar, das weiß ich auch. Aber trotzdem bin ich nicht bereit, diesen Verschuldungs-Faktor bei meinen Kommentaren außer Acht zu lassen. Und wieder klingt es mir sehr schrill in den Ohren „Angie, Angie –  when will those clouds all disappear“, hat Mick Jagger immer wieder gefragt. Bis heute hat weder er noch wir eine Antwort bekommen. Und das ist klar; denn auch die Angies und Baracks dieser Welt kennen keine Antwort.

Symbol UN gebaeude

Zerrissene Welt –  ein entsprechendes Symbol vor dem UN-Gebäude in New York.                                    Foto: Udo Rettberg


7 – Der Planet Erde und seine Egoisten –  Vordenker äußern sich immer wieder ausgesprochen kritisch zum  „Moloch Moneten“ und damit zur Dominanz des Faktors Ökonomie auf dem Globus.  Solche Kritiker richten ihr Augenmerk nicht selten viel stärker  in eine andere Richtung. Nämlich in ökologische und humane Sphären, die in der Tat wesentlich bedeutsamer  erscheinen. Ihr Argument: Die egoistischen Ansätze der Mächtigen in der Weltwirtschaft verschlingen die geistigen und humanen Werte und Aspekte des Daseins. Auch die Diskussion um die Trennung von Staat  und Kirche (also von weltlicher und geistiger) Macht erweist sich in diesen von Militär-Attacken und Kriegsplänen bestimmten Zeiten als Stör- und Minusfaktor. Grund: Es mangelt an gegenseitigem Respekt.


Die Erd-Charta – eine große Idee wird igrnoriert

Thomas Jorberg, CEO der GLS Bank in Bochum äußerte sich mir gegenüber im Interview eher  skeptisch zu meinem Vorschlag, die UN in New York ein von allen Mitgliedsstaaten akzeptiertes „globales Grundgesetz“ erarbeiten zu lassen. Er verwies vielmehr auf die  Existenz der „Erd-Charta“. Aber: Dieses visionäre Werk hat sich als globale Orientierung bisher nicht wirklich durchgesetzt. Die Erd-Charta ruft alle Menschen auf, einen neuen Sinn für gemeinsame Verantwortung und gegenseitige Abhängigkeit zu entwickeln – zum Wohle aller Lebewesen, jetzt und in Zukunft. Es wird Zeit, entsprechend zu handeln. Das Problem: Selbst führenden Politikern sagt der Begriff „Erd-Charta“ überhaupt nichts, wie ich zuletzt erfahren musste.


HAUSSE-FAKTOREN

A – Tech boomt – Was ich auf der anderen Seite derzeit allerdings auch beobachte, ist eine wahrlich erstaunliche Entwicklung im Hightech-Sektor. Hier kommt es weltweit zur Umsetzung von unzähligen innovativen Ideen – nicht selten wird dabei die Börse als Finanzierungsquelle genutzt. Das ist erfreulich. Solche Innovationen werden umgesetzt in zahlreichen „technologischen Wirtschaftsbereichen von morgen“ (Biotech, Krebsforschung, Stammzellenforschung, 3D-Beschichtung, Protonen-, Elektronen- und Energieforschung, Superlaser  sowie Digitalisierung mit dem Schwerpunkt Fintech).

B – Ein neuer Startup-Boom – Die auf diesem Ideenreichtum basierende Gründerwelle hat an Dynamik gewonnen, was wegen des starken Kapitalbedarfs letztlich auch an den Finanzmärkten zu lebhaften Aktivitäten führt. Da aber das alte Finanz- und Bankensystem nicht mehr reibungslos funktioniert, hat sich eben aus der Digitialisierung heraus „die Zukunft“ entwickelt – sei es in Form von Apps und Plattformen, von Digital Media, von e-Commerce, von e-Payment und dem Internet of Things. Darauf basiert dann der Fintech-Boom, der auch die Finanzierungsseite der Unternehmens-Neugründungen umfasst, nämlich Crowd Financing (Schwarmfinanzierung) und Venture Capital. Den Tech-Boom habe ich zuletzt im Rahmen einer von Egbert Prior am Warren-Buffett-Airport in Egelsbach organisierten Event erkennen können. In Silicon Valley habe ich vor ca einem Jahr Gelegenheit tief „in die Technologie-Zukunft“ einzutauchen. Dabei ging es neben Medtech und Krebsforschung auch um Virtual Reality und Artificial Intelligence. Hier liegen große Chancen.

C – Verunsicherte Anleger – Heute stelle ich mir indes die Frage: Kann sich „diese Zukunft“ innerhalb eines alarmierenden und desolaten makroökonomischen Umfelds wirklich durchsetzen? Kann eine junge Erfinder- und Unternehmer-Generation die bereits weitgehend existierenden neuen und derzeit noch in der Entwicklung befindlichen Ideen umsetzen, ohne dass sich das Makrobild als großer Störfaktor erweist, So z.B. dadurch, dass die an dieser Stelle seit rund zwei Jahren angekündigte globale Rezession oder Depression zum „Zukunfts-Killer“wird?

Mein Fazit: Das erschreckende und alarmierende ökonomische Makrobild wird wohl eine störungsfreie Entwicklung der „jungen Wilden“ aus der Tech-Branche verhindern. „Mit starken Störungen muss gerechnet werden“, antwortet Hans-Jürgen Klisch vom US-Finanzhaus Raymond James Deutschland auf meine diesbezügliche Frage. Seine Begründung: „Die  makroökonomischen Ungleichgewichte sind schlichtweg zu groß.“ Ich muss in diesem Kontext ergänzen: Irgendwann werden Politiker die gigantischen Probleme der Weltwirtschaft (und damit ihre eigene Unfähigkeit) nicht mehr verstecken können. Noch aber sind Top-Politiker  nicht bereit, ihren Bürgern die Wahrheit zu sagen. Mut sieht jedenfalls anders aus. Daher gilt: Es gibt kein Entrinnen aus der Makro-Falle!

Wie sollten Kapitalanleger agieren? – All das wirkt sich an den internationalen Finanz- und Rohstoffmärkten in der Flucht in sichere Investments wie den US-Dollar sowie Gold, Silber und andere Edelmetalle sowie Hightech-Rohstoffe wie Lithium, Vanadium, Niob und in seltene Erden aus. In diesem Kontext ist es sehr interessant, festzustellen, dass Gold und US-Dollar zuletzt im Gleichschritt nach oben tendierten, wie es an dieser Stelle bereits seit geraumer Zeit angekündigt worden war.

 

Globale Asset Allocation

Aktien                                 30 %
Anleihen *                          00 %
Bargeld/Liquidität             30 %
Gold/Silber/Platin             40 %
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* Der für Anleihen empfohlene Anteil von 0 Prozent gilt für Neu-Engagements. Zahlreiche Investoren halten in ihren Depots jedoch langlaufende Anleihen mit Kupons von 3 bis 5 %. Diese Bonds  weisen heute große Kursgewinne auf. Diese Anleger sollten über eine Reduzierung des Bond-Anteils nachdenken. Zwar ist vorerst nicht mit einem Zinsanstieg zu rechnen, so dass das Risiko von Kursverlusten in  Anleihen-Investments überschaubar sind. Gewinnmitnahmen in Bonds haben jedoch noch niemanden ärmer gemacht. Vor dem Hintergrund der Null-Renditen sind Festverzinsliche allgemein wenig interessant. Erst bei einem Anstieg der Bondrenditen über die Marke von 4 % erscheint der Aufbau von Bond-Investments wieder sinnvoll. Das aber dürfte letztlich noch viele Jahre dauern

  1. A) Diese Liste enthält keine Angaben über empfohlene Quoten von Immobilien- oder Alternativ-Investments wie Private Equity, Hedge Funds, Farmland. Forstland, Kunst etc. Sie beschränkt sich vielmehr auf liquide Assets, die börsentäglich an Wertpapier- und Terminbörsen ge- und verkauft werden können.
  2. B) Es empfiehlt sich grundsätzlich, Derivate wie Optionen oder Futures zur Absicherung bestehender Kurs- und Preisrisiken von Aktien und anderen Vermögenswerte einzusetzen. Das hat sich gerade in den vergangenen Monaten als Erfolgsrezept erwiesen.
  3. C) Vieles spricht angesichts der aktuellen Brexit-bedingten Baisse-Dynamik der Weltbörsen dafür, dass die Aktienquote in nächster Zeit wieder angehoben werden sollte. Wir werden darüber zeitgerecht entscheiden.

Quelle: AlphaBulls und Udo Rettberg