Die Welt geht nicht unter – jetzt noch nicht!

Die Welt geht nicht unter – jetzt noch nicht! 2017-04-12T21:17:11+00:00

EventReports

Thanksgiving mit Raymond James & Associates

Die Welt geht nicht unter – jetzt noch nicht!

Es ist eine ganz besondere Spezies von Mensch, die sich seit Jahren jeweils am Thanksgiving Day im Düsseldorfer Edel-Restaurant „Victorian“ trifft. Seit langem präsentieren die Experten von Raymond James Deutschland ihren Börsenausblick für das folgende Jahr. Die geladenen Gäste – allesamt Banker und Vermögensverwalter – haben während des Dinnners ausreichend Gelegenheit zum Gedankenaustausch. In diesem Jahr – so mein Eindruck – gestaltete sich dieser Austausch lebhafter als zuvor. Klar – globalwirtschaftlich und geopolitisch betrachtet steht die Welt derzeit Kopf. Der Weltfrieden ist ernsthaft in Gefahr, weil die dummen und mächtigen Großkopferten dieser Welt die Waffenarsenale öffnen. In Düsseldorf suchen Anwesende Input – guten Rat, innovative Ideen und beruhigende Worte. Das Fazit der Konferenz lässt sich in die Worte eines Beteiligten kleiden: „Die Welt geht nicht unter – jedenfalls jetzt noch nicht“

NYSE

DIE NEW YORK STOCK EXCHANGE (NYSE) – Der Kapitalisten-Tempel in der Wall Street bleibt auch Im Jahr 2016 ein Magnet für internationales Kapital. Foto: Udo Rettberg

Jeder weiß es, doch niemand will es wissen: Der in den vergangenen Dekaden aufgebaute Wohlstand ist nur „erborgt“. Hinzu kommt, dass neue Wachstumsimpulse fehlen. Zeit also, sich auf die große Krise, den großen Knall vorzubereiten? Wird der erreichte Wohlstand durch Inflation oder durch Krieg zerstört? Werden die Notenbanken weiterhin in erster Linie die Karte „viel Geld und vor allem viel billiges Geld“ spielen und die Welt mit Geldgeschenken (Negativzinsen) in die nächste Hyperinflation führen? Oder wird der Wohlstand – wie nicht selten in der Vergangenheit – vor allem durch einen neuen Weltkrieg zerstört? Diese Wohlstands-Zerstörung durch Krieg gab es – so zeigen Geschichtsbücher – in den vergangenen Jahrhunderten im Durchschnitt alle 80 bis 100 Jahre.

Fragen, über Fragen. Verlässliche Antworten gibt es nicht. Dazu spielen die Großen und Mächtigen dieser Welt, die mit ihrem Reichtum in der Lage sind, Politiker zu ihren Marionetten zu machen, ein böses und weitgehend noch immer undurchsichtiges Spiel. Man beruhigt die Erdenbürger, in denen man vielen von ihnen Geld, Brot und Spiele (Fußball, Olympia etc) gibt. Menschen werden zur Trägheit erzogen – und dies auch über hörige Medien. Die in Düsseldorf versammelten Finanz-Fachleute hatten viel Zeit zum Diskutieren. Auch die Flüchtlingskrise in Mitteleuropa stand auf dem Plan. Die Meinungen zu diesen und anderen Fragen hätten kaum unterschiedlicher sein können. Am Ende einigte man sich auf die oben genannte Formulierung: „Die Welt wird nicht untergehen – jedenfalls jetzt noch nicht.“

CityNeverSleeps

I want to wake up in a city that never sleeps Foto: Udo Rettberg

Wo sollten Kapitalanleger in diesen unsicheren Zeiten ihr Geld anlegen? Geht es nach Hans-Jürgen Klisch und Falk Reissland von Raymond James Deutschland dann ist die Antwort simpel: In den USA und im Dollar – selbstverständlich. Es überrascht nicht, dass den US-Finanzmärkten in den Referaten der breiteste Raum gegeben wurde. Beide Experten rieten zu einer Übergewichtung amerikanischer Vermögenswerte. Es war den RJA-Fachleuten allerdings anzumerken, dass sie über das Verhalten institutioneller und privater deutscher Anleger mit Blick auf deren Gewichtung der Wall Street und des Dollars sehr enttäuscht sind. Seit geraumer Zeit rührt man bei Raymond James Associates für ausgewählte US-Assets die Werbetrommel. Mit dieser Botschaft stößt Hans-Jürgen Klisch allerdings seit Jahren bei deutschen Anlegern auf taube Ohren.

Richtig ist, dass der US-Dollar in den vergangenen Jahren einer der großen Gewinner an den internationalen Devisenmärkten der Welt war. Der Euro hat gegenüber dem Greenback innerhalb von wenigen Jahren von rund 1,50 $ bis in die Nähe der Parität – also auf 1:1 – abgewertet. „Mit der Euro-Prognose lagen Sie vor einem Jahr sehr gut“, verteilt ein Event-Teilnehmer dickes Lob. Er halte den Dollar gegenüber dem Euro bei etwa 1:1 fair bewertet, erklärte Reissland, der angesichts der Dynamik des Dollartrends für das Jahr 2016 auch ein zeitweiliges Überschießen auf rund 0,95 €/$ für möglich hält.

Zuvor hatte Reissland recht selbstkritisch festgestellt, dass seine im November 2014 veröffentlichte 2015er Wall-Street-Prognose zu viel Optimismus versprüht hatte. Klar – man habe sich mehr erwartet, heißt es in diesem Kontext. „Die Entwicklung der Energiepreise hat uns die Prognose verhagelt“, weist er auf eine in dieser Deutlichkeit nur schwer absehbare Entwicklung hin. Während Energieaktien im S&P 500 zu Beginn des Jahres 2015 noch mit mehr als 8 % gewichtet waren, liegt ihr Anteil derzeit bei unter 7 %. Auch das geopolitische Umfeld (Ukraine, Nahost, Syrien) habe sich als Störfaktor erwiesen. „Wir erleben derzeit politische Börsen“, sagt Reissland und spricht von der Erfahrung, „dass diese politschen Börsen normalerweise kurze Beine haben“. „Schaun mer mal“, sagt bekanntlich der Franz …………..

In Wall Street gilt das Mutterhaus Raymond James & Associates seit Dekaden als eines der Finanzhäuser mit dem besten, fundiertesten und treffsichersten Research. Die Fachleute des Deutschland-Ablegers des in Florida beheimateten Finanzhauses kommen zu ihren Börsen-Jahresprognosen, indem vielfältige historische Daten ausgewertet und daraus ein Mittelwert gebildet wird. Mit dieser Methode haben sie seit Jahren eine positive Trefferquote vorzuweisen. Das kurzfristige Fazit dieser Auswertungen: Wer als Anleger kurzfristig orientiert ist, kann eine positive Börsenentwicklung in den Monaten Dezember bis Februar erwarten; denn während dieses Zeitraum gab es in der jüngeren Wall-Street-Historie durchschnittliche Wertsteigerungen von rund 12 %.

Die Stärke des Dollars ist die Schwäche des Euro

Chart1

Quelle: Barchart

Das Jahr 2016 hat aus Sicht der Börsen insofern eine besondere Bedeutung, als in den USA Präsidentschaftswahlen anstehen. Barack Obama kann sich nach einer Amtszeit von acht Jahren dabei nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Rein statistisch sollten Kapitalanleger darauf hoffen – Republikaner-Kandidat Donald Trump wird diese Botschaft aber mit Sicherheit nicht so gerne hören -, dass erneut ein Kandidat der Demokraten als Präsident ins Weiße Haus einzieht. Statistiken zeigen nämlich, dass Wall Street in Wahljahren durchschnittliche Indexsteigerungen von 5,8 % erzielt. „Wenn die Demokraten an der Macht waren, lag das durchschnittliche Plus aber höher – nämlich immerhin bei durchschnittlich 11%“, sagt Reissland. „Die Demokraten – und manchen mag das überraschen – scheinen also für die Börse besser zu sein als die Republikaner“, so der Kommentar des Fachmanns.

# In 14 der letzten 16 Wahljahre hat sich Wall Street positiv entwickelt. Noch wichtiger scheint folgende Betrachtung zu sein. „Am Ende jedes dieser 14 Jahre haben die Indizes auf dem höchsten Stand des Jahres geschlossen.“

# Im letzten Jahr einer 8jährigen Amtsperiode eines US-Präsidenten gab es bei US-Aktien Kursgewinne – „obwohl das achte Jahr zugegebenermaßen nicht immer ein tolles Börsenjahr war“, schränkt Reissland ein.

# Hinzu kommt: Jahre, die mit einer „6“ enden, brachten der Börse in der New Yorker Wall Street in den vergangenen Dekaden meist Kursgewinne.

Addiert man alle historischen Statistikdaten, dann errechnet sich nach Angaben von Falk Reissland für US-Aktien im Jahr 2016 ein Potential von plus 7,3 %. Das wird als beachtlich betrachtet. Denn all das müsse man nicht zuletzt auch im Kontext der derzeit an der Zinsfront zu erzielenden rekordtiefen Renditen sehen, wiesen Event-Teilnehmer auf die Konkurrenzsituation von Aktien gegenüber anderen Anlageklassen hin.

Für den Dow Jones Index bedeute dies ein 2016er Ziel von 19431,09 — für den S&P 500-Index von rund 2278.

Hans-Jürgen Klisch, Geschäftsführer des Deutschland-Ablegers, riet in diesem Kontext dazu, die Stärke der US-Volkswirtschaft nicht zu unterschätzen. „Wir sehen die US-Wirtschaft als Art Dampfwalze, die ungeachtet aller Störfaktoren nicht zu bremsen ist“, so Reissland.

ÖLPREIS – DIE ÜBERRASCHUNG DES JAHRES

Chart2

Quelle: Barchart

Der starke Dollar scheint sich kaum negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der US-Unternehmen auszuwirken. Weitere Argumente „pro USA“ sieht Klisch auch darin, dass immer mehr US-Firmen nicht mehr in China, sondern in der Heimat und zudem in Mexiko produzieren lassen. Grund: In Mexiko liegen die durchschnitltichen Lohnkosten unter denen der VR China. Als weiteren Pluspunkt für die USA nennt der Experte auch den Fakt, dass US-Banken die Finanzkrise wesentlich besser gemeistert haben als Europas Finanzinstitute.

Hans-Jürgen Klisch

Hans-Jürgen Klisch. Foto: Udo Rettberg

Bedeutsam sei auch, dass es wegen schwacher Rohölpreise und der deutlich unter Europa-Nivea liegenden Erdgaspreise zu einer grundsätzlichen Verschiebung ökonomischer Kräfte und einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft gekommen sei, wiederholt Klisch seine zuletzt häüfiger geäußerte These. Dieser Trend halte weiter an. Nicht umsonst seien Europas Chemiefirmen wie BASF mit ihren Fertigungsstätten auf dem Sprung in die USA. Ein Blick auf die Erdgaspreise in den USA und in Europa zeigt einen massiven Wettbewerbsvorsprung für die USA. Zu berücksichtigen sei, dass rund 80 % der US-Neubauten in der Energiefrage Richtung Erdgas tendieren.

Vor diesem Hintergrund müsse man auch erkennen, dass das Thema Rohöl in den USA aus vielerlei Sicht nicht tot sei. Denn noch immer werde 80 % des in den USA geförderten Rohöls als Treibstoff im Verkehrsbereich eingesetzt. „Wir sollten nicht erwarten, dass die US-Amerikaner in den kommenden Jahren einfach ihre mit traditionellen Treibstoffen betriebenen Autos verschrotten, auf Elektroautomobile umsteigen, und sie dann das in Mode gekommene Thema e-Mobility spielen werden“, so Klischs klare Ansage.

Er verweist auch darauf, dass sich die Saudis am Ölmarkt verkalkuliert und sich dabei ganz böse die Finger verbrannt haben. Man müsse sehen, dass die An- gebots- und Nachfragesituation in der Welt sehr eng ist. Wenn die Ölnachfrage weltweit nur um 2 % steige, könne es wieder zu einer angespannten Versor- gungs-Situation kommen. Es sei erstaunlich, dass US-Ölfirmen in der Lage gewesen seien, ihre Produktionskosten innerhalb eines Jahres von 60 bis 65 $ je Barrel bis auf rund 30 $ zu senken, sagt Klisch. In einigen Regionen der USA kostet die Ölproduktion sogar nur etwa 15 $ je Barrel.

Falk Reissland

Falk Reissland

Klisch favorisiert die Bereiche Energie (eher mittelfristig) sowie aktuell die Branche Gesundheitswesen (also Pharma und Biotech. Die in diesem Bereich Healthcare tätigen Unternehmen würden durch die demografischen Entwicklungen (die starke Nachfrage der Baby-Boomer-Generation nach medizinischen Produkten und Dienstleistungen nimmt zu) profitieren. „Im Gegensatz zu dem, was Sie in Teilen der deutschen Presse immer wieder lesen, hat sich im Bereich Biotechnologie in den USA keine Blase gebildet“, nennt Klisch die Dinge beim Namen.

Interessant sind darüber hinaus Aktien von im Rüstungs- und im Transportsektor (Airlines, Eisenbahnen) tätigen Unternehmen. Bei Buntmetall- und Goldaktien sollten sich die Anleger noch Zeit lassen, so die zurückhaltende Einschätzung des Experten zu den Rohstoffmärkte.

Der Weihnachtsmann hat gut lachen

Der Weihnachtsmann hat gut lachen. Foto: Udo Rettberg

Die Welt geht nicht unter – jetzt noch nicht!