Die Erde bebt – 24 – Der Bürger stöhnt

Die Erde bebt – 24 – Der Bürger stöhnt 2017-04-12T21:17:07+00:00
Udo Rettberg

Udo Rettberg – Publizist / Journalist

            Die Erde bebt – 24

Der Bürger stöhnt

Demokratie – welcher deutsche Bürger kennt diesen einst geliebten Zustand noch? Ja klar, all das ist schon etwas länger her. Demokratie und soziale Marktwirtschaft galten in der Vergangenheit als Säulen positiver ökonomi- scher und gesellschaftlicher Entwicklung in Deutschland. Aber – die Zeit rast, die Gesellschaft verändert sich. Und so ist kaum mehr etwas von diesen Attributen geblieben. Die Freiheit steht auf dem Spiel. Menschen müssen nicht nur aufwachen, sondern dauernd wachsam bleiben.

 

Deutsche Bank AG

Eine Eisbombe – aus Wasser geformt von der Deutsche Bank AG. Rund 2,016 Billionen € haben die Deutschen auf Sparbüchern, Giro-, Tages- und Festgeldkonten gebunkert.                                                                       Foto: Udo Rettberg

Humanität und Demokratie waren gestern. Die Politik versagt auf fast allen Ebenen. Und dabei werden die Politiker in den Entscheidungszentren in Berlin, New York, London, Paris, Brüssel, Moskau, Ankara und Damaskus gut, ja zum Teil sogar sehr gut bezahlt. Einige Vertreter dieser Spezies zählen in ihren Ländern sogar zu den „Extriches“, den Superreichen also. Denn Präsidenten, Kanzler und Regierungschefs machen nicht selten Politik vor allem für sich selbst, für ihr eigenes Bankkonto und ihren eigenen Wohlstand. Vladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan gelten als megareiche Politiker – und auch andere Top-Politiker müssen nicht gerade am Hungertuch nagen.

Und dass Präsidentschaftskandidaten wie Donald Trump und Hillary Clinton über ausreichende Finanzmittel für das morgendliche Frühstück verfügen, weiß die Welt auch. Ich denke, dass Donald Trumps Versuch, US-Präsident zu werden, von ihm selbst anfangs eher als Gag und Versuch der Steigerung des eigenen Bekanntheitsgrads (sprich: des Reichtums) gesehen wurde. Inzwischen scheint Trump allerdings der Ehrgeiz gepackt zu haben. Dass Hillary Clinton von einem der Bigones und Extriches – nämlich von Goldman Sachs – für Reden riesige Honorare erhielt, spielt all jenen in die Karten, die Politiker als „Handlanger“ der Superreichen sehen. Es wird Zeit, die Dinge zu ändern.

Tod der Demokratie: Attacke gegen die Bürger – Es fällt mir schwer, in diesen schwierigen Zeiten, meine zugegebenermaßen oft wirren Gedanken zu ordnen. An meiner grundsätzlichen Einschätzung ändert sich nichts – im Gegenteil: Bürger werden belogen und betrogen. Die Erde bebt, die Menschheit ist verrückt, orientierungslos und hemmungslos. Der Frieden ist ernsthaft in Gefahr. Dort, wo Liebe und Respekt herrschen sollten, gehen Menschen auf- einander los und schlagen sich im Ex- tremfall die Köpfe nicht nur ein, sondern auch schlichtweg ab. Das Schlimme: Die Masse der Menschen hat nichts mehr zu sagen, sondern wird fremdbestimmt. Sie lässt sich von teils unfähigen Politikern unterdrücken. In der Folge einige Beispiele für das Versagen der Politik.

Sparguthaben-Verpfändung: Attacke gegen die Bürger – In der heißen Diskussion über die gemeinsame europäische Einlagenversicherung für Banken hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble jetzt eine Nebelkerze gezündet, die sich zu einer Bombe entwickeln könnte. In einem Zeitungsbeitrag hat Schäuble sinngemäß erklärt, die bisher stark umstrittene und heiß diskutierte gemeinsame europäische Einlagenversicherung werde nun möglicherweise wohl doch kommen. Das heißt konkret: Den Banken in der EU stehen die auf Bankkonten hierzulande eingezahlten Spargelder der Deutschen in Höhe von rund 2000 Mrd. € (siehe Titelfoto) als Sicherheit – also als Pfand – zur Verfügung. Wohl dem, der nichts hat.

Bargeld-Abschaffung: Attacke gegen die Bürger – Und jetzt denken sie in Berlin und anderenorts auf politischer Ebene noch intensiver darüber nach, Bargeld abzuschaffen. Welche irrsinnige Idee! Denn das Ganze würde sich gegen die Bürger richten. Bargeld ist Freiheit, Plastikkarten-Geld ist staatliche Kontrolle. Es lebe die Freiheit. Wie dumm müssen Politiker eigentlich sein, in der derzeit extrem schwierigen Lage und bei der aktuell miserablen Stimmung im Volke, ein solches Fass in Richtung „Elastic-Money“ oder „Rubber-Money“ aufzumachen? Dass Bundesbank-Chef Weidmann Gegner eines solchen Schrittes ist, mag ein wenig Hoffnung aufkommen lassen. Aber: Die Bigones und Extriches werden ihre Handlanger – die Politiker – im Endeffekt schon in ihre Richtung lenken. Ich stelle mir die Frage: Bekommen die vielen Flüchtlinge dann auch Plastikkarten, auf die spendenwillige Bürger auf der Straße dann ihre Gabe „beamen“? Liebe Frau Bundeskanzlerin – ich würde mir das wirklich überlegen, und zwar ernsthaft. Denn ansonsten wird Mick Jagger von den Rolling Stones wohl noch sehr lange die bislang eher unbeantwortete Frage stellen „Angie, Angie – when will those clouds all disappear?“

Die Kreditblase: Attacke gegen die Bürger – Nach den Theorien von „Peak-Oil“ und „Peak-Gold“ wird in der Finanzwelt derzeit vor allem über „Peak Debt” diskutiert – und zwar heiß und lebhaft. Kein Wunder; denn das Kreditvolumen (also die Verschuldung) in der Welt ist von 40 Billionen $ im Jahr 1994 auf aktuell geschätzt rund 235 Billionen $ gestiegen, was in etwa einer Versechsfachung entspricht. Das globale BIP – also das die ökonomische Leistung in der Welt messende Bruttoinlandsprodukt – hat sich im gleichen Zeitraum von 28 Billionen Dollar auf rund 79 Billionen $ erhöht, was einer Steigerung von gerade einmal 183 % entspricht.

Geldschöpfung: Attacke gegen die Bürger – Das zeigt, dass Wachstum vor allem über das künstliche System des Fiat-Money kreiert und gespeist wurde. Also über die von Notenbanken initiierte Kreation künstlichen Geldes, das durch nichts hinterlegt ist. So wurden einfach die Geldmengen ausgeweitet und Kredit sowie Verschuldung erhöht. Statistiken zeigen, dass die Bilanzen der Notenbanken im Zeitraum von 1995 bis 2015 um das Zehnfache ausgeweitet worden sind – nämlich von 2,1 Billionen Dollar auf etwa 21 Billionen Dollar. „So also geht Bank heute!“ Ich erinnere mich noch sehr gut an ein Telefonat, das ich mit Dr. Norbert Walter, dem verstorbenen Ex-Chefökonomen der Deutsche Bank, im Jahr 2008 oder 2009 geführt habe. Anlässlich der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington betonte Walter die immensen Risiken, die in der unkon- trollierten Ausweitung der Notenbank-Bilanzen liegen.

Das traditionelle Pulver irrsinnig handelnder Notenbanken ist jetzt weitgehend verschossen. Exzesse werden nur möglich sein, indem Notenbanken in bisher unerschlossenen Sphären denken und handeln.

System-Crash: Attacke gegen die Bürger – Ich bleibe daher bei meiner Auffassung: Der System-Crash steht bevor. Klar, Regierungen und Notenbanken können das oben beschriebene Szenario der unkontrollierten Schaffung „künstlichen Geldes“ noch verlängern, indem sie z.B. reale Negativzinsen einführen (Bürgern also Geschenke unterbreiten). Dies hatte ich übrigens EZB-Boss Mario Draghi vor vielen Monaten in ei- nem offenen Brief vorgeschlagen. „Mit Vollgas voraus in die Zeiten des Fiat-Money!“ Sollten die Notenbanken ihre in diese Richtung gehenden Weg fortsetzen, könnte der System-Crash weiter hinausgeschoben werden. Man wird aber dadurch lediglich Zeit gewinnen – mehr nicht. Eine wirkliche Lösung haben sich selbst über- schätzenden Politiker und Notenbanker nicht parat, weil sie eh nur den Befehlen der Superreichen gehorchen.


In eigener Sache


Depression ante portas

Es ist spannend, dass immer mehr Experten bei der Beurteilung der globalen Lage auf meine Seite wechseln. Es kam zuletzt zu einem Stimmungsumschwung bei Experten der Citigroup, der Bank of Scotland und darüber hinaus auch bei David Alan Stockman, einem ehemaligen Vertreter im US-Kabinett, und vielen anderen mehr. „Wir schreiten in Richtung Rezession“, wiederholte Stockman eine von mir seit langem geäußerte Meinung. Dass IWF-Chefin Christine Lagarde bereits länger auf meiner Linie liegt, sei in diesem Kontext nur am Rande erwähnt. Und sieh an: inzwischen sind auch viele andere bisher „bullishe“ Banker sehr kritisch, wenn es um die Konjunktur-Zukunft geht.


Financial repression: Attacke auf die BürgerAllerdings – und diese Gefahr ist durchaus real – sind auch bereits in nächster Zeit drastische Eingriffe der Regierungen in das politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und finanzielle System im Zuge der „financial repression“ möglich. Ich verstehe unter diesem „hässlichen Begriff“ eine „Umleitung“ von Wohlstand vom Bürger hin zum Staat. Bürger werden schmerzlich eine vollständige finanzielle Ausbeutung durch den Staat erfahren. Und Bürger sollten sicher sein, dass die Bigones und Extriches in diesem Fall gnädiger als der „kleine Mann auf der Straße“ behandelt werden. Man wird von Seiten der Regierung in Berlin alte Argumente in die Diskussoin bringen, wonach Defizite nur durch das Einsammeln von Geld bei der Masse – also bei mehr als 80 Mio. Bürgern – zu beheben sind. Beim kommenden „großen Schritt“ werden die Reichen nur relativ unterdurchschnitlich „beschnitten“ werden.

Hier einige wenige der bei der „financial repression“ bestehenden Möglichkeiten der Politiker:

1 – Ein sehr beliebtes Mittel dieser „financial repression“ ist zum Beispiel eine deutlich höhere Besteuerung auf alle möglichen Dienstleistungen und Werte.

2 – Ein andere Möglichkeit sind Währungsreformen. In Europa wäre das z.B. die Rückkehr zum alten Währungssystem, also die Wiedereinführung der D-Mark. Das alles selbsverständlich zum Schaden der Bürger. Denn der „kleine Mann“ wird letztlich die Zeche zahlen müssen.

3 – Ein drittes Mittel zur Lösung der von Politikern verursachten Malaise sind darüber hinaus staatliche Schuldenschnitte, die dann im Endeffekt auch die Altersvorsorgesysteme treffen würden. Denn die dort liegenden Gelder sind zum größten Teil in Staatsanleihen investiert.

4 – Dass in Deutschland auch eine „Völkerwanderungs-Steuer“ durchaus möglich erscheint, habe ich in der Vergagenheit im Zusammenhang mit den Schäuble-Plänen zur Schaffung einer Benzinsteuer bereits dargelegt.

5 – US-Präsident Barack Obama hat mit seiner Idee zur Kreation einer Rohölsteuer in Höhe von 10 $ je Barrel bereits eine enorme steuerliche „Innvationskraft“ unter Beweis gestellt.

6 – Wie kreativ in diesem Kontext auch Bundesfinanzminister Schäuble ist, zeigte sich zuletzt, als dieser ankündigte die Spargelder der Deutschen einfach virtuell zu „beschlagnahmen“ und sie als Sicherheit einzusetzen. Ich denke: Das wäre nicht nur eine Schweinerei, sondern schlichtweg ein Diebstahl.

7 – Aus der Krisen-Vergangenheit kennt die Menschheit zum Beispiel auch das Mittel der Zwangshypothek, die Häuslebauer und Immobilienbesitzer zum Wohle des Staates ärmer macht.

8 – Niemand sollte die Notenbanken unterschätzen, wenn es um das Thema Inflation geht. Zwar bewegt sich die Welt nach wie vor in einer Deflations-Spirale, doch ist nicht auszuschließen, dass Mario Draghi und Janet Yellen nicht doch noch meinem Vorschlag folgen, jedem Bürger für einen Zeitraum von zwei Jahren monatlich 5000 Euro bzw. Dollar direkt auf die Konten zu überweisen. Dieses Geld könnte mit einem Verfalldatum von zwei oder drei Jahren versehen werden. Mit solchen Geschenken würden Notenbanken die Konjunktur antreiben und eine Inflation von 8 bis 10 % p.a. initiieren. Das heißt: Die Staatsschulden würden innerhalb von 7 bis 8 Jahren weg-inflationiert.

Politik erzeugt Krisen: Attacke gegen Bürger – Es ist unverständlich (für mich jedenfalls), dass sich Europa in diesen Tagen selbst verleugnet und vom Zukunftsweg in die Moderne abbringen lässt. Nicht nur das sich zuspitzende Migrations-Chaos ist hierfür ein treffender Beweis. Europa wurde zuletzt auch zum Duckmäuser. Für den Besuch des iranischen Präsidenten Rouhani sollen in Rom angeblich historische Denkmäler abgedeckt worden sein. „Steinerne Nacktheit“ ist offensichtlich für manche weltfremde Politiker wohl zu heiß. Klar – das Verhüllen nackter Statuen hat vielerorts eine lange Tradition, aber ein solch devoter Schritt ist im aktuellen Kultur- und Religionsstreit ein von Europa ausgehendes falsches Signal. Italien und Europa sollten sich schämen.

Kapitalanlage: Es fällt mir – trotz der über Dekaden hinweg reichenden Erfahrung – schwer, eine ideale und vielversprechende Strategie für die Kapitalanlage zu finden. Noch nie zuvor in der jüngeren Geschichte wies das ökonomische, finanzielle und vor allem politische Umfeld aus meiner Sicht so viele Fragezeichen und Imponderabilien auf wie derzeit. Schuld daran sind vor allem Politiker, die die Weltwirtschaft in den vergangenen Dekaden ins Verderben – ins Armaggedon – geführt haben. Und so denke ich: Durch den Kauf von Puts abgesicherte Aktien-Positionen in Höhe von 30 % des Gesamtvermögens machen ebenso Sinn wie ein hoher Bargeldanteil (Liquidität) von 30 %. Dass in Krisenzeiten selbstverständlich Gold und Silber sowie Platin und Palladium ins Depot gehören (Anteil: 30 %) beweist die Vergangenheit.