Warum Nationen scheitern

Warum Nationen scheitern 2017-04-12T21:17:06+00:00

Warum Nationen scheitern

Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut

Daron Acemoglu und James A. Robinson, 2012

Verlag S. Fischer

 

„Warum sind einige Nationen reich?

Wodurch entsteht die krasse Ungleichheit in unserer heutigen Welt?

Wie soll man der Ungleichheit begegnen?..

Anhand zahlreicher, faszinierender Fallbeispiele – von den Conquistadores über die industrielle Revolution bis zum heutigen China, von Sierra Leone bis Kolumbien – zeigen sie, mit welcher Macht die Eliten mittels repressiver Insitutionen sämtliche Regeln zu ihren Gunsten manipulieren – zum Schaden der vielen Einzelnen…

Über den Erfolg oder das Scheitern von Nationen wird viel geschrieben. Manche behaupten, dass die Geographie der entscheidende Faktor sei: Gewisse geographische Faktoren, etwa ein gemässigtes Klima und ein ungehinderter Zugang zum Meer oder Bodenschätzen wie Kohle, seien förderlich für das Wirtschaftswachstum, andere dagegen nicht. Manche betonen kulturelle Faktoren: Bestimmte Werte und Verhaltensweisen, beispielsweise die protestantische Ethik oder vielleicht judäisch-christliche Ideale oder das nordische oder deutsche Arbeitsethos, seien hilfreich für die Wirtschaftsentwicklung, während südeuropäische oder afrikanische Einstellungen eher ein Hindernis bildeten. Noch andere sehen die Ursache bei einer aufgeklärten oder unaufgeklärten politischen Führung…

Hitler brachte nicht nur Tod und Gemetzel über Europa, sondern auch Ruin und Schande über Deutschland..er wurde nicht aus dem Weltraum an die Macht katapultiert, sondern viele gewöhnliche Bürger und eine grosse Zahl von Unternehmen unterstützten ihn. Vor allem jedoch gaben sich zahlreiche Angehörige des Establishments in Deutschland grosse Mühe, die Weimarer Republik zu unterminieren. Leider waren die Eliten und ihre Parteien sowie die Kommunisten, welche die Demokratie gleichermassen ablehnten, letztlich erfolgreich…..

Das Wirtschaftswachstum wird von Innovationen sowie vom technologischen und organisatorischen Wandel angetrieben, die sich den Ideen, den Begabungen, der Kreativität und der Energie von Individuen verdanken….dazu bedarf es entsprechender Anreize. Zudem sind Fähigkeiten und Ideen breit über die Gesellschaft verstreut, weshalb ein Staat, der grosse Teile der Bevölkerung benachteiligt, kaum das vorhandene Innovationspotential nutzen und vom wirtschaftlichen Wandel profitieren dürfte…..Den Schlüssel zu nachhaltigem wirtschaftlichen Erfolg findet man im Aufbau einer Reihe von Wirtschaftsinstitutionen inklusiver Wirtschaftsinstitutionen – welche die Talente und Ideen der Bürger eines Staates nutzbar machen können, indem sie geeignete Anreize und Gelegenheiten bieten, dazu gesicherte Eigentums- und Vertragsrechte, eine funktionierende Justiz sowie einen freien Wettbewerb….

Zum Beispiel müssen inklusive Wirtschaftsinstitutionen von inklusiven politischen Institutionen unterstützt werden, die politische Gleichheit und eine breite Beteiligung der Bevölkerung am politischen Geschehen sowie die Macht von zentralisierten Staaten zur Regulierung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten erfordern….

Extraktive Wirtschaftsinstitutionen hingegen werden zumeist ihrerseits von extraktiven politischen Institutionen unterstützt, unter denen sich die politische Macht auf eine kleine Elite konzentriert, deren Machtausübung kaum Kontrollen unterliegt….

Die politischen europäischen Institutionen sind seit dem Krieg zunehmend inklusiv und demokratisch, was sich in einer breiten Beteiligung an den Wahlen und am politischen Geschehen auf nationaler und lokaler Ebene ausdrückt….

letztlich Aufgabe einer einzigen zentralen Institution: der Europäischen Union…

Europa ist seit 1951 einem Krieg nicht einmal nahegekommen…

Europäische Union als Bollwerk für Frieden und Stabilität, auf das sich die inklusiven nationalen Institutionen und der umfassende wirtschaftliche Wohlstand im Nachkriegseuropa gründen….

Zurzeit kann man beim Gedanken an die Zukunft Europas verzweifeln….

Die Herausforderung in Europa ist nicht durch fundamentale strukturelle Mängel oder durch die Inklusivität seiner Institutionen entstanden, sondern durch die Finanzkrise…ein bedeutender Teil des Problems besteht in den tatsächlichen oder von den Finanzmärkten so wahrgenommenen impliziten Garantien für die Staatsschulden sämtlicher Länder – als wären all diese Schulden so sicher wie die der Bundesrepublik…Dies förderte eine unhaltbare Expansion der Kapitalströme in Richtung von Ländern, in denen noch keine inklusiven Institutionen Fuss gefasst haben und wo die politischen Eliten weiterhin in der Lage sind, die Regeln zu ihrem eigenen Vorteil und dem ihrer Anhänger zu verdrehen….

Die Beschäftigung mit diesen Problemen wird schmerzhaft sein…

Was getan werden muss, ist kein grosses Geheimnis…

Parallele zu den Vereinigten Staaten zwischen den Konföderationsartikeln von 1781 und der Ratifizierung der US-Verfassung von 1788 liegt auf der Hand.

Damals waren die Gemeinwesen in den Vereinigten Staaten, genau wie heute in Europa, unter einer schwachen Zentralregierung ohne die Macht, Steuern zu erheben und eine Fiskalpolitik zu betreiben, zu einer Währungsunion zusammengeschlossen…

Der Sumpf wurde mit Hilfe der US-Verfassung trockengelegt, die der Zentralregierung die (beschränkte) Macht verlieh, Steuern zu erheben und Geldmittel über die Staatsgrenzen zu verteilen, während die Verschuldung der Staaten gleichzeitig auf die Zentralregierung übertragen wurde….Entscheidend war.., dass sich die Zentralregierung weigerte, den Finanzmärkten eine pauschale Garantie für die Staatsschulden zu geben. Nach 1829, als viele Staaten steigende Defizite aufwiesen, liess die Zentralregierung Zahlungsausfälle zu…

Der gleiche Weg steht Europa offen. Aber es ist..wesentlich, dass dies nicht als ein weiteres Manöver von cleveren Bürokraten in Brüssel empfunden wird….

Warum ist Ägypten so viel Ärmer als die Vereinigten Staaten?…

Die Protestierenden auf dem Tahrir-Platz äusserten sich einmütig über die Bestechlichkeit der Regierung, ihr Unvermögen, öffentliche Dienstleistungen bereitzustellen, sowie über die Chancenungleichheit in ihrem Land. Vor allem beklagten sie sich über Repressionen und das Fehlen politischer Rechte….

Die Dinge, welche die Ägypter nach ihrer eigenen Einschätzung bremsen, sind ein ineffektiver und korrupter Staat sowie eine Gesellschaft, in der sie ihre Begabung, ihren Ehrgeiz, ihren Einfallsreichtum ..nicht nutzen können. Sie wissen, dass die Wurzeln dieser Probleme politisch sind. Alle wirtschaftichen Hindernisse im Lande entstehen durch die Art, wie die politische Macht in Ägypten durch eine kleine Elite ausgeübt und monopolisiert wird….

Länder wie Grossbritannien und die Vereinigten Staaten sind reich geworden, weil ihre Bürger die Machteliten stürzten und eine Gesellschaft schufen, in der die politischen Rechte breiter verteilt sind, in der die Regierung den Bürgern Rechenschaft schuldet und auf ihre Wünsche reagiert und in der die grosse Mehrheit des Volkes ihre wirtschaftlichen Chancen nutzen kann…..

Die industrielle Revolution und die von ihr freigesetzten Technologien erfassten Ägypten nicht, da es sich unter der Kontrolle des Osmanischen Reiches befand, welches das Land ähnlich behandelte, wie es später die Familie Mubarak tat. Die osmanische Herrschaft in Ägypten wurde 1798 von Napoleon beendet, doch dann geriet das Land unter den Einfluss des britischen Kolonialismus, der genauso wenig Interesse wie die Osmanen hatte, den Wohlstand Ägyptens zu fördern…..

Obwohl sich die Ägypter …befreiten und 1952 ihre Monarchie stürzten, handelte es sich nicht um Revolutionen wie die von 1688 in England. Statt die Politik in Ägypten radikal zu ändern, brachten sie eine weitere Elite an die Macht, die das gleiche Desinteresse am Wohlstand des Durchschnittsägypters hatte wie früher die Osmanen und die Briten. Folglich lebte Ägypten weiter in Armut…..

Die Stadt Nogales wird in der Mitte durch einen Zaun getrennt. Wenn man davorsteht und nach Norden blickt, sieht man Nogales, Arizona, im Santa Cruz County. Das Durchschnittseinkommen beträgt ungefähr 30.000 Dollar im Jahr. Die meisten Teenager besuchen die Schule, und die Mehrheit der Erwachsenen hat die die Highschool absolviert…Bevölkerung relativ gesund….hohe Lebenserwartung…Zugang zu Medicare Dienstleistungen.., wie etwa Elekrizität, Telefon, Kanalisation, Gesundheitsbehörden, Strassennetz…Wahrung von Recht und Ordnung. Die Bürger von Nogales, Arizona, können ihrem Tagwerk nachgehen, ohne um ihr Leben zu fürchten und ohne ständig Angst vor Diebstahl, Enteignung..haben zu müssen, die ihre Investitionen in ihre Unternehmen und Häuser gefährdet. Was genauso wichtig ist: Die dortigen Bewohner halten es für selbstverständlich, dass die Regierung trotz aller Ineffizienz und gelegentlicher Korruption ihre Interessen vertritt. Sie können ihre Bürgermeister, Kongressabgeordneten und Senatoren abwählen, sie nehmen an den Präsidentschaftswahlen teil…..Die Demokratie ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen.

Das Leben südlich des Zauns, nur ein paar Meter entfernt, ist ganz anders….ihr durchschnittliches Haushaltseinkommen macht nur ungefähr ein Drittel dessen aus, was den Bewohnern von Nogales, Arizona, zur Verfügung steht. Die meisten..keinen Highschool-Abschluss..viele Teenager gehen überhaupt nicht die Schule….hohe Kindersterblichkeit…dürftige Gesundheitswesen…..Zugang zu vielen öffentlichen Einrichtungen verwehrt, und die Strassen südlich des Zaunes befinden sich in einem kläglichen Zustand. Recht und Ordnung lassen ebenfalls zu wünschen übrig. Die Kriminalität ist hoch, und die Eröffnung eines Geschäfts riskant….Die Bewohner von Nogales, Sorona, erleben täglich die Bestechlichkeit und Untauglichkeit ihrer Politiker….

Es gibt keine geographischen oder klimatischen Unterschiede….die Herkunft der Bürger auf beiden Seiten der Grenze ist recht ähnlich…Die Einwohner von Nogales, Arizona, und Nogales, Sorona, haben die gleichen Vorfahren, verzehren die gleichen Speisen, hören die gleiche Musik und haben vermutlich auch die gleiche Kultur….

Nogales, Arizona, liegt in den Vereinigten Staaten. Seine Einwohner haben Zugang zu den Wirtschaftsinstitutionen der USA…..

Die Einwohner von Nogales, Sorona,….leben in einer anderen Welt, die von anderen Institutionen gestaltet wird.

Warum begünstigen die Institutionen der Vereinigten Staaten den wirtschaftlichen Erfolg so viel stärker als die Institutionen Mexikos und überhaupt ganz Lateinamerikas?

Die Antwort auf diese Frage ist in der Art und Weise zu finden, wie sich die unterschiedlichen Gesellschaften während der frühen Kolonialzeit entwickelten. Damals kam es zu einer institutionellen Divergenz, deren Folgen bis heute andauern…..

Am Anfang des Jahres 1516 segelte der spanische Entdecker Juan Diaz de Solis in eine breite Flussmündung an der Ostküste Südamerikas. De Solis watete an Land, nahm das Gebiet für die Spanien in Beschlag und nannte den Fluss, da die Einheimischen Silber besassen, Rio de la Plata, ‚Silberfluss‘…..

Spanier ..übernahmen rasch die Rolle einer neuen Aristokratie…Zwangsarbeit..Tributsysteme….

Kein Interesse daran, den Boden selbst zu bestellen. Sie wollten, dass andere ihnen diese Arbeit abnahmen, und sie wollten Reichtümer an sich bringen, vor allem Gold und Silber….

Die spanische Kolonialisierungsstrategie war äusserst effektiv…..Erkenntnis, dass sich Widerstand am besten überwinden liess, wenn man das Oberhaupt der Einheimischen gefangen nahem. Diese ermöglichte den Spaniern, den Reichtum des Führers zu rauben und die eingeborenen Völker zur Abgabe von Tribut und Nahrungsmitteln zu zwingen. Der nächste Schritt bestand darin, sich zur neuen Elite der einheimischen Gesellschaft zu machen und die Kontrolle über die bestehenden Formen der Besteuerung, der Tributzahlung und, vor allem, der Zwangsarbeit an sich zu reissen…

Nach einer Anfangsphase der Plünderungen und der Gier nach Gold und Silber schufen die Spanier ein Netzwerk von Einrichtungen zur Ausbeutung der heimischen Bevölkerung. Die gesamte Bandbreite von encomiemda, mita, repartmiento und trajin sollte den Lebensstandard der Eingeborenen auf ein Minimalniveau hinabdrücken, damit den Spaniern alle über das nackte Überleben hinausgehenden Einnahmen zufielen…..bewirkten, dass Lateinameraki zum ‚ungleichsten‘ Kontinent der Welt wurde und einen grossen Teil seines wirtschaftlichen Potentials verlor….

Während die Spanier ihre Eroberung des amerikanischen Doppelkontinents in den 1490er Jahren begannen, war England eine zweitrangige europäische Macht, die sich von den verheerenden Folgen eines Bürgerkriegs, des Rosenkriegs, erholte. Es war nicht in der Lage, sich an der Jagd nach Beute und Gold und an der Ausbeutung der einheimischen Völker in Süd- und Nordamerika zu beteiligen. Fast einhundert Jahre später, 1588, löste der glückliche Sieg über die spanische Armada, mit der König Philipp II. versuchte hatte, England zu erobern, politische Schockwellen in Europa aus. Bei allem Glück war die Versenkung der Armada auch ein Anzeiche für die wachsende englische Durchsetzungsfähigkeit auf den Meeren, die dem Staat ermöglichen sollte, selbst zur Konolialmacht zu werden….sie entschieden sich nicht deshalb für Nordamerika, weil es attraktiv gewesen wäre, sondern weil sie für eine Okkupation Südamerikas zu spät kamen und nichts anderes mehr zur Verfügung stand….

Der erste Versuch der Engländer, eine Kolonie zu gründen – nämlich zwischen 1585 und 1587 in Roanake, North Carolina – war ein völliger Fehlschlag.

1607 versuchten sie es erneut…..Am 14. Mai 1607 gründeten sie die Siedlung Jamestown. Auch wenn die Siedler an Bord der Schiffe, die der Virginia Company gehörten, Engländer waren, hielten sie sich an ein Kolonisationsmuster, das durch das Vorbild von Cortes, Pizzarro und de Toledo geprägt war. Als Erstes planten sie, den örtlichen Häuptling gefangen zu nehmen, um der Bevölkerung Proviant abzupressen und sie zu zwingen, ihnen Lebensmittel und Wohlstand zu verschaffen….Der Gedanke, selbst zu arbeiten und Nutzpflanzen anzubauen, scheint ihnen nicht in den Sinn gekommen zu sein. So etwas war unter der Würde der Eroberer der Neuen Welt….

(Rund um Jamestown gab es jedoch kein Gold und somit hatte die geplante Ausplünderungsstrategie keinen Erfolg. Auch liessen sich die Häuptlinge nicht so leicht einsperren.

Hauptmann John Smith erkannte das Problem und änderte die Strategie, die englischen Siedler mussten selbst arbeiten.

Da die Virginia Company gewinnorientiert arbeitete, sollten jetzt die Kolonisten selbst ausgebeutet werden, Verkündung der „Gesetze Gottes, der Moral und des Krieges“. Die jedoch flohen zum Teil, sodass auch diese Strategie nicht aufging….)

Das Unternehmen brauchte einige Zeit, um zu erkennen, dass sein anfängliches Kolonisationsmodell in Virginia nicht funktionierte, und es dauerte noch etwas länger, bis das Scheitern der „Gesetze Gottes, der Moral und des Krieges“ augenscheinlich wurde. Ab 1618 schlug man eine radikal neue Strategie ein. Da weder die Einheimischen noch die Siedler zwangsverpflichtet werden konnten, bestand die einzige Alternative darin, den Siedlern Anreize zu bieten. Im Jahr 1618 führte die Company das ‚Kopfprämiensystem‘ ein, durch das jedem männlichen Siedler fünfzig Morgen Land und fünfzig weitere Morgen für jedes Familienmitglied und für sämtliche Bediensteten, die eine Familie nach Virginia mitbrachte, zugestanden wurden. Man überschrieb den Siedlern ihre Häuser und befreite sie von ihren Verträgen, und im Jahr 1619 gründete man eine Generalversammlung, die allen erwachsenen Männern ein Mitspracherecht an der Gesetzgebung und den Institutionen der Kolonie einräumte. Dies war der Beginn der Demokratie in den Vereinigten Staaten…

Lektion.., dass eine wirtschaftlich lebensfähige Kolonie auf der Schaffung von Institutionen beruhte, welche den Kolonisten Anreize zum Investieren und zu schwerer Arbeit boten….

In den 1720er Jahren hatten sämtliche dreizehn Kolonien der künftigen Vereinigten Staaten ähnliche Regierungsstrukturen. In allen Fällen gab es einen Gouverneur und eine auf dem Stimmrecht männlicher Grundbesitzer beruhende Versammlung…Die Versammlungen vertraten den Standpunkt, dass sie befugt waren, sowohl ihre eigene Mitgliedschaft als auch ihre Steuerrechte zu bestimmen. Dadurch entstanden, wie wir wissen, Probleme für die englische Kolonialregierung….

Das Dokument, das die Delegierten im Mai 1787 in Philadelphia unterzeichneten, war das Ergebnis eines langen Prozesses, der 1619 mit der Bildung der Generalversammlung in Jamestown seinen Anfang genommen hatte….

Der Gegensatz zwischen dem Verfassungsprozess, der sich zur Zeit der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten vollzog, und dem Prozess, der ein wenig später in Mexiko eingeleitet wurde, ist eklatant. Im Februar 1808 marschierten Napoleon Bonapartes Heere in Spanien ein…der spanische König Ferdinand …musste abdanken. Eine nationale Junta ..übernahm seine Rolle…..gründete..eine als Cortes bezeichnete Ständeversammlung. 1812 legten die Cortes die Verfassung von Cadiz vor, in der die Einführung einer konstitutionellen Monarchie auf der Basis der Volkssouveränität gefordert wurde….

Der Zusammenbruch des spanischen Staates und die napoleonische Invasion lösten überall im kolonialen Lateinamerika eine Verfassungskrise aus….Die erste Unabhängigkeitserklärung wurde 1809 im bolivianischen La Paz abgegeben….In Mexiko war die politische Einstellung der Elite im Jahr 1810 durch die Ablehnung der von einem Priester, Pater Miguel Hidalgo, angeführten Revolte geprägt worden…Unabhängigkeitsbewegungen wurden, wenn sie eine allgemeine Beteiligung der Bevölkerung an der Politik anstrebten, generell von den lokalen Eliten, nicht bloss von den Spaniern, abgelehnt…..Da die Eliten in Mexiko letztlich mit der Durchsetzung…rechnen mussten, beschlossen sie, dass es besser sei, im Alleingang zu handeln und die Unabhängigkeit auszurufen…Unabhängigkeitsbewegung wurde von Augustin de Iturbide geleitet, der als Offizier im spanischen Heer gedient hatte…1821..Vision für ein selbständiges Mexiko..Der Plan sah eine konstitutionelle Monarchie mit einem mexikanischen Kaiser vor und verwarf jene Klauseln der Verfassung von Cadiz, welche die mexikanischen Führungsschichten als so bedrohlich für ihren Status und ihre Priviligien empfanden….Iturbe.des Machtvakuums bewusst,.. nutzte..seine militärische Rückendeckung, um sich zum Kaiser ausrufen zu lassen…Iturbes Macht wurde nicht durch die gleichen politischen Institutionen eingeschränkt wie die der Präsidenten der Vereinigten Staaten, weshalb er sich rasch zum Diktator aufschwang….Kongress entlassen und durch eine Junta seiner Wahl ersetzt. Er blieb zwar nicht lange an der Macht, doch dieses Muster der Ereignisse sollte sich im Mexiko des 19. Jahrhunderts dauernd wiederholen…..erlebte Mexiko in den ersten fünfzig Jahren seiner Unabhängigkeit eine fast durchgängige Instabilität….zwischen 1824 und 1867 gab es zweiundfünfzig Präsidenten in Mexiko, von denen nur wenige durch konstitutionell sanktionierte Verfahren an die Macht gelangten…Die Folge dieser beispiellosen politischen Instabilität für die Wirtschaft und die Motivation der Menschen dürften auf der Hand liegen….führte zu höchst unsicheren Eigentumsrechten sowie zu einer erheblichen Schwächung des mexikanischen Staates, der nur noch wenig Autorität besass und kaum in der Lage war, Steuern zu erheben oder öffentliche Dienstleistungen zu organisieren……Zudem diente die mexikanische Unabhängigkeitserklärung..dem Ziel, die in der Kolonialzeit entwickelten Wirtschaftsinstitutionen zu bewahren, wodurch Mexiko, mit den Worten des grossen deutschen Erforschers und Geographen von Lateinamerika, Alexander von Humboldt, ‚das Land der Ungleichheit“ wurde….

Die industrielle Revolution begann in England. Ihr erster Erfolg bestand darin, die Produktion von Baumwollstoff mit Hilfe neuer, durch Wasserräder betriebener Maschinen und später durch den Einsatz von Dampfmaschinen zu revolutionieren. Die Mechanisierung erhöhte zunächst in der Textilindustrie und später in anderen Branchen die Produktivität der Arbeiter beträchtlich. Der Motor des technologischen Durchbruchs überall in der Wirtschaft war die vor allem von Unternehmern und Geschäftsleuten, die ihre neuen Ideen unbedingt in die Praxis umsetzen wollten, angetriebene Innovation. Diese Dynamik ergriff bald über den Nordatlantik hinweg auch die Vereinigten Staaten…..Wir können versuchen, das Wesen dieser Erfindungen zu verstehen, indem wir einen Blick auf die Patentanmelder werfen. Das geistiges Eigentum schützende Patentsystem wurde durch das 1623 vom englischen Parlament verabschiedete Monopolgesetz systematisiert. Dies geschah teilweise, um den König daran zu hindern, willkürlich ‚Patentbriefe‘ auszustellen, durch die exclusive Rechte für die Ausübung gewisser Aktivitäten oder Geschäfte gewährt wurden…..die Patentinhaber aus allen möglichen Gesellschaftsschichten stammten und nicht bloss aus den Kreisen der Reichen und der Machtelite. Viele verdienten sich durch die Patente ein Vermögen….Zwischen 1820 und 1845 stammten nur 19% der Patentanmelder in den Vereinigten Staaten aus dem Mittelstand oder aus bedeutenden Landbesitzerfamilien, und 40% der Erfinder hatten, wie Edison, nur eine Grundschulausbildung oder noch nicht einmal das vorzuweisen. Genau wie die Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert politisch demokratischer waren als die meisten Länder der Welt, verhielten sie sich auch auf dem Gebiet der Innovationen demokratischer als andere. Das war entscheidend für ihre Entwicklung zum wirtschaftlich innovativsten Staat der Welt.

Wer arm war, aber eine gute Idee hatte, konnte problemlos ein Patent anmelden…er konnte jedoch auch direkt mit dem Patent Geld verdienen, indem er es weiterverkaufte…Der übliche Weg, durch ein Patent Geld zu verdienen, bestand jedoch darin, ein Unternehmen zu gründen…dazu benötigte man Kapital oder Banken, die einem das erforderliche Geld liehen. Erfinder in den Vereinigten Staaten hatte auch hier besonders Glück…führte die intensive Konkurrenz zwischen Banken und anderen Finanzinstitutionen in den Vereinigten Staaten dazu, dass Kredite zu relativ niedrigen Zinssätzen aufgenommen werden konnten.

Das galt nicht für Mexiko. Im Gegenteil….kannte man unten den mexikanischen Banken praktisch keinen Wettbewerb…hohe Zinssätze…weshalb sich die Darlehensvergabe auf priviligierte und bereits wohlhabende Personen beschränkte, die ihre Kreditwürdigkeit nutzten, um ihren Einfluss auf die verschiedenen Wirtschaftssektoren zu erhöhen. Die Form, die das mexikanische Bankwesen im 19. und 20. Jahrhundert annahm, ging direkt auf das Wirken der politischen Institutionen nach der Unabhängigkeit zurück….General Porfirio Diaz..regierte Mexiko ..von 1877 ..mit einer vierjährigen Unterbrechung..bis zu seinem Sturz vierunddreissig Jahre später….diese Männer konnten nur genauso aus dem Amt entfernt werden, wie sie es an sich gebracht hatten: durch Gewalt.

Diaz verletzte Eigentumsrechte der Menschen, bereitete die Enteignung grosser Landstriche vor und verschaffte seinen Anhängern in sämtlichen Geschäftsbereichen, darunter dem Bankwesen, Monopolpositionen und Vergünstigungen….so hatten schon die spanischen Konquistadoren gehandelt…

Die Schaffung von Bankmonopolen, die Politikern Kredite gewähren, ist ein gutes Geschäft für die Volksvertreter, wenn sie dabei ungeschoren davonkommen, doch es ist nicht besonders gut für die Bürger.

Anders als in Mexiko konnten die Wähler in den Vereinigten Staaten ihre Politiker im Zaum halten und sich derjenigen entledigen, die ihre Ämter nutzten, um sich selbst zu bereichern oder Monopole für ihre Kumpane zu schaffen….

Die Welt änderte sich in den 1870er und 1880er Jahren auch in Lateinamerika….Die Weltwirtschaft boomte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und neue Verkehrsmittel wie Dampfschiffe und Eisenbahnen ermöglichten eine gewaltige Ausweitung des internationalen Handels. Die dadurch ausgelöste Welle der Globalisierung bewirkte, dass sich Rohstoffländer wie Mexiko – beziehungsweise deren Führungseliten – bereichern konnten, indem sie natürliche Ressourcen in das industrialisierte Nordamerika oder nach Westeuropa exportierten. Diaz und seinen Spiessgesellen fanden sich also in einer anderen und rasch voranschreitenden Welt wieder, und ihnen wurde klar, dass auch Mexiko sich wandelt musste. Aber das bedeutete nicht, dass sie die Kolonialinstitutionen beseitigt und sie durch ähnliche Organe wie in den Vereinigten Staaten ersetzt hätten. Vielmehr kam es zu einem ‚pfadabhängigen‘ Wandel, der lediglich zum nächsten Stadium der Institutionen führte, die bereits in grossen Teilen Lateinamerikas Armut und Ungleichheit verursacht hatten…..

Obwohl man allmählich zu einer Gewährung von mehr politischen Rechten tendierte, wurden die meisten lateinamerikanischen Länder erst in den 1990er Jahren zu Demokratien, und selbst dann verharrten sie weiter in ihrer früheren Instabilität…..

Die dauerhaften Folgen der Organisation von Kolonialgesellschaften und deren institutionelle Vermächtnisse bestimmen die heutigen Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko..

Theorie der Weltungleichheit

Jede Gesellschaft funktioniert auf der Basis einer Reihe wirtschaftlicher und politischer Regeln, die kollektiv durch den Staat und die Bürger geschaffen und durchgesetzt werden. Wirtschaftsinstitutionen formen die ökonomischen Stimuli, indem sie es beispielsweise als erstrebenswert erscheinen lassen, eine Ausbildung zu absolvieren, zu sparen und zu investieren, Neuerungen vorzunehmen, fortschrittliche Techniken einzuführen und so weiter. Der politische Prozess bestimmt, unter welchen Wirtschaftsinsititutionen die Menschen leben, und die politischen Institutionen sind dafür massgeblich, wie sich dieser Prozess abspielt. Zum Beispiel gestalten die politischen Institutionen eines Staates die Möglichkeit der Bürger, Politiker zu kontrollieren und ihr Verhalten zu beeinflussen. Dies wiederum spielt eine Rolle dabei, ob Politiker – wenn auch unvollkommene – Vertreter der Bürger sind oder ob sie die ihnen anvertraute oder durch sie usurpierte Macht missbrauchen können, um eigene Vermögen anzusammeln und eigene Pläne auf Kosten der Bürger zu verfolgen. Politische Institutionen stützen sich auf schriftlich fixierte Verfassungen……Daneben müssen die Faktoren gründlicher ins Auge gefasst werden, die bestimmen, wie sich die politische Macht in der Gesellschaft verteilt, besonders die Fähigkeit unterschiedlicher Gruppen, kollektiv zu handeln, um ihre eigenen Ziele zu verfolgen oder um andere an der Verfolgung ihrer Ziele zu hindern. Da Institutionen das Verhalten und die Anreize im realen Leben beeinflussen, sind sie für den Erfolg oder das Scheitern von Staaten verantwortlich…..

In diesem Buch wird gezeigt werden, dass Wirtschaftsinstitutionen zwar entscheidend dafür sind, ob ein Land arm oder reich ist, doch dass die Politik und die politischen Institutionen festlegen, welche Wirtschaftsinstitutionen ein Land aufweist…..

Aus ähnlichen Gründen wird sich die Armut des Nahen Ostens nicht auf die Geographie zurückführen lassen. Schliesslich war der Nahe Osten während der Neolithischen Revolution weltweit führend, und die ersten Städte entwickelten sich im heutigen Irak. Eisen wurde zuerst in der Türkei verhüttet, und noch im Mittelalter war der Nahe Osten von technischer Dynamik gekennzeichnet. Nicht die nahöstliche Geographie liess die Neolithische Revolution in jenem Teil der Welt gedeihen, ..und nicht de Geographie liess den Nahen Osten später verarmen. Vielmehr liegt es an der Expansion und Konsolidierung des Osmanischen Reiches und an seinem institutionellen Vermächtnis, dass der Nahe Osten verarmte und auch heute noch arm ist.

Die zweite weithin akzeptierte Theorie, die Kultur-Hypothese, stellt einen Zusammenhang zwischen Wohlstand und kulturellen Faktoren her…Religion,…Werte und Gesinnungen…..

Viele der häufig hervorgehobenen Kulturaspekte – Religion, nationale Ethik, afrikanische oder lateinamerikanische Werte – reichen als Erklärung für den gegenwärtigen Zustand der Ungleichheiten auf der Welt nicht aus. Andere Aspekte, etwa der Grad, in dem Menschen einander vertrauen oder kooperationsfähig sind, müssen berücksichtigt werden, sind jedoch zumeist Auswirkungen der Institutionen, keine unabhängigen Ursachen…..

Der wirkliche Grund, warum die Kongolesen auf überlegene Techniken verzichteten, bestand darin, dass ihnen die Anreize fehlten. Sie sahen sich dem hohen Risiko ausgesetzt, dass ihre gesamten Erträge von dem allmächtigen König..enteignet oder massiv besteuert wurden. Und nicht nur ihr Eigentum war bedroht, selbst ihr Weiterleben hin an einem Faden. Viele wurden gefangen genommen und als Sklaven verkauft – schwerlich das Umfeld, das zu Investitionen in die Steigerung der langfristigen Produktivität ermutigte. Auch der König hatte keinen Anreiz, den Pflug im grossen Massstab einsetzen zu lassen und die Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität zu einem vorrangigen Ziel zu machen, denn der Export von Sklaven war weitaus profitabler…..

Syrien und Ägypten..waren..Provinzen des Osmanischen Reiches, das ihre Entwicklung nachdrücklich negativ beeinflusste….Nach dem Zusammenbruch der osmanischen Herrschaft wurde der Nahe Osten von den englischen und französischen Kolonialmächten okkupiert, was erneut ihre Möglichkeiten beschnitt. Nach der Unabhängigkeit folgten sie dem Beispiel grosser Teile der einstigen Kolonien und bauten hierarchische, autoritäre Regime und nur wenige der politischen Institutionen auf, die, wie wir noch ausführen werden, entscheidend für den ökonomischen Erfolg sind……

Tatsache, dass das Haupthindernis für das Ergreifen von Massnahmen zum Abbau von Marktversagen und zur Förderung des Wirtschaftswachstums nicht in der Ignoranz der Politiker liegt, sondern in den Anreizen und Zwängen, mit denen sie durch die politischen und wirtschaftlichen Institutionen in ihrer Gesellschaft konfrontiert werden….

Es war ..die Politik, die den Wechsel von kommunistischen zu marktwirtschaftlichen Prinzipien in China bewirkte, nicht eine bessere Beratung oder ein besseres Verständnis der wirtschaftlichen Funktionsprinzipien…vielmehr besiegten Deng Xiaoping und seine Verbündeten, die nicht weniger eigennützig waren als ihre Rivalen, doch andere Interessen und politische Ziele hatten, ihre mächtigen Gegner in der Kommunistischen Partei und leiteten so etwas wie eine politische Revolution ein, durch die sich das Führungspersonal und die Ausrichtung der Partei radikal änderten….

Wie wir aufzeigen werden, befinden sich arme Länder deshalb in ihrer kläglichen Lage, weil die Machthaber armutserzeugende Entscheidungen treffen. Sie machen es nicht irrtümlich oder aus Ignoranz falsch, sondern mit Bedacht….untersuchen, wie Entscheidungen wirklich zustande kommen, wer sie treffen kann und warum solche Menschen einen bestimmten Weg wählen. Es geht..um eine Untersuchung der Politik und der politischen Prozesse, die von der Wirtschaftswissenschaft traditionell ignoriert werden….man muss die Politik verstehen, wenn man die Weltungleichheit erklären will….

Sichere Eigentumsrechte, Gesetze, öffentliche Dienstleistungen und die Freiheit, Verträge abzuschliessen und Waren auszutauschen, hängen alle vom Staat ab – der Institution mit der Amtsgewalt, für Ordnung zu sorgen, Diebstahl und Betrug zu verhindern und zu ahnden und Verträgen zwischen Privatpersonen Geltung zu verschaffen. Um gut zu funktionieren, benötigt die Gesellschaft noch andere öffentliche Dienstleistungen: Strassen und ein Verkehrssystem zur Beförderung von Gütern; eine öffentliche Infrastruktur, damit die Wirtschaftstätigkeit gedeihen kann; und Grundverordnungen zur Verhinderung von Betrug und anderen Vergehen. Viele dieser öffentlichen Dienste können von der Wirtschaft und von Privatbürgern geleistet werden, doch die in grossem Mass erforderliche Koordination ist oft nur einer Zentralbehörde möglich. Der Staat ist also unauflöslich mit den Wirtschaftsinstitutionen verknüpft, denn er sorgt für die Wahrung von Recht und Ordnung, sichert Privateigentum und Verträge und ist oft ein bedeutender Dienstleister. Inklusive Wirtschaftsinstitutionen benötigen und nutzen den Staat…..

Institutionen, deren Eigenschaften im Gegensatz zu denen inklusiver Einrichtungen stehen, bezeichnen wir als extraktive Wirtschaftsinstitutionen – extraktiv deshalb, weil sie dem Zweck dienen, einem Teil der Gesellschaft Einkommen und Wohlstand zugunsten einer anderen zu entziehen….

Inklusive Wirtschaftsinstitutionen schaffen die Voraussetzung für zwei weitere Wohlstandsmotoren: für Technologie und Ausbildung. Ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum wird fast immer von technologischen Verbesserungen begleitet….

Alle Wirtschaftsinstitutionen werden von der Gesellschaft geschaffen..

Politik ist der Prozess, in dem eine Gesellschaft die Regeln für ihre Lenkung bestimmt….

Wenn es zu einem Konflikt um die Institutionen kommt, hängt das Ergebnis davon ab, welche Person oder Gruppe sich im politischen Spiel durchsetzt und mehr Unterstützung erhält, zusätzliche Mittel erlangt und schlagkräftige Bündnisse schmiedet…der Sieger wird durch die Verteilung der politischen Macht in der Gesellschaft ermittelt. Die politischen Institutionen der Gesellschaft sind ein Schlüsselfaktor für das Ergebnis des Spiels. Sie liefern die Regeln, nach denen die politischen Anreize festgelegt werden…Politische Institutionen entscheiden, wer über die Macht in der Gesellschaft verfügt und zu welchen Zwecken er sie einsetzen kann….offensichtlich besteht ein enger Zusammenhang zwischen Pluralismus und inklusiven Wirtschaftsinstitutionen…

Schlüssel zum Verständnis der Frage, warum Südkorea und die USA inklusive Wirtschaftsinstitutionen besitzen, ist nicht nur in ihren pluralistischen politischen Institutionen, sondern auch in der Tatsache zu finden, dass sie hinreichend zentralisierte und mächtige Staaten sind….

Max Weber definierte den Staat..als „diejenige menschliche Gemeinschaft, welche innerhalb eines bestimmten Gebietes das Monopol legitimer physischer Gewaltsamkeit für sich beansprucht“. Ohne ein derartiges Monopol und die damit verbundene Zentralisierung kann der Staat seine Rolle als Wahrer von Recht und Ordnung nicht spielen..Wenn der Staat nicht die geringste politische Zentralisierung schaffen kann, gleitet die Gesellschaft früher oder später..ins Chaos ab….

Politische Institutionen, die ausreichend zentralisiert und pluralistisch sind, nennen wir inklusiv. Wenn eine der beiden Bedingungen nicht zutrifft, bezeichnen wir sie als extraktive politische Institutionen. Es gibt eine starke Synergie zwischen wirtschaftlichen und politischen Institutionen….

Exktraktive politische Institutionen konzentrieren die Macht in den Händen einer kleinen Oberschicht und unterwerfen ihre Ausübung nur wenigen Kontrollen. Die Herrschenden gestalten die Wirtschaftsinstitutionen dann häufig auf eine Weise, die ihnen gestattet, der übrigen Gesellschaft Ressourcen zu entziehen….

Staaten mit extraktiven wirtschaftlichen und politischen Institutionen scheitern letztlich, weil diese das Wachstum behindern oder sogar blockieren….

Der Prozess des Wirtschaftswachstums und die inklusiven Institutionen, auf denen er beruht, lassen politisch und wirtschaftlich Verlierer und Gewinner entstehen. Die Furcht vor solch einer schöpferischen Zerstörung ist häufig die Ursache des Widerstands gegen inklusive wirtschaftliche und politische Institutionen…..Neue Technologien machen bestehende Fertigkeiten und Maschinen überflüssig….

Die europäische Geschichte liefert ein anschauliches Beispiel für die Folgen der schöpferischen Zerstörung. Kurz vor der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert wurden die meisten europäischen Länder von Aristokraten und traditionellen Eliten regiert, deren Haupteinkommensquellen der Grundbesitz oder der Handel mit den Privilegien waren, die sie infolge der von Monarchen gewährten Monopole und Eintrittsschranken genossen….Die bisherigen Eliten..waren..die eindeutigen wirtschaftlichen Verlierer der Industrialisierung…das politische Monopol des Adels in Frage gestellt….Da ihre wirtschaftliche und politische Macht bedroht war, formten die bisherigen Eliten häufig eine beachtliche Opposition gegen die Industrialisierung….

In Österreich-Ungarn und im Russischen Reich, wo die absolutistischen Monarchen und die Aristokratie viel mehr zu verlieren hatten, wurde die Industrialisierung blockiert. Dadurch geriet die Wirtschaft von Österreich-Ungarn und Russland ins Stocken. Die Länder blieben hinter anderen Ländern zurück, deren Wirtschaftswachstum im 19. Jahrhundert in die Höhe schnellte….

Es gibt kaum bessere – oder deprimierendere – Beispiele als den Kongo, um die Kräfte zu veranschaulichen, die bewirken, dass wirtschaftlicher Wohlstand unter extraktiven Institutionen so durchgehend selten ist, oder um die Synergie zwischen extraktiven wirtschaftlichen und extraktiven politischen Institutionen zu illustrieren….Die Sklaverei stand im Mittelpunkt der Wirtschaft….Die Steuern waren willkürlich…einige Menschen, diejenigen mit politischer Macht, sehr reich……..der heutige Staat Kongo immer noch elend arm….

Die Ankunft des europäischen Kolonialismus in dieser Gegend..im späten 19. Jahrhundert führte zu einer Unsicherheit der Menschen- und Eigentumsrechte, die noch ungeheuerlicher war als die der vorkolonialen Epoche. Daneben wiederholte sich nun das Muster der extraktiven Institutionen und des politischen Absolutismus, durch das einige wenige auf Kosten der Massen Macht und Reichtum erlangten, wobei die wenigen mittlerweise belgische Kolonialisten, vornehmlich in Gestalt von König Leopold II., waren.

Als der Kongo 1960 unabhängig wurde, wiederholte sich das gleiche Muster der Wirtschaftsinstitutionen, der Anreize und Leistungen. Die kongolesischen extraktiven Wirtschaftsinstitutionen wurden wieder von genauso extraktiven politischen Einrichtungen gestützt. Die Situation verschlimmerte sich jedoch noch, da der europäische Kolonialismus das Gemeinwesen Konto aus vielen unterschiedlichen vorkolonialen Staaten und Gesellschaften geschaffen hatte, über die der von Kinshasa aus regierte Kongo wenig Kontrolle besass…..Präsident Mobutu…sass einem nichtzentralisierten Staat vor, der über grosse Landesteile wenig Macht hatte…Dieser Mangel an politischer Zentralisierung, beinahe bis hin zum totalen Zusammenbruch, ist ein Merkmal, das der Kongo mit vielen Staaten des subsaharischen Afrika teilt……

Es gibt zwei unterschiedliche komplementäre Möglichkeiten, wie extraktive politische Institutionen Wachstum hervorbringen können…..wenn die Machthaber Mittel direkt in leistungsfähige Wirtschaftsbereiche lenken, die sie selbst kontrollieren….

Karibischen Inseln zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert…Die Bevölkerung bestand überwiegend aus Sklaven….Auf Barbados, Kuba, Haiti und Jamaika verfügte eine kleine Minderheit, die Plantagenbesitzer im 17. und 18. Jahrhundert, über jegliche politische Macht und über sämtliche Vermögenswerte, darunter auch die Sklaven. Während die Mehrheit keine Rechte hatte, war das Eigentum der Plantagenbesitzer gut geschützt. Ungeachtet der extraktiven Wirtschaftsinstitutionen..zählten die Inseln zu den reichsten Gebieten der Welt, da sie Zucker produzieren konnten, der auf den Weltmärkten verkauft wurde…

Ein weiteres Beispiel liefern das Wirtschaftswachstum und die Industrialisierung der Sowjetunion seit dem ersten Fünfjahresplan von 1928 bis in die 1970er Jahre. Die politischen und wirtschaftlichen Institutionen waren überaus extraktiv und die Märkte starken Einschränkungen unterworfen. Nichtsdestoweniger erzielte die Sowjetunion ein rasches Wirtschaftswachstum, weil sie die Macht des Staates nutzte, um Mittel aus der Landwirtschaft, wo wie sehr ineffizient eingesetzt wurden, in die Industrie umzulenken.

Der zweite Wachstumstyp unter extraktiven politischen Institutionen entsteht dann, wenn die Entwicklung begrenzt inklusiver Wirtschaftsinstitutionen zugelassen wird….der Grad, bis zu dem die Herrschenden die Macht monopolisieren können, variiert von einer Gesellschaft zur anderen. In manchen kann sich die herrschende Elite so sicher fühlen, dass sie gewisse Schritte in Richtung inklusiver Wirtschaftsinstitutionen zulässt, weil sie ihre politische Macht nicht bedroht sieht. Andererseits kann ein extraktives politisches Regime durch die historische Entwicklung mit relativ inklusiven Wirtschaftsinstitutionen ausgestattet sein, die es nicht zu blockieren beschliesst…..

Rapide Industrialisierung von Südkorea unter General Park…In den 1970er Jahren waren die Wirtschaftsinstitutionen in Südkorea derart inklusive geworden, dass eines der starken Argumente für extraktive politische Institutionen wegfiel: Die Wirtschaftselite hatte durch ihre eigene Beherrschung der Politik oder durch die politische Dominanz des Militärs wenig zu gewinnen. Die relative Einkommensgleichheit in Südkorea bedeutete auch, dass die Elite durch Pluralismus und Demokratie weniger zu befürchten hatte……politischer Reformprozess, der nach 1992 eine Konsolidierung der politischen Demokratie bewirkte.

In der Sowjetunion hingegen kam es bekanntlich zu keinem vergleichbaren Wandel. Dadurch ging dem sowjetischen Wachstum der Atem aus, und die Wirtschaft näherte sich in den 1980er Jahren dem Zusammenbruch, der dann in den 1990ern eintrat.

Das heutige Wirtschaftswachstum in China weist einige Gemeinsamkeiten sowohl mit der sowjetischen als auch mit der südkoreanischen Entwicklung auf. Während die frühen Stadien des chinesischen Wachstums durch radikale Reformen im Agrarsektor eingeleitet wurden, waren die Reformen im Industriesektor verhaltener. Noch heute spielen der Staat und die Kommunistische Partei eine zentrale Rolle bei Entscheidungen darüber, welche Sektoren und welche Unternehmen zusätzliches Kapital erhalten und sich ausweiten sollen (wobei Vermögen gemacht und verloren werden)….

Obgleich extraktive Institutionen ein gewisses Wachstum erzeugen können, handelt es sich in der Regel nicht um eine dauerhafte Erscheinung und schon gar nicht um einen Wachstumstyp, der von schöpferischer Zerstörung begleitet wird. Wenn sowohl die politischen als auch die wirtschaftlichen Institutionen extraktiv sind, gibt es keinen Anreiz zu schöpferischer Zerstörung und technologischem Wandel. Eine Zeitlang mag der Staat imstande sein, ein rasches Wachstum hervorzurufen, indem er Ressourcen und Menschen per Kommando verteilt, doch diese Prozess ist von Natur aus beschränkt. Sobald seine Grenzen erreicht sind, hört das Wachstum auf, wie in den 1970er Jahren in der Sowjetunion….

England war einzigartig unter den Nationen, als ihm im 17. Jahrhundert der Durchbruch zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum gelang. Bedeutenden ökonomischen Änderungen ging eine politische Revolution voraus, die eine Reihe neuer wirtschaftlicher und politischer Institutionen erzwang. Diese waren viel inklusiver als die jeder früheren Gesellschaft…..Die Höhepunkte der insititutionellen Kämpfe des 17. Jahrhunderts bildeten zwei historische Ereignisse: der englische Bürgerkrieg zwischen 1642 und 1651 und besonders die Glorreiche Revolution von 1688…..Die Regierung übernahm eine Reihe von Wirtschaftsinstitutionen, die Anreize für Geldanlagen, Handel und Innovationen schufen. Unbeirrbar stärkte sie das Eigentumsrecht, wozu auch Patente für geistiges Eigentum gehörten, was Innovationen einen wichtigen Anschub gab. Sie schützte Recht und Ordnung. Historisch beispiellos war die Gültigkeit der englischen Gesetze für alle Bürger. Die willkürliche Besteuerung hörte auf und Monopole wurden fast völlig abgeschafft…..Aufbau von Infrastruktur…später entscheidend für das industrielle Wachstum…

Der Sklavenhandel wurde nach 1807 überwiegend beendet, doch der sich anschliessende europäische Kolonialismus erstickte die aufkeimende wirtschaftliche Modernisierung in Teilen Süd- und Westafrikas nicht nur, sondern machte auch jegliche Möglichkeit einheimischer institutioneller Reformen zunichte. Dies bedeutete, dass auch ausserhalb von Gebieten wie dem Kongo, Madagaskar, Namibia oder Tansania, wo Raub, Zerstörung sozialer Zusammenhänge und sogar Massenmord die Regel waren, kaum eine Chance für Afrika bestand, seinen institutionellen Pfad zu ändern. Schlimmer noch, die unter der Kolonialherrschaft aufgebauten Strukturen hinterliessen in den 1960er Jahren noch verästeltere und schädlichere Institutionen als zuvor……..

Im 19. Jahrhundert blockierte ein Absolutismus, der sich von dem in Afrika und Osteuropa kaum unterschied, die Industrialisierung in grossen Teilen Asiens. In China war der Staat zutiefst absolutistisch…. Als grosse Seemacht betrieb China schon Jahrhunderte vor den Europäern internationalen Handel, aber es hatte sich genau zum falschen Zeitpunkt von den Meeren abgewandt, weil die Ming-Kaiser im späten 14. Und frühen 15. Jahrhundert zu dem Schluss gelangt waren, dass ein verstärkter Fernhandel ihre Herrschaft durch schöpferische Zerstörung, die er mit sich bringen konnte, wahrscheinlich bedrohen würde….

In Indien herrschte eine andere industrielle Entwicklungstendenz vor und liess ein beispiellos starres, erheblich zementiertes Kastensystem entstehen, das die Möglichkeiten der Berufswahl und die Marktfunktionen noch stärker einschränkte als es die Feudalordnung im mittelalterlichen Europa tat….waren das Kastensystem und der Mogul-Absolutismus ernsthafte Hindernisse für das Aufkommen inklusiver Wirtschaftsinstitutionen….

Wiewohl die Tokugawa-Herrschaft in Japan absolutistisch und extraktiv war und die Kontrolle über die zuvor weitgehend unabhängig herrschenden Daimyo, die Lehensfürsten, schrittweise ausbaute, konnte deren Macht nicht völlig gebrochen werden…..im Juli 1853 vier amerikanische Kriegsschiffe unter dem Befehl von Matthew C. Perry in die Buch von Edo einfuhren……China setzte seinen absolutistischen Weg nach den Opiumkriegen fort, während die Mühelosigkeit, mit der die Amerikaner in die Buch von Edo einfahren und Japan bedrohen konnten, den Widerstand der Lehensfürsten gegen die Tokugawa-Herrschaft hervorrief und zu einem politischen Umsturz führte…Meiji-Restauration..Die Entstehung einer konstitutionellen Monarchie in Japan ermöglichte die Entwicklung inklusiverer politischer und weitaus inklusiverer wirtschaftlicher Institutionen; daneben entstand die Basis für das spätere rapide japanische Wachstum, während China unter dem Absolutismus schmachtete….

Die Art, wie Japan auf die Bedrohung durch die US-Kriegsschiffe reagierte, nämlich durch einen Prozess der fundamentalen institutionellen Umgestaltung, hilft uns, den Grund für den Übergang von Stagnation zu zügigem Wachstum zu verstehen. Südkorea, Taiwan und schliesslich China erzielten seit dem Zweiten Weltkrieg durch einen ähnlichen Weg wie vor ihnen Japan halsbrecherische Wachstumsraten. In jedem dieser Fälle gehen dem Wachstum historische Veränderungen der Wirtschaftsinstitutionen voraus – allerdings nicht immer der politischen Institutionen, wie das chinesische Beispiel verdeutlicht….

Während die politischen und wirtschaftlichen Institutionen Lateinamerikas im Laufe der vergangenen fünfhundert Jahre durch den spanischen Kolonialismus geprägt wurden, waren die des Nahen Ostens dem osmanischen Kolonialismus ausgesetzt….Der osmanische Staat war absolutistisch, und der Sultan teilte seine Macht mit niemandem….kein Privateigentum an Grund und Boden…Die Wirtschaftsinstitutionen..waren..unterdrückerisch. Der Handel unterlag der staatlichen Kontrolle, und jede Berufstätigkeit wurde durch Zünfte und Monopole streng reglementiert. Mithin waren die Wirtschaftsinstitutionen des Nahen Ostens zur Zeit der Industriellen Revolution weithin extraktiv, und das Wirtschaftsleben stagnierte.

Extraktive Institutionen müssen durch ihre eigene Logik Wohlstand schaffen, damit dieser extrahiert werden kann. Ein Herrscher, der die politische Macht an sich gerissen hat und die Kontrolle über einen zentralisierten Staat besitzt, ist in der Lage, ein gewisses Mass an Recht und Ordnung und ein Regelsystem einzuführen, um die Wirtschaftstätigkeit anzukurbeln. Doch ein unter extraktiven Institutionen entstandenes Wachstum hebt sich von seinem Wesen nach von einem unter inklusiven Institutionen geschaffenen ab. Vor allem kann es kein nachhaltiges Wachstum sein, das einen technologischen Wandel verlangt, sondern nur ein auf bereits vorhandenen Technologien beruhender Prozess. Die Entwicklung der Sowjetunion illustriert, wie die Autorität des Staates und die von ihm geschaffenen Anreize ein rasches Wirtschaftswachstum unter extraktiven Institutionen einleiten können und wie dieser Wachstumstyp letztlich in sich zusammenbricht…..

Obwohl die Industrie ineffizient organisiert war, stieg das Volkseinkommen zwischen 1928 und 1960 jährlich um 6 Prozent – wahrscheinlich der bis dahin grösste ökonomische Wachstumsschub in der russischen Geschichte. Er stützte sich..nicht auf den technologischen Wandel, sondern auf die Umverteilung von Arbeitskräften und die Erzielung von Einnahmen durch den Bau neuer Fabriken und den Einsatz von neuen Geräten in einer zuvor technisch unterentwickelten Gesellschaft…

Das Wachstum beschleunigte sich so sehr, dass Generationen von Westlern getäuscht wurden…Auch die Central Intelligence Agency (CIA)..wurde hinters Licht geführt, nicht zu reden von Sowjetführern wie Nikita Chruschtschow…

Nobelpreisträger Paul Samuelson..prognostizierte mehrfach die ökonomische Vormachtstellung der Sowjetunion. In der Ausgabe von 1961 sagte Samuelson voraus, das sowjetische Volkseinkommen werde jenes der Vereinigten Staaten möglicherweise schon vor 1984, mit grosser Wahrscheinlichkeit jedoch bis 1997 übertreffen…..

In den 1970er Jahren kam das Wachstum praktisch zum Stillstand. Die wichtigste Lektion daraus lautet, dass extraktive Institutionen aus zwei Gründen keinen dauerhaften technologischen Wandel auslösen können: wegen des Mangels an Anreizen und wegen des Widerstands durch die herrschenden Eliten….

Innovation bedeutet, heute Opfer zu bringen, um morgen die Gewinne einzuheimsen…

Die zentrale Planung war einfach nicht geeignet, das zu ersetzen, was der grosse Ökonom des 18. Jahrhunderts, Adam Smith, die ‚unsichtbare Hand“ des Marktes nannte….

Ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum erfordert, dass die Beteiligten ihre Begabung und ihre Ideen nutzen, was ein System sowjetischen Stils gerade verhindert. Die Machthaber in der UdSSR hätten ihre extraktiven Wirtschaftsinstitutionen aufgeben müssen, aber durch solch einen Schritt wäre ihre politische Macht gefährdet worden. Tatsächlich zerbröckelte die Macht der Kommunistischen Partei und mit ihr de Sowjetstaat, als Michail Gorbatschow nach 1987 von extraktiven Wirtschaftsinstitutionen abrückte….

Um 15000 v. Chr. endete die Eiszeit.., die Durchschnittstemperaturen..um ganze 15 Grad Celsius stiegen….Die Klimaerwärmung war eine äusserst kritische Phase, und sie lieferte den Hintergrund zur Neolithischen Revolution, in der menschliche Gesellschaften den Übergang zum sesshaften Leben, zu Ackerbau und Viehzucht vollzogen..Es gibt einen elementaren Unterschied zwischen Ackerbau und Viehzucht und dem Jagen und Sammeln andererseit….Die frühesten Anzeichen für Ackerbau, Viehzucht und die Domestizierung von Pflanzen und Tieren stammen aus dem Nahen Osten, insbesondere aus der als Hilly Flanks (‚Hügelige Flanken‘) Gegend, die sich vom Süden des heutigen Israel durch Palästina und das Westjordanland bis hinauf nach Syrien und in die südöstliche Türkei, den nördlichen Irak und den westlichen Iran erstreckt. Die ersten Funde von domestizierten Pflanzen, nämlich Emmer und zweizeilige Gerste, in Jericho am Westufer des Jordan werden auf etwa 9500 v. Chr. datiert..Fundstätten gehörten der natufischen Kultur an….

Man kann alle möglichen Gründe aufführen, die es vorteilhaft für eine Gesellschaft machen, sesshaft zu werden. Umherzuziehen ist aufwendig. Kinder und alte Leute müssen getragen werden, und wenn man unterwegs ist, gibt es keine Möglichkeit, Lebensmittel für schlechteren Zeiten zu speichern…

Allerdings hatte ein sesshaftes Leben auch Nachteile. Die Konfliktbewältigung fiel sesshaften Gruppen wahrscheinlich viel schwerer, da Meinungsverschiedenheiten nicht mehr einfach dadurch beigelegt werden konnten, dass ein Stamm oder eine Gruppe fortzog…..

Es galt..Regeln aufzustellen und Institutionen für ihre Durchsetzung zu entwickeln…

Das archäologische Material lässt..vermuten, dass die Natufier schon lange, bevor sie Bauern wurden, eine komplexe, durch Hierarchie, Ordnung und Ungleichheit – also durch das, was wir als die Anfänge extraktiver Institutionen bezeichnen -, typisierte Gesellschaft aufbauten…

Venedig…Im Mittelalter war die Stadt möglicherweise die reichste der Welt; sie hatte die fortschrittlichsten inklusiven Wirtschaftsinstitutionen, die sich auf ebenfalls aufkommende politische Inklusivität stützten. Venedig erlangte seine Unabhängigkeit im Jahr 810 n. Chr….Eine der wichtigsten Grundlagen für die Wirtschaftsexpansion von Venedig wurde durch eine Reihe von vertraglichen Neuerungen geschaffen, durch welche die Wirtschaftsinstitutionen viel mehr Inklusivität erlangten. Die berühmteste war die commenda, eine primitive Form der Aktiengesellschaft…Junge Unternehmer konnten ins Handelsgewerbe einsteigen….Aus offiziellen Dokumenten geht hervor, wie entscheidend die commenda für den sozialen Aufstieg war….Diese wirtschaftliche Inklusivität und der Aufstieg neuer Familien durch den Handel hatten zur Folge, dass das politische System noch offener wurde…Dem institutionellen Wandel schloss sich eine gewaltige Expansion der Geschäfte und der venezianischen Flotte an….

Durch jede Welle von unternehmungslustiger junger Männer, die mit Hilfe der commenda oder ähnlicher Abkommen reich wurden, verringerten sich die Gewinne und die wirtschaftlichen Erfolge der Eliten, und auch deren politische Macht wurde gefährdet. Folglich waren die existierenden Eliten im Grossen Rat..immer versucht, das System für nachrückende Kandidaten unzugänglich zu machen….

Nach dem 11. September 1298 bedurften amtierende Mitglieder und ihre Familien nicht mehr der Bestätigung. Der Grosse Rat war nun Aussenstehenden wirksam verschlossen, und die Amtsinhaber waren zu einer Erbaristokratie geworden….politische Spannungen…Polizeitruppe….Zwangsmassnahmen……Handel verstaatlicht…Der Fernhandel wurde damit zur Domäne des Adels, was den Anfang vom Ende des venezianischen Wohlstands bedeutete. Da die immer kleiner werdende Elite ein Monopol für die Hauptgeschäftsbereiche hatte, war der Verfall nicht mehr aufzuhalten…

Will man den Weg Englands und der ihm nacheifernden Länder zur Industriellen Revolution verstehen, so ist das römische Vermächtnis gleichwohl aus mehreren Gründen wichtig. Rom erlebte – wie Venedig – bedeutende frühe institutionelle Neuerungen. Wie in Venedig beruhte der anfängliche wirtschaftliche Erfolg auch in Rom auf inklusiven Institutionen – zumindest nach den Massstäben jener Zeit. Wie in Venedig wurden diese Institutionen schrittweise extraktiver. In Rom war dies auf den Wechsel von der Republik (510 – 49 v. Chr.) zum Kaiserreich (49 v. Chr. – 476 n. Chr.) zurückzuführen.

Die römischen Bürger schufen die Republik, indem sie ihren König Lucius Tarquinus Superbus (Tarquin der Stolze) um 510 v. Chr. stürzten. Die politischen Institutionen wurden dann geschickt mit zahlreichen inklusiven Elementen versehen. Die Regierung übernahmen für jeweils ein Jahr gewählte Magistrate…..recht umfassende Gewaltenteilung….nicht alle Bürger ausgewogen repräsentiert, da man indirekt wählte…Dennoch wiesen die politischen Institutionen – wie in Venedig – pluralistische Elemente auf. Die Plebejer verfügten über ihre eigene Versammlung, und diese wählte den Volkstribun, der berechtigt war, ein Veto gegen Beschlüsse deer Magristrate einzulegen, die Plebejerversammlung einzuberufen und Gesetzesanträge einzubringen. Im Jahr 133 v. Chr. wählte die Versammlung Tiberius Gracchus. Ihre Befugnisse waren durch die ‚Sezession‘ entstanden, eine Form des Streiks der Plebejer, besonders die Soldaten, die sich auf einen Hügel ausserhalb der Stadt zurückzogen und die Zusammenarbeit mit den Magistraten verweigerten, bis man auf ihre Beschwerden einging. Diese Drohung war in Kriegszeiten natürlich besonders wirksam. Vermutlich erlangten die Bürger während einer solchen Sezession Ende des 5. Jahrhundert v. Chr. das Recht, ihren Tribunen zu wählen und Gesetze für ihr Gemeinwesen zu erlassen. Ihr politischer und rechtlicher Schutz, obwohl nach unseren Massstäben begrenzt, eröffnete ihnen neue ökonomische Möglichkeiten und verlieh den Wirtschaftsinstitutionen eine gewisse Inklusivität. Dies wiederum liess den Mittelmeerhandel in der Römischen Republik erblühen…

Während der Zeit der Republik setzten sich die Heere aus Bürgersoldaten zusammen, die zuerst in Rom und später in anderen Teilen Italiens kleine Grundstücke besassen. Traditionsgemäss kämpften sie in der Armee, wenn es erforderlich war, und kehrten anschliessend auf ihr Land zurück. Als Rom jedoch grösser und die Feldzüge länger wurden, funktionierte das nicht mehr. Die Soldaten blieben ihren Besitztümern jahrelang fern, und viele Grundstücke lagen brach. Die Familien der Soldaten häuften unterdessen manchmal Schuldenberge an, und deshalb wurden viele Parzellen aufgegeben und den Gütern der Senatoren einverleibt….die Senatorenkaste immer reicher….Im 2. Jahrhundert v. Chr. erreichte die Situation einen gefährlichen Siedepunkt, weil die Kluft zwischen Reich und Arm gewachsen war….grosse Horden missmutiger Bürger..wollten die Ungerechtigkeiten nicht mehr hinnehmen und waren bereit, sich gegen die Aristokratie zu wenden….

Dem römischen Historiker Plutarch zufolge erkannte Tiberius Gracchus..die Not der Familien von Bürgersoldaten…bald legte er einen kühnen Plan zur Umverteilung des Bodens in Italien vor. Im Jahr 133 v. Chr. kandidierte er für das Amt des Volkstribunen und brachte dann einen Reformantrag ein…..Vorschlag empörte die Senatoren, und es gelang ihnen, die Verwirklichung der Reformen einen Zeitlang zu blockieren… Dinge spitzten sich zu, als Tiberius Gracchus für seine Reformkommission Anspruch auf das Vermögen erhob, das der König der griechischen Stadt Pergamon dem römischen Staat hinterlassen hatte. Auch bewarb er sich zum zweiten Mal um die Kandidatur als Tribun…Das nahmen die Senatoren als Vorwand zu behaupten, Tiberius wolle sich zum König ausrufen lassen. Seine Anhänger und er wurden angegriffen, und viele kamen um…Tiberius Gracchus fiel als einer der Ersten..auch Tiberius‘ Bruder Gaius von Grundbesitzern ermordet….

Schliesslich betrat Julius Caeser die Bühne und begann seinen Kampf gegen den Senat, wobei er vom römischen Volk unterstützt wurde. Die politischen Institutionen, die den Kern der Römischen Republik bildeten, wurden von Julius Caesar im Jahr 49 v. Chr. hingweggefegt, als er seine Legion den Rubikon überschreiten liess, der die römische Provinz Gallia cisalpina von Italien trennte. Er besetzte Rom, und ein weiterer Bürgerkrieg brach aus. Im Jahr 44 v.Chr. wurde Caeser von aufgebrachten Senatoren, mit Brutus und Cassius an der Spitze, ermordet. Die Römische Republik jedoch sollte nie wieder erstehen….

Es kam zu einem weiteren Bürgerkrieg zwischen Caesars Anhängern, vor allem Markus Antonius und Oktavian, und seinen Gegnern….

In den nächsten viereinhalb Jahrzehnten regierte Oktavian..Rom als Alleinherrscher. Er begründetet das Römische Reich…

Durch den Wandel der Republik in ein Prinzipat und später unverhohlen in ein Kaiserreich wurden die Keime für den Niedergang Roms gelegt….entscheidende ökonomische Folgen. Dadurch verfiel das Weströmische Reich, wie sich der Westen nach der Teilung vom Osten nannte, im 5. Jahrhundert wirtschaftlich und militärisch….

Der Untergang des Römischen Reiches hatte ähnliche Ursachen wie jeder der Maya-Stadtstaaten. Die zunehmend extraktiven politischen und wirtschaftlichen Institutionen Roms bewirkten seinen Zusammenbruch, da sie interne Kämpfe sowie Bürgerkriege auslösten….

England – Die Glorreiche Revolution

Deklaration der Rechte, die das Parlament im Februar 1689 verabschiedete. Sie wurde in derselben Sitzung verlesen, in der man Wilhelm die Krone anbot….Bill of Rights..schrieb ..einige wichtige Verfassungsprinzipien fest…In der Bill of Rights wurde..festgelegt, dass der Monarch Gesetze nicht ausser Kraft setzen oder abschaffen konnte, dass Steuern ohne parlamentarische Zustimmung illegal waren und dass es in England kein stehendes Heer ohne parlamentarische Einwilligung geben durft….nach 1688 gingen die Autorität und die Entschdeidungsgewalt des Staates auf das Parlament über….Triumph des Parlaments über den König..Ende des Absolutismus….Fortan hatte das Parlament die staatliche Politik fest im Griff….Noch massgeblicher als die Durchsetzung der Interessen der Parlamentarier war die Tatsache, dass die politischen Institutionen pluralistische Züge annahmen. Das englische Volk hatte nun Zugang zum Parlament…..noch keineswegs eine Demokratie…weniger als 2% der Bevölkerung an den Wahlen teilnehmen konnten…das Wahlrecht zudem auf Männer beschränkt…Stimmrecht in den ländlichen Wahlbezirken, den ‚Counties‘, an das Grundeigentum gebunden..in vielen städtischen Bezirken, den ‚Boroughs‘ war eine kleine Oberschicht am Ruder…

Das Parlament begann einen Reformprozess der Wirtschaftsinstitutionen einzuleiten, um die Fertigung zu fördern, statt sie zu besteuern und zu behindern….archaische Besitz- und Nutzungsrechte neu geregelt oder abgeschafft…Reform des Finanzwesens…im Jahr 1694…Gründung der Bank of England, die der Industrie als Kreditgeber dienen sollte…‘Finanzrevolution‘, die eine gewaltige Ausdehnung der Finanzmärkte und des Bankwesens nach sich zog…

Das Parlament setzte die…politische Zentralisierung fort….Staat seine Kompetenzen in sämtlichen Bereichen ausweitete. Hier werden wieder die Verbindungen zwischen politischer Zentralisierung und Pluralismus deutlich…Der Staat erweiterte sich, und seine Ausgaben erreichten bald 10 Prozent des Volkseinkommens….

Die Industrielle Revolution erfasste alle Bereiche der englischen Wirtschaft. Es gab erhebliche Verbesserungen im Verkehrswesen, bei der Metallgewinnung und durch die Dampfkraft. Der bedeutendste Innovationsbereich war jedoch die Mechanisierung der Textilproduktion, die mit dem Bau der erforderlichen Fabriken einherging….Umgestaltung der Wirtschaftsinstitutionen zugunsten von Erfindern und Unternehmern auf der Grundlage verlässlich gesicherter Eigentumsrechte. Die bessere Absicherung von Eigentumsrechten spielte eine zentrale Rolle für die ‚Transportrevolution‘, die der Industriellen Revolution den Weg ebnete….Investitionen in Kanäle und Strassen…Recht zur Gebührenerhöhung…relative faire Wettbewerbsbedingungen….

Neuorganisation des Landbesitzes im 18. Jahrhundert…Bis 1688 bestand sogar die juristische Fiktion, dass der gesamte Grund und Boden in England letztlich der Krone gehöre – ein direktes Vermächtnis der Feudalgesellschaft…

Um 1760 zeigte die Kombination all dieser Faktoren – sichere, neue Eigentumsrechte, eine bessere Infrastruktur, ein verändertes Steuersystem, ein freierer Zugang zu finanziellen Mitteln, eine aggressive Protektion von heimischen Händlern und Herstellern – allmählich Wirkung. Die Zahl der Patente stieg schlagartig, und der technologische Wandel, der den kern der Industriellen Revolution bilden sollte, gedieh unverkennbar…..

Die englische Textilindustrie war nicht nur die Antriebskraft für die Industrielle Revolution, sondern auch für die Umwälzungen in der Weltwirtschaft….Die Kombination aus technologischer und organisatorischer Neuerung lieferte das Modell für den Fortschritt, der die Volkswirtschaften, die zu Reichtum gelangen sollten, umgestaltete….

Im Jahr 1455 enthüllte Johannes Guttenberg in Mainz eine Erfindung, die tiefgreifende Konsequenzen für die Wirtschaftsgeschichte haben sollte: eine Druckerpresse mit beweglichen Lettern….

In Westeuropa wurde die Bedeutung rasch erkannt…

Nicht alle hielten das Druckwesen für wünschenswert. Bereits 1485 verfügte Sultan Bayezid II,. dass Muslime keine arabischen Texte drucken durften….

Die Ablehnung der Druckerpresse hatte offensichtliche Konsequenzen für Alphabetisierung, Erziehung und wirtschaftlichen Erfolg. Im Jahr 1800 waren schätzungsweise nur 2 bis 3 Prozent der Bürger des Osmanischen Reichs des Lesens und Schreibens fähig, verglichen mit 60% der erwachsenen Männer und 40% der erwachsenen Frauen in England. In den Niederlanden und Deutschland waren die Alphabetisierungsraten noch höher….

Die Industrielle Revolution brachte eine Umbruchphase hervor, die sich auf fast jedes Land auswirkte…Viele, etwa das Osmanische Reich, China und andere absolutistische Regime, gerieten ins Hintertreffen, indem sie die Ausbreitung der Industrie blockierten oder zumindest nicht förderten. Die politischen und wirtschaftlichen Institutionen bestimmten darüber, wie technologische Neuerungen aufgenommen wurden. Dadurch entstand wieder das vertraute Muster des Wechselspiels zwischen bestehenden Institutionen und Umbruchphasen.

Das Osmanische Reich blieb bis zu seinem Zusammenbruch am Ende des Ersten Weltkriegs absolutistisch. Es gelang ihm bis dahin, sich Neuerungen wie der Druckerpresse und der daraus resultierenden schöpferischen Zerstörung zu widersetzen…..

Absolutismus ist Herrschaft ungeachtet der Gesetze oder der Wünsche anderer, wiewohl absolutistische Monarchen auf die Unterstützung durch eine kleine Gruppe oder Elite angewiesen sind….

Absolutismus und das Fehlen politischer Zentralisierung sind unterschiedliche Hindernisse für die Verbreitung der Industrie, aber sie sind miteinander verwandt: Beide werden durch die Furcht vor schöpferischer Zerstörung aufrechterhalten…

Der Absolutismus zerfiel während des 17. Jahrhunderts in England, während er in Spanien erstarkte…..

Die Vereinigung Spaniens bahnte sich 1469 durch die Eheschliessung zwischen Ferdinand II. von Aragon und Isabella I von Kastilien an. 1492 endete die Reconquista (Wiedereroberung), die lang andauernde Vertreibung der Araber, die den Süden Spaniens im 8. Jahrhundert besetzt..hatten…

Durch die Union von Kastilien und Aragonien sowie durch spätere dynastische Heiraten und Erbschaften entstand ein europäischer Superstaat…..erbte..Niederlande und die Franche-Comté…Territorien auf der Iberischen Halbinsel und in Amerika….Aus der Union von zwei spanischen Königreichen war ein multikontinentales Imperium geworden….

Das Bemühen, den Absolutismus in Spanien einzuführen und zu konsolidieren, wurde durch die Entdeckung von Edelmetallen in Amerika erheblich gefördert….

Zur Zeit der Union von Kastilien und Aragonien gehörte Spanien zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Teilen Europas. Nach der Festigung seines absolutistischen politischen Systems begann jedoch ein allmählicher und dann, nach 1600, ein nicht mehr aufzuhaltender ökonomischer Niedergang in Spanien….

Die Eigentumsrechte waren unter der Habsburger Herrschaft in Spanien unsicher…beglich seine Schulden in den Jahren 1557 und 1560 nicht, wodurch die Handelsfamilien der Fugger und Welser in den Ruin getrieben wurden. Ihre Rolle ging dann an die Genueser Bankenfamilien über, die ihrerseits dadurch ruiniert wurden, dass die Spanier ihren Schuldenzahlungen unter der Herrschaft der Habsburger in den Jahren 1575, 1596, 1607, 1627, 1647, 1652, 1660 und 1662 nicht nachkamen…..

Die Monarchie versäumte es nicht nur, die Eigentumsrechte für Unternehmer abzusichern, sondern sie monopolisierte auch den Handel, verkaufte (häufig erbliche) Ämter, pflegte das Steuerpachtsystem und gewährte gegen Geldzahlungen sogar Immunität gegenüber dem Gesetz.

Die Folgen des Wirkens derartiger extraktiver politischer und wirtschaftlicher Institutionen in Spanien waren absehbar….während England ein wirtschaftliches Wachstum und dann eine rasche Industrialisierung zu verzeichnen hatte, begann in Spanien eine umfassende Talfahrt….Verarmung der spanischen Bevölkerung….die spanischen Einkommen sanken….

In Russland und Österreich-Ungarn waren es nicht nur die Nachlässigkeit und das Missmanagement der Eliten sowie der heimtückische wirtschaftliche Niedergang unter den extraktiven Insititutionen, welche die Industrialisierung verhinderten. Vielmehr bremsten die Herrscher jeglichen Versuch, neue Techniken einzuführen und in Infrastruktur zu investieren – etwa in Eisenbahnen, welche die technische Entwicklung hätten stimulieren können…

Das Haus Habsburg war noch eine bedeutende politische Kraft, obwohl Spanien, nachdem die Bourbonen den Thron im Jahr 1700 an sich gebracht hatten, nicht mehr dazugehörte, und sein Österreichisch-Ungarisches Reich umfasste ein riesiges Gebiet von rund 647.500 Quadratkilometern. Mit einem Siebtel der Bevölkerung des Kontinents war es der drittgrösste Staat Europas. Im späten 18. Jahrhundert verleibte sich das Habsburger Reich auch das heutige Belgien ein, damals als Österreichisch-Niederlande bekannt….

Im Gegensatz zu den Stuarts gelang es den Habsburgern, eine ausgeprägt absolutistische Herrschaft aufrechtzuerhalten. Franz II., der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (1792-1806) und dann als Franz II. Kaiser von Österreich-Ungarn bis zu seinem Tod im Jahr 1835, war ein kompromissloser Absolutist. Er duldete keine Beschränkung seiner Macht und wollte in erster Linie den politischen Status Quo bewahren, weshalb er sich jedem Wandel widersetzte….die politische Macht konzentrierte sich auf eine kleine Elite…..Franz schuf einen Polizeistaat und zensierte alles, was auch nur einen Hauch von Radikalität erkennen liess…Die Basis der Habsburger Wirtschaftsinstitutionen bildeten die Feudalordnung und die Leibeigenschaft……Friedrich von Gentz: „Wir wünschen nicht, dass die grossen Massen wohlhabend und unabhängig werden…Wie sollten wir dann über sie herrschen?“…

Monopole…Handelsbeschränkungen….die städtische Wirtschaft wurde von Gilden und Zünften beherrscht, die den Zugang zu den Gewerben erschwerten…abschreckende Einfuhrzölle….der Import und Export vieler Güter war ausdrücklich verboten….im Habsburger Reich ermutigte Franz seine Bürger nicht einmal, bessere Techniken zu verwenden, er widersetzte sich ihnen und blockierte Neuerungen…widersetzte..sich dem Eisenbahnbau…

Genau wie in Österreich-Ungarn brachte der Absolutismus in Russland nicht nur eine Reihe von Wirtschaftsinstitutionen hervor, die den Wohlstand der Gesellschaft beeinträchtigten. Hinzu kam eine ähnliche Angst vor der schöpferischen Zerstörung, vor der Industrialisierung und der Eisenbahn….Blockierung des sozialen Wandels, der für die Förderung des wirtschaftlichen Wohlstands unerlässlich ist……Angespornt von Nikolaus, unternahme Kankrin spezifische Schritte, um die Entwicklungsmöglichkeiten der Industrie auszubremsen….Die offizielle Ablehnung der Eisenbahn endete erst nach der vernichtenden Niederlage gegen die britischen, französischen und osmanischen Streitkräfte im Krimkrieg (1853-1856), denn da begriff man, dass die Rückständigkeit der Verkehrsnetze eine ernsthafte Bedrohung für die russische Sicherheit darstellte….

Unter der Song-Dynastie zwischen 960 und 1279 war China technisch führend in der Welt. Die Chinesen erfanden lange vor den Europäern Uhren, den Kompass, Schiesspulver, Papier und Papiergeld, Porzellan und Hochöfen für die Produktion von Gusseisen und ungefähr zur selben Zeit Spinnräder und Wasserkraft. Infolgedessen war der Lebensstandard in China um 1500 wahrscheinlich mindestens genau so hoch wie in Europa. Daneben verfügte China jahrhundertelang über einen zentralisierten Staat mit einer leistungsorientierten Beamtenschaft.

Doch China war absolutistisch und das Wachstum der Zeit der Song-Dynastie vollzog sich unter extraktiven Institutionen…..keine politische Vertretung für soziale Gruppen ausserhalb der Monarchie…die staatliche Kontrolle verschärfte sich unter der Ming- und der Quin-Dynastie noch. All dem lag die übliche Logik extraktiver Institutionen zugrunde. Wie die meisten Herrscher..widersetzten sich die absolutistischen Kaiser Chinas jeglichem Wandel, strebten nach Stabilität und fürchteten schöpferische Zerstörung…

Während sich die englischen Institutionen durch den internationalen Handel und die Entdeckung Amerikas radikal umgestalteten, schirmte sich China von den damit verbundenen Umbrüchen ab und kehrte sich bis 1567 nach innen…..

1661 ordnete Kaiser Kangxi an, dass alle Bewohner der Küste von Vietnam bis Chekiang – als der gesamten Südküste, die einst das kommerziell aktivste Gebiet Chinas gewesen war – siebenundzwanzig Kilometer landeinwärts zu ziehen hatten…..wodurch der chinesische Überseehandel im Keim erstickt wurde…

Die Folgen dieser absolutistischen Kontrolle waren absehbar: Die chinesische Wirtschaft stagnierte im 19. und frühen 20. Jahrhundert..Als Mao 1949 sein kommunistisches Regime errichtete, war China zu einem der ärmsten Länder der Welt geworden…

Die heutige Weltungleichheit existiert, weil manche Staaten im 19. nd 20. Jahrhundert in der Lage waren, die technologischen und organisatorischen Vorteile der Industriellen Revolution zu nutzen, und andere nicht….

Australien, New South Wales….Anders als in Österreich-Ungarn und in Russland gab es keine Leibeigenschaft, und im Unterschied zu Mexiko und Peru konnte man keine grosse indigene Bevölkerung ausbeuten. New South Wales war in vieler Hinsicht mit Jamestown, Virginia, zu vergleichen: Die Herrschenden stellten letzten Endes fest, dass es ihrem eigenen Interesse entsprach, Wirtschaftsinstitutionen aufzubauen, die erheblich inklusiver waren als die in Österreich-Ungarn, Russland, Mexiko und Peru. Die Sträflinge waren die einzigen Arbeitskräfte und sie konnten nur dadurch motiviert werden, dass man ihnen Löhne zahlte. Bald erlaubte man den Häftlingen sogar, Unternehmer zu werden und Mitgefangene zu beschäftigen. Vor allem jedoch wurde ihnen nach Ableistung ihrer Strafe Land zugeteilt, und man stellte alle ihre Rechte wieder her….

1840 wurden die Deportationen nach New South Wales eingestellt, und 1842 entstand ein gesetzgebender Rat, dessen Mitglieder zu zwei Dritteln gewählt und zu einem Drittel ernannt wurden….In den 1850er Jahren führte Australien das Wahlrecht für alle weissen männlichen Staatsbürger ein….1856 sollten der Staat Victoria, der 1851 aus New South Wales ausgegliedert worden war, sowie der Staat Tasmanien die ersten Gegenden der Welt werden, in denen man geheime Wahlen einführte, was dem Stimmkauf und der gewaltsamen Wahlbeeinflussung ein Ende setzte. Noch heute bezeichnet man die..Methode geheimer Wahlen als australische Stimmabgabe….

Die in den Vereinigten Staaten und in Australien gegründeten inklusiven Institutionen sorgten dafür, dass sich die Industrielle Revolution dort rasch ausbreitete und diese Staaten zu Reichtum gelangen liess. Kolonien wie Kanada und Neuseeland folgten ihrem Beispiel…

Grosse Teile Westeuropas fanden eine dritte Möglichkeit unter dem Einfluss der Französischen Revolution, durch die der Absolutismus in Frankreich gestürzt und eine Reihe zwischenstaatlicher Konflikte ausgelöst wurden, wonach die institutionelle Reform erhebliche Bereiche des Kontinents erfasste. Diese Reform führte in den meisten europäischen Ländern zur Entstehung inklusiver Wirtschaftsinstitutionen, zur Industriellen Revolution und zu wirtschaftlichem Wachstum…..

In den drei Jahrhunderten vor 1789 wurde Frankreich von einer absolutistischen Monarchie beherrscht, und die Gesellschaft unterteilte sich in drei Stände. Die Geistlichkeit machte den Ersten, die Aristokratie den Zweiten und alle Übrigen den Dritten Stand aus. Für die Stände galten unterschiedliche Gesetze, und die beiden ersten zahlten keine Steuern, während die Untertanen mehrere unterschiedliche Abgaben leisten mussten…die Kirche war nicht nur von der Besteuerung ausgenommen, sondern sie besass zudem grosse Ländereien, in denen sie den Bauern eigene Steuern auferlegen konnte. Der Monarch, der Adel und die Geistlichkeit führten ein üppiges Leben, während die meisten Angehörigen des Dritten Standes bitterer Armut ausgesetzt waren. Unterschiedliche Gesetze garantierten den Aristokraten und den Geistlichen nicht nur äusserst vorteilhafte Wirtschaftsverhältnisse, sondern sie verschafften ihnen auch politische Macht…

Die Produktion von Waren wurde von einflussreichen Zünften reglementiert…die Bewegungsfreiheit der französischen Bauern eingeschränkt, und sie hatten eine Vielzahl von Feudalabgaben an die Monarchie, den Adel und die Kirche zu entrichten.

Dies ist der Grund, warum die Französische Revolution besonders radikale Züge annahm…

Damit hatte die Französische Revolution mit einem Schlag das Feudalsystem sowie die mit ihm zusammenhängenden Verpflichtungen und die Steuerbefreiung des Adels und des Klerus abgeschafft…am vielleicht radikalsten war der damals kaum denkbare elfte Artikel: „Alle Bürger sollen, ohne Unterschied ihrer Geburt, freien Zugang zu allen kirchlichen, zivilen und militärischen Ämtern und Würden haben..

Nun bestand..für alle Gleichheit vor dem Gesetz, nicht nur im täglichen Leben und in der Geschäftswelt, sondern auch in der Politik….

Die Zünfte und alle beruflichen Einschränkungen wurden abgeschafft..

Diese Reformen waren der erste Schritt zur Beendigung der absolutistischen französischen Monarchie…Andere wirtschaftliche und politische Reformen sollten sich anschliessen und 1870 ihren Höhepunkt in der Dritten Republik finden, die Frankreich ein ähnliches parlamentarisches System wie das englische bescheren würde.

Die Französische Revolution führte zu Gewalt, Leid, Instabilität und Krieg, doch andererseits ist es ihr zu verdanken, dass die Franzosen nicht mit extraktiven Institutionen leben mussten, die Wachstum und Wohlstand blockierten…..

Zur Zeit der Thronbesteigung Ludwigs XVI. im Jahr 1774 war das Wirtschaftswachstum gering, und es hatten sich bedeutende Änderungen in der Gesellschaft abgespielt. Ausserdem hatten sich die früheren Finanzprobleme zu einer Haushaltskrise gesteigert, und der Siebenjährige Krieg zwischen 1756 und 1763 mit den Briten, in dem Frankreich Kanada verloren hatte, war besonders kostspielig gewesen. Mehrere angesehene Personen versuchten, den königlichen Haushalt durch Umschuldung und Steuererhöhung auszugleichen..keiner..hatte Erfolg….

Calonne überredete Ludwig XVI., die Notabelnversammlung einzuberufen..die Versammlung verfügte überraschend, dass nur ein repräsentatives Organ, nämlich die Etats généraux, solche Reformen verabschieden könne. Die Etats généraux unterschieden sich erheblich von der Notablenversammlung. Während die Letztere aus Adligen bestand, die weitgehend von der Krone ausgewählt wurden, waren in den Ersteren alle drei Stände vertreten. Sie waren zum letzten Mal 1614 einberufen wurden. Als sie 1789 in Versailles tagten, wurde sofort deutlich, dass keine Übereinstimmung zu erzielen war…Die Tagungen endeten am 5. Mai 1789 ergebnislos, abgesehen von der Entscheidung, ein wichtigeres Organ, nämlich die Nationalversammlung zusammentreten zu lassen. Der Dritte Stand – besonders die Händler, Geschäftsleute, Hochschulabsolventen und Handwerker – hielt dies für ein Zeichen seines wachsenden Einflusses. Deshalb verlangte er in der Nationalversammlung eine erweiterte Mitsprache und überhaupt mehr Rechte. Da er überall im Land von hoffnungsvollen Bürgern unterstützt wurde, kam es am 9. Juli zur Wiederherstellung des Organs in Form der Gesetzgebenden Nationalversammlung.

Unterdessen radikalisierte sich die Stimmung im Land, besonders in Paris….am 14. Juli 1789 fand der berühmte Sturm auf die Bastille statt….

Der erste Schritt war die Bildung lokaler Vereine, vornehmlich des radikalen Jakobinerclubs, der sich später an die Spitze der Revolution setzen sollte. Gleichzeitig verliessen immer mehr Adlige..das Land…

Die Verfassunggebende Versammlung verabschiedete die endgültige Version der Verfassung am 29. September 1791, und Frankreich wurde zu einer konstitutionellen Monarchie…Frankreich war immer noch eine Monarchie, doch der König spielte nur eine Nebenrolle und genoss nicht mal mehr die Freiheit.

Dann jedoch wurde die Dynamik der Revolution unwiderruflich durch den Krieg geändert, der 1792 zwischen Frankreich und der „Ersten Koalition“ unter Führung Österreichs ausbrach. Nun verstärkte sich die Entschlossenheit der Revolutionäre und der Massen…Das Ergebnis war die Terrorherrschaft unter der von Robespierre und Saint-Just geführten Jakobinerfraktion. Der Terror begann mit der Hinrichtung von Ludwig XIV. und Marie Antoinette, und im weiteren Verlauf wurden nicht nur zahlreiche Aristokraten und Konterrevolutionäre, sondern auch mehrere bedeutende Vertreter der Revolution exekutiert, darunter die ehemaligen Volksführer Brissot, Danton und Desmoulins.

Aber der Terror geriet ausser Kontrolle und endete im Juli 1794 mit der Hinrichtung seiner eigenen Führer, darunter auch Robespierre und Saint-Just. Es folgte eine Phase relativer Stabilität, zuerst unter dem recht ineffektiven Direktorium zwischen 1795 und 1799 und dann unter einem Konsulat aus drei Männern – Ducos, Sieyès und Napoleon Bonaparte -, die eine konzentriertere Macht besassen. Der junge General Napoleon Bonaparte war durch seine militärischen Erfolge berühmt geworden, und sein Einfluss sollte nach 1799 weiter wachsen. Bald wurde das Direktorium zu Napoleons persönlichen Herrschaftsorgan.

In den Jahren zwischen 1799 und 1815, dem Ende von Napoleons Herrschaft, konnte Frankreich eine Reihe grosser militärischer Siege..feiern, durch die Kontinentaleuropa in die Knie gezwungen wurde….

Der Sturz Napoleons..sollte zu..reduzierten politischen Rechten und der Wiederherstellung der französischen Monarchie unter Ludwig XVII. führen. All das konnte die Enstehung inklusiver politischer Institutionen nur vorübergehend verlangsamen. Die durch die Revolution von 1789 freigesetzten Kräfte machten dem französischen Absolutismus ein Ende und liessen ein inklusives System unvermeidlich werden. Dadurch sollten Frankreich und jene Teile Europas, in die man die Reformen exportiert hatte, an der Industrialisierung teilnehmen…

Kurz vor der Französischen Revolution wurden den Juden überall in Europa strenge Beschränkungen auferlegt. In Frankfurt zum Beispiel reglementierte man ihr Leben anhand einer mittelalterlichen Gesetzgebung. Die Stadt nahm höchstens noch 500 jüdische Familien auf, die sämtlich in der kleinen, von Mauern umschlossenen Judengasse wohnen mussten….Die Juden sahen sich ständigen Repressionen und immer neuen Verfügungen unterworfen…Juden war es verboten, Ackerbau zu treiben oder mit Waffen, Gewürzen, Wein oder Getreide zu handeln…

Bei Ausbruch der Französischen Revolution wohnte der junge Mayer Amschel Rothschild in der Frankfurter Judengasse. In den frühen 1780er Jahren hatte Rothschild sich zum führenden Münz-, Edelmetall- und Antiquitätenhändler der Stadt hochgearbeitet….

Im Jahr 1791 verlieh die Französische Nationalversammlung den Juden des Landes die Gleichberechtigung. Französische Heere hatten das Rheinland besetzt und verhalfen den Juden im westlichen Deutschland zur Emanzipation….Befreit von den zahllosen Verordnungen des Ghettos, die ihnen jegliches Unternehmertum ausserhalb seiner Mauern untersagt hatten, konnten sie nur neue geschäftliche Möglichkeiten ergreifen. Zum Beispiel erhielten sie einen Vertrag zur Belieferung des österreichischen Heeres mit Getreide.

Am Ende des Jahrzehnts war Rothschild einer der reichsten Juden in Frankfurt und..ein etablierter Geschäftsmann. Die volle Gleichberechtigung liess jedoch noch bis 1811 auf sich warten….es kam immer wieder zu Rückschlägen, besonders auf dem Wiener Kongress von 1815, auf dem die politischen Verhältnisse in Europa nach Napoleons Niederlage geregelt wurden….Bald sollte Mayer Amschel Rothschild und seinen Söhnen die grösste Bank in Europa des 19. Jahrhunderts – mit Niederlassungen in Frankfurt, London, Paris, Neapel und Wien – gehören…

Wie bereits angedeutet, sammelten sich mehrere europäische Mächte, die über die Geschehnisse in Frankreich beunruhigt waren, 1792 um Österreich und griffen Frankreich an, um die Revolution niederzuschlagen…doch die Franzosen hatten anderen Ländern eine wichtige Innovation voraus: die Massenwehrpflicht. Sie wurde im Jahr 1793 eingeführt und gestattete den Franzosen, riesige Heere aufzubieten und eine enorme Überlegenheit zu entwickeln…..

Die militärischen Erfolge inspirierten die Führer der Republik, die französischen Grenzen auszuweiten…Die Franzosen besetzten rasch die Österreichischen Niederlande sowie die Vereinigten Provinzen, die im Wesentlichen dem heutigen Belgien und den heutigen Niederlanden entsprachen. Ausserdem eroberten sie grosse Bereiche der gegenwärtigen Schweiz……Zwischen 1795 und 1802 okkupierten die Franzosen das Rheinland…mit Ausnahme von Venedig..kontrollierten die Franzosen..die gesamte italienische Halbinsel…

Die Revolutionsheere führten in den eroberten Ländern radikale Reformen durch, indem sie die letzten Reste der Leibeigenschaft und der Feudalbeziehungen abschafften und Gleichheit vor dem Gesetz realisierten. Der Klerus verlor seinen Sonderstatus und seine extreme Macht…

Napolen wünschte sich aufrichtig, die Reformen der Revolution fortzuführen und zu vertiefen. Vor allem kodifizierte er das römische Recht und die Idee der Gleichheit vor dem Gesetz zu einem juristischen System, das als Code Napoleon bekannt wurde….

Alles in allem brachten die französischen Heere viel Leid über Europa, aber sie änderten die Verhältnisse…

1869 war Japan noch ein wirtschaftlich unterentwickeltes Land, das seit 1600 von der Tokugawa-Dynastie beherrscht wurde. Ihr Oberhaupt hatte sich im Jahr 1603 den Titel Shogun (Befehlshaber) zugelegt. Der japanische Kaiser war den Rand gedrängt worden und spielte eine rein zeremonielle Rolle. Die Tokugawa-Shogune waren die dominierenden Mitglieder einer Schicht von Feudalherren, die ihre eigenen Provinzen regierten und besteuerten…Diese Feudalherren leiteten, zusammen mit ihren militärischen Gefolgsleuten, den berühmten Samurai, eine Gesellschaft, die jener des mittelalterlichen Europa ähnelte…Die politischen und wirtschaftlichen Institutionen waren extraktiv, und Japan litt Armut…

Shogun Tokugawa Yoshinobu erklärte sich zum Rücktritt bereit und am 3. Januar 1868 wurde die Meji-Restauration ausgerufen….Kaiser Komei, der allerdings schon einen Monat später starb, und sein Sohn Meiji kehrten an die Macht zurück…

Nach der Meji-Restauration begannen die institutionellen Reformen in Japan. Im Jahr 1869 wurde der Feudalismus abgeschafft, und die dreihundert Lehensgüter wurden in Präfekturen unter einem von der Regierung ernannten Gouverneur umgewandelt. Man zentralisierte das Steuersystem, und ein moderner bürokratischer Staat ersetzte das alte feudale Gemeinwesen. 1869 führte man zudem die Gleichheit aller Gesellschaftsschichten vor dem Gesetz ein und hob die Beschränkungen der Binnenmigration und des Handels auf. Der Kriegerstand der Samurai wurde ebenfalls abgeschafft, wenn auch erst nach mehreren Rebellionen. Es wurden individuelle Grundeigentumsrechte vergeben, und die Bevölkerung erhielt die Freiheit, jegliches Gewerbe auszuüben.

Der Staat beteiligte sich nachdrücklich am Aufbau der Infrastruktur ….Dampfschifffahrtslinie ..Eisenbahnstrecke…Industrialisierungsversuche..Werften..Fabriken…

Im Jahr 1890 war Japan das erste asiatische Land, das sich eine schriftliche Verfassung gab, und es schuf eine konstitutionelle Monarchie mit einem gewählten Parlament, einem Reichstag und einem unabhängigen Justizwesen. Dies waren entscheidende Faktoren, die Japan ermöglichten, zum Hauptnutzniesser der Industriellen Revolution in Asien zu werden…..

Der langsame Marsch der Demokratie…Der Tugendkreis inklusiver Institutionen bewahrt nicht nur das, was bereits erlangt worden ist, sondern bereitet auch einer noch grösseren Inklusivität den Boden. Die Chancen der britischen Elite des 18. Jahrhunderts, die Macht mühelos im Griff zu behalten, standen schlecht. Diese Elite war ans Ruder gekommen, indem sie das göttliche Recht von Königen in Frage stelte und der politischen Mitwirkung des Volkes die Tür öffnete, doch dann hatte sie das Wahlrecht nur einer kleinen Minderheit eingeräumt. Es war lediglich eine Frage der Zeit, bis immer mehr Bürger die Mitwirkung am politischen Prozess verlangten….

In den ersten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts kam es zu verstärkten sozialen Unruhen in Grossbritannien….Die britische Demokratie wurde keineswegs von der Elite gewährt, sondern von den Massen erobert…Die Elite bewilligte Reformen, weil sie dies für den besten Weg hielt, die Fortsetzung ihrer Herrschaft..zu sichern….

Die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen, die in Grossbritannien bereits stattgefunden hatten, liessen der Elite den Einsatz von Gewalt sowohl wenig attraktiv als auch zunehmend unpraktisch erscheinen….

1832 First Reform Act..

Second Reform Act von 1867.., durch den sich die Gesamtzahl der Wahlberechtigten verdoppelte…

Kurz darauf führte man die geheime Abstimmung ein und machte Anstalten, korrupte Wahlpraktiken..abzuschaffen…

Die Zahl der Wahlberechtigten verdoppelte sich 1864 durch den Third Reform Act erneut und umfasste damit 60 Prozent der männlichen Bevölkerung.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde, durch den Representation of the People Act von 1918, sämtlichen Männern über einundzwanzig Jahren das Wahlrecht verliehen, dazu Frauen über dreissig, die selbst Steuern entrichteten oder mit einem Steuerzahler verheiratet waren.

1928 schliesslich erhielten alle Frauen unter den gleichen Bedingungen wie die Männer das Wahlrecht.

Die Massnahmen von 1918 wurden während des Krieges ausgehandelt und stellten ein Quidproquo zwischen der Regierung und der Arbeiterschaft dar, die für den Kriegseinsatz und für die Waffenproduktion benötigt wurde. Ausserdem dürfte die Regierung den Radikalismus der Russischen Revolution zur Kenntnis genommen haben….

Durch den Education Act von 1870 legte die Regierung die Grundlage für die Einführung der allgemeinen Schulpflicht. Ab 1891 fielen Schulgebühren fort…

Der Education Act von 1902 führte schliesslich zu einem beträchtlichen Anstieg der Schulfinanzierung und zur Gründung der Grammar Schools, die zur Basis der britischen Sekundarausbildung wurden….

In den Vereinigten Staaten..genau wie in Grossbritannien verschwanden die Bedrohungen der inklusiven Institutionen nie ganz. Durch das Ende des Bürgerkriegs wurde im Norden ein rasches Wirtschaftswachstum angekurbelt. Während sich Eisenbahnen, Industrie und Handel ausweiteten, häuften ein paar Menschen riesige Vermögen an. Der wirtschaftliche Erfolg liess diese Männer und ihre Unternehmen immer skrupelloser werden. Sie wurde als Robber Barons (Räuberbarone) bezeichnet, weil ihre rücksichtslosen Geschäftspraktiken darauf abzielten, Monopole zu schaffen und potentiellen Konkurrenten das Wasser abzugraben. Einer der berüchtigsten Räuberbarone war Cornelius Vanderbilt, der bekanntermassen bemerkte: „Was schert mich das Gesetz? Habe ich nicht die Macht?“

Ein anderer Räuberbaron war John D. Rockefeller, der 1870 die Standard Oil Company gründete…Bis 1882 hatte er tatsächlich ein Riesenmonopol – einen Trust – geschaffen. 1890 kontrollierte Standard Oil 88 Prozent des raffinierten Öls in den Vereinigten Staaten, und 1916 wurde Rockefeller zum ersten Milliardär der Welt….

Fast so berücksichtigt war John Pierpont Morgan, der Gründer des modernen Bankenkonglomerats J.P. Morgan…

Zusammen mit Andrew Carnegie gründete Morgan 1901 den bei weitem grössten Stahlkonzern der Welt, die U.S. Steel Company, das erste Unternehmen mit einem Kapitalwert von über 1 Milliarde Dollar.

In den 1890er Jahren bildeten sich gewaltige Trusts in fast jedem Wirtschaftszweig heraus, und viele verfügten über mehr als 70 Prozent des Marktanteils in ihrem Sektor…DuPont, Eastman Kodak…International Harvester…

Allmählich wurde der Wettbewerb durch Monopole ausgehebelt, und die Vermögensungleichheit wuchs rapide…

Das pluralistische politische System der Vereinigten Staaten hatte jedoch bereits ein breites Gesellschaftssegment derart gestärkt, dass es sich den Übergriffen der Robber Barons widersetzen konnte…

Die Populistische Bewegung war das Ergebnis einer langjährigen Agrarkrise, die den mittleren Westen seit den späten 1860er Jahren heimsuchte…

Die Unzufriedenheit der Farmer gipfelte 1892 in der Entstehung der People’s Party…

In den folgenden Wahlen unterstützten die Populisten die..Kampagnen der Demokratischen Partei…

Diese politischen Bewegungen wirkten sich allmählich auf die politischen Einstellungen und dann auf die Gesetzgebung aus, besonders hinsichtlich der Rolle des Staates bei der Regulierung von Monopolen.

Das erste wichtige einschlägige Gesetz war der Interstate Commerce Act von 1887, der die Interstate Commerce Commission hervorbrachte und eine bundesweite Regulierung der Industrie einleitete.

Bald darauf folgte der Sherman Antitrust Act von 1890. Dieser, noch heute ein bedeutender Teil des US-Kartellrechts, sollte zur Grundlage von Angriffen auf die Trusts der Räuberbarone werden…..

Eine wesentliche politische Kraft hinter der Antitrust-Bewegung und dem Versuch, die Industrie bundesweit zu regulieren, waren erneut die ländlichen Wähler…

Aus den Trümmern der Populistischen Bewegung, deren Mitgliederzahl stark zurückging, nachdem sie sich hinter die Demokratische Partei gestellt hatte, wurden die Progressiven geboren, eine heterogene Reformbewegung, die viele ähnliche Belange vertrat. Zunächst formierten sie sich um Teddy Roosevelt…

Den Gipfel ihrer Reformen erreichten die Progressiven 1912 durch die Wahl von Woodrow Wilson zum Präsidenten. Er betonte 1913 in seinem Buch ‚Die neue Freiheit‘, dass sich Monopole nie selbst beschränken, sondern, wenn sie gross genug seien, die Regierungsmacht an sich reissen würden. Daher veranlasste er, dass 1914 der Clayton Antitrust Act zur Stärkung des Sherman Act verabschiedet wurde…

1913 richtete er das Federal Reserve Board zur Überwachung monopolistischer Aktivitäten auf dem Finanzsektor ein…

Die Erfahrung der USA in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt auch die bedeutende Rolle der freien Medien, wenn es darum geht, breite Bevölkerungsschichten und damit den Tugendkreis zu stärken. Im Jahr 1906 prägte Roosevelt den Begriff „Muckraker“ nach einer literarischen Gestalt ..zur Bezeichnung von Enthüllungsjournalisten. Der Begriff wurde bald auf Journalisten bezogen, welche die Exzesse der Robber Barons sowie die Korruption der Orts- und Bundespolitik blossstellten….

Die Muckracker spielten eine wesentliche Rolle bei der Einflussnahme auf Politiker, damit diese gegen die Trusts vorgingen. Die Räuberbarone hassten die Muckracker, doch die politischen Institutionen der Vereinigten Staaten machten es unmöglich, die Journalisten zum Schweigen zu bringen. Inklusive politische Institutionen erlauben den freien Medien, sich zu entfalten, und diese sorgend dafür, dass Bedrohungen wirtschaftlicher und politischer Institutionen weithin bekannt werden und auf Gegenwehr stossen….Die Informationen, welche die freien Medien lieferten, waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten offensichtlich von grösster Bedeutung. Ohne sie hätte die US-Öffentlichkeit nicht genug über das wahre Ausmass der Macht sowie über die Machtmissbräuche der Räuberbarone erfahren und wäre nicht zu Aktionen gegen die Trusts mobilisiert worden…

Richterernennungen….Franklin D. Roosevelt, der Kandidat der Demokratischen Partei..wurde 1932 mitten in der Weltwirtschaftskrise zum Präsidenten gewählt. Er gelangte mit dem Wählerauftrag an die Macht, eine Reihe ehrgeiziger Massnahmen zur Bekämpfung der Krise durchzusetzen…..Die von Roosevelt vorgeschlagenen Pläne ..wurden als New Deal bekannt…die New Deal Gesetzgebung..warf jedoch Verfassungsfragen auf….Massnahmen wurden vor dem Obersten Gerichtshof angefochten….Während sie die Hürden der Justiz zu überwinden hatten, wurde Roosevelt 1936 mit einem starken Mandat, nämlich mit 61 Prozent der Stimmen, wiedergewählt…Da Roosevelts Popularität nun Rekordhöhen erreicht hatte, war er nicht bereit, weitere Bestandteile seiner politischen Vorhaben vom Supreme Court durchkreuzen zu lassen…

Roosevelt, März 1937: „…als der Oberste Gerichtshof fast zwei Jahre später darüber verhandelte, wurde ihre Verfassungsmässigkeit mit nur fünf zu vier Stimmen bestätigt. Durch die Änderung einer einzigen Stimme wären alle Angelegenheiten dieser grossen Nation wieder einem hoffnungslosen Chaos ausgeliefert worden. Im Grunde urteilten vier Richter, dass das Recht, sein Schäfchen auf der Basis eines Privatvertrages ins Trockene zu bringen, heiliger sei als das Hauptziel der Verfassung, eine dauerhafte Nation zu schaffen.“….

Durch den als Judiciary Reorganization Bill präsentierten Plan wäre es Roosevelt gelungen, die von konservativeren Regierungen ernannten und sich dem New Deal am energischsten widersetzenden Richter zu entfernen. Obwohl sich Roosevelt geschickt um die Unterstützung der Öffentlichkeit bemühte, ging aus Meinungsumfragen hervor, dass nur ungefähr 40 Prozent der Bevölkerung den Plan guthiessen….

Der Senat beschloss mit 70 zu 20 Stimmen, die Vorlage vom Komittee umschreiben zu lassen: „der Entwurf sei eine unnötige, nutzlose und äusserst gefährliche Aufgabe des Verfassungsprinzips.“..

Inklusive politische Institutionen bremsen nicht nur grössere Abweichungen vom Kurs inklusiver Wirtschaftsinstitutionen, sondern sie widersetzen sich auch Versuchen, ihre eigene Fortdauer zu beeinträchtigen….ähnlich wie die politische Elite Britanniens im frühen 18. Jahrhundert begriff, dass eine Aufhebung der Rechtsstaatlichkeit die Zugeständnisse gefährdete, die sie der Monarchie abgerungen hatte, erkannten die Kongressabgeordneten und Senatoren, dass eine Schwächung der Unabhängigkeit der Richter durch Roosevelt auch das Gleichgewicht der Kräfte verschieben würde, das sie vor dem Präsidenten schützte und das Fortbestehen der pluralistischen politischen Institutionen gewährleistete….

Argentinien….Nachdem Roosevelt den Gerichtshof während seiner Wiederwahlkampagne von 1936 heftig kritisiert hatte, tat Perón das Gleiche während seines Wahlkampfes im Jahr 1946. Neun Monate nach dem Beginn des Verfahrens stellte die Abgeordentenkammer gegen drei der Richter..einen Misstrauensantrag. Der Senat stimmte dem Antrag zu, wonach Perón vier neue Richter ernannte. Die Schwächung des Gerichts bewirkte, dass Perón keinen politischen Kontrollen mehr unterlag. Nun konnte er uneingeschränkte Macht ausüben, ähnlich wie die Militärregime Argentiniens vor und nach seiner Präsidentschaft….Nachdem Perón den Obersten Gerichtshof mit ihm willfährigen Kandidaten besetzt hatte, machte es sich jeder neue Präsident in Argentinien zur Regel, handverlesene Richter zu ernennen. Damit war eine politische Institution verschwunden, die eine gewisse Kontrolle über die Regierung hätte ausüben können……

Ein Oberstes Gericht kann grossen Einfluss ausüben, wenn es von breiten Gesellschaftsschichten unterstützt wird, die nicht zögern, Versuche zur Beeinträchtigung der gerichtlichen Unabhängigkeit zu durchkreuzen….

Der Tugendkreis gehorcht mehreren Mechanismen. Erstens bewirkt die Logik pluralistischer politischer Institutionen, dass die Machtergreifung durch einen Diktator, eine Regierungsfraktion oder auch durch einen wohlmeinenden Präsidenten stark erschwert wird….der wahre Gradmesser des Pluralismus ist eben die Fähigkeit, solchen Versuchen zu widerstehen…

Zweitens stärken sich inklusive politische und inklusive wirtschaftliche Institutionen gegenseitig…Inklusive Wirtschaftsinstitutionen beseitigen die abscheulichsten extraktiven Wirtschaftsbeziehungen- wie die Sklaverei und die Leibeigenschaft -, brechen die Macht von Monopolen und schaffen eine dynamische Wirtschaft…

Zudem ermöglichen inklusive politische Institutionen die Entfaltung freier Medien, die Nachrichten über die Bedrohung solcher Institutionen verbreiten und den Widerstand mobilisieren können.

Unglücklicherweise erzeugen extraktive Institutionen..ebenfalls starke Kräfte zur Sicherung ihres Fortbestehens, nämlich durch den Prozess des Teufelskreises…

Ob Macht korrumpiert, ist strittig, aber Lord Acton hatte unzweifelhaft recht mit der Behauptung, dass absolute Macht absolut korrumpiere….Unter extraktiven politischen Institutionen..gibt es kaum Schranken für die Machtausübung, wie verzerrt und soziopathisch sie auch sein mag….Extraktive politische Institutionen bringen einen Teufelskreis hervor, weil sie keinen Schutz gegen diejenigen bieten, welche die Macht des Staates an sich reissen und sie dann missbrauchen wollen…Da derjenige, der den Staat kontrolliert, zum Nutzniesser der exzessiven Macht und des durch sie abgeschöpften Reichtums wird, schaffen extraktive Institutionen den Anreiz für innere Kämpfe um die Vorrangstellung…

Vor diesem Hintergrund ist es keine Überraschung, dass die extraktiven Institutionen, die viele afrikanische Länder von den Kolonialstaaten ererbten, den Samen für Machtkämpfe und Bürgerkriege legten……In Angola, in Burundi, in Tschad, an der Elfenbeinküste, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, in Äthiopien, Liberia, Mosambik, Nigeria, der Republik Kongo-Brazzaville, Ruanda, Somalia, Uganda und ..Sierra Leone schlugen diese Bestrebungen in blutige Bürgerkriege um, die den wirtschaftlichen Ruin und beispielloses menschliches Leid sowie das Scheitern des Staates nach sich zogen…

Was sich nach 1980 in Simbabwe ereignete, war typisch für die Entwicklung des subsaharischen Afrika seit der Unabhängigkeit. Simbabwe hatte 1980 eine Reihe höchst extraktiver politischer und wirtschaftlicher Institutionen geerbt. Diese blieben in den ersten anderthalb Jahrzehnten relativ unverändert erhalten…Im Grossen und Ganzen bestand der Hauptunterschied..darin, dass sich nur nicht mehr Ian Smith und die Weissen, sondern Robert Mugabe und die ZANU-PF-Elite die Taschen füllten. Mit der Zeit wurden die Institutionen noch extraktiver, und das Einkommensystem in Simbabwe brach zusammen…

Nationen scheitern heute, weil ihre extraktiven Wirtschaftsinstitutionen keine Anreize für die Menschen schaffen zu sparen, zu investieren und Innovationen hervorzubringen…

Argentinien wurde Ende 2001 von einer Wirtschaftskrise erschüttert…1991 koppelte Menem den argentinischen Peso an den amerikanischen Dollar. Ein Peso wurde offiziell mit einem Dollar gleichgesetzt und der Wechselkurs durfte sich nicht ändern..Um die Menschen zu überzeugen, dass die Regierung das Gesetz befolgen wollte, bewog man sie, Dollarkonten zu eröffnen…

Am 1. Dezember 2001 fror die Regierung sämtliche Bankkonten für zunächst 90 Tage ein. Nur eine kleine Bargeldmenge durfte wöchentlich abgehoben werden…Niemand konnte Geld von seinem Dollarkonto abheben, es sei denn, er erklärte sich bereit, die Dollars in Pesos umzutauschen. Dies lehnten alle ab. Die Argentinier bezeichneten die Situation als „El Corralito“ (‚kleiner Korral‘), da die Sparer wie Kühe in einem Korral eingesperrt waren.

Im Januar fand die Abwertung endlich statt, und plötzlich bekam man für einen Peso nur noch einen Vierteldollar.

Damit hätten sich diejenigen, die ihre Ersparnisse in Dollars angelegt hatten, gerechtfertigt fühlen sollen, doch die Regierung konvertierte nun sämtliche Dollar- in Pesokonten, allerdings zu dem alten Wechselkurs von eins zu eins. Wer 1000 Dollar gespart hatte, bekam 1000 Pesos mit einen Gegenwert von nur noch 250 Dollar.

Die Regierung hatte drei Viertel der Volksersparnisse enteignet…..

Im November 2009 führte man in Nordkorea eine Währungsreform durch. Wie die Franzosen im Jahr 1960 beschlossen auch die Nordkoreaner, zwei Nullen der Währungseinheit zu streichen. Ein neuer Won sollte hundert alte Wert sein. Die Bürger durften ihre Ersparnisse in die neu gedruckte Währung umtauschen, was jedoch innerhalb einer Woche..geschehen sollte. Dann folgte der Haken: Die Regierung gab bekannt, dass niemand mehr als 100.000 Won – später erhöht auf 500.000 – umtauschen dürfe. Hunderttausend Won entsprachen dem Schwarzmarktkurs von ungefähr 40 Dollar.

Mit einem Schlag hatte die Regierung den Löwenanteil des Privatvermögens ihrer Bürger ausgelöscht.

..Es ist schwierig, den Schwarzmarkt zu kontrollieren, auf dem Geschäfte in Bargeld abgewickelt werden…Die Währungsreform hatte den Zweck, die Nutzer dieser Märkte zu bestrafen und zudem sicherzustellen, dass sie nicht reich und mächtig genug wurden, um das Regime zu gefährden….

Viele der ärmsten Regionen der Welt am Ende des 20. Jahrhunderts kann man nur dann verstehen, wenn man sich mit dem neuen Absolutismus des 20. Jahrhunderts beschäftigt: dem Kommunismus. Marx schwebte ein System vor, dass Wohlstand unter humaneren Bedingungen und ohne Ungleichheit erzeugte. Lenin und seine Kommunistische Partei wurden von Marx inspiriert, doch die Praxis hätte sich kaum stärker von der Theorie unterscheiden können….Gleichheit spielte keine Rolle, denn als Erstes machten Lenin und sein Gefolge sich selbst zur neuen Elite, der Avantgarde der Bolschewistischen Partei. Dazu ermordeten sie massenhaft Nichtkommunisten und auch Parteigenossen…In sämtlichen Fällen brachte der Kommunismus barbarische Diktaturen und umfassende Menschenrechtsverletzungen hervor. Ganz abgesehen von den Massakern, richteten die kommunistischen Regime verschiedene Typen extraktiver Institutionen ein. Die Wirtschaftsinstitutionen hatten..den Zweck, dem Volk Ressourcen zu entziehen…Die kommunistischen Wirtschaftsinstitutionen wurden ihrerseits von einem extraktiven politischen System gestützt, in dem sich die ganze Macht in den Händen der kommunistischen Partei konzentrierte und in dem ihre Machtausübung keiner Kontrolle unterlag…

Nach dreijährigem Bürgerkrieg setzte sich die Kommunistische Partei unter Mao Zedong 1949..gegen die Nationalisten unter Chiang Kai-shek durch. Am 1. Oktober wurde die Volksrepublik China ausgerufen….Die autoritären, extraktiven politischen Institutionen gingen mit einem genauso extraktiven Wirtschaftssystem einher. Mao verstaatlichte unverzüglich alles im Land und schaffte sämtliche Eigentumsrechte ab. Grundbesitzer und andere Personen, die er verdächtigte, sein Regime abzulehnen, liess er hinrichten. Die Martkwirtschaft wurde beseitigt, und die Bevölkerung in den ländlichen Gebieten musste sich zu Kollektiven zusammenschliessen. An die Stelle von Geld und Löhnen traten ‚Arbeitspunkte‘, die man gegen Waren eintauschen konnte. 1956 wurden Binnenpässe eingeführt, um unautorisierte Reisen zu verhindern… Wie alle extraktiven Regime versuchte Maos Regierung nun, das ihr unterstehende riesige Land auszubeuten….Die Industrialisierungsversuche fanden nach 1958 in Form des angeblichen Grossen Sprungs nach vorn statt…Mao gab bekannt, dass sich die Stahlproduktion innerhalb eines Jahres..verdoppeln..werde..

Allerdings bestand keine realistische Möglichkeit, diese Ziele zu erreichen. Folglich musste Altmetall gefunden werden, wozu man die Töpfe und Pfannen der Menschen und sogar ihre landwirtschaftlichen Geräte wie Hacken und Pflüge einschmolz. Arbeiter, welche die Felder hätten bestellen sollen, erzeugten Stahl, indem sie ihre Pflüge zerstörten – und damit ihre Fähigkeit, sich selbst und das Land zu ernähren.

Das Ergebnis war eine katastrophale Hungersnot…Obwohl Wissenschaftler die Auswirkungen von Maos Politik mit denen von sich gleichzeitig ereignenden Dürren vergleichen, zweifelt niemand an der zentralen Rolle, die der Grosse Sprung nach vorn beim Tod von 20 bis 40 Millionen Menschen einnahm….

Am 16. Mai 1966 warnte Mao, die Revolution werde durch ‚bourgeoise‘ Interessengruppen sabotiert…Als Gegenmassnahme rief er die Grosse Proletarische Kulturrevolution aus..

Bald sollte die Kulturrevolution, genau wie der Grosse Sprung nach vorn, sowohl die Wirtschaft als auch viele Menschenleben zerstören…..Viele Menschen wurden getötet, verhaftet oder in die innere Verbannung geschickt.

Mao erwiderte auf Bedenken über das Ausmass der Gewalt: „Dieser Hitler war noch grausamer. Je grausamer, desto besser, meinen Sie nicht? Je mehr Menschen man umbringt, desto revolutionärer ist man.“…

Deng Xiaping sah sich als  „kapitalistischen Rechtsabweichler Nummer 2“ abgestempelt, wurde 1967 inhaftiert und 1969 in die Provinz Jiangxi verbannt…Er wurde 1974 rehabilitiert, und Ministerpräsident Zhou Enlai überredeta Mao, Deng zum Ersten Stellvertretenden Premier zu ernennen….1976 starb Zhou Enlai…spontane Trauerfeier zu seinen Ehren auf dem Tiananmen-Platz verwandelte sich in einen Protest gegen das Regime..

Maos Ehefrau Jiang Quing und drei ihrer engen Mitarbeiter, kollektiv als Viererbande bekannt..machte Deng für die Demonstrationen verantwortlich und er wurde erneut sämtlicher Ämter enthoben und entlassen…..Im September kam es durch Maos Tod zu einer Umbruchphase…

Deng Xiaoping wollte das kommunistische Regime genauso wenig wie Hua Guofeng abschaffen und durch inklusive Märkte ersetzen. Auch er gehörte zu denen, die durch die kommunistische Revolution an die Macht gelangt waren. Aber seine Anhänger und er glaubten, dass sie ein beträchtliches Wirtschaftswachstum erzielen konnten, ohne ihre politische Kontrolle zu gefährden….um dem chinesischen Volk die dringend benötigte Verbesserung seines Lebensstandards zu verschaffen, planten sie, nicht nur die Kulturrevolution, sondern auch den grössten Teil von Maos institutionellem Vermächtnis zurückzuweisen. Wirtschaftswachstum würde..nur durch eine deutliche Annäherung an inklusive Institutionen möglich sein. Zu diesem Zweck mussten die Wirtschaft reformiert und die Rolle der Marktkräfte- und anreize verstärkt werden. Ausserdem wollten sie wieder ein gewisses Mass an Privateigentum zulassen…

Der Wendepunkt für China wurde durch Hua Guofengs Machtübernahme und seien Bereitschaft, gegen die Viererbande vorzugehen, gekennzeichnet. Innerhalb eines Monats nach Maos Tod liess er die Viererbande verhaften, und 1977 setzte er Deng wieder in dessen politische Ämter ein…..die von Deng eingeleitete Kritik an dem von Mao geschaffenen System gewann immer mehr an Einfluss…auf dem Nationalen Volkskongress im September 1985 gelang es ihm, die Parteiführung und die höchsten Kader fast völlig auszutauschen. Viel jüngere, reformbereitere Personen rückten nach….

Nachdem Deng und die Reformer ihre politische Revolution vollzogen hatten und das Heft im Staat in der Hand hielten, leiteten sie eine Reihe weiterer Änderungen in den Wirtschaftsinstitutionen ein. Sie begannen mit der Landwirtschaft: 1983 wurde das Haushaltsverantwortungssystem, das den Bauern Anreize liefern sollte, allgemein eingeführt…In der städtischen Wirtschaft erhielten die Staatsunternehmen mehr Autonomie, und es wurden vierzehn ‚offene Städte‘ benannt, die sich um ausländische Investitionen bemühen durften…..

Die gesetzten Anreize führten zu einer drastischen Erhöhung der Agrarproduktivität…

Die Wiedergeburt Chinas vollzog sich durch eine spürbare Verlagerung von den höchst extraktiven Wirtschaftsinstitutionen hin zu einem inklusiveren System….

Im Fall Chinas dürfte sich der Wachstumsprozess, der auf Nachholbedarf, der Einfuhr ausländischer Technologien und der Ausfuhr billiger Fertigungsprodukte beruht, noch eine Weile fortsetzen. Trotzdem wird er wahrscheinlich enden, sobald China den Lebensstandard eines Landes mit mittlerem Einkommen erreicht hat….

Eine solche Situation..kann vermieden werden, wenn China zu inklusiven politischen Institutionen überwechselt, bevor sein Wachstum unter dem extraktiven System seine Grenze erreicht hat…Zum Beispiel warnte der mächtige Ministerpräsident Wen Jiabao…davor, dass das Wirtschaftswachstum ohne eine Reform ins Stocken geraten könne…

Das Scheitern der Auslandshilfe…

Etliche Milliarden Dollar flossen nach Afghanistan. Doch man verwendete kaum etwas davon für den Aufbau der Infrastruktur, von Schulen oder anderen öffentlichen Dienstleistungen, die für die Entwicklung inklusiver Institutionen oder auch nur für die Wiederherstellung von Recht und Ordnung unerlässlich sind. Während die Infrastruktur weitgehend in Trümmern lag, verwendete man vielmehr den ersten Teilbetrag dazu, eine Fluggesellschaft mit der Hin- und Herbeförderung von UN-Vertretern und anderen internationalen Amtspersonen zu beauftragen. Als Nächstes benötigte man Chauffeure und Dolmetscher. Also heuerte man die wenigen Englisch sprechenden Bürokraten und die an afghanischen Schulen verbliebenen Lehrer an, um sich von ihnen herumkutschieren zu lassen, und zahlte ihnen ein Vielfaches des Durchschnittsgehalts….dienten die eingehenden Gelder nicht dazu, die Infrastruktur aufzubauen, sondern die Zwecke, für die sie verwendet wurden, unterminierten den Staat, den sie stärken sollten….

Was also war aus den vielen Millionen Dollar geworden, die man den Bewohnern versprochen hatte? Zwanzig Prozent wurden für die Kosten des UN-Amtssitzes in Genf abgezogen, der Rest wurde einer NGO übergeben, die weitere 20 Prozent für ihre eigenen Niederlassungskosten in Brüssel vereinnahmte. Sie beauftragte drei zusätzliche Instanzen, die jeweils ungefähr 20 Prozent  der verbliebenen Beträge einstrichen. Die geringe Summe, die Afghanistan letztlich erreichte, wurde für den Holzkauf im westlichen Iran und für die überhöhten Transportkosten durch Ismail Khans LKW-Kartell verwendet….

Was im afghanischen Zentraltal geschah, ist keine Ausnahme. In vielen Untersuchungen wird geschätzt, dass nur 10 oder höchstens 20 Prozent der Auslandshilfe ihr Ziel erreichen….

Die Verschwendung hat überwiegend nichts mit Betrug, sondern mit Inkompetenz oder, noch schlimmer, mit den üblichen Gepflogenheiten von Hilfsorganisationen zu tun…

In den vergangenen fünf Jahrzehnten haben Regierungen überall auf der Welt Hunderte von Milliarden Dollar als ‚Entwicklungshilfe“ gezahlt. Der Löwenanteil wurde..für Verwaltungskosten und durch Korruption vergeudet. Noch übler ist, dass hohe Summen an Diktatoren..gezahlt wurden….

Trotz der wenig schmeichelhaften Erfolgsbilanz ist ‚Entwicklungshilfe‘ eine der populärsten Aktionen, die westliche Regierungen, internationale Einrichtungen wie die Vereinten Nationen und allerlei NGOs zur Bekämpfung der weltweiten Armut empfehlen. Und natürlich wiederholt sich der Zyklus des Scheiterns von Auslandshilfe ein ums andere Mal. Der Gedanke, dass reiche westliche Länder hohe Summen an ‚Entwicklungshilfe‘ bereitstellen sollten, um das Problem der Armut..zu lösen, beruht auf einem mangelnden Verständnis der Ursachen von Armut. Staaten wir Afghanistan sind wegen ihrer extraktiven Institutionen arm, die dafür verantwortlich sind, dass es keine Sicherung von Eigentumsrechten und von Gesetz und Ordnung und auch keine gute funktionierenden Justizsysteme gibt..….Die gleichen institutionellen Probleme führen dazu, dass die Auslandshilfe ineffektiv bleibt, da die Gelder entweder geraubt werden oder ihren Zielort nicht erreichen. Im schlimmsten Fall erhalten sie Regime am Leben, welche die Wurzel allen Übels in jenen Gesellschaften sind….

Eine Lösung..besteht darin, die Auslandshilfe an Bedingungen zu knüpfen, etwa daran, dass die Empfänger die Märkte liberalisieren oder einen Prozess der Demokratisierung einleiten…

Bessere Aussichten hätte es wahrscheinlich, wenn man die Auslandshilfe so strukturierte, dass durch ihre Verwaltung und Verwendung Gruppen und Anführer, die sonst von der Macht ausgeschlossen wären, in den Entscheidungsprozess eingebunden und breitere Bevölkerungsschichten gestärkt werden…