Evolution von Geist und Gesellschaft

Evolution von Geist und Gesellschaft 2017-04-12T21:17:11+00:00

Die Literatur-Ecke

Norbert Schmidt

Evolution von Geist und Gesellschaft

Es gibt Lebensphasen, in denen der Blick nach vorn vernebelt oder völlig verstellt ist. Am Horizont angekommen, fragt sich der Mensch, ob es hinter dem Horizont wirklich weitergeht. Was kommt jetzt? Doch ein neues Universum, ein neuer Horizont ist in diesen Momenten oft nicht immer sofort erkennbar. Und dabei soll es ja da draußen angeblich Millionen oder gar Milliarden von Universen geben. Wie kommen die einmal an diesem Punkt des Nirwanas angekommenen Menschen in ihrer Orientierungslosigkeit dann weiter? Antworten auf die Frage nach dem Morgen, nach dem Warum und Wieso – nach dem Sinn also – erhält der, der sich gedanklich auf der nächst höheren Ebene der Evolution einloggen kann.                                                                                      UDO RETTBERG

 

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Norbert Schmidt

Menschen dürften sich allerdings fragen, wie auf dieser bisher unbekannten Ebene dann letztlich neue Gedanken, Eindrücke, Daten, Fakten gesammelt und in sinnvolles menschliches Handeln umgesetzt werden können? Glücklich ist der, der sich auf persönliche Diskussionen mit Menschen stützen kann, die diese Ebene des Unbekannten in der Vergangenheit intensiv erforscht haben. Norbert Schmidt war einer jener Menschen, die sich eingehend mit der Entwicklung von Geist und Gesellschaft beschäftigt haben.

 

Wir leben in einer Zeit, in der bei manchen Menschen die Leichtigkeit verloren geht, das Lachen einfriert und die innere Nervosität steigt. Mir fällt es angesichts der Unmenschlichkeiten auf dem Planeten Erde sehr schwer, bei zahlreichen Mitmenschen logisch-rationale Qualität zu erkennen. Manche Menschen sehen nichts als Dunkelheit am Horizont. Andere wiederum stellen angesichts der Barbarei auf dem Planeten kopfschüttelnd die bisherige Definition der Worte „Humanität“ und „Hoffnung“ infrage. Und Dritte wiederum hegen Zweifel an der Existenz des Allmächtigen.

Norbert Schmidts Gedankenansätze sind in diesem Kontext Wegweiser für mögliche Lösungen. Immer wieder schwirrten seine Gedanken in der Vergangenheit in die unerforschte Zukunft. Kam er nicht weiter, fand er in seinem Denken also keine logischen Ergebnisse, dann zog er sich in sein mit unzähligen Büchern und Ordnern prall gefülltes Büro zurück. Hier hat er sein anspruchsvolles Werk über viele Jahre hinweg vollendet.

Zugegeben – ich habe sein Buch vor dem Hintergrund des aktuellen „Wahnsinns in der Welt“ jetzt zum dritten Mal in vier Jahren gelesen. Aber – vollständig verstanden habe ich seine Erkenntnisse und Theorien bis heute noch immer nicht. Norbert Schmidt war ein „Tiefdenker“ und in vielerlei Beziehung auch pedantisch, denn er hat unklare Dinge immer wieder intensiv hinterfragt. In diesem Fall is der französische Begriff „Pedant“ – also „Schulmeister“ – positiv besetzt. Exakt diesen Beruf hat er über Dekaden hinweg mit Leidenschaft und Hingabe ausgefüllt.

Der Mathematiker, Physiker und Philosoph hat fest daran geglaubt, dass Welt und Menschheit vor einer positiven Entwicklung stehen. Man(n) würde vor dem Hintergrund der aktuellen Unmensch- lichkeiten wohl sehr gerne daran glauben. In der kurzen Zeit von etwa fünf Jahren, in der ich ihn kennenlernen durfte, hat der in seiner Jugend dem runden Leder hinterher jagende „Schalker Bub“ bis zu seinem Tode im Jahr 2014 stets das Potential im Menschen hervorgehoben. Geprägt wurde er in seinem Gedanken- gut auch von den zahlreichen negativen Erlebnissen und Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit.

Auffallend war, dass er auf dieser Basis zuletzt auch immer häufiger die Worte Vertrauen, Respekt und Liebe verwandt hat. Ich bin sicher, er wird mir im Nachhinein verzeihen, dass ich ein ihm gegenüber abgegebenes Versprechen nicht vollständig einhalten konnte. „Die größer werdenden Probleme auf dem Planeten Erde können von den Menschen nur durch mehr gegenseitigen Respekt und Liebe besiegt werden“, hat er immer und immer wieder gesagt. Er war von dieser Erkenntnis fest überzeugt. Norbert Schmidt war also auch Pazifist – und das in vielerlei Hinsicht.

Aber er war auch davon überzeugt, dass es vor der Wende zum Guten in der Welt erst noch wesentlich schlechter werden müsse. Es scheint, als habe er die aktuelle irrsinnige Entwicklung auf dem Planeten Erde frühzeitig vorhergesehen. Aber er war generell ein Optimist; denn er war völlig überzeugt davon, dass die Evolution von Geist und Gesellschaft künftig weiter positiv verlaufen wird. Seine Hoffnung für die Zukunft bestand nicht zuletzt in dem Glauben, dass sich die Evolution niemals selbst zerstört. Menschwerdung, so hat Norbert Schmidt festgestellt, sei nicht nur ein Aufstieg in höhere Spären des Bewusstseins, sondern in der Folge dann auch die umfassende Entfaltung der menschlichen Möglichkeiten in den mentalen Schichten des Gehirns.

„Was Menschen sehr große Schwierigkeiten bereitet, ist die Zusammenführung von Kopf und Herz, von Rationalem und Emotionalem“, hat mir Norbert Schmidt während einer passenden Situ- ation einst gesagt. Menschen hätten die Fähigkeit und das Wissen, über Evolution und Selbstorganisation an der Entwicklung nicht nur der eigenen Zukunft, sondern der gesamten Menschheit mitzuwirken. Menschen ist zu empfehlen, die komplexen Gedankengänge von Norbert Schmidt zu ergründen und letztlich dann auch nachzuvollziehen.                                                                                                      31.12.2015

 

 

 

Norbert Schmidt

DIE EVOLUTION VON GEIST UND GESELLSCHAFT

Hoffnung, Chance und Aufgabe – ISBN 3-530-75626-1

Vorwort: Eugen Drewermann

Walter Verlag AG, Olten und Freiburg im Breisgau

Jahr 1991 //// 338 Seiten