William A. Cooper

William A. Cooper 2017-04-12T21:17:13+00:00

Auf dem Chefsessel: WILLIAM A. COOPER

NYSE

Graue Eminenzen: William A Cooper und die New York Stock Exchange (NYSE).                                                                                                             Foto: Udo Rettberg

Graue Eminenz

Wer in diesen Tagen zur anstehenden Jahreswende durch das amerikanische Städtchen Wayzata schlendert, sollte keine allzu großen Erwartungen hegen. Der kleine Ort im US-Bundesstaat Min- nesota zählt trotz seiner enormen öko- nomischen Bedeutung für die gesamte Region gerade einmal 3700 Einwohner. Diese bereiten sich auf die heiße ro- mantische Weihnachts-Phase vor und auf die anstehende Neujahrsfeier. Hier- von zeugen unzählige bunte Weih- nachtsbäume mit tausenden blinken- der Elektrokerzen. Die Voraussetzun- gen für das Friedensfest scheinen ideal. Dies auch, weil die Temperaturen hier in Wayzata seit geraumer Zeit unter die Null-Grad-Grenze bis auf zuletzt minus 10 Grad gefallen sind.

Nach dem wilden Schneegestöber der vergangenen Tage tänzeln heute noch immer einige vereinzelte Schneeflok- ken vom Himmel. Die weiße Pracht bil- det das ideale Bild für den auch von Amerikanern traditionell gepflegten und leidenschaftlich besungenen Traum von der weißen Weihnacht. Ein ganz normales Szenario also, wie man es in der Vorweihnachtszeit in zahlreichen westlichen Städten vorfindet. Und so scheint Langeweile der Normalzustand Doch beim Namen Wayzata werden ge- rade Agrar- und Finanz-Fachleute hell- wach.

In der rund 150 Jahre alten Stadt ziem- lich in der Mitte der USA haben nicht nur der weltweit bekannte Agrarriese Cargill, sondern auch die Regionalbank TCF Financial Corp ihren Firmensitz. An der Spitze der Regionalbank steht William A. Cooper – und das seit vielen Jahren. Cooper gilt nicht nur in der Fi- nanzszene des US-Bundestaates Minne- sota als eine Art „graue Eminenz“, son-dern hat sich auch darüber hinaus ei- nen Namen gemacht. Er war nach sei- nem an der Wayne State University in Detroit abgelegten Bachelor-Abschluss in Buchhaltung, Ökonomie und Finan- zen zunächst als Revisor tätig und hat- te sich hier das Rüstzeug für die recht schwierigen Aufgaben im Banking ge- holt.

 

WILLIAM A. COOPER

William A Cooper – Vorstandschef und Chairman der TCF Financial Corp. – ein Urgestein der US-Bankenszene.                                                                         Foto: TCF

Die Bankholding TCF Financial Corpo- ration verfügt über Assets in Höhe von rund 20,1 Mrd. $ und ist durch 375 Filialen in mehreren US-Bundesstaaten (nämlich in Arizon, Colorado, Indi- ana, Illinois, Michigan, Minnesota, South Dakota und in Wisconsin) ver- treten. Zudem deckt der Finanzkonzern auch die Bankbereiche Leasing und andere Finanzierungsformen ab. Ins- gesamt beschäftigt TCF Financial rund 8000 Mitarbeiter – einige hundert hiervon arbeiten vom Stammsitz hier in Wayzata aus.

Der inzwischen 72jährige in Detroit geborene Banker hat feste Wurzeln zur TCF Financial Corporation; denn hier war er bereits im Zeitraum von 1985 bis 2005 als Vorstandschef und im Jahr 1987 kurzzeitig auch als Chairman of the Board tätig, so dass sie ihn im Her- zen Minnesotas wohlwollend als „TCF-Urgestein“ bezeichnen. Er hat den Fi- nanzkonzern maßgeblich geprägt, hat die Bank in schwierigen Jahren mehr- mals aus dem Sumpf gezogen. Zum ersten Mal während der unter dem Namen Savings & Loans-Crisis in den USA bekannt gewordenen chaotischen Situation rund um die Jahre 1984 bis 1986. Nachdem er die seinerzeit be- drohliche Lage mit Problemkrediten gelöst und die Bank damit auf einen soliden Überlebens-Kurs zurückgeführt hatte, glaubte er im Jahr 2006 „in Ren- te gehen“ zu können. Aber rasch wurde klar, dass sich Coooper geirrt haben sollte.  

Denn als sie später im Jahr 2008 inmit- ten der schlimmsten globalen Finanz- krise seit mehr als 80 Jahren bei „sei- ner Bank“ eine starke Hand und einen visionären Geist brauchten, erinnerten sich die Gremien des Instituts an Willi- am A. Cooper, den sie allgemein hier „Bill“ nennen. Sie beriefen ihn erneut zum Vorstandschef. Kritiker sagen, er habe sich seinerzeit für diesen Job selbst wieder ins Spiel gebracht, weil er noch über exzellente Kontakte ver- fügte. Doch nach sieben weiteren Jah- ren an der Spitze der Bank reicht es ihm jetzt offensichtlich. Im Januar des Jahres 2016 soll jetzt Schluss sein – endgültig. Zum zweiten Mal wird er dann den Posten des TCF-Vorstands- chefs verlassen.

Seine Mitarbeiter sind des Lobes voll über seine Manager-Leistungen und seine menschlichen Fähigkeiten. Sie weisen bei dieser Beurteilung vor allem auf seine Weitsicht bei geschäftlichen Entscheidungen hin. „Bill hat einen sehr guten Riecher für neue Nischen-Geschäfte – wie zuletzt im Bereich Specialty-Finance“, sagen einige seiner Kollegen in Wayzata und Minnesota.

Dass er im Jahr 2011 ein sich mit Au- tokrediten beschäftigendes Unterneh- men erwarb, ist nur einer von mehreren sich heute positiv auf die Bilanz der Bank auswirkenden Deals. „Von seinem Büro in der obersten Etage des TCF-Bankgebäudes hat man einen wunder- baren Blick auf den smaragd-blauen Lake Minnetonka“, berichtet einer sei- ner Freunde, der gerade aus den oberen Etagen der Bank auf den Weg zum Mittagessen ist. In diesem Kontext er- innert ein anderer Bankmitarbeiter an einen der Leitsätze Coopers: „Du darfst keine Angst haben“. Das ist ein Motto, dem Cooper in der Vergangenheit oft gefolgt ist und auch heute noch immer folgt. Der Bank-Chef hatte auch keine Angst während der aktuell noch immer nachwirkenden Finanzkrise, in der so manche Bank in den USA schlingerte und vom Kurs abzukommen drohte.

 „Ja, so ist er, unser Commander Bill“, sagt ein Mitarbeiter der Bank voller Hochachtung beim anschließenden Es- sen in einem traditionellen Midwest-Restaurant. Cooper war auch dann nicht ängstlich, als es darum ging, die eigene Position gegenüber den US-Auf- sichtsbehörden durchzusetzen und zu- erst die Interessen der Bank vertreten zu sehen. Einmal hatte er als Bank-CEO sogar eine Klage gegen die Aufsichts- behörden eingereicht, diese später aber wieder zurückgezogen. „Er hat mit sei- nem Widerstand gegen unsinnig er-scheinende regulative Vorschriften durch die Kontrollbehörden nicht nur unserer Bank einen großen Dienst er- wiesen, sondern der gesamten Bran- che“, sagt einer seiner langjährigen Kumpels.

 Auch der sprichwörtliche „kleine Mann“ auf der Straße in Wayzata zeigt Respekt und Hochachtung. Denn im Gegensatz zu anderen Bankern hat der Vorstandschef seine eigene Vergan- genheit nicht vergessen. Er hat die generelle Bedeutung und Aufgabe von Banken und vor allem auch das Privat- kundengeschäft von TCF nie aus dem Auge verloren. Für ihn war Banking nie Selbstzweck – immer stand der Kunde im Fokus. Cooper wird mit dieser starken Ausrichtung auf den „Kunden Mensch“ als sehr bodenständig be- schrieben, wie auch sein persönliches Verhältnis zu vielen Kunden zeigt. „Wenn eine Bank eineinhalb Millionen Kunden hat, die jeweils möglicherweise nur 1000 $ in der Bank halten, ist das letztlich auch eine Menge Geld“, erklärt er die Bedeutung der Privatkunden.

 Er gilt als ein Manager der alten Schu- le, der sehr anspruchsvoll aber auch fair ist. Als seine Bank im Jahr 2013 einen Gewinnrückgang aufwies und sich beim „gemeinen Volk“ schließlich Zorn über das hohe Gehalt Coopers breit machte, beruhigte dieser die Lage, in- dem er halt einer Gehaltskürzung zu- stimmte. Rasch schwang die Stim- mung im Lande wieder um, so dass er bald wieder als „Held“ gefeiert wurde.

 Noch spannender als die vergangenen Jahre als knallharter und erfolgreicher Top-Bank mag die frühe Geschichte Coopers sein. Sein Image als „harter Hund“ stammt aus jener Zeit, in der er noch kein Banker war. Im Jahr 1963 hatte sich Cooper als Polizist in Detroit verdingt. Das war im Übrigen das Jahr, in dem Martin Luther King 100 000 Menschen bei einem friedlichen Marsch durch Detroit geführt hatte. Mit seinem Polizisten-Job verdiente sich Cooper jenes Geld, das er zur Erfüllung seines Banker-Traums brauchte. Sein Vater starb, als Bill gerade einmal 14 Jahre alt war. Das Geld der Mutter reichte für große Sprünge nicht aus. Cooper wollte studieren. Die Bezüge als Polizist setzte er für die Finanzierung des Studiums ein. Nach Studien-Abschluss im Jahr 1967 war er für Touche Ross – Vor- läufer der heute unter Deloitte firmie- renden weltbekannten Wirtschaftsprü- fungsgesellschaft – tätig, bevor er dann im Jahr 1971 als Auditor für die Michi- gan National Bank in Detroit aktiv wurde.

Nach Tätigkeiten für mehrere andere US-Banken wurde er im Jahr 1985 von der damals auf schwachem finanziellen Fundament stehenden Spar- und Dar- lehenskasse Twin City Federal – Vor- gänger der TCF – angeheuert und von dem kapitalschwachem Institut nach kurzer Zeit zum CEO befördert. Der große Durchbruch gelang Cooper und seinem Team im Jahr 1986, als er die Bank dann unter dem Ticker-Symbol TCB an die New York Stock Exchange (NYSE) brachte und auf diese Weise Ei- genkapital in Höhe von 80 Mio. $ be- schaffte. Von da an ging es mit Unter- brechungen stetig aufwärts. Bill Cooper hält inzwischen rund 2 % der TCB-Ak- tien. Wenn er dann in den nächsten Tagen den Posten des CEO bei „seiner Bank“ aufgibt – er bleibt bis zum Jahr 2017 allerdings Chairman des Instituts – will er einen anderen Traum ver- wirklichen: Eine Reise rund um die Welt, wobei das Augenmerk nach Angaben seiner Freunde vor allem dem asiatischen Raum gelten dürfte.

  Udo Rettberg

Sport und Ökonomie

Medien-Hype

Von einem „Hype der ganz besonderen Art“ profitierte in den vergangenen Tagen die Aktie von TCF Financial (TCB.N – 13,25 $) an der New York Stock Exchange. Dass aus- gerechnet das Fehlverhalten eines Footballers Ursache hierfür war, mag überraschen. Wer weiß, dass Football kein Sport, sondern lukratives Business ist, gibt sich gelassen.

 Hintergrund: Odell Beckham jr – Star-Receiver der New York Giants – hatte sich im Spiel der Giants gegen die Carolina Panthers nicht gerade vorbildlich benommen. Er wurde für das nächste Spiel gegen die Minnesota Vikings gesperrt. Dazu muss man wissen, dass TCF Financial einer der „Sponsoren“ der Vikings ist. Das anstehende Spiel der Vikings gegen die Giants wird nämlich im TCF Bank Stadium der University of Minnesota in Minneapolis ausgetragen. Die Vikings nutzen dieses Stadion so lange als ihren Home-Turf, bis die Modernisierung des eigenen Stadions abgeschlossen ist.

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   Quelle: Barchart

                                                                                                    
Wer die Bedeutung des Sports im allgemeinen und des American Footballs im speziellen kennt, weiß worum es geht. Wer zudem weiß, dass die Medien gerne ihren Fokus auf einzelne Football-Top-Stars wie Odell Beckham richten, wird möglicherweise den Wissenschaftlern der University of Connecticut zustimmen. Diese hatten die vorgenannten Fakten in Verbindung mit dem gigantischen Einfluss der auf Sport fo- kussierten Medien als einen möglichen Einflussfaktor auf die TCB-Aktie bezeichnet. Beckhams Suspendierung und der Medien-Hype um die Entscheidung der NFL lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit stark auf das Spiel in Minnesota. Die Blicke der gesamten Sport-Nation richten sich am Spieltag auf das TCF Bank-Stadion in Minneapolis.

William A Cooper wird das freuen; denn der Name seiner Bank wird an diesem Tag einen neuen Bekanntheitsgrad erlangen. Dass Cooper auf einen Sieg der Vikings hofft, versteht sich wohl von selbst.                                        

  27.12.2015 – Udo Rettberg