Auf dem Chefsessel

Auf dem Chefsessel 2017-04-13T15:44:21+00:00

Der CEO-Talk

Top-Manager von Unternehmen, Verbänden und Vereinigungen sind ein wahrer Informations- und Wissensquell. Von hier sollten Journalisten, Anleger und auch allgemein interessierte Menschen gut fundierte Informationen zum Beispiel zur aktuellen und künftigen Entwicklung von Unternehmen erhalten. Aber – „Information is ruination“, lautet eine alte englische Börsenweisheit. Dieses Wissen kann mit Blick auf Treffen und Interviews mit Vorstandschefs eindeutig bestätigt werden.
Das liegt nicht zuletzt an der besonderen Aufgabe und Funktion von Vorständenb. Denn CEO‘s haben zumindest zwei Fehler:
1. Sie sehen ihr Unternehmen und die Zukunftschancen in der Regel aus einer rosaroten Brille. Daher bringen sie Gegenwart und Zukunft meist mit dem Faktor „Hoffnung“ zusammen und verkennen daher nicht selten die Risiken des Geschäfts.
2. Dies vor allem auch deshalb, weil CEO‘s auf dieser Position im Unternehmen eingesetzt sind, weil sie gegenüber ihren Mitarbeitern und gegenüber ihren Anteilseignern vor allem Optimismus versprühen und Zukunfts-Lösungen aufzeigen sollen.

In der Vergangenheit waren es in erster Linie Vorstände von SME – also kleinen und mittelgroßen Unternehmen -, deren Aussagen mit Vorsicht zu genießen waren. Vor allem die auf dem Chefsessel kleinerer kanadischer und amerikanischer Unternehmen sitzenden Manager schossen in den vergangenen Dekaden mit völlig überzogenen Aussagen oftmals weit übers Ziel hinaus. Nicht selten wurden Unternehmenspläne in Firmenpräsentationen bereits als realisierte Tatsachen „verkauft“.

Ungeachtet dessen glauben wir von AlphaBulls, dass der direkte Draht zum Top-Management von Unternehmen von enormem Wert sein kann. Dies nicht zuletzt deshalb, weil ein einmal geschaffener direkter Draht „ganz nach oben“, einen raschen Informations-Zugang ermöglicht. Dies kann vor allem in Krisensituationen von großem Vorteil sein.

CEO-TALK mit David Wolfin, Avino Silver & Gold Mines Ltd.

Trump befeuert den Gewinn

Rege Betriebsamkeit herrscht an diesem Morgen in der Empfangshalle eines Frankfurter Hotels. Ich bin zu einem Gespräch mit David Wolfin, dem CEO einer kanadischen Minenfirma, verabredet. Die Türen von zwei gegenüberliegenden Aufzügen öffnen sich. Aus einem der Aufzüge schreitet Fredi Bobic – offensicht- lich ausgeschlafen und gut gelaunt. Er wünscht einen „guten Morgen“ in die Runde, bevor er im Frühstücks-Restaurant verschwindet. Der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht ist beliebt in „Mainhattan“, wie an der Reaktion der Hotelgäste und Hotelmitarbeiter zu erkennen ist.                          80TnDJTA **

Vom Hotelrestaurant reicht der Blick hinaus auf die Fontäne und nach einem weiteren Schwenk der Augen nach links dann auf die im Osten der Stadt alles überragende „Villa Mario“ – dem Amtssitz von EZB-Chef Mario Draghi.                                                                                                                        Foto: Udo Rettberg

Etwa zur gleichen Zeit vernehme ich die Stimme von David Wolfin, der lässig aus dem zweiten Aufzug schlendert und die Hotelhalle betritt. Auch der Präsident & CEO von Avino Silver & Gold Mines Ltd ist gut gelaunt. „Hey, good morning Udo. Nice to see you again. Long time no see.“ Ja, David liegt völlig richtig. Rund 8 Jahre sind vergangen, seitdem wir uns im Büro seines leider vor wenigen Wochen verstorbenen Vaters Louis Wolfin getroffen hatten. Louis galt und gilt in Vancouver als eine Art „Mi- ning-Institution“. Seinerzeit hatten wir uns in einem gemeinsam von Avino Silver & Gold sowie Bralorne genutzten Büro ge- troffen. Heute sind beide Gesellschaften zu einer Einheit verschmolzen. „Übrigens – wie geht’s der Schwester“, frage ich David. „Der geht’s gut“, antwortet er und dann kommen wir ins Plaudern über Menschen, die wir seinerzeit in Vancouver getroffen hatten.

Der Avino-CEO ist zufrieden mit der jüngsten Entwicklung der Edelmetall- märkte. Der aktuelle Aufschwung befinde sich in einem frühen Stadium, so dass Gold und Silber noch einen gewissen Spielraum nach oben haben dürften, so seine vorsichtige Prognose. Ich locke ihn, mir   eine konkrete Goldpreis-Prognose für die kommenden 5 Jahre zu nennen. „Jetzt musst Du eine Kristallkugel zur Hand nehmen“, frotzelt Avinos Capital Market Strategist Andrew  Kaplan, der David auf dem Europa-Trip begleitet. Aber David will nicht konkreter werden, spricht viel lieber von „erheblichem Preispotential“.

Dann will er wissen, wie ich die Lage sehe. „Ich sage seit Jahren, dass Gold in diesem Zyklus während der kommenden fünf Jahre auf 2880 $ steigen kann“, erkläre ich ihm meine Sicht der Dinge. Und ich liefere die Erklärung hierfür gleich mit. „Kurze Zeit, nachdem ich vor 38 Jahren in den Journalismus eingestiegen bin, schoss Gold innerhalb kurzer Zeit auf das da- malige Rekordhoch von 855 $ je Feinunze.“  „Richtig“, erinnert sich David, obwohl er damals noch ein Kind war. „Wenn Gold wirklich einen Schutz vor Inflation bietet, entspricht der damalige Rekord heute inflationsbereinigt rund 2800 $ je Feinun- ze“, so meine Erklärung, die David erfreut zur Kenntnis nimmt. „Hinzu kommt“, so erkläre ich, „dass die Welt heute noch  wesentlich hässlicher ist als damals.“ „Interessante Sicht“, bestätigt Wolfin, in dessen Adern deutsches Blut fließt.

Was Avino Silver von anderen zuletzt durch Europa tourenden Minenunternehmen un- terscheidet, ist vor allem der Fakt, dass die Firma längst nicht mehr nur Junior-Miner oder Explorationsgesellschaft ist, sondern bereits als Produzent von Edelmetallen von sich reden macht – und das seit 31 Jahren. Im Jahr 2016 lag die Produktion von Silber und Gold bei einem Silber-Äquivalent in Höhe von 2,68 Mio. Feinunzen – und das zu  „all-in-Produktionskosten“ in Höhe von 10,34 US-Dollar je Feinunze.

„Wir gehören zu den Silberproduzenten mit den niedrigsten Produktionskosten“, ist David stolz. Und in der Tat: Ein Vergleich mit First Majestic (12,9 US-Dollar) und Great Panther Silver (16,40 US-Dollar) zeigt, dass die all-in-Kosten von Avino deutlich geringer sind. Die Umsätze der Kanadier erreichten 2016 rund 39,9 Mio. can$, verglichen mit 19,1 Mio. can$ im Jahr 2015. Der Gewinn je Aktie lag 2016 bei 0,05 can$. Für die Jahre 2018 und 2019 erwartet Wolfin einen Anstieg der Produktion auf rund 4 Mio. Feinunzen Silber-Äquivalent. Die Geschichte von Avino reicht rund 500 Jahre zurück. Die Gesellschaft ist Spezialist darin, weit- gehend ausgebeutete oder vorübergehend geschlossene Minen wieder zu eröffnen.

Viva Mexico!! DJT sieht das anders.                                                                                                                                                                    Foto: Udo Rettberg

Avino Silber & Gold verfügt über zwei produzierende Minen in mexikanischen Minendistrikt Durango (nämlich Avino und San Gonzalo) sowie über die Bralorne Gold Mine in der kanadischen Provinz British Columbia (B.C.) – rund 50 Meilen von der Ski-Hochburg Whistler Mountain entfernt. Zudem besteht ein riesiges Vorkommen an Oxide-Tailings (also Abraumhalden), die über hohe Edelmetallwerte verfügen. Bis Mitte 2018 sollen nach bis dahin durch- geführten Bohrungen und metallurgischen Tests konkrete Informationen über die Werthaltigkeit der Halden in Mexiko vor- liegen. Während der open-pit-mining-Sil- berproduktion in den Jahren zwischen 1979 bis 1993 waren diese Halden aufge- schüttet worden, weil die Technologien bei der Ausbeutung der Erze seinerzeit längst nicht so weit fortgeschritten waren wie heute. Darüber hinaus hat sich Avino die Rechte an 7 Explorations-Projekten (Gold, Silber, Buntmetalle) gesichert. Als Vorteil bezeichnet der Avino-Chef die gut ausge- baute Infrastruktur auf der einen sowie die allermodernste Flotte an Minengeräten.

 

 

Aktienkurs Avino Silver & Gold Mines Ltd. (ASM)
Börse New York

                                                                                                                                                                                                                                              Quelle: Barchart

 

Etwaig negative politische Entwicklungen für sein Unternehmen und die Minenbran- che in Mexiko   wegen der Trumpschen Me- xiko-Politik erwartet Wolfin nicht wirklich. „Kanadische Minenfirmen erachten Mexiko als ein sicheres Land für Investitionen“, so sein Fazit. „Seit Trump im Amt ist, steigt unser Gewinn“, weist der Avino-CEO au-genzwinkernd auf einen positiven Nebenef- fekt hin. Ob die geplante Expansion von Avino, die in einem Dreijahresplan darge- legt ist, durch internes oder externes Wachstum erreicht werden soll, frage ich David. „Brokerhäuser in Kanada sehen uns eher auf der Seite der Aufkäufer, der Über- nehmer also“, so die Antwort. Konkrete Pläne gebe es hier indes nicht. „Wir sind auch kein Übernahmeziel“, erstickt er eine von mir begonnene Frage bereits im Keim. Dass Avino in seinem Geschäftsmodell beim Verkauf der Silberproduktion mit strategischen Partnern kooperiert, zeigt die Weitsichtigkeit der Unternehmensführung. „Unsere Minenkonzentrate werden derzeit exklusiv an Samsung verkauft“, weist er auf eine entsprechend vielversprechende Kooperation mit den Südkoreanern hin. „Samsung schaltet auf diese Weise einfach den Vermittler im Edelemtallhandel aus und kauft das benötige Silber z.B. nicht über Vermittler oder Börsen wie die LME sondern direkt bei uns“, erklärt er. Für dieses Geschäftsmodell sieht er auch in Zukunft große Chancen.

Insgesamt hat Avino Silver & Gold Mines Ltd derzeit rund 59,04 Mio. Aktien ausste- hen (nach Ausübung aller Optionen und Warrants). Die Avino-Aktie wird nicht nur an der Börse in Toronto, sondern unter dem Ticker-Symbol (ASM Kurs: 1,75 US-Dollar) auch an der ehemaligen American Stock Exchange (Amex) – die heute zur New York Stock Exchange (NYSE) und damit zur ICE gehört – gehandelt.  Auch an meh- reren deutschen Börsen werden Kurse in der Aktie gemacht.  „Am liquidesten ist der Aktienhandel zweifellos in New York“, er- läutert Andrew Kaplan.

Dass der populäre kanadische Rohstoff-Investor Eric Sprott zuletzt 1 Mio. Avino-Aktien am freien Markt erworben hat und sich zudem dessen Kollegen ausgespro- chen positiv über Avino äußern, erwähnt David Wolfin nur am Rande. Konkret zu den Aussichten der Aktie wollen sich die Avino-Manager bei ihrem Besuch in Frank- furt nicht äußern. „Im Vergleich zu unse- ren direkten Konkurrenten sind wir allerdings deutlich unterbewertet“, sagt David Wolfin. Im Gespräch fallen dann bei der Betrachtung der Marktkapitalisierung quasi beiläufig Zahlen wie „wir sind mehr als eine halbe Milliarde Dollar oder noch mehr wert“. Zum Vergleich: Derzeit wird Avino an der Börse in New York mit knapp 89 Mio. US-Dollar bewertet.

Die aktuellen Kursziele von Wertpapier-Analysten führender nordamerikanischer Finanzhäuser zeigen das auf dieser Seite in der ASM-Aktie gesehene Kurspotential:

  • Cantor Fitzgerald = 4,25 Dollar
  • Roth Capital = 4,75 Dollar
  • Noble Capital = 2,50 Dollar
  • Rodman Renshaw = 4,00 Dollar

 

—————————————————-

** meine neue Zeitrechnung —— 80 Tage nach der Amtseinführung von  Donald John Trump

 

CEO-Talk  mit Hernán Scapusio Vinent von Agile Content

Die Zukunft ist digital

Als Gründer des spanischen Software-Unternehmens Agile Content hat Hernán Scapusio Vinent einen engen Bezug nicht nur zum Fußball und zu seinem Lieblingsclub FC Barcelona, sondern vor allem auch zur Schnittstelle zwischen Medien und Digitalisierung – und damit zum Wachstumsmarkt „big data“. Zwei sich aktuell verstärkende Trends spielen Agile Content für die Zukunft in die Hände: Das ist zum einen On-demand-TV – also Fernsehen und Video auf Abruf – und das sind zum anderen personalisierte TV- und Video-Inhalte.

Im Abflug von Madrid in Richtung Stuttgart.                                                                                                                                                                                        Foto: Udo Rettberg

Auf dieser spannenden Ebene zwischen Medienfirmen und Telekommunikations-Unternehmen ist Agile Content mit eigenen Software-Anwendungen und ausgeklügelter IP (Intellectual Property) aktiv. Auf dieses geistige Eigentum baut das spanische Unternehmen in diesem wachsenden Markt  maßgeschneiderter Medien-Inhalte, der nach Hernáns Angaben eine Größenordnung von rund 2 Mrd. € weltweit aufweist. Bevor ich aber mit Hernán auf das weltbewegende Thema „big data“ komme, blicken wir kurz zurück auf das, was andere eine „Weltsensation“ nannten.

„Ja, ich bin wahnsinnig stolz und glücklich“, erklärt Hernán freudestrahlend. Außenstehende können diesen Gefühlsausbruch wahrscheinlich erst dann verstehen, wenn sie wissen, dass Hernán aus Barcelona kommt und unser Treffen hier in Frankfurt am Morgen nach dem 6:1 Kantersieg des FC Barcelona gegen PSG – Paris St Germain stattfindet. Klar – Hernán ist Fan von Messi & Co. Er hat das Spiel seines Clubs am Vorabend am TV-Gerät in der Mainmetropole verfolgt – live natürlich und mit allem in der Ära der Digitalisierung über TV verfügbaren Schnickschnack. Ich will allerdings die Freude meines Gegenübers nicht schmälern. Daher spreche ich ihn nicht darauf an, dass einige Schiedsrichter-Entscheidungen an diesem Abend aus meiner Sicht „unglücklich“ zu sein schienen. Wieder einmal wurde bei diesem grandiosen Spiel am Vorabend meine Ansicht vom „Lügenspiel Fußball“ bestätigt. Obwohl – zugegeben – auch ich bin seit vielen Jahren nach zahlreichen Besuchen im weltberühmten Fußballstadion Camp Nou in Barcelona ein Barca-Fan.

Zurück zu Agile Content: TV- und Video-In- halte werde immer stärker maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der Zuschauer abgestellt.  „All das wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken und sich zu einem Massenmarkt entwickeln“, ist der Agile-Gründer sicher. Ich denke dabei an meine Überzeugung, dass die Menschen im Zeitalter der „roboterisierten Arbeitswelt“ von morgen immer mehr Zeit für die (dann sicherlich nicht immer sinnvoll vorgenommene) Ausgestaltung ihrer Freizeit haben werden. Sport, Entertainment und möglicherweise auch Kunst und Kultur werden nach meiner Überzeugung in den kommenden Dekaden bei den Menschen daher an Bedeutung gewinnen – genauso wie Computerspiele und das Thema eSports. Dann nämlich, wenn die Menschen nur noch vier oder gar zwei Tage in der Woche arbeiten, wie manche Fachleute (darunter auch der mexikanische Milliardär Carlos Slim Helú) erwarten. Kein Zweifel: Die Welt hat sich während der vergangenen Dekade verändert. Und dieser Prozess wird voraussichtlich noch an Tempo gewinnen. Arbeiten könnte für die Menschheit zum „Luxus“ werden  und nur noch die „geistigen Eliten“ vorbehalten sein,

 

Bildschirme hier, Bildschirme da – Information ist alles. Die Welt wird digital.                                                                                                Foto: Udo Rettberg

Viele Menschen werden heute in der „Ära des Wahnsinns“ zur Verzweiflung getrieben. Und zwar nicht nur dadurch, dass DonJohn Trump von Washington aus inzwischen die Geschicke der USA aus Sicht der meisten Menschen mehr schlecht als recht leitet. Viele  haben ihre Wohlfühl-Kuschelecke auch unter anderem deshalb verlassen müssen,  weil neue Technologien die Welt dramatisch verändern,

1 weil der „Kollege Roboter“ die Arbeitswelt der Menschen und den Faktor Arbeit revolutioniert und möglicherweise auf Sicht völlig obsolet macht,

2 weil  Drohnen den Transport von Gütern und Menschen übernehmen,

3 weil Kommunikation in der Wirtschaft kaum mehr von Auge zu Auge, sondern durch innovativste elektronische Geräte völlig losgelöst vom direkten menschlichen Kontakt in der Cloud stattfindet und

4 weil die Digitalisierung im Allgemeinen ein komplexes Verständnis und entsprechendes Handeln erfordert.

Auch der Fakt, dass Automobile heute ohne Fahrer auf den Straßen der Welt unterwegs sind und so möglicherweise die Unfallzahlen sinken werden, zeigt nicht nur die veränderte Situation, sondern auch die daraus resultierenden großen Gefahren. So müssen viele Menschen möglicherweise irgendwann  erkennen, dass sie eigentlich völlig überflüssig auf dieser Welt sind. In Zukunft werden wohl eher Spezialisten und gut ausgebildete Fachleute gefragt – die Lücke zwischen klug und dumm sowie zwischen arm und reich wird möglicherweise noch größer.

Nun: Hernáns unternehmerischer Ansatz geht nicht ganz so weit. Auf alle Fälle ist der Spanier völlig  überzeugt davon, dass  „sich die Medienwelt und die Kommunikation von morgen dramatisch verändern werden.“  Das erfordert eine hohe Flexibilität auf Seiten der Menschen.

Auf dem vielschichtigen TV- und Video- Wachstumsmarkt der Zukunft will Agile Content als europäisches Software-Unternehmen mitmischen. Dabei zielt ein Teil des Geschäftsmodells darauf ab, mit Medien- und Telekom-Unternehmen gemeinsam generierte Umsätze zu teilen. Vor dem Ende dieses Jahrzehnts wird der Bereich Online-TV wohl das normale herkömmliche TV-Angebot übertreffen  – das wird die Verbreitung maßgeschneiderter TV- und Video-Inhalte (und damit selbstverständlich auch der in die Prozesse eingebundenen lukrativen Werbung) auf unterschiedlichen technischen Geräten verstärken. Dementsprechend werden sich die Möglichkeiten für alle hier beteiligten Unternehmen drastisch verschieben.

Einige Daten zu Agile Content: Das Unternehmen hat den organischen Umsatz im Zeitraum der Jahre 2012 bis 2015 von rund 2 Mio. € auf 8,3 Mio. € gesteigert. Im Jahr 2016 wurde dann das Unternehmen OTTN übernommen, um weiteres Wachstum generieren zu können. Mit einem Team von 140 Software-Spezialisten in 10 Ländern und Entwicklungszentren in Barcelona, Helsinki sowie Sao Paulo erscheint das Unternehmen gut aufgestellt. Agile Continent will seinen Teil vom wachsenden Kuchen auf diesem Zukunfts- markt abhaben, wie deren CEO erklärt.

Dabei sollen alle Chancen der Internationalisierung trotz der „Trumpschen Anti-Globalisierung –  genutzt werden. Bereits heute generiert das spanische Unternehmen mehr als 70 % seiner Umsätze im Ausland. Große Medien- und Telekomunternehmen sind die wichtigsten Kunden von Agile.  Spaniens Telefonica steht dabei ganz weit vorne.  Die Kundenliste umfasst zudem CNN, Sky, Telmex, Claro, Bloomberg, rtve, Amazon Sat, Grupo RBS und Aftonbladet.  Allerdings muss in diesem Zusammenhang auch festgestellt werden, dass die Zusammenarbeit mit großen Kunden nicht ungefährlich ist, sondern Risiken in sich birgt; denn wenn Großkunden „abspringen“, kann sich das negativ auf die Zahlenwerke auswirken.

Die Aktie der Spanier ist nach dem IPO im November 2015 an Spaniens Börse in Madrid – und zwar am BME Alternative Market – unter der ISIN: ES0105102000 notiert. Der aktuelle Kurs liegt bei 1,65 €. Die Börsenpläne  sind ehrgeizig; denn Agile Content steht kurz vor der Einführung der Aktie an der Stuttgarter Börse. Im Gespräch lässt der Agile-CEO dann mit Blick auf die globalen Pläne mehr oder weniger beiläufig auch das Wort „Nasdaq“ fallen – quasi als ein „Börsen-Fernziel“ für sein Unternehmen. Um die hochgesteckten Wachstumsziele erreichen zu können, will Hernán Scapusio frisches Eigen- oder Fremd- kapital einsammeln. Das Unternehmen verfügt bereits heute über eine interessante internationale Aktionärsstruktur, darunter befinden sich auch zahlreiche finanzstarke mexikanische Anteilseigner. So zählen die Salinas Group, die Catalan Bank und Fides zu den Großaktionären. Das Management ist im Besitz von mehr als 30 % der Aktien.

Udo Rettberg, Frankfurt

Event Reports

CEO-Talk

Auf dem Chefsessel: MARTIN SIEGEL

„Alle Jahre wieder …….“, begrüßt mich Martin Siegel an diesem sonnigen Februar-Tag im Cafe Augenblick in der Mainzer Landstraße inmitten des Fi- nanzzentrums Frankfurt. Man kennt sich seit vielen Jahren, hat Höhen und Tiefen der Edelmetallmärkte über einen langen Zeitraum hinweg verfolgt und kommentiert. Heute strahlt Martin Siegel auch deshalb, weil der von ihm betreute Investmentfonds Stabilitas Pacific Gold+Metals wieder eine positive Wertentwicklung aufweist. Sein Goldpreis-Ziel liegt bei 1800 $ je Feinunze.

Das große Rad

Die Gold-Fanatiker drehen am „großen Rad“.                                                                                                                                                                                     Foto: Udo Rettberg

Gold ist wieder „in“ – Gold erstrahlt in neuem Glanz. Für das globale Gold-Business ist vor allem der Wert des US-Dollars von enormer Bedeutung. Vor allem nicht-amerikanische Goldproduzenten z.B. aus Australien, Kanada, Südafrika und anderen Ländern der Welt müssen den Wert des Greenback stets aufmerksam im Auge behalten. Grund: Die Kosten dieser Nicht-US-Produzenten fallen in der Regel in der jeweiligen Heimatwährung an, während die Erlöse beim Verkauf des Goldes dagegen in US-Dollar verbucht werden. Das kann positive, aber auch negative Auswirkungen auf die Bilanz haben. In den vergangenen Monaten spielte der starke Dollar zum Beispiel australischen, südafrikanischen und mit Abstrichen auch kanadischen Goldproduzenten voll in die Karten.

Siegel begründet seinen Erfolg unter anderem mit seinem frühen Gespür für die Situation. „Vor einigen Monaten waren in den Aktien australischer Goldminen riesige Umsätze festzustellen“, so seine Erklärung. Das sei der Zeitpunkt gewesen, zu dem große Player der Finanzszene (z.B. Hedge Funds und Investmentfonds) in die soliden Goldminen eingestiegen seien. Seither ist hier ein starker Kursanstieg festzustellen, wenngleich die meisten Goldaktien noch immer sehr deutlich unter den Rekordhochs aus den Jahren 2011 und 2012 notieren.


Stabilitas-Fonds

Die in Bad Salzuflen beheimatete Stabilitas GmbH ist Anbieter von vier auf Edelmetalle spezialisierte Investmentfonds mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten: 1 – Pacific Gold + Metals, 2 – Silber + Weißmetalle, 3 – Gold + Resourcen, 4 – Special Situations. Das Unternehmen wurde im Jahr 2005 unter dem Namen ERA Resources gegründet. Das verwaltete Vermögen (Assets under Management) liegt bei rund 50,5 Mio. €. Stabilitas kann auf das Fachwissen eines breit gefächerten Netzwerks von Geologen, Geophysikern, Rohstoff-Analysten und Investment Professionals im In- und Ausland zurückgreifen. Der Fokus der von Martin Siegel geführten Fondsgesellschaft liegt bei Aktien mittelgroßer Edelmetallproduzenten mit soliden Dividendenzahlungen in politisch stabilen Regionen.


Wie aber geht es weiter? „Die Finanzkrise wird wieder aufbrechen“, ist Siegel von einem anhaltend nervösen geopolitischen und globalökonomischen Umfeld überzeugt. Er verweist in diesem Kontext unter anderem auf die bedenklichen Bilanz-Kennzahlen der Geschäftsbanken sowie die extrem ausgeweiteten Bilanzen der Notenbanken. Auch ein Blick auf die massive Ausweitung des Faktors Kredit – unter anderem zu erkennen an der immensen Steigerung des Volumens von Finanz-Derivaten – lasse den Schluss zu, dass Gold in Zukunft als Anker im globalen Währungssystem eine große Rolle spielen werde.

Klar, das von den Regierungen verursachte explosive geopolitische Umfeld spricht eindeutig für die Anlageklasse Edelmetalle, allen voran für Gold. Pro Gold wirken darüber hinaus auch die irrsinnigen Pläne von Regierungen zur Abschaffung des Bargeldes. „All das hat kaum ökonomischen Sinn, sondern dient vor allem der allgemeinen Kontrolle der Menschen“, sagt Siegel und zieht angesichts der anti-demokratischen Pläne der „Bigones“ und „Extriches“ und deren Handlanger. seine Stirn in Falten. Unter den Breiffen „Bigones“ und „Extriches“ sind die Superreichen dieser Welt zu subsummieren. Regierungen wollten in diesem Kontext darüber hinaus Zugriff auf die Sparvermögen der Bürger erhalten.

Ziel dieser Politik sei es unter anderem, dass Bürger im Umfeld der von Notenbanken kreierten Nullzinsen bzw. Negativzinsen ihr Geld nicht mehr länger sparen, sondern ausgeben und auf diese Weise dann die Konjunktur antreiben. Dadurch werden gleichzeitig die seit Monaten fehlenden inflationären Impulse kreiert. Eine Inflationierung der Wirtschaft und der Vermögenswerte reduziert (zumindest optisch) darüber hinaus den globale Schuldenberg.

Gold ist für den Experten auch unter fundamentalen Aspekten sehr interessant. „Ja, die durchschnittlichen Produktionskosten der Goldminen dürften weltweit zwischen 1050 und 1100 $ je Feinunze liegen“, beantwortet Siegel meine entsprechende Frage. Man müsse indes bedenken, dass diese Zahl zahlreiche langfristig wirkende Kostenfaktoren in der Goldproduktion nicht berücksichtigt. Der faire Goldpreis liegt nach Meinung von Stabilitas bei rund 1800 $ je Feinunze. Basis von Siegels Prognose ist das globale Goldangebot aus der Primärproduktion von Goldminen zuzüglich des wiedergewonnene (recycelten) Goldes.

„Jeder sollte sich darauf einstellen, dass die Minenproduktion in Zukunft teurer wird“, so Siegel. Der Experte findet gute Gründe für seine Prognose: „Es wird für die Produzenten künftig wesentlich aufwändiger, Gold aus dem Boden zu holen“, sagt er. Hier muss auch Berücksichtigung finden, dass die Abschreibungen steigen und die Erzgehalte bestehender und neu entdeckter Vorkommmen wohl sinken werden. Auch die Ausgaben für die Edelmetall-Exploration dürften wohl nur eine Richtung kennen – nämlich nach oben. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die zuletzt extrem schwachen Energiepreise in den kommenden Jahren wieder steigen werden.

Und last but not least sei auch von der ökologischen Seite her mit höheren Produktionkosten zu rechnen. Wenn die langfiristig zu erwartende Nachfrage nach Gold durch ein entsprechendes Angebot gedeckt werden solle, sei zumindest das genannte Preisniveau von 1800 $ je Feinunze notwendig. „Und daher dürfte der von uns errechnete Gleichgewichtspreis von 1800 $ je Feinunze auf mittlere Sicht deutlich übertroffen werden“ so Martin Siegel, der mit einem anhaltend breiten Kapitalzustrom in Gold rechnet.

Es ist seit langem bekannt, dass es bei Gold überzogene Preisbewegungen nach oben und unten gibt. So wie ich beim Preis von 1900 $ je Feinunze vor rund viereinhalb Jahren einen Verfall des Goldpreises auf zumindest 1400 $ je und in der üblichen Übertreibungsphase dann bis auf 1200 $ prognostiziert hatte, so verweist auch Siegel heute auf die unverkennbaren psychologischen Einflüsse an den Edelmetallmärkten.

„Haussen und Baissen enden bekanntermaßen sehr oft in exzessiven Übertreibungen – und das nicht nur bei Gold und den anderen Edelmetallen“, erklärt der Fondsmanager aus Bad Salzuflen, der solche Exzesse auch bei Gold & Co erwartet. „Gold – das ist allseits bekannt – ist ein sehr emotionales Investment“, gibt Siegel seine Erfahrungen wieder und weigert sich dann allerdings auch, konkrete Preisziele für das gelbe Metall während der kommenden fünf oder zehn Jahre zu nennen.

„Welche Asset Allocation bietet sich heute für private Anleger an“, will ich von Martin Siegel wissen. Wie also sollten sich Anleger an den Kapitalmärkten in der aktuell wirren Welt positionieren, die gut situiert bereits über Immobilien wie z.B. eine selbstgenutzte Eigentumswohnung oder ein Haus verfügen und darüber hinaus ein gesichertes laufendes Einkommmen erzielen? Siegels Antwort mag überraschen, zeigt jedoch den generellen Optimismus des Experten für die Edelmetallmärkte: Gold 30 %, Goldaktien 20 %, Silber 10 %, Silberaktien 10 %. Industrieaktien 20 % und Bargeld 10 %.

Martin Siegel

Martin Siegel

Technology and Growth

CEO-TALK mit Torsten Caspar

Machtfaktor Wissen

Bücher

                                                                                                                                                 Das in Büchern steckende Wissen muss besser genutzt werden. Foto: Udo Rettberg

„Wissen ist Macht“, hat der englische Philosoph Francis Bacon bereits vor rund 400 Jahren erkannt. Menschen über eine bessere Bildung auf ein höheres Level des Daseins zu führen, sie also zu besser zivilisierten und humanen Geschöpfen zu machen, ist Ziel des allgemeinen Wissenstransfers. Denn nur wer weiß, kann vorangehen, kann mitreden, kann verstehen, kann Verantwortung übernehmen und andere führen. Die Voraussetzungen für eine globale Verbreitung des Faktors Wissen haben sich seit dem Tode von Francis Bacon im Jahr 1626 über die Jahrhunderte hinweg deutlich verbessert. So macht z.B. das Internet den Wissens-Transfer zu einer reinen Willenssache, also zu einer Fleißaufgabe.

Und in der Tat: Im Zeitalter der Digitalisierung ist die Übermittlung von Wissen nur eine Frage des menschlichen Willens und Eifers. Der Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, wird zwar für die Menschheit auch in Zukunft gelten. Doch ist mögli- cherweise jener Mensch glücklicher und zufriedener, der ein bisschen mehr seines Nichtwissens auslöscht. Die von findigen Frankfurter Geistern entwickelte App www.myzelf.net hilft unter anderem, Wissen und Bildung zu verbreiten. Auch hier heißt es: „For knowledge itself is power“. Die entsprechende App kann unter http://goEducate.myzelf.net heruntergeladen werden – und zwar kostenlos.


Udo Rettberg: Wissen ist ein zartes Gut, ja in dieser zerrissenen Zeit für die Menschen möglicherweise sogar das wertvollste aller Güter.  Der Ansatz Ihres Start-ups zielt auf die Verinnerlichung und Verbreitung von Wissen. Schildern Sie uns bitte kurz Ihre Idee.

Torsten Caspar: Wissen ist in unserer Zeit überall und meist kostenlos verfügbar. Doch wie können sich Menschen die Kerngedanken aus hunderten von inspirierenden Büchern und Artikeln, die sie lesen, so einprägen, dass sie auch jederzeit anwendbar sind? Nur durch Anwendung und durch Wiederholung der Inhalte prägen wir uns diese im Langzeitgedächtnis ein. Unsere App „Educate Myzelf“ hilft, Wissen zu verinnerlichen. Wir bringen Gedanken, Ideen und Zitate aus Büchern in die Köpfe Interessierter und machen diese Inhalte damit im Alltag anwendbar.   Mit Hilfe der App werden Inhalte in regelmäßigen Zeitabständen wiederholt und im Kurznachrich- tenformat angezeigt. Die Wiederholung erleichtert somit das dauerhafte Verinnerlichen der Inhalte bzw. des Wissens. Der Nutzer selektiert und priorisiert spielerisch die Gedanken bzw. Inhalte und entscheidet damit, wie oft er einen Gedanken angezeigt bekommen möchte. Diese und andere Funktionen der App bieten ein abwechslungsreiches und effektives Lernerlebnis. Zu Ihrer Frage bezüglich der Verbreitung von Wissen: Jeder kann wichtige Gedanken bzw. Inhalte für sich speichern, eine eigene Gedankensammlung erstellen, diese mit Freunden teilen oder für andere Nutzer sichtbar machen.

UR: Ihre Inititative greift also in die Schnitt- stelle zwischen Autoren und Verlagen ein. Wer sind in diesem Kontext eigentlich ihre Vertragspartner?

TC: Wir sehen uns nicht in der Schnittstelle zwischen Autoren und Verlagen, sondern eher als Marktplatz für strukturierte Wissenszusammen- fassungen, wo jeder Wissen veröffentlichen kann. Autoren und Verlage können die Plattform nutzen, um Lesern eine Ergänzung zum Buch anzubieten. Diese ermöglicht es, den Verinnerlichungsprozess von Kerngedanken und wichtigen Aussagen zu beschleunigen. Beiden Seiten – Autoren und Verlagen – bietet „Educate Myzelf“ eine Möglichkeit, weitere Erträge zu generieren, die Vermarktung der Bücher zu intensivieren und die Leserschaft zu binden.

UR: Inwieweit kann Ihre Idee dazu beitragen, wissenschaftliche Ergebnisse disziplinen-übergreifend zum Wohle von Mensch und Natur umzusetzen? (Was ich damit meine: Forschungsergebnisse im Bereich Biotechnologie können sowohl in der Medizinforschung als auch im Agrarsektor/Nahrungsmittelsektor zur Entwicklung innovativer Produkte führen). Wird aber einer der Forschungs-Ansätze nicht von einem Forschungsbereich in den anderen übertragen, verpufft Wissenspotential. Ich persönlich glaube, dass gerade hier eine der größten Schwäche der Wissenschaften liegt. Inwieweit kann die Myzelf-App hier Hilfe leisten?

TC: Dies ist eine sehr gute Frage. Und in der Tat bestehen mit der „Educate Myzelf“-App enorme Potenziale, Brücken zwischen den verschiedenen Wis- senschaften zu schlagen, die bisher nicht so einfach möglich waren. Bei uns wird Wissen in Form von Gedanken strukturiert und organisiert. Dies bietet die Möglichkeit, „Recherchen“ auch auf Gedankenebene durchzuführen. Denn bei jedem Gedanken bzw. Inhalt kann sowohl der Autor als auch der Nutzer Stichwörter hinzufügen, die – je nach Interessenlage – Filter- und Suchergebnisse mit hoher Relevanz liefern. Aus der Vielzahl der Gedanken, die sich in einer persönlichen Bibliothek auf der App befinden, werden nur die auf die Stichwortsuche passenden Gedanken angezeigt. Damit entfällt die zeitaufwändige Stellensuche zum Beispiel bei Literatur-Recherchen. Und die Verknüpfung von verschiedenartigen Disziplinen wird somit leichter möglich.

UR: Haben Sie bereits Resonanz auf Ihre Idee von Seiten der Autoren und / oder der Verlage erhalten?

TC: Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse haben wir mit Autoren und Verlagen gesprochen und sind auf positives Feedback und großes Interesse gestoßen. Für die Autoren ist es zum Beispiel enorm wichtig, ihre Leserschaft bis zur nächsten Buchveröffentlichung an sich zu binden. Mit unserem Ansatz bleibt der Autor über eine längere Zeit oder permanent beim Leser in Erinnerung. Nicht zu vergessen, dass die Verdienstmöglichkeiten eine bedeutende Einnahmequelle darstellen können, welche die Erlöse aus dem Buchverkauf auch deutlich übersteigen können.

UR: Auf welche Weise wollen Sie potenzielle Nutzer Ihrer App ansprechen?

TC: Wir konzentrieren uns zu allererst darauf, dass unser Produkt für die Nutzer, also für diejenigen, die sich Wissen bzw. Inhalte einprägen wollen, einen echten Mehrwert darstellt und setzen auf Empfehlungseffekte und diverse virale Marketingstrategien. Darüber hinaus bietet „Educate Myzelf“ für jeden kreativen Schreiber (Autor) erhebliche Vorteile: Er kann seine In­halte einstellen und unsere App zur Verbreitung und zum Vertrieb im Kreis seiner Leserschaft nutzen. Auch dies wird zum Nutzerwachstum der Plattform beitragen.

UR: Gibt es Unterstützung von Seiten der Bildungsministerien und anderer Bil- dungs-Einrichtungen wie Schulen, Berufs- akademien und Universitäten?

TC: Bisher haben wir noch keine inten- siven Gespräche mit Bildungsein- richtungen oder Ministerien geführt. Im Rahmen der Frankfurter Buchmes- se haben wir allerdings von einigen ausländischen Bildungsinstitutionen Interessenbekundungen bezüglich Ko-operationsmöglichkeiten erhalten. Wir werden diesen nachgehen und diesen Bildungseinrichtungen individuelle Programme vorstellen.

UR: Die Welt rückt im Cloud-Zeitalter durch die Digitalisierung immer enger zusammen. Kommt das Ihrer Idee entgegen?

TC: Ja klar; denn wir sind ja Teil dieses Prozesses. Wir bringen auf der einen Seite Leser und Autoren zusammen, d.h. ermöglichen eine neue, direkte und in beide Richtungen gehende Kom- munikation. Auf der anderen Seite brin- gen wir Nutzer aus der ganzen Welt da- zu, sich zu einem bestimmten Thema auszutauschen, Wissen zu teilen und neues zu generieren. Wir tragen also aktiv zum Dialog bei.

UR: In welchen Sprachen erfolgt Ihr Auftritt heute – welche Planungen haben Sie in dieser Hinsicht für die Zukunft?

TC: Unsere App und das entsprechende Websystem ist derzeit auf Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch verfügbar. Im Laufe des Jahres werden weitere Sprachen hinzukommen, aber Inhalte können bereits in jeder Sprache erstellt werden.

UR: Ihr Unternehmen ist als GmbH aufgestellt. Wie gut (ausreichend) sind Sie aktuell finanziert?

TC: Die iOS App haben wir bisher aus eigenen Mitteln finanziert und diese ist bereits im AppStore verfügbar. Aktuell führen wir eine Finanzierungsrunde durch, um eine Android Version zu ent- wickeln und die globale Vermarktung voranzutreiben.

UR: Streben Sie mit Ihrer Erfahrung aus dem Finanzwesen nach dem Vorbild großer Social-Media-Firmen die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und die Kapitalbeschaffung über die Börse an?

TC: Unabhängig von der aktuellen Ge- sellschaftsform sind wir durch unser Team und die damit verbundene Erfahrung sehr gut für alle Situationen in unserer künftigen Geschäftsentwicklung aufgestellt, um alle notwendigen Maßnahmen durchzusetzen. Schritte, wie die Umwandlung einer Gesellschaftsform oder ein Börsengang, werden zum gegebenen Zeitpunkt situativ entschieden. Wir fokussieren uns aktuell auf die Entwicklung eines hervorragenden Produktes und damit eine hohe Zufriedenheit bei den Nutzern.

UR: Sie sind mit Sicherheit keine Wohltätigkeits-Organisation  – wie verdienen Sie eigentlich Geld? Welche Wege beschreiten Sie (App-Nutzungsgebühr, Werbung der Verlage, Werbung der Außenstehenden etc)?

TC: Die App „Educate Myzelf“ ist kostenlos verfügbar. Jeder kann seine Gedanken bzw. Inhalte von Büchern unlimitiert und kostenlos speichern, organisieren und die App zum Verinnerlichen nutzen. Unser Business Modell: wenn Nutzer (Autoren) ihre Inhalte kostenpflichtig veröffentlichen, erhalten sie 70 Prozent der Erlöse. Die verbleibenden 30 Prozent sind unsere Nutzungsgebühr. Darüber hinaus wird es später noch Premium Features geben. Hierbei erhalten die Autoren die Möglichkeit, detaillierte Statistiken zu ihren Veröffentlichungen zu bekommen, die aufzeigen, welche Passagen oder Gedanken ihres Buches von Nutzern wie bewertet wurden.

UR: Kann Ihre Idee die Keimzelle zur Gründung einer neuen Verlagsgesellschaft sein – oder würde das Ihre Geschäftsidee konterkarieren?

TC: Wir bieten eine Infrastruktur, die Autoren mit Lesern verbindet. Damit treiben wir die Demokratisierung des Veröffentlichungsprozesses weiter voran, denn jeder kann heute schon relativ günstig Bücher veröffentlichen (Stichwort eBook). Autoren haben neben der Möglichkeit, Geld zu verdie- nen, zusätzlich die Chance, ihren Lesern dabei zu helfen, dieses Wissen schneller und einfacher zu verinnerlichen und im Alltag anzuwenden. Es gibt so viele brillante Bücher, die den „Regaltod“ sterben: Einmal gelesen und für immer vergessen. Mit unserer App „Educate Myzelf“ aber werden Inhalte lebendig. Anfang Februar 2016


Torsten Caspar

Torsten Caspar ist Geschäftsführer der Educate Myzelf.net GmbH in Frankfurt am Main

 

 


Irma Sedlo

COO Irma Sedlo ist Mitglied des Teams von Myzelf.net

 

 

Bildung in Frankfurt

Mehr Bildung in Frankfurt – Eine Steilvorlage für Myzelf.net Foto: Udo Rettberg

Event Reports

PRO-TALK mit David A Semple

Der Hassfaktor

„Anleger sollten jetzt Investments favorisieren, die von anderen gehasst werden“, gibt David A. Semple einen grundsätzlichen Rat. Das gelte gerade heute. Der beim Fondshaus Van Eck Global für internationale Aktien zuständige Experte sieht inter- essante Einstiegschancen bei Schwellenländern und Rohstoffen – also bei Invest- ments, die derzeit stark gemieden werden. Für Börsianer sei dies ein guter Zeit- punkt, auf die Seite der „Contrarians“ zu wechseln und den Hassfaktor zu nutzen.

„Man kann die Kohle in der Luft praktisch riechen“,

„Man kann die Kohle in der Luft praktisch riechen“, sagt David A Semple, wenn er über die Umwelt-Verschmutzung als eine der größten Risiken für Chinas Wirtschaftsaufschwung spricht. Foto: Udo Rettberg

Emerging Markets zählten in den vergangenen Monaten zu den großen Verlierern im Konzert der Weltbörsen. Schwache Rohstoffpreise waren der entscheidende Faktor für die Baisse der Schwellenländer-Börsen. Fakt ist, dass die Emerging Markets (EmMa) in den vergangenen beiden Jahren unter starken Kapitalabflüssen litten und die Positionierung von Anlegern in der Peripherie der Weltbörsen inzwischen auf das niedrigste Niveau seit dem Jahr 2001 abgesackt ist.

„Rund 75 % des in den Jahren zuvor massiv in die Emergings-Markets geflossenen Kapitals ist inzwischen wieder abgezogen worden“, so Semple. Doch jetzt setzt weltweit offensichtlich ein Umdenken ein, weil mutige Anleger auf den „Hassfaktor“ setzen, auf die Seite der Contrarians wechseln und auf Schnäppchenjagd gehen. Das ist auch daran ersichtlich, dass Die EmMa-Fonds von Van Eck Global zuletzt wieder einen Kapitalzufluss verzeichneten. Die New Yorker Kapitalanlagegesellschaft verwaltet in zahlreichen Fondsprodukten insgesamt etwas mehr als 25 Mrd. Dollar, wovon rund 5,5 Mrd. $ auf Schwellenländer-Fonds entfallen.

Bei der Frage nach dem Wahrheitsgehalt der in den westlichen Industrieländern über die VR China verbreiteten „Angstmeldungen“ lächelt der Experte. „Klar, rund um das Thema VR China gibt es derzeit eine Menge Stories“, sagt Semple, der allerdings die von vielen anderen Fachleuten geäußerten Sorgen nicht unbedingt teilt. Man müsse verstehen, dass China noch immer eine „weitgehend geschlossene und staatliche gesteuerte Gebilde“ ist. Beim Thema Kapitalausfluss aus China müsse zudem berücksichtig werden, dass hier Carry Trades eine große Rolle gespielt haben.


Was sind eigentlich CCT – Currency Carry Trades

Currency Carry Trades sind bei großen spekulativ orientierten institutionellen Investoren (wie Hedge Funds) eine beliebte Strategie – mit allerdings nicht unerheblichem Risiko. Dabei geht es darum, dass sich mutige (spekulativ orientierte) Anleger in einer Niedrigzins-Währung über die Aufnahme von Krediten verschulden und sie diese Kreditgelder dann in Anleihen höher rentierender Währungen investieren. Im Falle von China wurden Kredite mit niedrigen Zinsen im US-Dollar aufgenommen und die Kreditsummen wurden dann z.B. in Yuan-Staatsanleihen investiert. Solche Anlegergruppen setzen darauf, dass bei Rückzahlung des Kredits die höheren Zinseinkünfte noch einen Gewinn der Gesamt-Transaktionen ermöglichen. Risiken liegen in der unvorteilhaften Veränderung der dem Geschäft zugrundeliegenden Devisenkurse.


Das Ende dieser Carry Trades sei mit Blick auf den chinesischen Markt und die dortige Währung Renminbi / Yuan allerdings absehbar. Im „Pro-Talk“ fährt David Semple dann ein starkes Geschütz auf: „Was George Soros mit Blick auf China-Investments rät, ist kompletter Unsinn“, so Semple. „Denn die Regierung und die kommunistische Partei in Peking kontrollieren das Finanzsystem und die politischen System nach wie vor“, warnt der aus dem schottischen Glasgow stammende Finanz-Fachmann.

„Klar, die Märkte hassen es, wenn die angebliche Sicherheit erst einmal verschwindet.“ Wer allerdings die von George Soros für China empfohlene Anlagestrategie wähle, werde sich dort über kurz oder lang eine blutige Nase holen. So schlecht könne China nun wirklich nicht sein; denn im vergangenen Jahr seien Chinas-A-Aktien ironischerweise eine der wenigen Investments mit Kurszuwachs gewesen. Als Positivfaktor sei die massive Bekämpfung der Korruption in der VR China zu sehen, nennt der Fan des Fußballclubs der Glasgow Rangers einen wichtigen Punkt.

Viel zu wenig werde in der Welt auch beachtet, dass die Sparquote in der VR China zuletzt neue Rekordhöhen erreicht habe und auf ein Niveau gestiegen sei, dass Europa und die USA gemeinsam bei weitem nicht vorzuweisen haben. Die Bank of China suche gemeinsam mit der Regierung nach Lösungen, diese Spargelder in den Konsum fließen zu lassen. Da durch massive Investitionen in Produktionsanlagen in den vergangenen Jahren massive Überkapazitäten (z.B. bei Stahl und im Maschinenbau) entstanden sind, sollten die Gelder in den Konsum und in den Dienstleistunsgbereiche fließen.

Der Van-Eck-Experte glaubt, dass es in China in den nächsten Wochen und Monaten zu massiven Investments der Verbraucher in die Bereiche Gesundheitswesen, Bildung und auch in den Umweltschutz kommen wird. „Die Chinesen haben die in dieser Hinsicht in ihrem Land bestehenden Schwächen erkannt und werden sie wohl abzustellen versuchen“, so die Aussage. Weitere massive Steigerungen sind auf Sicht auch im Tourismus zu erwarten, der im Jahresvergleich ein Plus von 41 % verzeichnet hat.

Semple outet sich im Gespräch als Konjunktur-Optimist. Größere Wachstumsraten erwartet auch er allerdings nicht – allerdings auch nicht den von mir erwarteten Rutsch in die Rezession oder gar in die Depression. Nein, er gehe nicht davon aus, dass die Zinsen in diesem Jahr nach der ersten Zinsanhebung der Fed wieder sinken. Möglich sei allerdings, dass es im März nicht zu einer weiteren US-Zinsanhebung kommen werde. Die Fed könne mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaftallerdings auch nicht daran gelegen sein, dass der Dollar.


Rot oder Schwarz?
Die Antwort ist eindeutig: Geliebtes Gold

Uwe Eberle, den geschäftsführenden Direktor von Van Eck Switzerland AG mit Sitz in Pfäffikon, kenne ich nunmehr seit fast 20 Jahren. Seit längerem hat mir Uwe in regelmäßigen Abständen Gespräche mit interessanten Fondsmanagern seines in New York beheimateten Arbeitgebers vermittetlt. In diesem Jahr hat er David A. Semple zu einer Europa-Tournee eingeladen. „Rot oder schwarz“, hat mich Uwe vor unserem Treffen in Frankfurt gefragt. Die Frage, das war mir sofort klar, bezog sich auf das jüngste Modell aus der Kollektion von „Van-Eck-Krawatten“ .

Das Finanzhaus macht sich seit Jahrzehnten einen Gag daraus, limitierte Krawatten-Modelle zu besonderen Anlässen der globalen Finanzszene kreieren zu lassen. Nachdem man vor Jahren von Modeschöpfern in New York eine „Helicopter-Krawatte“ mit dem Konterfei von Ben Bernanke und in der Folge dann eine „Täubchen-Krawatte“ mit der Erscheinung von Bernankes Nachfolgerin Janet Yellen kreieren ließ, war in der jetzigen Situation viel Phantasie gefragt. Die kreativen Geister von Van Eck Global sahen sich in diesem Jahr veranlasst, eine „Gold-Bullen-Krawatte“ gestalten und herstellen zu lassen. Das lässt wohl aus Sicht der Fondsgesellschaft darauf schließen: Anleger sollten Gold zumindest nicht aus dem Auge verlieren.


Für Freunde des Sammelns

Für Freunde des Sammelns: Gold-Bullen Krawatte von VanEck Global.                                                                                                                           Foto: Udo Rettberg

Auf dem Chefsessel: WILLIAM A. COOPER

NYSE

Graue Eminenzen: William A Cooper und die New York Stock Exchange (NYSE).                                                                                                             Foto: Udo Rettberg

Graue Eminenz

Wer in diesen Tagen zur anstehenden Jahreswende durch das amerikanische Städtchen Wayzata schlendert, sollte keine allzu großen Erwartungen hegen. Der kleine Ort im US-Bundesstaat Min- nesota zählt trotz seiner enormen öko- nomischen Bedeutung für die gesamte Region gerade einmal 3700 Einwohner. Diese bereiten sich auf die heiße ro- mantische Weihnachts-Phase vor und auf die anstehende Neujahrsfeier. Hier- von zeugen unzählige bunte Weih- nachtsbäume mit tausenden blinken- der Elektrokerzen. Die Voraussetzun- gen für das Friedensfest scheinen ideal. Dies auch, weil die Temperaturen hier in Wayzata seit geraumer Zeit unter die Null-Grad-Grenze bis auf zuletzt minus 10 Grad gefallen sind.

Nach dem wilden Schneegestöber der vergangenen Tage tänzeln heute noch immer einige vereinzelte Schneeflok- ken vom Himmel. Die weiße Pracht bil- det das ideale Bild für den auch von Amerikanern traditionell gepflegten und leidenschaftlich besungenen Traum von der weißen Weihnacht. Ein ganz normales Szenario also, wie man es in der Vorweihnachtszeit in zahlreichen westlichen Städten vorfindet. Und so scheint Langeweile der Normalzustand Doch beim Namen Wayzata werden ge- rade Agrar- und Finanz-Fachleute hell- wach.

In der rund 150 Jahre alten Stadt ziem- lich in der Mitte der USA haben nicht nur der weltweit bekannte Agrarriese Cargill, sondern auch die Regionalbank TCF Financial Corp ihren Firmensitz. An der Spitze der Regionalbank steht William A. Cooper – und das seit vielen Jahren. Cooper gilt nicht nur in der Fi- nanzszene des US-Bundestaates Minne- sota als eine Art „graue Eminenz“, son-dern hat sich auch darüber hinaus ei- nen Namen gemacht. Er war nach sei- nem an der Wayne State University in Detroit abgelegten Bachelor-Abschluss in Buchhaltung, Ökonomie und Finan- zen zunächst als Revisor tätig und hat- te sich hier das Rüstzeug für die recht schwierigen Aufgaben im Banking ge- holt.

 

WILLIAM A. COOPER

William A Cooper – Vorstandschef und Chairman der TCF Financial Corp. – ein Urgestein der US-Bankenszene.                                                                         Foto: TCF

Die Bankholding TCF Financial Corpo- ration verfügt über Assets in Höhe von rund 20,1 Mrd. $ und ist durch 375 Filialen in mehreren US-Bundesstaaten (nämlich in Arizon, Colorado, Indi- ana, Illinois, Michigan, Minnesota, South Dakota und in Wisconsin) ver- treten. Zudem deckt der Finanzkonzern auch die Bankbereiche Leasing und andere Finanzierungsformen ab. Ins- gesamt beschäftigt TCF Financial rund 8000 Mitarbeiter – einige hundert hiervon arbeiten vom Stammsitz hier in Wayzata aus.

Der inzwischen 72jährige in Detroit geborene Banker hat feste Wurzeln zur TCF Financial Corporation; denn hier war er bereits im Zeitraum von 1985 bis 2005 als Vorstandschef und im Jahr 1987 kurzzeitig auch als Chairman of the Board tätig, so dass sie ihn im Her- zen Minnesotas wohlwollend als „TCF-Urgestein“ bezeichnen. Er hat den Fi- nanzkonzern maßgeblich geprägt, hat die Bank in schwierigen Jahren mehr- mals aus dem Sumpf gezogen. Zum ersten Mal während der unter dem Namen Savings & Loans-Crisis in den USA bekannt gewordenen chaotischen Situation rund um die Jahre 1984 bis 1986. Nachdem er die seinerzeit be- drohliche Lage mit Problemkrediten gelöst und die Bank damit auf einen soliden Überlebens-Kurs zurückgeführt hatte, glaubte er im Jahr 2006 „in Ren- te gehen“ zu können. Aber rasch wurde klar, dass sich Coooper geirrt haben sollte.  

Denn als sie später im Jahr 2008 inmit- ten der schlimmsten globalen Finanz- krise seit mehr als 80 Jahren bei „sei- ner Bank“ eine starke Hand und einen visionären Geist brauchten, erinnerten sich die Gremien des Instituts an Willi- am A. Cooper, den sie allgemein hier „Bill“ nennen. Sie beriefen ihn erneut zum Vorstandschef. Kritiker sagen, er habe sich seinerzeit für diesen Job selbst wieder ins Spiel gebracht, weil er noch über exzellente Kontakte ver- fügte. Doch nach sieben weiteren Jah- ren an der Spitze der Bank reicht es ihm jetzt offensichtlich. Im Januar des Jahres 2016 soll jetzt Schluss sein – endgültig. Zum zweiten Mal wird er dann den Posten des TCF-Vorstands- chefs verlassen.

Seine Mitarbeiter sind des Lobes voll über seine Manager-Leistungen und seine menschlichen Fähigkeiten. Sie weisen bei dieser Beurteilung vor allem auf seine Weitsicht bei geschäftlichen Entscheidungen hin. „Bill hat einen sehr guten Riecher für neue Nischen-Geschäfte – wie zuletzt im Bereich Specialty-Finance“, sagen einige seiner Kollegen in Wayzata und Minnesota.

Dass er im Jahr 2011 ein sich mit Au- tokrediten beschäftigendes Unterneh- men erwarb, ist nur einer von mehreren sich heute positiv auf die Bilanz der Bank auswirkenden Deals. „Von seinem Büro in der obersten Etage des TCF-Bankgebäudes hat man einen wunder- baren Blick auf den smaragd-blauen Lake Minnetonka“, berichtet einer sei- ner Freunde, der gerade aus den oberen Etagen der Bank auf den Weg zum Mittagessen ist. In diesem Kontext er- innert ein anderer Bankmitarbeiter an einen der Leitsätze Coopers: „Du darfst keine Angst haben“. Das ist ein Motto, dem Cooper in der Vergangenheit oft gefolgt ist und auch heute noch immer folgt. Der Bank-Chef hatte auch keine Angst während der aktuell noch immer nachwirkenden Finanzkrise, in der so manche Bank in den USA schlingerte und vom Kurs abzukommen drohte.

 „Ja, so ist er, unser Commander Bill“, sagt ein Mitarbeiter der Bank voller Hochachtung beim anschließenden Es- sen in einem traditionellen Midwest-Restaurant. Cooper war auch dann nicht ängstlich, als es darum ging, die eigene Position gegenüber den US-Auf- sichtsbehörden durchzusetzen und zu- erst die Interessen der Bank vertreten zu sehen. Einmal hatte er als Bank-CEO sogar eine Klage gegen die Aufsichts- behörden eingereicht, diese später aber wieder zurückgezogen. „Er hat mit sei- nem Widerstand gegen unsinnig er-scheinende regulative Vorschriften durch die Kontrollbehörden nicht nur unserer Bank einen großen Dienst er- wiesen, sondern der gesamten Bran- che“, sagt einer seiner langjährigen Kumpels.

 Auch der sprichwörtliche „kleine Mann“ auf der Straße in Wayzata zeigt Respekt und Hochachtung. Denn im Gegensatz zu anderen Bankern hat der Vorstandschef seine eigene Vergan- genheit nicht vergessen. Er hat die generelle Bedeutung und Aufgabe von Banken und vor allem auch das Privat- kundengeschäft von TCF nie aus dem Auge verloren. Für ihn war Banking nie Selbstzweck – immer stand der Kunde im Fokus. Cooper wird mit dieser starken Ausrichtung auf den „Kunden Mensch“ als sehr bodenständig be- schrieben, wie auch sein persönliches Verhältnis zu vielen Kunden zeigt. „Wenn eine Bank eineinhalb Millionen Kunden hat, die jeweils möglicherweise nur 1000 $ in der Bank halten, ist das letztlich auch eine Menge Geld“, erklärt er die Bedeutung der Privatkunden.

 Er gilt als ein Manager der alten Schu- le, der sehr anspruchsvoll aber auch fair ist. Als seine Bank im Jahr 2013 einen Gewinnrückgang aufwies und sich beim „gemeinen Volk“ schließlich Zorn über das hohe Gehalt Coopers breit machte, beruhigte dieser die Lage, in- dem er halt einer Gehaltskürzung zu- stimmte. Rasch schwang die Stim- mung im Lande wieder um, so dass er bald wieder als „Held“ gefeiert wurde.

 Noch spannender als die vergangenen Jahre als knallharter und erfolgreicher Top-Bank mag die frühe Geschichte Coopers sein. Sein Image als „harter Hund“ stammt aus jener Zeit, in der er noch kein Banker war. Im Jahr 1963 hatte sich Cooper als Polizist in Detroit verdingt. Das war im Übrigen das Jahr, in dem Martin Luther King 100 000 Menschen bei einem friedlichen Marsch durch Detroit geführt hatte. Mit seinem Polizisten-Job verdiente sich Cooper jenes Geld, das er zur Erfüllung seines Banker-Traums brauchte. Sein Vater starb, als Bill gerade einmal 14 Jahre alt war. Das Geld der Mutter reichte für große Sprünge nicht aus. Cooper wollte studieren. Die Bezüge als Polizist setzte er für die Finanzierung des Studiums ein. Nach Studien-Abschluss im Jahr 1967 war er für Touche Ross – Vor- läufer der heute unter Deloitte firmie- renden weltbekannten Wirtschaftsprü- fungsgesellschaft – tätig, bevor er dann im Jahr 1971 als Auditor für die Michi- gan National Bank in Detroit aktiv wurde.

Nach Tätigkeiten für mehrere andere US-Banken wurde er im Jahr 1985 von der damals auf schwachem finanziellen Fundament stehenden Spar- und Dar- lehenskasse Twin City Federal – Vor- gänger der TCF – angeheuert und von dem kapitalschwachem Institut nach kurzer Zeit zum CEO befördert. Der große Durchbruch gelang Cooper und seinem Team im Jahr 1986, als er die Bank dann unter dem Ticker-Symbol TCB an die New York Stock Exchange (NYSE) brachte und auf diese Weise Ei- genkapital in Höhe von 80 Mio. $ be- schaffte. Von da an ging es mit Unter- brechungen stetig aufwärts. Bill Cooper hält inzwischen rund 2 % der TCB-Ak- tien. Wenn er dann in den nächsten Tagen den Posten des CEO bei „seiner Bank“ aufgibt – er bleibt bis zum Jahr 2017 allerdings Chairman des Instituts – will er einen anderen Traum ver- wirklichen: Eine Reise rund um die Welt, wobei das Augenmerk nach Angaben seiner Freunde vor allem dem asiatischen Raum gelten dürfte.

  Udo Rettberg

Sport und Ökonomie

Medien-Hype

Von einem „Hype der ganz besonderen Art“ profitierte in den vergangenen Tagen die Aktie von TCF Financial (TCB.N – 13,25 $) an der New York Stock Exchange. Dass aus- gerechnet das Fehlverhalten eines Footballers Ursache hierfür war, mag überraschen. Wer weiß, dass Football kein Sport, sondern lukratives Business ist, gibt sich gelassen.

 Hintergrund: Odell Beckham jr – Star-Receiver der New York Giants – hatte sich im Spiel der Giants gegen die Carolina Panthers nicht gerade vorbildlich benommen. Er wurde für das nächste Spiel gegen die Minnesota Vikings gesperrt. Dazu muss man wissen, dass TCF Financial einer der „Sponsoren“ der Vikings ist. Das anstehende Spiel der Vikings gegen die Giants wird nämlich im TCF Bank Stadium der University of Minnesota in Minneapolis ausgetragen. Die Vikings nutzen dieses Stadion so lange als ihren Home-Turf, bis die Modernisierung des eigenen Stadions abgeschlossen ist.

Grafik

   Quelle: Barchart

                                                                                                    
Wer die Bedeutung des Sports im allgemeinen und des American Footballs im speziellen kennt, weiß worum es geht. Wer zudem weiß, dass die Medien gerne ihren Fokus auf einzelne Football-Top-Stars wie Odell Beckham richten, wird möglicherweise den Wissenschaftlern der University of Connecticut zustimmen. Diese hatten die vorgenannten Fakten in Verbindung mit dem gigantischen Einfluss der auf Sport fo- kussierten Medien als einen möglichen Einflussfaktor auf die TCB-Aktie bezeichnet. Beckhams Suspendierung und der Medien-Hype um die Entscheidung der NFL lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit stark auf das Spiel in Minnesota. Die Blicke der gesamten Sport-Nation richten sich am Spieltag auf das TCF Bank-Stadion in Minneapolis.

William A Cooper wird das freuen; denn der Name seiner Bank wird an diesem Tag einen neuen Bekanntheitsgrad erlangen. Dass Cooper auf einen Sieg der Vikings hofft, versteht sich wohl von selbst.                                        

  27.12.2015 – Udo Rettberg

Auf dem Chefsessel:

JESPER KOLL

 

 

MARKUS ROSS

 

 

LUTZ BUNGEROTH
RAINER FRITZSCHE

 

 

GIULIO BONIFACIO (Engl.)

 

 

WOLF WIESE